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Stirbt die Menschheit aus?

Klimakrise wird immer apokalyptischer beschrieben

Es ist unwahrscheinlich, dass unsere Zivilisation demnächst endet, aber möglich. Doch diese Möglichkeiten finden noch zu wenig Beachtung.

Die Wahrnehmung des Klimaproblems wandelt sich derzeit rapide. Der Begriff „Klimawandel“ wird zunehmend durch „Klimakrise“ ersetzt und statt „Erwärmung“ wird sich wohl „Klimaüberhitzung“ durchsetzen. Doch ist es angemessen vom Ende unserer Zivilisation oder gar dem Aussterben der Menschheit zu sprechen? Die beiden, derzeit wichtigsten, Klimabewegungen tun genau das. Die Extinction Rebellion trägt das Aussterben schon im Namen und die erste Forderung der Bewegung ist: „Sagt die Wahrheit“ und erklärt einen Notstand. Greta Thunberg von Fridays for Future sagt ebenfalls klar, welche Optionen die Menschheit hat: „Entweder entscheiden wir, unsere Zivilisation zu bewahren oder wir tun es nicht.“ Und an die Führer der Welt gerichtet sagt Thunberg: „Ich will, dass ihr Panik kriegt.“ [1]

Das Blut unserer Kinder. Rebellen der Extinction Rebellion schütten “Blut” vor Downing Street 10 aus. (Foto: Miriam Hauertmann / XR)

Aber gibt es wirklich Grund zur Panik? Schliesslich sagt der Weltklimarat (IPCC), dass die Überhitzung theoretisch noch bei 1,5 Grad gestoppt werden kann. Die IPCC-Berichte gelten als „Goldstandard“ der Klimawissenschaften, weil sie die Erkenntnisse aus Tausenden Studien zusammenfassen. Doch die Berichte werden auch kritisiert etwa wegen ihrer Sprache. Der frühere Chef des Potsdam-Instituts und IPCC-Autor Hans Joachim Schellhnuber sagt über IPCC-Autoren: Unter ihnen habe sich ein Trend entwickelt, „auf der Seite mit dem geringsten Drama zu irren“. [2] Sie stellen die Situation also besser dar als sie ist, um nicht alarmistisch zu klingen. Zudem geht der IPCC davon aus, dass sich die Erwärmung linear fortsetzt. Viele Computermodelle des Klimas zeigen aber, dass sich die Erwärmung beschleunigt. [3] Der Unterschied: Statt erst 2040 wird die 1,5-Grad-Schwelle bereits im Jahr 2030 erreicht (siehe Grafik). Zudem berücksichtigt der IPCC Rückkoppelungseffekte wie das Tauen des Permafrosts zuwenig, die dafür sorgen können, dass sich die Klimaüberhitzung selbst verstärkt.

Take-off. 37 verschiedene Klimamodelle zeigen, dass sich die Erwärmung ab jetzt beschleunigt. (Grafik: Nature [3])

Das grösste Manko ist aber die „Wahrscheinlichkeitsobsession“ (Schellnhuber) des IPCC, denn dadurch werde den gefährlichsten Entwicklungen zu wenig Beachtung geschenkt: „Wahrscheinlichkeiten zu berechnen, hat wenig Sinn in den kritischsten Bereichen, wie dem Tauen des Permafrosts oder dem möglichen Kollaps ganz Staaten.“ [2] Hinzu kommt, dass sich der Schaden etwa des Zusammenbruchs unserer Zivilisation nicht mehr beziffern lässt. Eine neue Studie des australischen Thinktanks Breakthrough schreibt: „Traditionell wird das Risiko berechnet, indem man die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses mit seinem Schaden multipliziert. Aber wenn sich der Schaden nicht mehr quantifizieren lässt, kommt dieser Prozess an sein Ende.“ [4] Aber selbst im noch-quantifizierbaren Bereich unterschätzt man das Risiko, wenn man sich vor allem auf die relativ wahrscheinliche Erwärmung konzentriert und die „Worts Case“ Szenarien ausblendet. Denn bei diesen nehmen die Schäden exponentiell zu (siehe Grafik).

Dickes Ende. Wie sensibel reagiert das Klima auf eine Verdoppelung des CO2-Gehalts der Atmosphäre (climate sensitivity) und welche Folgen hat das? Die Wahrscheinlichkeit (Likelihood) multipliziert mit dem Schaden (Impact) ergibt das Risiko (Risk). Dabei zeigt sich, dass sehr unwahrscheinliche (very unlikely) Entwicklungen das grösste Risiko darstellen. (Grafik: Breackthrough [4])

Schellnhuber fordert daher, „Wahrscheinlichkeiten“ weniger und „Möglichkeiten“ mehr Beachtung zu schenken. „Dies entspricht der Szenarioplanung in der Wirtschaft, wo die Folgen möglicher Entwicklungen untersucht werden, auch wenn diese unwahrscheinlich erscheinen, aber weitreichende Konsequenzen haben.“ [2] Genau das haben die Breakthrough-Autoren getan, und ein Szenario entwickelt, bei dem sich das Klima bis zum Jahr 2050 um drei Grad aufheizt. Das ist nicht extrem. Bis zum Jahr 2050 gibt es eine Wahrscheinlichkeit von fünf Prozent, dass sich das Klima um 3,5 bis 4 Grad erwärmt. [5]

Um zu zeigen, wie es dazu kommen kann, erzählen die Breakthrough-Autoren eine „Geschichte“: Im kommenden Jahrzehnt wird der Klimakrise noch immer zuwenig Beachtung geschenkt und die Emissionen erreichen erst im Jahr 2030 ihre Höhepunkt. Dann ist es bereits zu spät und das Klima erwärmt sich bis 2050 um drei Grad. Rückblickend stellen Wissenschaftler dann fest, dass mehrere Kipppunkte erreicht wurden, etwa das Tauen des Permafrosts und Dürren im Amazonas Regenwald. Ein Drittel der Erde ist nun an mindestens 20 Tagen pro Jahr zu heiss, als dass Menschen im Freien überleben könnten. Die Nahrungsmittelproduktion reicht nicht mehr, um alle Menschen zu ernähren und es gibt mehr als eine Milliarde Klimaflüchtlinge. Wie gesagt: Die Wahrscheinlichkeit dieser Entwicklung liegt bei rund fünf Prozent.

Die Fridays for Future und die Extinction Rebellen nehmen mit ihrer apokalyptischen Sprache also auf derartige Szenarien Bezug. Noch ist es wahrscheinlicher, dass unsere Zivilisation nicht endet und die Menschheit nicht ausstirbt. Trotzdem ist es möglich, wenn der Schutz des Klimas weiter nur halbherzig betrieben wird. Und genau diese „Möglichkeiten“ müssen mehr Beachtung finden, so Schellnhuber: „Das gilt insbesondere, wenn es um das Überleben unserer Zivilisation geht.“ [2] mic

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[1] The Guardian, 25.01.2019: ‘I want you to panic’: 16-year-old issues climate warning at Davos (Video)

[2] Breakthrough, August 2018: What lies beneath – the understatement of existential climate risk (PDF)

[3] Nature, 05.12.2018: Global warming will happen faster than we think

[4] Breakthrough, Mai 2019: Existential climate-related security risk: A scenario approach (PDF)

[5] Pnas, 14.09.2017: Well below 2 °C: Mitigation strategies for avoiding dangerous to catastrophic climate changes

 

 

Extinction Rebellion erwägt Heathrow lahmzulegen

Protest richtet sich gegen Erweiterung des Flughafens durch dritte Startbahn

Die Umweltbewegung Aufstand gegen das Aussterben überlegt, mit Drohnen und Blockaden in den kommenden Wochen Europas grössten Flughafen für elf Tage stillzulegen. Davon wären rund 2,5 Millionen Passagiere betroffen.

Das umstrittenste Infrastrukturprojekt in Grossbritannien ist die Erweiterung des Flughafens Heathrow in London. Dieser ist bereits heute der grösste Flughafen Europas mit über 80 Millionen Passagieren. Durch den Bau einer dritten Startbahn soll die Kapazität von Heathrow nun auf über 130 Millionen Fluggäste pro Jahr gesteigert werden. Dem Vorhaben steht kaum noch etwas entgegen. Das britische Unterhaus ist dafür und Anfang Mai entschied das Oberste Gericht, dass die dritte Startbahn rechtens ist. Die letzte offene Frage ist, ob sich die Erweiterung noch rechtfertigen lässt, nachdem das britische Unterhaus einen Klima- und Umweltnotstand ausgerufen hat. Der Chef des britischen Ablegers der Umweltorganisation Greenpeace sagte nach dem Gerichtsentscheid: Der Verkehrsminister „hat einen Gerichtsfall gewonnen, ob die dritte Startbahn rechtlich zulässig ist. Aber er hat die Debatte verloren, ob sie auch moralisch vertretbar ist.“ [1]

Ähnlich sieht das die britische Umweltbewegung Extinction Rebellion (XR), die im April Teile von Londons Innenstadt für zehn Tage besetzt hat. Der „Aufstand gegen das Aussterben“ schreibt in einem internen Planungsdokument, das weltinnenpolitik vorliegt: „Die Regierung betrügt uns“, denn trotz des Klimanotstands wolle sie „die grösste britische Quelle von Treibhausgasen“ erweitern. [2] Um die Regierung doch noch zum umdenken zu bewegen, evaluiert XR daher einen radikalen Plan: In einem ersten Schritt soll der Flughafen für einen Tag lahmgelegt werden, am Dienstag den 18. Juni. Sollte die Regierung anschliessend immer noch an der Erweiterung festhalten, will XR den Betrieb von Heathrow ab dem 1. Juli für „bis zu zehn Tage“ verhindern. Die Folgen wären immens. Während der insgesamt elf Tage nutzen knapp 2,5 Millionen Menschen den Flughafen. Zum Vergleich: Als im Dezember der britische Flughafen Gatwick für anderthalb Tage wegen einer Drohne geschlossen wurde, waren 150.000 Passagiere betroffen und den Fluggesellschaften entstand ein Schaden von 58 Millionen Euro. [3] Die XR-Aktion würde die Fluggesellschaften daher knapp eine Milliarde Euro kosten.

Banksy. Ob die Blockade von Heathrow die richtige Taktik ist, kann nur ein Versuch zeigen. (Foto: NN / Wikipedia)

Aus Sicht von XR wäre die Aktion dennoch gerechtfertigt, denn das Fliegen habe „Völkermord-ähnliche Konsequenzen für kommende Generationen und die Natur“. [2] Aus Sicht von XR leitet sich daraus das Recht auf Widerstand oder auf Rebellion ab: „In diesem Land gibt es ein gesetzliches Notstandsrecht, Störmassnahmen zu ergreifen, wenn damit ein viel grösserer Schaden verhindert werden kann.“ Diese Sicht wurde vor zwei Wochen von einem britischen Geschworenengericht bestätigt. Dieses entschied auf „nicht schuldig“ in einem Fall von Sachbeschädigung. Der XR-Vordenker Roger Hallam hatte vor zwei Jahren mit kreidebasierter Sprayfarbe Wände der Londoner Universität King’s College besprüht, damit das Universitätsvermögen nicht länger in Kohle- und Ölkonzerne investiert wird. [4]

Der Schaden lag damals allerdings nur bei 8000 Euro. Nach dem Gatwick-Vorbild zieht XR zudem den Einsatz von Drohnen in Betracht. Angedacht ist ein Picknick in Flughafen-Nähe zu dem die Teilnehmer Drohnen mitbringen. XR unterscheidet zwischen vier Möglichkeiten der Teilnahme mit unterschiedlichem Risiko: 1. Picknicken auf öffentlichem Grund, ohne Gefahr verhaftet zu werden. 2. Picknicken auf Privatgrund mit geringem Verhaftungsrisiko. 3. Das Mitbringen einer Drohne ohne Batterien. Dabei bestehe die „Möglichkeit einer Verhaftung mit anschliessender Freilassung“ und eine „sehr geringe Wahrscheinlichkeit von Untersuchungshaft“. 4. Das Fliegen einer Drohne mit der Gefahr von „Verhaftung und Untersuchungshaft oder Gefängnis“. Wie hart die Strafe für Drohnenpiloten wäre, hängt davon ab, ob Flugzeuge in der Luft sind. XR plant daher, nachts mit den Drohnenflügen zu beginnen, damit am nächsten Morgen der Flugbetrieb gar nicht erst aufgenommen wird. XR hat auch ausgerechnet wieviel Freiwillige erforderlich sind: Für wenige Tage reichten bereits 200 Menschen und um die vollen zehn Tage durchzuhalten, würden ein bis zwei Tausend Rebellen „auf Rotationsbasis“ gebraucht.

Ob die Aktion durchgeführt wird, ist aber noch nicht entschieden. Derzeit sammelt XR noch Feedback: “Die Meinungen zum Drohnen-Picknick scheinen gespalten zu sein“, schreibt XR in einem internen Rundbrief. [5] Daher ist es auch möglich, dass es letztlich nur zu einer symbolischen Aktion kommt. Schon im April wurde eine Heathrow-Blockade angekündigt. Schliesslich kam es aber nur zu einem Protest von zwei Dutzend Jugendlichen auf einer Verkehrsinsel. mic

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[1] Independent, 01.05.2019: Heathrow ruling: High Court approves third runway despite escalating climate change crisis

[2] XR, Mai 2019: Proposal to XR UK groups from Actions Strategy – Heathrow Pause: June 18th and the first two weeks of July 1st to 13th (PDF)

[3] Fortune, 22.01.2019: Gatwick’s December Drone Closure Cost Airlines $64.5 million

[4] wip, 15.05.2019: Britisches Geschworenengericht erkennt Klimanotstand an

[5] XR, 01.06.2019: Internal Newsletter: Updates from UK WGs (kein Link)

Ohne CO2-Preis rechnet sich CCS nicht

Der Atmosphäre muss CO2 entzogen werden um eine Klimakatastrophe abzuwenden

Das Einlagern von CO2 im Untergrund ist de facto unerlässlich, wenn die Klimaerwärmung auf 1,5 Grad begrenzt werden soll. So lange die CO2-Entsorgung in der Atmosphäre aber kostenlos ist, rechnet sich das nicht.

Bei einem klimapolitischen Thema herrscht Einigkeit in der grossen Koalition: bei CCS (von englisch Carbon Capture and Storage). Das Kürzel steht für die Abscheidung von CO2 aus Rauchgas und der anschliessenden Speicherung im Untergrund. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte letzte Woche: Falls es im Jahr 2050 in Deutschland noch CO2 Emissionen gibt, müsse man “alternative Mechanismen finden, wie man das CO2 speichern oder kompensieren kann”. [1] Unterstützung für CCS kommt auch von Bundesumweltministerin Svenja Schulze: „Diese Debatte muss sein“, sagte die SPD-Politikerin. „Gegen die unterirdische Speicherung von Kohlendioxid gab es lange Widerstand, weil sie die längere Verstromung von Kohle ermöglichen sollte. Mit dem Kohleausstieg aber hat sich dieser Einwand erledigt.“ [2] Hubert Weiger, der Chef des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland, ist dennoch nicht von CCS zu überzeugen: „Wir warnen ausdrücklich davor, gefährliche, teure und unerprobte Technologien wie die Speicherung von CO2 unter der Erde als Klimaschutz zu betrachten.“ [3]

Der Hintergrund dieser Debatte ist der Bericht des Weltklimarats IPCC zum 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens. Um das Ziel erreichen zu können, müssen die globalen Emissionen in den nächsten elf Jahren halbiert und dann bis zum Jahr 2050 auf Netto-Null gesenkt werden. Doch das reicht noch nicht: Zusätzlich muss der Atmosphäre CO2 entzogen werden. Dies kann durch Aufforsten und die Wiedervernässung von früheren Feuchtgebieten erfolgen oder eben durch CCS. Von den vier 1,5-Grad-Szenarien im IPCC-Bericht kommt allerdings nur eines ohne CCS aus. Die drei anderen beinhalten alle zwei Arten von CCS: das „klassische CCS“ und BECCS. Beim „klassischen CCS“ werden Emissionen etwa aus der Stahl- und Zementherstellung vermieden, indem das CO2 im Boden gespeichert wird. Bei BECCS wird der Atmosphäre sogar CO2 entzogen. Das wird erreicht, indem Bioenergie (BE) wie Holz oder Biogas verbrannt wird und das CO2 mittels CCS entsorgt wird. Damit ist das CO2, das die Pflanzen während ihres Wachstums aufgenommen haben, im Boden gebunden.

Auch CCS. Mehr als 95 Prozent der Moore in Deutschland sind entwässert – eine Fläche so gross wie Sachsen. Deren Wiedervernässung wäre ein massgeblicher Beitrag zum Klimaschutz. [7] (Foto: Max Pixel)

„Unerprobt“ ist CCS mittlerweile nicht mehr. Derzeit gibt es weltweit 18 grosse CCS-Anlagen, die der Atmosphäre 40 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr ersparen. Die meisten dienen der Ölförderung. Dabei wird mit Hilfe von CO2 Öl aus dem Gestein gepresst. Die älteste solche Anlage wurde im Jahr 1972 in Texas eröffnet. [4] „Gefährlich“ ist CCS nach Ansicht von Wissenschaftlern ebenfalls nicht. Eine Studie schreibt: „Das Aussickern von CO2 kann ein Problem sein, aber das wird gemeinhin nicht als grosse Hürde für die sichere und permanente Einlagerung wahrgenommen. Ausserdem besteht signifikante Forschung zur Entdeckung von Lecks und deren Beseitigung.“ [5] Mittelfristig besteht auch kein Mangel an geeigneten Gesteinformationen für die Einlagerung von CO2. Die Schätzungen gehen hier sehr weit auseinander, aber allein in leergepumpten Öl- und Gasfeldern könnten weltweit zwischen 460 und 920 Milliarden Tonnen CO2 gespeichert werden. [5] Das würde für die globalen CO2-Emissionen von 12 respektive 24 Jahren reichen. Frühere Öl- und Gasfelder haben den Vorteil, dass deren Geologie sehr gut untersucht ist, was die Sicherheit als CO2-Speicher verbessert.

Die grösste Hürde für CCS sind die Kosten und im Fall von BECCS im grosssen Stil zusätzlich der Land- und Wasserbedarf für den Anbau von Energiepflanzen. Die Kosten von CCS bestehen grob aus zwei Blöcken: den Kosten für die CO2-Abscheidung und den Kosten für dessen Transport zu einem geeigneten Lagerort. Auch hier gehen die Schätzungen weit auseinander und hängen stark von den lokalen Gegebenheiten ab. Ein Beispiel: Der Hafen von Rotterdam plant derzeit ein CCS-Projekt, um Emissionen von Raffinerien und Chemiefabriken in einem alten Erdgasfeld unter der Nordsee zu entsorgen. Die Bedingungen dafür sind sehr günstig, denn nur 25 Kilometer von Rotterdam steht ein solches Feld zur Verfügung. Dennoch schätzt Rotterdams Hafen, dass der Investitionsaufwand für die erforderliche CO2-Pipeline und die anderen Anlagen bei 400 bis 500 Millionen Euro liegt. Dem stehen fünf Millionen Tonnen CO2 gegenüber, die im Endausbau jährlich eingelagert werden sollen. Aus Sicht des Hafens ist das ein gutes Geschäft: Dies sei ein Projekt „in dem CO2 Emissionen zu relativ geringen Kosten im Vergleich zu anderen Massnahmen reduziert werden können“. [6] Alleine will der Hafen das Projekt dennoch nicht stemmen und hat um finanzielle Unterstützung von der niederländischen Regierung ersucht.

Das Problem ist wie fast immer, das Fehlen eines wirksamen CO2-Preises, denn derzeit ist die Entsorgung von CO2 in der Atmosphäre für die meisten Akteure kostenlos. In Deutschland wird dies voraussichtlich auch noch eine Weile so bleiben. Denn trotz des CDU-SPD Konsenses hinsichtlich CCS herrscht weiter Streit über die Einführung eines CO2-Preises. Damit bleibt bis auf weiters sichergestellt, dass sich CCS nicht rechnet. mic

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[1] klimareporter.de, 14.05.2019: Vages Bekenntnis zur Netto-Null

[2] Handelsblatt, 18.05.2019: Umweltministerin Schulze für unterirdische CO2-Speicherung

[3] BUND, 14.05.2019: BUND begrüßt Merkels Bekenntnis zu mehr Klimaschutz, kritisiert aber ihr Plädoyer für Speicherung von CO2

[4] Global CCS Institute, Stand 23.05.2018: The Global Status of CCS 2018

[5] Sabine Fuss et al. in Environmental Research Letters, 22.05.2018: Negative emissions—Part 2: Costs, potentials and side effects

[6] RotterdamCCUS, 04.04.2019: Companies register interest for Porthos CO2 Storage Project

[7] Spiegel Online, 21.05.2019: Deutschlands unbekannte Klimaschützer

Schweinepest stellt Chinas Nationalbank vor ein Dilemma

Ein Drittel der Schweine in China wird Tierseuche zum Opfer fallen

In China steigt der Preis für Schweinefleisch rapide und sorgt für Inflation. Der Grund dafür ist der bislang grösste Ausbruch von Schweinepest der Welt.

Die Afrikanische Schweinepest verheert Chinas Mästereien. Vor knapp einem Jahr wurde in China der erste Fall entdeckt und nun ist das ganze Land von der extrem ansteckenden Tierseuche betroffen. Die auf Agrarfinanzierung spezialisierte, niederländische Rabobank schätzt, dass 150 bis 200 Millionen Tiere entweder an der Krankheit verenden oder gekeult werden müssen. [1] Das sind rund ein Drittel aller Schweine in China und entspricht der gesamten Schweinepopulation in der EU. „Dies ist wahrscheinlich die schwerwiegendste Tierkrankheit, die die Welt für eine lange Zeit gesehen hat oder gar jemals gesehen hat“, sagt der Veterinärepidemiologe Dirk Pfeiffer von der City Universität von Hong Kong. [2] Schweinepest ist für Menschen ungefährlich, aber Schweine verenden daran innert weniger Tage.

Kleinbauern. Ein Grossteil der Bauernhöfe mit Schweinen in China haben nur wenige Tiere. (Foto: ILRI / Flickr)

Der Seuchenausbruch hat Folgen für die globalen Agrarmärkte. In Deutschland ist seit Beginn des Jahres der Schlachtschweinepreis um ein Drittel gestiegen. [3] Richtig teuer könnte es aber in der zweiten Jahreshälfte werden, wenn in China die Lager leer geräumt sind: Chinas Landwirtschaftsministerium warnt, dass Schweinefleisch dann 70 Prozent teurer sein könnte als vor einem Jahr. [4] Das wird zu deutlich höheren Fleischimporten führen, wovon primär europäische und brasilianische Mästereien profitieren dürften, denn US-Bauern zahlen derzeit nicht nur die regulären 12 Prozent Zoll sondern zusätzlich einen Strafzoll von 50 Prozent. [4] Importe werden den Rückgang von Chinas Fleischproduktion aber nicht ausgleichen können, da die Hälfte aller Mastschweine der Welt in China gehalten werden. Rabobank geht daher von einem sinkenden Fleischkonsum in China aus. [1]

Verschärfend kommt hinzu, dass die Seuche auch Südostasien erreicht hat. In Vietnam wurden bereits zwei Millionen Tiere gekeult, rund fünf Prozent aller Mastschweine. [6] Der Landwirtschaftsminister des Landes, Nguyen Xuan Cuong, sagte: „Die Welt und Vietnam standen noch nie einer derart gefährlichen, schwierigen und teuren Epidemie gegenüber wie jetzt.“ [2] Pfeiffer befürchtet, dass die Seuche bald auch Thailand erreicht: „Kein Land ist sicher. Es gibt ein grosses Risiko, dass das Virus nach Thailand eingeschleppt wird und in alle anderen Länder der Region und darüber hinaus.“ [7] Das gilt auch für Europa. Derzeit sorgen sich Veterinäre insbesondere um Fälle von Schweinepest bei Wildschweinen in Belgien. Noch wurden aber keine Tiere in Mastbetrieben infiziert. Anders sieht es weiter östlich aus: Aus Lettland, Polen, Rumänien und Ungarn wurden Ausbrüche auf Bauernhöfen gemeldet.

Der Rückgang der Produktion von Schweinefleisch in China und anderen Ländern hat auch Folgen für andere Agrarprodukte: Das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) schätzt, dass Chinas Importe von Sojabohnen dieses Jahr um 22 Millionen Tonnen zurückgehen. Das USDA schreibt in einer Marktanalyse: „Die Schweinepest in China wird die Spielregeln im Markt für Sojabohnen in den kommenden Jahren bestimmen.“ [8] Diese Meinung vertritt auch Matthew Stone, der Vizechef der Weltorganisation für Tiergesundheit: „Wir werden mit der Afrikanischen Schweinepest für viele Jahre leben.“ [2] Denn derzeit gibt es weder ein Medikament, um die Krankheit zu heilen, noch eine Impfung. Im Moment ist das einzige Mittel zur Eindämmung der Seuche die Keulung aller anderen Schweine in einem Umkreis von mehreren Kilometern. Forscher in mehreren Ländern arbeiten an einem Impfstoff, doch wann dieser auf den Markt kommen wird, ist ungewiss.

Der Ausbruch in China ist derweil so gross, dass er auch makroökonomische Folgen hat. Während die Konsumentenpreise im Februar nur 1,5 Prozent über dem Vorjahr lagen sprang dieser Wert im März auf 2,3 Prozent und lag im April bei 2,5 Prozent. [9] Grund dafür ist die Inflation bei Nahrungsmitteln, die sich im Jahresvergleich um 6,1 Prozent verteuert haben. Julian Evans-Pritchard von der britischen Beratungsfirma Capital Economics sagte denn auch: Der Inflationsanstieg „sollte nicht als Zeichen einer stärkeren inländischen Nachfrage interpretiert werden“ sondern sei eine Folge eines Angebotsschocks. [10] Für Chinas Nationalbank ist die gestiegene Inflation ein Problem. Denn einerseits muss sie die Inflation unter Kontrolle halten und andererseits versucht sie die Wirtschaft zu stimulieren, um die Folgen des Handelskriegs mit den USA und die Verlangsamung des Wachstums abzufedern. Vielleicht hätte sie aber vor diesem Dilemma gewarnt sein können. Gemäss dem traditionellen chinesischen Kalender ist 2019 ein „Jahr des Schweins“. mic

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[1] Rabobank, April 2019: Rising African Swine Fever Losses to Lift All Protein Boats

[2] Science, 14.05.2019: African swine fever keeps spreading in Asia, threatening food security

[3] AMI, 29.05.2019: Unveränderter Schlachtschweinepreis

[4] BBC, 25.04.2019: Is China losing the battle against an incurable pig virus?

[6] VNExpress, 31.05.2019: Vietnam culls 2 million pigs as African swine fever threatens large-scale farms

[7] Bangkok Post, 20.05.2019: Red alert to stop ‘pig ebola’ crossing border

[8] USDA, Mai 2019: Producers Face New Reality in the Global Soybean Market (PDF)

[9] Trading Economics, Stand 31.05.2019: China Inflation Rate

[10] CNBC, 08.05.2019: China’s food inflation rose 6.1% in April as pork prices spiked

Europas Ölkonzerne steigen in den Strommarkt ein

Investitionen in Öl und Gas bleiben trotzdem zu hoch für Pariser Klimaziele

Europas Ölkonzerne bereiten sich darauf vor, dass wirksame Massnahmen gegen die Klimakrise ergriffen werden. Der Abschied vom lukrativen Öl- und Gasgeschäft fällt ihnen dennoch schwer.

Der Chef des französischen Ölkonzerns Total fährt ein Elektroauto und scheint damit zufrieden zu sein: „Ich bin überzeugt, dass wir in Städten in 10 bis 15 Jahren massenweise Elektroautos haben werden“, so Patrick Pouyanné. [1] Sollte er recht behalten, wird das die Nachfrage nach dem Hauptprodukt seiner Firma reduzieren. Die britische Denkfabrik Carbon Tracker schätzt, dass bereits im nächsten Jahrzehnt die globale Ölnachfrage ihren Höhepunkt erreicht und dann relativ schnell sinkt (siehe Grafik). [2] Gleichzeitig wird erwartet, dass der globale Stromverbrauch stark ansteigt. Aus Klimasicht ist das unerlässlich, denn die CO2-Emissionen müssen bis zum Jahr 2030 halbiert werden, wenn die Chance bestehen soll, die Erwärmung bei 1,5 Grad zu stoppen. Der Chef des niederländisch-britischen Ölkonzerns Royal Dutch Shell, Ben van Beurden, ist derweil sicher, dass die Ziele des Pariser Klimaabkommens erreicht werden: „Ich bin recht zuversichtlich, dass Paris umgesetzt wird, weil es einen signifikanten, gesellschaftlichen Druck dahinter gibt. Und ich habe die Absicht davon zu profitieren.“ [3]

Kipppunkt. Wenn der der “Peak” der Ölnachfrage erreicht ist, kommt kein Hochplateau sondern ein schneller Abfall. Das erwarten zumindest Shell und Carbon Tracker. (Grafik: Carbon Tracker)

Shell hat sich denn auch ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Der Konzern will in einem Dutzend Jahren der grösste Stromanbieter der Welt sein. [4] Das sorgt derzeit in Deutschland für Aufregung, denn Shell will die Muttergesellschaft des deutschen Ökostromanbieters Lichtblick übernehmen. Dabei dürfte es Shell nicht zuletzt auf eine Lichtblick-Software abgesehen haben. Diese verknüpft Solaranlagen, Windräder und Batterien zu einem „virtuellen Kraftwerk“. Im Strommarkt verfolgen Shell und andere europäische Ölkonzerne die gleiche Strategie wie in ihrem herkömmlichen Geschäft: Alle Glieder der Wertschöpfungskette werden vertikal integriert – vom Ölfeld bis zur Tankstelle respektive vom Solarkraftwerk bis zum Stromkunden. John Abbott von Shell sagte kürzlich: „Die Realität ist, dass wir bei einigen dieser Wertschöpfungsketten nicht wissen, wo die Gewinne sein werden.“ [5] Folglich gehen die Konzerne auf sicher und investieren in alle Kettenglieder.

Das können sie sich auch leisten, denn dank des gestiegenen Ölpreises sprudeln die Gewinne. Zudem sind Ölkonzerne im Vergleich zu den meisten Stromkonzernen gigantisch. Der grösste Produzent von Ökostrom der Welt, Nextera Energy aus den USA, hatte letztes Jahr einen Umsatz von 17 Milliarden Dollar. Das ist weniger als der Gewinn von Shell im gleichen Jahr. [6] Der Anteil der Investitionen von europäischen Ölkonzernen, die in das Stromgeschäft fliessen, ist denn auch gering. Bei Shell und dem norwegische Konzern Equinor (vormals Statoil) fliessen zwischen fünf und sechs Prozent der Investitionen ins Stromgeschäft. Beim italienischen Konzern Eni sind das vier Prozent und bei Total sowie dem britischen Konzern BP rund drei Prozent. [7] Der Rest der Investitionen geht ins herkömmliche Geschäft mit Öl und Gas.

Ausgepumpt. Das Ölzeitalter neigt sich dem Ende entgegen, allerdings nicht weil das Öl alle wäre. (Foto: Max Pixel)

Das liegt auch an der erwarteten Rendite. Bei der Öl- und Gasförderung in einem Entwicklungsland erwarten institutionelle Investoren eine Rendite von zwanzig Prozent. Bei einem Wind- oder Solarkraftwerk in einem Industriestaat geben sie sich hingegen schon mit zehn Prozent zufrieden. [5] Marktbeobachter gehen daher davon aus, dass die Rendite der Konzerne sinkt, je grösser das Stromgeschäft wird. Die US-Investmentbank Goldman Sachs ist hier allerdings anderer Meinung: „Wir glauben, dass dieser Schluss einige entscheidende Dynamiken der Transition zu einer Welt mit geringen CO2-Emissionen ignoriert und wir kommen zum umgekehrten Schluss: Die grossen Ölkonzerne werden bessere Renditen erzielen auf ihrem Pfad zu grossen Strom- und Energiekonzernen.“ [8] Der Grund: In den vergangenen Jahren wurde zuwenig und in den kommenden Jahren wird ebenfalls zuwenig Geld in die Förderung von Öl und Gas investiert, was für hohe Preise sorgt.

Carbon Tracker ist da anderer Meinung. Der Thinktank schätzt, dass bei Eni, Equinor, Shell, Total sowie dem spanischen Konzern Repsol zwischen 20 und 30 Prozent der geplanten Invesitionen in Öl und Gas nicht mit dem Zwei-Grad-Ziel vereinbar sind. BP stehen etwas besser da: Hier sind es 10 bis 20 Prozent. [2] In einer Studie eines anderen britischen Thinktanks, CDP (vormals Carbon Disclosure Project), schneiden die europäischen Konzerne dennoch gut ab. CDP hat untersucht wie gut Öl- und Gaskonzerne auf eine Klimapolitik vorbereitet sind, die sich an den Zielen des Paris Abkommens orientiert. Auf der ersten fünf Plätzen liegen ausschliesslich Konzerne aus Europa: Equinor, Total, Shell, Eni und Repsol. [9] Das liegt allerdings auch daran, dass die grossen US-Konzerne ExxonMobil und Chevron bislang nicht ins Stromgeschäft investieren.

Diese investierten dafür noch letztes Jahr in Lobbying Massnahmen, die eine ehrgeizige Klimapolitik verhindern sollen. Das taten auch BP und in geringerem Mass Shell und Total. Dies ist das Ergebnis einer Studie der britischen Anti-Lobbying Organisation Influence Map. [10] Shell hat mittlerweile allerdings angekündigt, aus Industrieverbänden auszutreten, die das Paris Abkommen nicht unterstützen. [11] Auf Druck von Investoren hat sich der Konzern zudem Emissionsziele gesetzt, die auch die Emissionen beim Verbrauch von Shells Produkten umfassen, also der Verbrennung von Öl und Gas („Scope 3 Emissionen“). Damit diese Ziele auch eingehalten werden, hat Shell zudem die Entlohnung seines Managements an deren Erreichung gekoppelt. Andrew Logan, vom Investorenverband Ceres, lobt die Firma denn auch: „Shell ist die einzige Firma in der Industrie, die bereit war diese philosophische Wasserscheide zu überschreiten“ und die Emissionen beim Verbrauch mitzuberücksichtigen. [3] Damit dieser sinkt, ist Shell sogar dafür, dass in Grossbritannien der Verkauf von Autos mit Verbrennungsmotoren nicht erst ab dem Jahr 2040 verboten wird. Während der letztjährigen Klimakonferenz sagte Shell-Chef van Beurden: „Wenn man das früher machen könnte, wäre das natürlich willkommen.“ [12] Nicht alle seiner Kollegen werden dieser Meinung sein. mic

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[1] energypost, 29.05.2018: Big Oil pivots to electricity, Total leads the way

[2] Carbon Tracker, 17.07.2018: 2 Degrees of Separation: Company-level transition risk July 2018 update

[3] Axios, 19.02.2019: Shell leads big oil in clean energy shift

[4] Bloomberg, 12.03.2019: Shell Says It Can Be World’s Top Power Producer and Profit

[5] Bloomberg, 12.03.2019: Big Oil’s Big Issue With Embracing ‘Big Energy’

[6] Platts, 20.03.2019: Big oil’s electric dreams could create new energy cartels

[7] Reuters, 04.04.2019: From molecules to electrons; can Big Oil become Big Power?

[8] Goldman Sachs, 01.11.2018: Re-imagining Big Oils – How Energy Companies can successfully adapt to climate change (PDF)

[9] CDP, 12.11.2018: European oil majors spending up to 7% on low carbon but wider industry needs to step up

[10] InfluenceMap, März 2019: Big Oil’s Real Agenda on Climate Change

[11] Reuters, 02.04.2019: Citing climate differences, Shell walks away from U.S. refining lobby

[12] Guardian, 05.07.2018: Shell would support UK bringing forward petrol ban from 2040

Britisches Geschworenengericht erkennt Klimanotstand an

Mitgründer von Extinction Rebellion “nicht schuldig“ trotz Sachbeschädigung

Zwei Klimaaktivisten wurden vom Vorwurf der Sachbeschädigung freigesprochen. Sie hatten argumentiert, dass sie wegen des Klimanotstands zu ihrer Handlung berechtigt gewesen seien. Die Geschworenen schlossen sich dieser Position an.

Roger Hallam, der Vordenker der Umweltbewegung Extinction Rebellion, ist letzte Woche frei gesprochen worden. Hallam und ein weiterer Angeklagter, David Durant, hatten vor über zwei Jahren Wände in der britischen Universität King’s College mit Farbe besprüht. [1] Sie protestierten damit gegen die Investitionspolitik der Universität. Diese hielt damals noch Anteile an Kohle-, Öl- und Gaskonzernen. Obwohl die Farbe auf Kreide basierte und abwaschbar war, entstand ein Reinigungsaufwand von 7000 britischen Pfund. Kurz nach der Aktion entschied die Universität, nicht länger in Fossilkonzerne zu investieren und bis zum Jahr 2025 klimaneutral zu werden. Das King’s College verzichtete auch darauf, die beiden „Täter“ anzuzeigen, doch die Staatsanwaltschaft verfolgte den Fall von „krimineller Sachbeschädigung“ weiter – ein Tatbestand mit einer Höchststrafe von 18 Monaten Gefängnis. [2]

So sehen Sieger aus. David Durant (links) und Roger Hallam freuen sich, dass die Geschworenen auch einen Klimanotstand erkennen. (Foto: XR via [2])

Letzte Woche wurde der Fall vor einem Geschworenengericht in London schliesslich während drei Tagen verhandelt. Hallam und Durant gestanden die Tat, aber machten einen „Notstand“ geltend. Diese Verteidigungsstrategie ist äusserst selten und hat noch seltener Erfolg. Das englische wie auch das deutsche Recht sehen einen solchen Notstand vor. Die Voraussetzungen, um sich darauf berufen zu können, sind allerdings streng. Paragraph 34 des deutschen Strafgesetzbuchs sagt: „Wer in einer gegenwärtigen, nicht anders abwendbaren Gefahr für Leben, Leib, Freiheit (…) eine Tat begeht, um die Gefahr von sich oder einem anderen abzuwenden, handelt nicht rechtswidrig. (…) Dies gilt jedoch nur, soweit die Tat ein angemessenes Mittel ist, die Gefahr abzuwenden.“  [3] Folglich standen Hallam und Durant vor der Herausforderung, die Geschworenen davon zu überzeugen, dass eine erhebliche Gefahr bestand, die sich nur mit dieser Aktion abwenden liess. Wie gross die Gefahr ist, machte Hallam bereits während der Tat deutlich, wie ein Video der Aktion zeigt, das den Geschworenen gezeigt wurde: „Hier geht es nicht um Eisbären. Hier geht es um massenhaftes Verhungern. Das ist ein Notfall. Wenn wir nicht drastische Massnahmen ergreifen, wird unsere Zivilisation bald kollabieren.“ [4]

The art of protest. In England sind sowohl Demonstranten als auch das Sicherheitspersonal stets freundlich und unaufgeregt. (Video: Real Media, [1])

Der Staatsanwalt, John Hulme, sah das naturgemäss anders: Es gäbe „keinen legitimen Grund für das Anbringen der Sprayfarbe.“ [4] Und auch der Vorsitzende Richter, Michael Gledhill, brachte dem Notstandsargument wenig Sympathie entgegen. Er bezeichnete den Klimawandel wiederholt als „irrelevant“ für den Fall und unterbrach Hallam und Durant, wenn sie darauf zu sprechen kamen. [4] Hallam kritisierte denn auch das Verfahren: „Dieser Prozess war eine Farce. Ich durfte nicht über den Klimawandel sprechen, aber die Leute wissen es.“ [5] Die zwölf Geschworenen schlossen sich schliesslich Hallam und Durants Position an und erklärten die beiden einstimmig für „nicht schuldig“. Hallam bedankte sich: „Wir sind den Geschorenen sehr dankbar, dass sie dem gesunden Menschenverstand gefolgt sind. Ganz normale Leute, im Gegensatz zum Gerichtswesen, sind fähig die grossen Zusammenhänge zu sehen.“ [4]

Tim Crosland, der Chef der Umweltanwälte der britischen Organisation Plan B, bezeichnete das Urteil als „unglaublich wichtig“ im Zusammenhang mit den Protesten der Umweltbewegung Extinction Rebellion (XR), die von Hallam mitgegründet wurde. „Der Aufstand gegen das Aussterben“ hat im April vier Verkehrsknotenpunkte in London für zehn Tage besetzt und es wurden mehr als 1000 Menschen verhaftet. Das Urteil komme kurz nach den XR-Protesten und die Geschworenen seien sich derer bewusst gewesen. „Es ist ein Test wie zufällig ausgewählte Vertreter der Bevölkerung darauf reagieren.“ [2] Aus rechtlicher Sicht sei es aber kein verbindlicher Präzedenzfall. Dennoch erwartet Crosland, dass das Urteil Folgen haben wird. „Es gibt der Staatsanwaltschaft eine Pause zum nachdenken. Wird diese nun mehr Geld ausgeben, um diese Fälle zu verfolgen?“ Zudem könnten sich Geschworene in anderen Fällen darauf beziehen und „sich ermutigt fühlen zu tun, was ihre Kollegen getan haben“. Durant meinte derweil einen Trend erkannt zu haben: „Erst haben wir mit dieser Aktion gewonnen, jetzt haben wir gegen das System gewonnen und wir werden weiter gewinnen.“ [5] mic

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[1] Real Media, 08.05.2019: Kings College Climate Criminals (re-edit) (Video)

[2] Climate Liability News, 10.05.2019: Climate Activists Win Necessity Defense Case in London

[3] BMJV, Stand 15.05.2019: Strafgesetzbuch (StGB) – § 34 Rechtfertigender Notstand

[4] The Guardian, 09.05.2019: Extinction Rebellion founder cleared over King’s College protest

[5] Real Media, 09.05.2019: Not guilty verdict for divestment protesters accused of £7000 criminal damage (Video)

Jede achte Art ist vom Aussterben bedroht

Verlust der Artenvielfalt gefährdet letztlich auch Überleben der Menschheit

Jede einzelne Art hat eine Funktion im Gleichgewicht ihres Ökosystems. Verschwindet eine Art ist daher auch das Ökosystem weniger widerstandfähig.

„Das unentbehrliche Netz des Lebens auf der Erde wird kleiner und franst immer mehr aus.“ Dies sagte Professor Josef Settele einer der Leitautoren des ersten umfassenden Berichts zum Stand der Artenvielfalt seit 2005. Der Bericht zeigt, dass eine Million von geschätzt acht Millionen Tier- und Pflanzenarten vom Austerben bedroht ist. „Dieser Verlust ist eine direkte Folge menschlicher Aktivität und stellt eine Gefahr für die Wohlfahrt der Menschen in allen Regionen der Welt dar“, so Settele. Der Bericht beruht auf über 15.000 wissenschaftlichen Studien, die vom Weltbiodiversitätsrat IPBES im Auftrag von über hundert Ländern der Welt ausgewetet wurden. Wie beim Weltklimarat IPCC wurde anschliessend die Zusammenfassung des 1800-Seiten Berichts von Regierungsvertretern ausgehandelt. Damit repräsentiert der Bericht nicht nur den wissenschaftlichen Konsens sondern auch den der Regierungen. Diese ermahnt die Chefin der UN-Kulturorganisation Unesco, Audrey Azoulay: „Die heutige Generation hat die Verantwortung, künftigen Generationen nicht einen Planeten zu vererben, der irreversibel geschädigt ist.“

Mordor. Der Landbedarf des Menschen ist der wichtigste Grund für das Artensterben. Hauptschuldiger ist hier allerdings die Landwirtschaft. (Foto: Drakt Kranre / Flickr)

Mordor. Der Landbedarf des Menschen ist der wichtigste Grund für das Artensterben. Hauptschuldiger ist hier allerdings die Landwirtschaft. (Foto: Drakt Kranre / Flickr)

Dabei sind die Schäden schon jetzt erheblich: 85 Pozent aller Feuchtgebiete, die Hälfte der Korallenriffe und knapp ein Drittel der Wälder sind verschwunden. Ein Viertel der Böden ist geschädigt und 93 Prozent aller Fischbestände sind überfischt oder werden maximal ausgebeutet. In den letzten 40 Jahren hat sich die Plastikverschmutzung verzehnfacht und 80 Prozent aller Abwässer fliessen ungeklärt in Flüsse und Meere. Das Plündern und Brandschatzen der Natur wird auch noch finanziell gefördert: Umweltschädliche Landwirtschaft wird in den Industriestaaten jährlich mit 100 Milliarden Dollar subventioniert und die Produktion von Kohle, Öl und Gas wird weltweit mit 345 Milliarden Dollar unterstützt. Letzteres führt zu Kosten für die Allgemeinheit von 5.000 Milliarden Dollar. Azoulay kommt denn auch zum Schluss: „Wir müssen anders auf der Erde leben“ ansonsten sei der „Fortbestand der Menschheit“ in Gefahr.

Der Grund für die Zerstörung sind das Wachstum der Weltbevölkerung und der Weltwirtschaft gekoppelt mit ressourcenintensiven Produktions- und Konsummustern. Seit 1970 hat sich die Zahl der Menschen verdoppelt und die globale Wirtschaftsleistung hat sich vervierfacht. Dies hat zur Urbarmachung riesiger Flächen, dem Verbrauch von immer mehr Bodenschätzen und Agrarrohstoffen, der Anreicherung von Treibhausgasen in der Atmosphäre und der Verschmutzung von Wasser, Luft und Böden geführt. Hinzu kommt die steigende Zahl invasiver Arten auf allen Kontinenten. Vor diesem Hintergrund ist wenig erstaunlich, dass die Welt ihre selbst gesetzten Ziele für den Schutz der Artenvielfalt verfehlt. Von den „Aichi Zielen“ für das Jahr 2020 sind die meisten unerreichbar und der Zustand der Natur erschwert oder verhindert die Erreichung vieler der Nachhaltigen Entwicklungsziele für das Jahr 2030. Eine Umkehr des Zerstörungstrends ist technisch und wirtschaftlich aber noch möglich: „Wenn wir sofort und simultan die verschiedenen indirekten und direkten Ursachen angehen, dann besteht das Potential den Verlust der Artenvielfalt und der Ökosysteme zu verlangsamen, zu stoppen und sogar rückgängig zu machen.“

Dazu seien aber ein „transformativer Wandel“ erforderlich, sagt Sir Robert Watson, der IPBES-Chef. Ein solcher Wandel bedeutet die „fundamentale, systemweite Reorganisation technologischer, wirtschaftlicher und sozialer Faktoren inklusive Paradigmen, Ziele und Werte“. Oder um es mit dem italienischen Autor Giuseppe Tomasi di Lampedusa zu sagen: „Wenn wir wollen, dass alles bleibt wie es ist, muss sich alles ändern.“ Dass das nicht allen gefallen wird, ist auch dem IPBES klar. Watson sagt: „Transformativer Wandel kann Opposition erwarten von denen, die ein persönliches Interesse am Status Quo haben.“ Und dann macht Watson eine Prognose, die angesichts der Klimapolitik der meisten Länder gewagt klingt: „Diese Opposition kann überwunden werden für das öffentliche Interesse.“

Inwiefern das gelingt zeigt sich nächstes Jahr bei der Konferenz der UN-Biodiversitätskonvention, wo die Nachfolger der Aichi Ziele verabschiedet werden sollen. Dann müssen die Länder auch sagen, wieviel ihnen der globale Artenschutz wert ist. Die Umweltorganisation Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Bund) fordert, dass die Bundesregierung ihren Beitrag verdreifacht. Bund-Chef Hubert Weiger sagt: „Die Länder, die durch ihre Art zu leben, entscheidend für das Artensterben verantwortlich sind, müssen dafür auch finanziell geradestehen.“ mic

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Kommentar: Das Recht auf Ungehorsam

Unser Planet stirbt – Art für Art, Grad für Grad. Doch noch lässt sich der totale Kollaps des Ökosystems Erde abwenden, wenn sofort wirksame Massnahmen ergriffen werden. Die Bundesregierung lässt aber nicht erkennen, dass sie bereit ist das Erforderliche zu tun. Daher sollte sie abgewählt werden. Die nächste Gelegenheit dazu bietet sich in gut zwei Jahren. Doch dann ist es vielleicht schon zu spät, denn die CO2-Emissionen müssen in den nächsten zwölf Jahren halbiert werden. Damit fällt jedem Einzelnen die Verantwortung zu, etwas zu tun. Dies bedeutet allerdings nicht, dass nun alle nur noch Fahrrad fahren und Vegetarier werden, denn das bringt zu wenig. Nur das Parlament und die Regierung können Massnahmen beschliessen, die der Lage gerecht werden. Folglich muss die Zivilgesellschaft auf die Regierung Druck ausüben. Das versucht sie zu tun mit Demonstrationen und Petitionen – seit 30 Jahren und ohne Erfolg.

Ende letzten Jahres sind daher zwei neue Bewegungen entstanden, die mehr Erfolg haben. „Fridays for Future“ ist es mit Schulstreiks gelungen, dass Städte wie Konstanz oder Basel einen Klima- und Umweltnotstand erklärt haben. Und in Grossbritannien hat die „Extinction Rebellion“ vier Verkehrsknotenpunkte in London für mehr als eine Woche besetzt. Mehr als Tausend Menschen wurden verhaftet. Doch die Aktion war ein Erfolg: Sechs Tage nach deren Ende erklärte das britische Unterhaus den Umweltnotstand. Obwohl symbolisch sind diese Erklärungen der entscheidende erste Schritt: Zu sagen, was ist.

Die beiden Bewegungen mit schnellen Erfolgen haben eines gemein: Ihre Methode ist der zivile Ungehorsam. Dabei haben sie das Recht auf ihrer Seite: Wenn das Leben und die Freiheiten der Menschen wegen der Regierung in existenzieller Gefahr sind, besteht das Recht auf Rebellion, das Recht auf Widerstand. Damit ist klar, was der Einzelne tun muss, um den Kollaps des Ökosystems Erde zu verhindern: Es gilt Widerstand zu leisten und – wenn nichts anderes hilft – sich an einen Kohlebagger zu ketten oder eine Autobahn zu besetzen. mic

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Umweltjournalismus: Die Angst, alarmistisch zu klingen

Ich habe einen Artikel über Umweltjournalismus geschrieben. Dieser findet sich auf der Seite des Schweizer Medienmagazins Edito.

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Benzin- und Dieselautos haben noch drei Jahre

Elektroautos sind bald billiger in der Anschaffung

Schon in drei Jahren sind Elektroautos in der Herstellung nicht teurer als Autos mit einem Benzin- oder Dieselmotor. Dies liegt primär am fallenden Preis von Batterien und könnte tiefgreifende Folgen für den Aurtomarkt haben.

Elektromotoren haben weniger Teile als Motoren, die ihre Energie aus der Verbrennung von Benzin oder Diesel beziehen. Dass Elektroautos trotzdem teurer sind liegt an der Batterie. Vor drei Jahren hat diese noch die Hälfte der Kosten für das ganze Auto ausgemacht. Doch das ändert sich schnell und so rückt der Zeitpunkt näher, ab dem Elektroautos weniger kosten als deren fossile Pendants. Wann dieser Zeitpunkt kommt, berechnet ein Tocherunternmehmen der Nachrichtenagentur Bloomberg, Bnef, jedes Jahr von Grund auf neu. Das Resultat verblüffte selbst die Bnef-Leute: Im Jahr 2017 lag der Zeitpunkt noch neun Jahre in der Zukunft, im Jahr 2018 sechs Jahre und dieses Jahr noch drei. [1] Schon im Jahr 2022 kosten Elektroautos nur noch soviel wie gleichwertige Autos mit Verbrennungsmotor.

Bolivien. Der Salar de Uyuni ist nicht nur der höchstgelegene Salzsee sondern auch das grösste Lithiumvorkommen der Welt. (Foto: Luca Galuzzi / Wikipedia)

Bolivien. Der Salar de Uyuni ist nicht nur der höchstgelegene Salzsee sondern auch das grösste Lithiumvorkommen der Welt. (Foto: Luca Galuzzi / Wikipedia)

Das gilt zuerst nur für Oberklassewagen in der EU. Bnef erwartet aber, dass dies kurz darauf auch für kleinere Autos und andere Länder gilt. Dass die Kosten für Elektroautos fallen, liege aber nicht nur am Preis von Batterien, deren Preis seit 2012 um mehr als drei Viertel gefallen ist. [2] Der ganze Antriebsstrang von Elektroautos werde billiger „weil die Herstellung in grossen Mengen für solche Bauteile erst jetzt beginnt“, so Bnef. [3] Zudem würden Autos mit herkömmlichen Motoren tendenziell teurer zu produzieren, „als Folge von Gewichtsreduktionen und anderen Massnahmen, um die Grenzwerte für Emissionen einzuhalten“. [3]

Ökonomielehrbuch. Dank des Skaleneffekts fallen die Kosten für die Herstellung von Battereien und dank des Wettbewerbs sind die Hersteller gezwungen die Kosteneinsparungen an ihre Kunden weiterzugeben. (Grafik: Bnef)

Ökonomielehrbuch. Dank des Skaleneffekts fallen die Kosten für die Herstellung von Battereien und dank des Wettbewerbs sind die Hersteller gezwungen die Kosteneinsparungen an ihre Kunden weiterzugeben. (Grafik: Bnef)

Sollte Bnef Recht behalten, käme die Elektrifizierung des Strassenverkehrs schneller als von den meisten Ländern geplant. Denn zur absehbaren Preisparität bei der Anschaffung eines neuen Autos kommen die niedrigeren Unterhaltskosten von Elektroautos. Der erforderlich Strom für eine bestimmte Strecke ist günstiger als die entsprechende Menge an Benzin oder Diesel. Norwegen dürfte daher sein Ziel erreichen, dass ab dem Jahr 2025 keine Neuwagen mit Verbrennungsmotor mehr verkauft werden. Dieses Ziel stammt aus dem Jahr 2017 und galt damals als nahzu illusorisch. Fünf weitere Länder haben für das Verbrenner-Aus das Jahr 2030 im Blick und England, Frankreich und China streben dies für das Jahr 2040 an. Sollte die Kostenparität aber schon in drei Jahren erreicht sein, wird der Markt dafür sorgen, dass diese Ziele weit übererfüllt werden. mic

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[1] Nathaniel Bullard, 12.04.2019: Tweet

[2] Bnef, 26.03.2019: Battery Power’s Latest Plunge in Costs Threatens Coal, Gas

[3] Bnef, 23.04.2019: Electric Car Price Tag Shrinks Along With Battery Cost