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Über diesen Blog

Wir haben die Welt geschrumpft und jetzt wird es langsam eng. Längst haben die Nationalstaaten die Möglichkeit verloren, anstehende Probleme autonom zu lösen. Die Integration der Weltwirtschaft, die immer weiter wachsende Weltbevölkerung und die damit einhergehende Umweltbelastung haben ein Netz von gegenseitigen Abhängigkeiten geschaffen. So ist etwa die Verflechtung der Finanzmärkte so weit fortgeschritten, dass Exzesse im US Hypothekenmarkt nur durch die Gründung der G20 unter Kontrolle gebracht werden konnten. Und der Biospritboom in den USA und Europa führt zu Hungeraufständen in Afrika. Längst sind des einen Emissionen, des anderen Naturkatastrophen. Damit ist die herkömmliche Unterteilung in Innen- und Aussenpolitik hinfällig geworden. Die globalen Wirtschafts- und Umweltprobleme bedürfen einer globalen Antwort, die das Wohl des ganzen Planeten im Auge hat. Wir müssen Innenpolitik für die Erde machen – Weltinnenpolitik.

Doch diese Globalisierung der Probleme und Lösungen findet nicht im luftleeren Raum statt. Gleichzeitig verschiebt sich der weltpolitische Schwerpunkt vom Atlantik in den Pazifik. Die Zeit als der Westen alleine entscheiden konnte ist vorbei, wie nicht zuletzt die Gründung der G20 zeigt. Es bildet sich eine multipolare Weltordnung heraus, wo mehrere Grossmächte ständig miteinander um die Vormacht ringen. Dies ist die gefährlichste mögliche Weltordnung, denn die Gefahr eines Krieges zwischen Grossmächten ist hier besonders akut. Aufgabe der Weltinnenpolitik ist somit nicht nur, Lösungen für globale Probleme zu finden, sondern auch ein Mächtegefüge zu befördern, das Kooperation zwischen Grossmächten überhaupt erst ermöglicht.

Dieser Blog deckt folglich die folgenden fünf Themenblöcke ab:

  • Geopolitik
    Geopolitik zielt auf die machtpolitische Gestaltung der Welt ab. Grossmächte gehen dabei meist strategisch vor und versuchen ihre eigene Macht zu mehren (hard und soft power) und die Macht anderer Grossmächte zu beschränken. Die wichtigste Frage ist hier das zukünftige Verhältnis zwischen den USA und China. Lernen die beiden Supermächte miteinander zu leben oder kommt es zu einer Neuauflage des Kalten Kriegs oder gar einer militärischen Konfrontation? Aus europäischer Sicht stellt sich zudem die Frage nach Europas Platz in der Welt. Wird Europa ein Pol in der multipolaren Weltordnung oder zu einem weltpolitisch belanglosen Freilichtmuseum? Spannend ist aber auch die Entwicklung in Europas Nachbarschaft: Hinterlässt der „arabische Frühling“ blühende Landschaften im Nahen Osten und Nordafrika oder Failed States? Führt der demographische Absturz Russlands zu einem demokratischeren oder zu einem autoritäreren Regime in Moskau? Was passiert mit den „Pufferstaaten“ zwischen der EU Ost- und der russischen Westgrenze? Wird die Türkei sich weiter an Europa orientieren oder ein neo-osmanisches Reich im Nahen Osten aufbauen?
  • Global Governance
    Als Global Governance bezeichnet man das Geflecht aus internationalen Organisationen (UNO, IWF, Weltbank, WTO etc.) und internationalen Verträgen, mit dem die Länder versuchen ihr Zusammenleben zu regeln. Dieses Geflecht ist vom Westen geprägt und spiegelt zum Teil noch die Situation von 1945 wieder. Daher muss es nun an die neuen Machtverhältnisse angepasst werden. Doch sowohl die USA wie auch China stehen dem multilateralen Ansatz skeptisch gegenüber, da sie sich ungern rechtsverbindlich zu etwas verpflichten. Folglich ist unklar ob der Umbau der Global Governance Strukturen zu deren Stärkung oder Schwächung beitragen wird.
  • Globale Sicherheit
    Frieden ist bedauerlicherweise kein Zustand sondern ein Produkt, das immer wieder aufs Neue hergestellt werden muss. Dies gilt umso mehr mit einer Weltordnung im Umbruch und dem (Wieder-) Aufstieg Chinas. So gilt heute das südchinesische Meer als gefährlichste See der Welt, da China unter Missachtung internationalen Rechts Anspruch auf die Küstengewässer von Vietnam, den Philippinen, Malaysia und Brunei erhebt. Hinzu kommt die Ausbreitung von Atomwaffen. Neben den fünf traditionellen Atommächten gibt es mittlerweile vier weitere Länder mit der Bombe und der Iran will zumindest die Fähigkeit zum Bombenbau entwickeln. Letzteres droht einen Wettrüsten im Nahen Osten auszulösen, und Saudi Arabien, Ägypten und die Türkei könnten ebenfalls Atomwaffen bauen. Und schliesslich bedrohen Failed States die internationale Sicherheit, sei es als Basislager für Piraten oder als Exporteure von internationalem Terrorismus.
  • Welthandel
    Die WTO Doha Runde, die als Antwort auf den 11. September lanciert wurde, ist vorerst gescheitert. Dies ist bedauerlich, da kaum ein Instrument ähnlich viel für die Armutsbekämpfung getan hat wie die Liberalisierung des Welthandels. Und nun überlagern strategische Überlegungen die Handelspolitik: Mit der Trans Pacific Partnership TPP versucht die US Regierung eine pazifikweite Freihandelszone unter Ausschluss Chinas zu entwickeln. Und Europa hofft, mit einer transatlantischen Freihandelszone die Supermacht enger an Europa zu binden. Die Zahl der bilateralen Handelsverträge explodiert, dabei ist längst nicht mehr klar, ob die Vorteile aus der Handelsliberalisierung nicht durch die zunehmende Komplexität aufgefressen werden. Dabei unterliegen die wirklich knappen Güter noch nicht einmal dem internationalen Handelsregime: Bodenschätze und Nahrungsmittel werden immer weniger auf dem Weltmarkt gehandelt, sondern mit politischem Kalkül getauscht.
  • Nachhaltige Entwicklung
    Die Welt befindet sich in einem „perfekten Sturm“: Die Weltbevölkerung erreicht mit knapp neun Milliarden Menschen im Jahr 2050 voraussichtlich ihr Maximum. Wegen des steigenden Wohlstands nimmt der Ressourcenverbrauch (Nahrung, Wasser, Rohstoffe) allerdings noch schneller zu. Gleichzeitig müssten die CO2 Emissionen um die Hälfte reduziert werden, wenn die Klimaerwärmung auf zwei Grad begrenzt werden soll. Doch dies darf nicht zu Lasten des Wirtschaftswachstums gehen, denn noch immer leidet jeder siebte Erdbewohner unter Hunger. Kurz, wir haben immer mehr Menschen und brauchen noch sehr viel Wachstum, obwohl wir die Umwelt schon jetzt über Gebühr belasten – ein Dilemma, das letztlich wohl über den Fortbestand unserer Zivilisation entscheidet.

Der ehemalige US-Senator Sam Nunn hat im Hinblick auf die Verbreitung von Nuklearwaffen gesagt: „Wir befinden uns in einem Wettrennen zwischen Kooperation und Katastrophe“. Doch dies trifft nicht nur auf die gefährlichste aller Waffen zu, sondern auch auf die globalen Umweltprobleme, den Hunger in der Welt, ja die Weltordnung an sich.  Doch noch ist dieses Rennen nicht verloren und vielleicht kann auch dieser Blog dazu beitragen, dass schliesslich Kooperation die Oberhand behält.

Über mich

Ich, Christian Mihatsch, wurde als Deutscher in Basel geboren und bin dort aufgewachsen. Ich habe an den Universitäten von Lausanne und St. Gallen Wirtschaft studiert (MA) und habe dann als Unternehmensberater in Zürich gearbeitet. Anschliessend war ich Delegierter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK). In dieser Funktion habe ich Kriegsgefangene in Afghanistan betreut, Flüchtlingslager in Angola versorgt und den Suchdienst für die Eltern von verloren gegangenen Kindern in Liberia organisiert. Diese Tätigkeit hat mich zum einen für die Armut in der Welt sensibilisiert und zum anderen für das Erfordernis von internationalem Krisenmanagement. Anschliessend habe ich eine kleine Importfirma in Thailand geleitet. Zurück in der Schweiz, habe ich von 2007 bis 2008 in der Wirtschaftsredaktion der Basler Zeitung gearbeitet. Doch die Schweiz ist klein und so bin ich nach Thailand zurückgekehrt, wo ich seitdem als „Korrespondent für globale Fragen“ für verschiedene deutsche und Schweizer Zeitungen schreibe.

Die meisten meiner Artikel finden sich im Artikelarchiv und meinen Lebenslauf gibt’s hier.

Mein besonderer Dank gilt Christoph Wiesecke für seine Hilfe beim Aufsetzen dieses Blogs. mic

One Comment

  1. Spannender Blog – interessante, fokussierte, neue, kontroverse Sichtweisen auf die Klimapolitik der Zukunft.

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