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The Big Mo

Fukushima läutet die zweite industrielle Revolution ein

Nach Fukushima setzen die grössten Industrie-Länder mit Ausnahme der USA auf Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Damit bekommt der Kampf gegen den Klimawandel das nötige Momentum.

Eigentlich ist Alles ganz einfach und McKinsey hat es auch schon durchgerechnet: Um das Klimaproblem zu lösen, müssen wir die CO2 Produktivität verzehnfachen. Das heisst pro Tonne CO2 Emissionen müssen zehnmal mehr Produkte oder Dienstleistungen hergestellt werden. Eine derartige Produktivitätssteigerung gab es schon einmal: In der industriellen Revolution wurde die Arbeitsproduktivität verzehnfacht. Für die Unternehmensberatung McKinsey ist die Klimarettung denn auch „die zweite industrielle Revolution“.

Doch irgendwie schien diese Revolution nicht so richtig in Gang zu kommen. Was fehlte war das Momentum, die Wucht, um Widerstände zu überwinden. Doch genau dieses Momentum, “The Big Mo“, liefert nun die Atomkatastrophe in Fukushima. Energiesparen wird in Japan zur nationalen Mission werden, glaubt die Grossbank UBS. Denn wenn das Land auf Kohle oder Gas zurückgreifen würde um den Atomstrom zu ersetzen, wüchse die Abhängigkeit von Importen. Aber noch ein zweites grosses Land mit viel Industrie, geht in die gleiche Richtung: Deutschland. Die „hysterische“ (Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle, FDP) Reaktion der Deutschen auf das Atomunglück hat zu einer radikalen Kehrtwende in der Energiepolitik geführt. Statt die Laufzeiten für Atommeiler zu verlängern, sollen diese nun so schnell wie möglich abgeschaltet werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob Bundeskanzlerin Angela Merkel diese Energiewende für sachlich gerechtfertigt hält oder nicht. Ihr scheint plötzlich klar geworden zu sein, dass sie politisch keine andere Wahl hat. Und eine erneute Kehrtwende nach den Landtagswahlen in Süddeutschland ist nahezu ausgeschlossen. Denn dann würde Merkel den letzten Rest an energiepolitischer Glaubwürdigkeit verspielen und einen gesellschaftlichen Grosskonflikt riskieren. Kurz, Deutschland und Japan, die beiden grössten Hightech Exporteure der Welt, setzen nun voll auf Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Und sie sind nicht allein: Einige kleinere, hochindustrialisierte  Länder wie Dänemark oder Südkorea haben schon vor Fukushima ihre eigene Energierevolution angestossen. Und schliesslich hat sich auch China, die „Werkbank der Welt“ in seinem neuesten Fünf-Jahres-Plan ehrgeizige Energieeffizienzziele gesetzt. Von den Ländern mit viel Industrie sind somit fast alle auf Seiten der CO2 Revolutionäre.

Dazu kommt, dass sich diese Industrie-Länder einen harten Verdrängungswettbewerb liefern. Eine neue Studie der Pew Stiftung „Wer gewinnt das Rennen um saubere Energien?“ zeigt, dass Deutschland letztes Jahr die USA bei den Investitionen in erneuerbare Energien auf den dritten Platz verwiesen hat. Im Jahr zuvor war bereits China an den USA vorbeigezogen und belegt seither Platz eins. Weltweit wuchs der Markt um 30 Prozent auf 243 Milliarden Dollar. Mittlerweile nähert sich die Produktionskapazität der erneuerbaren Energien 400 Gigawatt und liegt gleichauf mit der Atomenergie. Aber erneuerbare Energien sind nur die Angebotsseite der CO2 Revolution. Auf der Nachfrageseite stehen Energieeffizienz, Elektrofahrzeuge, schlaue Stromnetze und anderes mehr. Erst wenn alle industriellen Branchen mitziehen, erhält die Revolution die nötige Durchschlagskraft. Aber genau das ist zu erwarten, wenn Deutschland, Japan, China und viele kleinere Industrie-Länder in dieselbe Kerbe schlagen. Abseits stehen nur die USA: „Die US Wettbewerbsposition ist in Gefahr“ schreibt die Pew Stiftung. „Die US dominieren weiterhin beim Wagniskapital für junge Unternehmen und bei den Forschungsausgaben, aber bei der industriellen Fertigung hinken die USA hinter den anderen her.“ Fukushima könnte so nicht nur der Startschuss für die CO2 Revolution sein, sondern auch der Anfang vom Ende der USA als Industrie-Land. Dem Klima ist letzteres egal, solange es „The Big Mo“ auf seiner Seite hat. mic

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