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Klimaverhandlungen biegen auf Zielgerade ein

Der Verhandlungstext hat nun ‚nur‘ noch 76 Seiten

Neue Struktur für ein ambitioniertes Abkommen: Die Co-Vorsitzenden der Verhandlungen für den Weltklimavertrag legen einen neuen Text vor. Der Entwurf hat jetzt “nur” noch 76 Seiten.

Die Länder der Welt haben nur noch zwanzig Verhandlungstage. Dann soll ein neuer Weltklimavertrag verabschiedet werden. Doch mit dem bislang vorliegenden 85-Seiten-Text war dies ein unmögliches Unterfangen. Aus diesem Grund hatten sich die Länder im Juni in Bonn auf einen ungewöhnlichen Schritt geeinigt: Sie baten die beiden Co-Vorsitzenden der Verhandlungen den Text zu strukturieren und zu kürzen. „Ich verfolge diese Verhandlungen jetzt seit 20 Jahren. In dieser Zeit habe ich noch nie erlebt, dass die Länder so viel Vertrauen in die Co-Vorsitzenden setzen.“, sagte im Juni Alden Meyer, von der US-Organisation Union of Concerned Scientists. Der Haken dieses Vertrauensbeweises: Die Co-Vorsitzenden sollten den Text kürzen, durften aber keine der Optionen aus dem Text entfernen. Denn jeden Satz hat ein Land mühsam in den Text hineinverhandelt und wird darüber wachen, das er nicht der Kürzung zum Opfer fällt.

Und zur Belohnung gibt's Manschettenknöpfe von der Chefin. Daniel Reifsnyder (USA, links) und Ahmed Djoghlaf (Algerien, rechts) freuen sich unbändig über das Geschenk von Christiana Figueres. (Bild: IISD)

Und zur Belohnung gibt’s Manschettenknöpfe von der Chefin. Daniel Reifsnyder (USA, links) und Ahmed Djoghlaf (Algerien, rechts) freuen sich unbändig über das Geschenk von Christiana Figueres. (Bild: IISD)

Nun haben die Co-Vositzenden, Ahmed Djoghlaf (Algerien) und Daniel Reifsnyder (USA), den neuen Text vorgelegt. [1] Er hat noch 76 Seiten, wenn man von den einleitenden Erläuterungen absieht. Die wesentliche Neuerung ist die Struktur. Die Co-Vorsitzenden haben die Elemente des ursprünglichen Texts in zwei Gruppen unterteilt: das Paris Abkommen und Beschlüsse der Konferenz der Mitgliedsländer der UN-Klimakonvention. Das Paris Abkommen umfasst alle Bestimmungen, die langfristig gelten und völkerrechtlich verbindlich sein sollen. Im Jahr 2012 hatte die Länder bei der Klimakonferenz in Durban beschlossen, dieses Jahr in Paris „ein Protokoll, ein anderes rechtliches Instrument oder ein Ergebnis mit Rechtskraft“ zu verabschieden. Das Paris Abkommen gibt somit den Rahmen für den Kampf gegen den Klimawandel „für die nächsten 50 Jahre“ vor wie die Chefin der UN-Klimakonvention Christiana Figueres sagt. Ausgefüllt wird dieser Rahmen mit Beschlüssen der Konferenz der Mitgliedsländer der UN-Klimakonvention. Diese Beschlüsse sind völkerrechtlich weniger verbindlich und können jederzeit geändert werden. Diese Unterscheidung ist insbesondere für die USA wichtig. Denn es gilt als ausgeschlossen, dass der US-Senat einem neuen Staatsvertrag die Zustimmung erteilen würde. Dazu müssten 60 der 100 Senatoren zustimmen. Beschlüsse der UN-Klimakonvention müssen vom Senat jedoch nicht abgesegnet werden.

Aus Sicht von Jennifer Morgan vom Worl Resources Institute, einem US Think Tank, bietet der neue Text eine gute Basis für die weiteren Verhandlungen: „Der geglättete Text gibt den Delgierten eine gute Grundlage, um die Verhandlungen voran zu bringen.“ Die Co-Vorsitzenden „haben das Durcheinander durchschnitten und zeigen klar auf, welche Entscheidungen getroffen werden müssen.“. Auch Martin Kaiser von Greenpeace lobt den neuen Text: „Das ist eine gute Leistung der Co-Vorsitzenden, die beiden rechtlichen Körbe des Paris Pakets herauszustellen.“ Aber er sagt auch: „Der Text hat noch einen langen Weg vor sich bis er das präzise Instrument ist, das er sein muss. Er kann kein Zirkuszelt sein für die Artisten in Paris, sondern muss ein luftdichter Auftrag sein, der die Politiker zu einer gerechten Transformation des Energiesystems zwingt.“ Wenig beeindruckt ist hingegen der Klimafinanz-Spezialist Jan Kowalzig von Oxfam: Die Sprache im Finanzkapitel sei „schwach“, sagt er. Alden Meyer hingegen ist zufrieden: „Die Co-Vorsitzenden haben ihren Job erledigt. Nun ist es an den Klimadiplomaten und Ministern ihren Job ebenfalls zu erledigen.“ Am 31. August beginnt die nächste Runde der Verhandlungen. Thoriq Ibrahim, der Umweltminister der Malediven, ist zuversichtlich, dass die Diplomaten und Minister dieser Herausforderung gerecht werden: „Mit dem Fortschritt, den wir gemacht haben, sowohl beim Text als auch in informellen Gesprächen, ist ein Abkommen in Griffweite.“ mic

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[1] UNFCCC, 24.07.2015: Scenario note on the tenth part of the second session of the Ad Hoc Working Group on the Durban Platform for Enhanced Action (PDF)

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