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Jedes zehnte Kind im Primarschulalter geht nicht zur Schule

Es ist „ausgeschlossen“, dass das Ziel universeller Primarschulbildung bis 2015 erreicht wird

Seit dem Jahr 2000 hat sich die Zahl der Kinder, die nicht zur Schule gehen, knapp halbiert. Doch nun stockt der Fortschritt. Dabei zeigen 17 Länder aus Asien und Afrika, dass sich dramatische Verbesserungen erzielen lassen.

Diesem kambodschanischen Mädchen scheint die Schule zu gefallen (Foto: WFP)

Diesem kambodschanischen Mädchen scheint die Schule zu gefallen (Foto: WFP)

„Kinder sind die Zukunft“, „Es gibt keine bessere Investition als Bildung“. So klingen Sonntagsreden. Doch in der Praxis sieht es anders aus: Seit 2010 ist die Entwicklungshilfe für Bildung um zehn Prozent gesunken wie ein neuer Unesco Bericht zeigt. [1] Dabei ist die gesamte weltweite Entwicklungshilfe in dieser Zeit nur um ein Prozent zurückgegangen. Und auch bei der humanitären Hilfe in Kriegs- und Katastrophengebieten kommt Bildung zu kurz: Während der Bedarf für Nahrungsmittelhilfe zu 86 Prozent gedeckt wird, werden Bildungsprojekte nur zu 40 Prozent finanziert. Dies zeigt sich etwa in Syrien: Nur ein Drittel der Flüchtlingskinder besucht eine Schule. [2] Hinzu kommt, dass die ärmsten Länder der Welt nur 37 Prozent der Bildungsgelder erhalten. Der Rest geht an Länder mit mittlerem Einkommen wie Indien oder Pakistan. [1] Dabei investieren die Länder, die Hilfe für ihr Bildungswesen erhalten, selber durchaus mehr in Bildung: Während der Anteil der Bildungsausgaben zur Jahrtausendwende bei 15,5 Prozent der Staatsausgaben lag, gaben diese Länder im Jahr 2011 18,2 Prozent für ihr Bildungswesen aus. [3]

Eigentlich hatte sich die Welt zum Ziel gesetzt, bis 2015 allen Kindern der Welt den Besuch der Primarschule zu ermöglichen. Doch: „Es ist vollkommen ausgeschlossen, dass das Ziel bis 2015 erreicht wird.“ sagt Unesco Chefin Irina Bokova. [4] Derzeit gehen weltweit 57 Millionen Kinder im Primarschulalter nicht zur Schule –jedes zehnte Kind. Das ist eine Verbesserung im Verglich zum Jahr 2000 als noch 16 Prozent aller Kinder nicht zur Schule gingen. [5] Aber auch viele Kinder, die zur Schule gehen, lernen kaum etwas: 250 Millionen Kinder fallen durch einfache Lese- und Rechentests, obwohl sie zumindest zeitweise eine Schule besucht haben. Dabei sind Erfolge durchaus möglich wie das Beispiel von 17 Ländern zeigt. Diese Länder konnten die Zahl der Kinder, die nicht zur Schule gehen, seit dem Jahr 2000 von 27 auf vier Millionen reduzieren. Das ist eine Reduktion um 87 Prozent. „Diese Länder haben ganz unterschiedliche Voraussetzungen, aber alle haben den politischen Willen einen echten Wandel in ihrem Bildungswesen zu erreichen.“ sagt Bokova. Die erfolgreichsten Massnahmen zur Verbesserung des Schulbesuchs sind die Abschaffung von Schulgebühren, die Berücksichtigung sprachlicher Minderheiten, die Erhöhung der Bildungsausgaben sowie die finanzielle Unterstützung der ärmsten Familien. [4]

Dass Bildung tatsächlich eine der besten Investitionen darstellt, lässt sich sowohl auf individueller als auch auf nationaler Ebene zeigen. Ein einziges Jahr Schulbildung erhöht das Einkommen um rund zehn Prozent. Davon profitiert dann die ganze Volkswirtschaft. Wenn die Einwohner eines Landes im Schnitt ein Jahr länger zur Schule gehen, erhöht sich die Wachstumsrate des Pro-Kopf-Einkommens um ein Viertel. Die unterschiedliche wirtschaftliche Entwicklung von Asien und Afrika ist zu einem Grossteil auf den unterschiedlichen Bildungsstand zurückzuführen: 1965 waren Asiaten im Schnitt 2,7 Jahre länger in der Schule als die Einwohner der afrikanischen Länder südlich der Sahara. Seither war das Wachstum in Asien viermal schneller. Bildung macht aber nicht nur reicher sondern auch gesünder: Seit 1990 sind 2,1 Millionen Kinder unter fünf Jahren weniger gestorben dank besserer Bildung ihrer Mütter. Wenn alle Frauen die Primarschule abgeschlossen hätten, gäbe es zwei Drittel weniger Todesfälle im Kindbett. Ausserdem macht Bildung demokratischer: Bei Afrikanern mit Primarschulabschluss ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie Demokratie gutheissen um die Hälfte höher als bei Mitbürgern ohne Schulerfahrung. Bildung macht aber auch toleranter: In den arabischen Ländern ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand Abneigung gegenüber anderen Religionen äussert, um 14 Prozent geringer bei Menschen mit einem Sekundarschulabschluss. Und das Beste ist, dass sich der Effekt von Bildung über Generationen vererbt: Jedes zusätzliche Schuljahr für Mädchen erhöht die Dauer des Schulbesuchs der Kinder um vier Monate. Kurz, die Sonntagsredner haben Recht, bloss müssen sie ihren Worten auch Taten folgen lassen. [6] mic

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