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USA kurz vor Exportboom bei Flüssiggas

Von Null auf Platz drei der grössten Exporteure in zehn Jahren

Die USA werden in den nächsten Jahren zu einem der drei wichtigsten Spieler auf dem Markt für Flüssiggas. Die EU-Kommission vermutet daher, dass die USA mit Hilfe von Sanktionen den Konkurrenten Russland auf Europas Gasmarkt klein halten wollen.

Derzeit windet sich ein Gesetz mit neuen Sanktionen gegen Russland durch den US-Kongress. Dieses sieht Strafen gegen Firmen vor, die Russland beim Export von Gas helfen. In Berlin und Brüssel ist daher die Aufregung gross, denn das Gesetz könnte auch gegen europäische Konzerne angewendet werden, die an der ‚Nord Strean 2‘ Pipeline beteiligt sind. Diese Röhre soll unter Umgehung der Ukraine russisches Gas nach Deutschland liefern. Die EU-Kommission fürchtet denn auch einen Eingriff der USA in Europas Energiepolitik und will „innerhalb von Tagen“ mit Gegenmassnahmen reagieren, falls das Gesetz verabschiedet wird. [1] Die EU-Kommission hat zudem den Verdacht, dass es den USA weniger um die Bestrafung Russlands für die Einmischung in die US-Wahlen geht sondern um schnöden Profit: Washington sanktioniere russisches Gas, um mehr US-Flüssiggas (LNG) exportieren zu können, glauben viele in Brüssel.

Schubumkehr. Eigentlich wurde das LNG-Terminal in Sabine Pass für den Import von Gas gebaut. Doch dann wurden die USA zum Gasexporteur. (Foto: Think Defence / Flickr)

Schubumkehr. Eigentlich wurde das LNG-Terminal in Sabine Pass für den Import von Gas gebaut. Doch dann wurden die USA zum Gasexporteur. (Foto: Think Defence / Flickr)

Aber können die USA beim Gasexport in der gleichen Liga wie Russland spielen? Die kurze Antwort auf diese Frage lautet: Noch nicht aber wohl bald. Russland hat letztes Jahr gut 150 Milliarden Kubikmeter Gas an EU-Kunden verkauft – Rekord – und bestreitet ein Drittel des EU-Gasverbrauchs. [2] Im Vergleich dazu sind die US-Exporte minimal. Noch wird über jede US-Lieferung in den Medien berichtet: Bis jetzt haben Portugal, Polen und Grossbritannien US-LNG erhalten. Die USA begannen erst im Februar 2016 mit dem LNG-Export. Damals nahm das LNG-Terminal des US-Konzerns Cheniere in Sabine Pass den Betrieb auf. Bis in zwei Jahren soll dieses Terminal ausgebaut werden – auf eine Kapazität von 42 Milliarden Kubikmeter. [3] Ausserdem sind fünf weitere Terminals im Bau mit einer Kapazität von weiteren 73 Milliarden Kubikmetern. [3] Diese sollen ebenfalls in den Jahren 2018 und 2019 fertig sein. Für vier weitere Terminals liegen schliesslich Baugenehmigungen vor. Damit würden die USA zum drittgrössten LNG-Exporteur der Welt aufsteigen mit einem Marktanteil von 14 Prozent nach Australien mit 22 Prozent und Katar mit 20 Prozent. [3]

Gleich kommt die Welle. Noch sind die US-LNG-Exporte (dunkelblau) minimal. Doch für die kommenden Jahre wird ein massiver Anstieg erwartet. (Grafik: EIA 2017)

Gleich kommt die Welle. Noch sind die US-LNG-Exporte (dunkelblau) minimal. Doch für die kommenden Jahre wird ein massiver Anstieg erwartet. (Grafik: EIA 2017)

All diese Terminals haben zudem etwas gemeinsam: Sie liegen an der US-Ostküste. Der US-Energieminister Rick Perry sagt denn auch, wen er als Kunden für das Gas sieht: „Eine zunehmende Zahl an LNG-Lieferungen werden erwartungsgemäss nach Europa verkauft, wenn mehr Terminals entlang der Ostküste die Produktion aufnehmen.“ [4] Der Transport von LNG ist relativ teuer, da Spezialschiffe erforderlich sind, auf denen das Gas permanent auf minus 162 Grad gekühlt wird. Dank der Erweiterung des Panamakanals sind auch LNG-Transporte von der US-Ostküste nach Asien möglich. Kürzer und billiger bleibt aber der Weg über den Atlantik.

Europa wir kommen. Bald liegen sechs Terminals für den Export von Flüssiggas mit einer Kapazität von 115 Milliarden Kubikmetern pro Jahr gleich auf der anderen Seite des 'Teichs'. (Grafik: IHS Markit)

Europa wir kommen. Bald liegen sechs Terminals für den Export von Flüssiggas mit einer Kapazität von 115 Milliarden Kubikmetern pro Jahr gleich auf der anderen Seite des ‚Teichs‘. (Grafik: IHS Markit)

Um Marktanteile im eigentlich gesättigten Gasmarkt zu erobern, setzen US-Exporteure auf Flexibilität und den Preis. Statt langjährige Lieferverträge abzuschliessen verkaufen sie ihr Produkt oft auf dem Spotmarkt. Cheniere bietet ausserdem Verträge an, wo der Endpreis an den Preis gekoppelt ist, der auf Amerikas Gasumschlagsplatz ‚Henry Hub‘ gerade gilt. [5] Der ‚Henry Hub Preis‘ liegt meist deutlich unter dem Gaspreis in Europa oder Asien. Das wird wohl auch so bleiben, denn in den USA ist Gas oft ein Beiprodukt der Ölförderung. Duane Kokinda vom US-Pipelinekonzern Kinder Morgan sagt: „Ölfirmen wollen das Gas so schnell wie möglich los werden, damit sie mehr Öl fördern können.“ [3] Für die Ölfirmen ist das Gas somit nur ein ‚Zubrot‘ und der Preis nicht entscheidend.

Die US-Gasindustrie hat zudem in Präsident Donald Trump einen wichtigen Mentor und dieser macht eine klare Ansage: Seiner Regierung gehe es nicht länger um „Energie-Unabhängigkeit“ sondern um „Energie-Vorherrschaft“. [6] LNG-Exporte hätten einen weiteren Vorteil meint der Energiemarktexperte Daniel Yergin: „Die Trump-Regierung mit ihrem Fokus auf bilaterale Handelsdefizite sieht LNG als Möglichkeit diese Defizite anzugehen.“ [3] Ein Kandidat ist hier Südkorea. Das Land könnte LNG aus den USA statt aus Australien oder Katar beziehen um den Exportüberschuss im Handel mit den USA zu senken. Aus Sicht von Harold Hamm, dem Chef des Öl- und Gaskonzerns ‚Continental Resources‘ ist derweil klar: „Gas aus den USA wird einen weltweiten Impact haben.“ [7] Jetzt müssen nur noch die Europäer entscheiden, wo ihr Gas in Zukunft herkommen soll. mic

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[1] Politico, 24.07.2017: Brussels prepares to bite back at US over Russia sanctions

[2] Gazprom, Stand 25.07.2017: Gas supplies to Europe

[3] Natural Gas World, 24.07.2017: Global impact of US LNG (paywall)

[4] US-Regierung, 09.06.2017: Statement by Rick Perry, U.S. Secretary of Energy, on LNG Shipments to the Netherlands & Poland

[5] MarketRealist, 07.03.2016: Analyzing Cheniere Energy’s Commodity Price Exposure

[6] US-Regierung, 29.06.2017: Remarks by President Trump at the Unleashing American Energy Event

[7] CNBC, 12.06.2017: Harold Hamm: Natural gas from the USA is going to have a ‘world impact’

 

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