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Das Peak Oil Gespenst geht wieder um

Regierungen sorgen sich, dass die Ölproduktion ihr Maximum erreicht (hat)

Die Peak Oil Theorie besagt, dass die weltweite Ölproduktion früher oder später ihr Maximum erreicht und dann wieder abfällt. Da immer wieder neue Ölfelder gefunden werden und sich bei steigenden Ölpreisen auch die Ausbeutung von Tiefseefeldern oder Teersand lohnt, ist es aber schwierig abzuschätzen, ab wann die Welt mit sinkenden Ölfördermengen zu rechen hat. In schöner Regelmässigkeit warnen daher Experten, dass Peak Oil kurz bevorsteht. Bislang haben sich diese Prognosen aber alle als falsch erwiesen. Doch nun sorgen sich immer mehr Regierungen und vor allem auch die Internationale Energie Agentur IEA, dass das Fördermaximum bald erreicht sein könnte und der Ölpreis dann explodiert.

Die erste ernstzunehmende Warnung kam im IEA Jahresbericht 2008 (Seite7): „Bis ins Jahr 2015 muss die weltweite Ölförderung um 30 Millionen Barrel pro Tag erhöht werden. Es besteht eine reale Gefahr, dass unzureichende Investitionen zu einer massiven Angebotsverknappung in diesem Zeitrahmen führen.“ Und der Chef-Ökonom der IEA Fatih Birol wird sogar noch deutlicher: „Die Zeit des billigen Öls ist vorbei.“ Grundlage dieser Prognose ist die Beobachtung, dass die Fördermenge in bekannten Ölfeldern deutlich schneller sinkt als zuvor angenommen. Fatih Birol kommt daher zum Schluss: „Wir müssen das Öl verlassen, bevor es uns verlässt.“

Und dies könnte schon bald passieren. Im März diesen Jahres publizierte Le Monde ein Interview mit dem Chef-Ölanalysten der Obama Regierung. Und dieser bestätigt, dass bereits nächstes Jahr die Ölnachfrage das –angebot übersteigen könnte: „Wenn die Investitionen nicht da sind, besteht die Möglichkeit, dass wir einen Rückgang (der Fördermenge) erleben könnten.“ Diese Aussage deckt sich mit einer Grafik aus dem amerikanischen Energiedepartement (Seite 8). Die Grafik zeigt einen Abfall der Ölproduktion ab 2012 (siehe unten). Bis 2015 steigt die fehlende Menge auf 10 Millionen Barrel pro Tag an. Das entspricht etwa der Fördermenge von Saudi Arabien. Aber auch in Grossbritannien macht man sich Sorgen. Hier sorgen die unrealistisch hohen Angaben zu den Ölreserven der Opec Länder für Stirnrunzeln. „Die Ölreserven werden überschätzt und wenn man dies berücksichtigt, dann wird in den Jahren 2014 oder 2015 das Angebot kleiner sein als die Nachfrage.“ sagt der Chef Wissenschaftler der britischen Regierung Sir David King.

Welche Auswirkungen ein derartiges Szenario haben könnte, zeigt eine Studie der Deutschen Bank: Sie prognostizieren, dass kurz nachdem die Ölförderung ihr Maximum erreicht hat, der Ölpreis auf 175 Dollar pro Barrel hochschiesst. Anschliessend erwarten die Deutschbanker aber wieder fallende Preise, da sie wegen der zunehmenden Zahl von Elektro- und Hybridautos von einer sinkenden Benzinnachfrage ausgehen. In diesem Szenario wäre Peak Oil schlecht für die Wirtschaft aber gut fürs Klima. Doch ein Rückgang der Ölförderung hat noch weitere ernstzunehmende Folgen: Die verbleibenden Ölreserven befinden sich hauptsächlich in Opec Ländern. Die Abhängigkeit der Welt von der politischen Situation im Nahen Osten und im Persischen Golf nimmt somit zu. Am Gefährlichsten sind aber die Auswirkungen auf die Nahrungsmittelpreise: Peak Oil dürfte zu einer Ausweitung der Biospritproduktion führen. Bereits heute wird ein Drittel der US Maisproduktion zur Herstellung von Ethanol genutzt wird und dieser Anteil soll bis 2015 auf die Hälfte steigen. Zudem ist Öl ein wichtiger Kostenbestandteil der Landwirtschaft. Nicht nur Benzin für Traktoren sondern vor allem auch die Düngerherstellung benötigt grosse Mengen an Öl. Sollten die Peak Oil Auguren diesmal Recht behalten, ist somit nicht nur mit höheren Öl- sondern auch mit höheren Nahrungsmittelpreisen zu rechnen. In einer Welt in der schon heute über eine Milliarde Menschen Hunger leidet, kann ein Anstieg der Nahrungsmittelpreise verheerende Folgen haben. Auch wenn die Peak Oil Prognosen bislang immer falsch waren, sollte man daher dennoch die Warnungen der amerikanischen und britischen Regierungen nicht leichtfertig in den Wind schlagen. mic

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