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Die halbe Welt will einen CO2 Preis

Der Verlust an Wäldern soll bis 2020 halbiert und bis 2030 gestoppt werden

Während sich die Klimaverhandlungen immer wieder an Fussnoten festfressen, sollte der Klimagipfel den Führern der Welt eine Bühne geben, um „kühne“ Ankündigungen zu machen. Das Resultat sind neue Initiativen zur Einführung eines CO2 Preises, zur Finanzierung von Erneuerbaren Energien und zum Schutz der Wälder.

„Wir sind nicht hier, um zu reden. Wir sind hier, um Geschichte zu machen.“ sagte UN-Chef Ban Ki-moon zu Beginn des Klimagipfels am Dienstag. Dazu hatte Ban über 120 Staats- und Regierungschefs sowie unzählige Umweltminister in New York versammelt, die dann im Vier-Minutentakt erklärten, was ihre Länder gegen den Klimawandel unternehmen wollen. In Parallelveranstaltungen hatten zudem Firmenchefs die Gelegenheit, Klimaschutzinitiativen der Wirtschaft vorzustellen. Damit will Ban neuen Schwung in den Kampf gegen den Klimawandel bringen. Nach der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen im Jahr 2009 war das Thema weitgehend von der internationalen Agenda verschwunden, während die Emissionen von Treibhausgasen immer weiter und schneller anstiegen. Um diesen Trend zu brechen und die Klimaerwärmung auf zwei Grad zu begrenzen haben sich die Länder versprochen, nächstes Jahr in Paris einen neuen Weltklimavertrag zu verabschieden. Der Klimagipfel markiert somit den Beginn des Endspurts auf dem Weg nach Paris.

John D. Rockefeller wurde dank Standard Oil zum reichsten Mann der Welt.  Doch nun haben seine Nachkommen beschlossen, lieber in Erneuerbare Energien zu investieren. (Bild: Wikimedia)

John D. Rockefeller wurde dank Standard Oil zum reichsten Mann der Welt. Doch nun haben seine Nachkommen beschlossen, lieber in Erneuerbare Energien zu investieren. (Bild: Wikimedia)

Wie erwartet haben die meisten Länder keine neuen Emissionsreduktionen angekündigt. Die EU wird ihr Emissionsziel für das Jahr 2030 im Oktober festlegen und die USA und China werden ihre Ziele im ersten Quartal 2015 vorstellen. Sowohl US-Präsident Barack Obama als auch der chinesische Vizepremier Zhang Gaoli haben aber klar gemacht, dass sie sich ihrer Verantwortung bewusst sind: „Die starken Statements der beiden grössten Emittenten senden ein klares Signal, dass sie daran arbeiten, ein ehrgeiziges Abkommen in Paris zu erreichen.“ sagt Jennifer Morgan von der Umweltorganisation World Resources Institute. Etwas konkretere Zusagen kamen derweil von einer Städteallianz. 2000 Städte wollen ihre Emissionen bis 2020 um 450 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr absenken. Aufmerksamkeit erhielt inbesondere New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio, der angekündigt hat die Emissionen der US-Metropole in den nächsten 35 Jahren um 80 Prozent zu senken. Schweden, Dänemark, Island und Tuvalu haben zudem ihre Pläne bestätigt, ihre Emissionen bis 2050 auf Null zu senken.

Das Mittel der Wahl um eine weltweite Reduktion der CO2 Emissionen zu erreichen ist ein Preis auf CO2. 73 Regierungen und über 1000 Unternehmen unterstützen eine CO2 Steuer oder ein Emissionshandelssystem. Diese machen 52 Prozent der Welt-Wirtschaftsleistung, 54 Prozent der globalen Emissionen und knapp die Hälfte der Weltbevölkerung aus, wie die Weltbank ausregechnet hat. Aus Sicht von Klaus Schwab, dem Gründer des Weltwirtschaftsforums in Davos, ist es damit dem Klimagipfel tatsächlich gelungen Geschichte zu machen: „Historiker könnten eines Tages unser heutiges Treffen als Beginn einer neuen Ära im wirtschaftlichen Denken bezeichnen. Eine Ära, in der wir externe Kosten in unser Verhalten internalisieren, sei es als Regierungen, Firmen, Städte oder als Bürger.“ Denn genau darauf zielt ein CO2 Preis ab: Weil derzeit CO2 meist noch kostenlos in der Atmosphäre entsorgt werden kann, wird zuviel CO2 produziert und das Klima geschädigt. Doch wenn CO2 einen angemessenen Preis erhält, ändern Unternehmen und Verbraucher ihr Verhalten, um Geld zu sparen. Die Emissionen und folglich auch die Kosten durch den Klimawandel sinken.
Diese angestrebte Verhaltensänderung wird sich insbesondere in der Energiewirtschaft zeigen, wo Kohle, Öl und Gas durch CO2 freie Energiequellen ersetzt werden müssen. Doch viele Investoren und Banken wollen nicht warten, bis überall ein CO2 Preis existiert. Eine Gruppe von institutionellen Investoren wie der schwedische Pensionsfonds haben angekündigt, ihre Anteile an herkömmlichen Energiekonzernen zu verkaufen. Besondere Aufmerksamkeit erhielt hier die Familienstiftung der Rockefellers: Die Nachkommen des Ölmagnaten wollen ihr Geld nun in Erneuerbare Energien investieren. Zusätzliches Geld für die Erneuerbaren soll zudem aus dem Verkauf von ‚Grünen Anleihen‘ (green bonds) kommen. Der Chef der Bank of America schätzt, dass der Markt für diese Anleihen von heute 40 Milliarden Dollar auf 300 Milliarden Dollar im Jahr 2020 ansteigen wird. Zudem haben einige Länder versprochen Geld in den Grünen Klimafonds der UNO einzuzahlen, mit dem Klimaschutzmassnahmen in Entwicklungsländern gefördert werden sollen. Deutschland und Frankreich geben je eine Milliarde Dollar und die Schweiz ‚mindestens‘ 100 Millionen. Weitere Zusagen kamen aus Schweden, Dänemark, Mexiko und Südkorea, wo der Fonds seinen Sitz hat.

Viel Geld wird ausserdem wie gewohnt Norwegen in den Klimaschutz investieren: ‚mindestens‘ 500 Millionen Dollar pro Jahr. Der grösste Teil davon wird in den Schutz der Wälder fliessen. Hier hat sich eine Gruppe von Ländern, Grosskonzernen, indigenen Völkern und Umweltorganisationen ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Innert fünf Jahren soll der Verlust an Wald halbiert und bis 2030 komplett gestoppt werden. Ausserdem sollen bis dann 3,5 Millionen Quadratkilometer Wald rehabilitiert werden. Das ist mehr als die Fläche von Indien oder zehn mal die Fläche von Deutschland. Die beteiligten Grosskonzerne haben zudem versprochen, dafür zu sorgen, dass durch die Produktion von Palmöl, Soya, Papier und Rindfleisch kein Wald verloren geht. Durch diese Massnahmen können 10 bis 17 Prozent der weltweiten CO2 Emissionen vermieden werden. Dies entspricht den Emissionen aus dem Strassen- und Flugverkehr in den USA, China und Indien. Für Erna Solberg, die Ministerpräsidentin von Norwegen, ist die Initiative denn auch schlicht „bahnbrechend in ihrem Ehrgeiz“. Und so war Ban Ki-moon am Ende ‚seines‘ Klimagipfels denn auch zufrieden. „Es war ein grossartiger Tag.“ mic

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Dieser Artikel beruht weitgehend auf drei ausgezeichneten Liveblogs:

1 The Guardian, 23.09.2014: UN climate change summit in New York

2 World Resources Institute, 2309.2014: United Nations climate summit 2014

3 Responding to Climate Change, 23.09.2014: As it happened: World leaders pledge climate action in New York

Eine Übersicht über die Ankündigungen der Länder bietet Mashable:

4 Mashable, 233.09.2014: UN climate summité Who’s promised what

Die offizielle Seite der UNO zum Klimagipfel findet sich derweil hier:

5 UNO, September 2014: Climate Summit 2014

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