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Hilfgelder für Artenschutz werden verdoppelt

Der Verlust an Tier- und Pflanzenarten geht beinahe ungebremst weiter

Ein Fisch auf dem Teller ist etwas ‚wert‘ ist, ein Fisch im Meer aber nicht. Dies führt zu einer Fehlsteuerung der Weltwirtschaft und falls keine Gegenmassnahmen ergriffen werden zu massiven Verlusten.

Heute sterben bis zu 380 Tier- und Pflanzenarten aus. Und morgen wieder. Jeden Tag. Die meisten davon sind unbekannt. Aber auch die bekannten Arten sind gefährdet: ein Viertel der Säugetiere, ein Zehntel der Vögel und 40 Prozent aller bekannten Amphibien stehen auf der Roten Liste der International Union for the Conservation of Nature und sind vom Aussterben bedroht. Dieser massive Verlust an biologischer Vielfalt gilt als sechstes Massenaussterben in der Erdgeschichte. Doch damit soll bis 2020 Schluss sein. Vor vier Jahren haben die Mitgliedsländer der UN-Biodiversitätskonvention CBD die sogenannten Aichi Ziele verabschiedet. Darin ist vorgesehen den Verlust an natürlichen Lebensräumen bis 2020 zu halbieren, die Überfischung der Weltmeere zu stoppen sowie 17 Prozent der Landfläche und 10 Prozent der Meere unter Schutz zu stellen. Doch die Welt liegt nicht im Plan, wie eine CBD Folgekonferenz letzte Woche in Pyeongchang, Südkorea, gezeigt hat. Das kann die Welt teuer zu stehen kommen, wie Achim Steiner, der Chef des UN-Umweltprogramms festgestellt hat: „Wenn wir nicht handeln, um den Artenverlust zu stoppen, werden sich die Kosten bis 2050 auf 14‘000 Milliarden Dollar pro Jahr aufsummieren.“ Diese Summe entspricht knapp einem Fünftel des aktuellen Welt-Bruttoinlandsprodukts BIP.

Nicht nur schön: Korallenriffe produzieren Umweltleistungen im Wert von 1000 Milliarden Dollar pro Jahr (Foto: Catlin Seaview Survey)

Nicht nur schön: Korallenriffe produzieren Umweltleistungen im Wert von 1000 Milliarden Dollar pro Jahr (Foto: Catlin Seaview Survey)

Investitionen in den Schutz der Artenvielfalt lohnen sich also. Die CBD Mitgliedsländer haben sich daher versprochen mehr in den Artenschutz zu investieren. Ausserdem soll die finanzielle Unterstützung für die ärmsten Länder der Welt und die kleinen Inselstaaten verdoppelt werden. Diese Entscheidung haben die CBD Mitglieder eigentlich schon vor zwei Jahren getroffen. Doch damals hat man es versäumt, festzulegen, welcher Betrag verdoppelt werden soll. Dies hat man nun nachgeholt: Als Grundlage des Verdoppelungsbeschluss gelten nun die durchschnittlichen Ausgaben der Jahre 2006 bis 2010. Diese sollen nun ab nächstem Jahr verdoppelt und dann bis 2020 beibehalten werden. Trotzdem wird das nicht reichen wie EU-Umweltkommissar Janez Potocnik sagt: „Es wird nicht möglich sein, die Finanzierungslücke komplett zu schliessen, so lange wir Entwicklungen fördern, die den Verlust an Artenvielfalt beschleunigen.“ Denn in vielen Ländern wird die Ausrottung von Arten subventioniert, etwa durch Beihilfen für die Fischereiindustrie oder die Subvention von fossilen Energien wie Kohle, Öl und Gas. „Es ist inakzeptabel, dass ökologisch nachteilige Subventionen hundert- bis tausendmal höher sind als die Fördermittel zum Schutz der Biodiversität“, sagt denn auch Hubert Weiger, der Chef des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland.

Das Problem ist, dass der Verlust an Arten keinen Eingang in wirtschaftliche Überlegungen findet. Fische, die gefangen und verkauft werden, zählen zum BIP, während Fische im Meer ‚wertlos‘ sind. Dies beklagt auch Yvo de Boer, der frühere Chef der UN-Klimakonvention und heutige Chef des Global Green Growth Institutes: „Das fundamentale Problem ist, dass so viele Werte keinen Eingang in die Gleichung finden,“ wie etwa auch beim Klimawandel: „Es hat lange gedauert bis die Leute verstanden haben, dass es beim Klimawandel auch um die Umwelt geht, aber noch viel mehr um harte Ökonomie.“ Aus diesem Grund hätte sich de Boer auch mehr Ökonomen und Manager bei der Konferenz in Südkorea gewünscht: „Hier gibt es viele Bärte und Sandalen. Ein Nadelstreifenanzug hier oder da würde nicht schaden.“ Ausserdem beklagt er das fehlende Interesse für den Artenschutz: „Biodiversität ist das Stiefkind des internationalen Prozesses. Das Klima bekommt die ganze Aufmerksamkeit und der Artenschutz fast keine.“ [1]

Trotzdem konnte die Konferenz in Südkorea mit Fortschritten aufwarten: Mittlerweile wurden drei Viertel der Meere auf ihren Artenreichtum untersucht und 150 besonders wertvolle Meeresgebiete identifiziert. Und auch das weltweite Management der Artenvielfalt wurde verbessert: So wurde beschlossen ein System einzurichten, um den Verlust und die Wiederherstellung von Lebensräumen an Land und zur See zu überwachen. Ausserdem wurden Massnahmen zur Reduktion des Lärms in den Weltmeeren verabschiedet. Die Geräusche von Schiffsmotoren und der Lärm der Öl- und Gasförderung verunmöglichen es etwa Walen miteinander zu kommunizieren. Und schliesslich trat während der Konferenz das Nagoya Protokoll in Kraft. Dieses regelt den Zugang zu genetischen Ressourcen und die Verteilung der Gewinne aus deren Nutzung. Damit soll die sogenannte ‚Biopiraterie‘ unterbunden werden. So hatte sich die US-Chemiefirma Grace ein Patent auf ein Extrakt des Niembaums gesichert, das als Antipilzmittel in der Landwirtschaft genutzt wird. Der Haken an dem Patent: Indische Bauern wussten von Alters her, dass sich die Samen des Niembaums als Antipilzmittel eignen. Somit hatte Grace auch Nichts ‚erfunden‘ und das Patent wurde für ungültig erklärt. Aufgrund dieses und ähnlicher Fälle befürchteten viele Entwicklungsländer, ausländische Grosskonzerne würden sich die genetischen Ressourcen der Länder aneignen und behinderten die Erforschung ihrer Arten. „Keiner hat keinem getraut“ sagt Braulio de Souza Dias, der Chef der UN-Biodiversitätskonvention. Doch damit sollte nun Schluss sein, da die Gewinnverteilung geregelt ist. Jetzt muss die Welt nur noch dafür sorgen , dass nicht täglich bis zu 380 Tier- und Pflanzenarten verschwinden, denn sonst gibt es nur noch Verluste zu verteilen. mic

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[1] RTCC, 16.10.2014: Biodiversity – the ‘stepchild’ of international talks

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