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Auch in Ostasien hat Kohle keine Zukunft

Neue Regierungen in Südkorea und Taiwan machen Energiewende

Lange galten die JKT-Länder, Japan, Südkorea und Taiwan, als Kohle- und Atomstrom verliebt. In Südkorea und Taiwan setzen neue Regierungen aber nun auf Gas sowie Wind und Sonne. Japans Regierung hat ihr Position noch nicht geändert, aber auch dort finden sich keine Geldgeber für Kohlemeiler mehr.

8,7 Prozent. Mit dieser Rate werden die Kohleimporte von Japan, Südkorea und Taiwan in den nächsten fünf Jahren wachsen. Das erwartet zumindest der Chefökonom von Australiens Regierung und prophezeit der Kohleindustrie seines Landes gute Geschäfte. Dabei scheint er aber übersehen zu haben, dass Taiwan und Südkorea soeben in die Energiewende eingestiegen sind und in Japan die Kohleimporte sinken. Der US-Think Tank ‚Institute for Energy Economics and Financial Analysis‘ (Ieefa) kommt daher zum Schluss, dass die Kohleimporte der drei als ‚JKT‘ bekannten Länder jährlich um zwei Prozent sinken werden. [1]

Energie 1-0-1. Bald wird auch der Turm 'Taipei 101' mit deutlich mehr Ökostrom versorgt. (Foto: Dave Wilson / Flickr)

Energie 1-0-1. Bald wird auch der Turm ‚Taipei 101‘ mit deutlich mehr Ökostrom versorgt. (Foto: Dave Wilson / Flickr)

Am weitesten fortgeschritten sind die Pläne für die taiwanische Energiewende. Die neue Präsidentin Tsai Ing-wen will bis zum Jahr 2025 aus der Atomenergie aussteigen und gleichzeitig die Kohleverstromung deutlich senken. Zum Ausgleich sollen mehr Gaskraftwerke zum Einsatz kommen und die Erneurbaren deutlich ausgebaut werden. Taiwan erzeugt derzeit nur fünf Prozent seine Stroms mit Sonne und Wind. Dieser Anteil soll auf 20 Prozent steigen. Die Voraussetzungen insbesondere für Wind sind gut. Onshore ist daher eine Kapazität von 1,2 Gigawatt und Offshore sogar von 3 Gigawatt geplant.

Aktueller und geplanter Strommix in Taiwan

 Anteil im Jahr 2016Anteil im Jahr 2025
Kohle45%30%
Atom18%0%
Gas32%50%
Erneuerbare5%20%
Total100%100%
Quelle: [4]

 

Südkorea hat ebenfalls einen neuen Präsidenten, Moon Jae-in. Dieser hat bereits ein Atomkraftwerk abgeschaltet und acht Kohlemeiler zeitweilig stillgelegt. Während des Wahlkampfs herrschte extreme Luftverschmutzung in der Hauptstadt Seoul, die nur noch von Indiens Hauptstadt Neu-Delhi übertroffen wurde. Moon versprach während seiner Amtszeit zehn alte Kohlekraftwerke still zu legen. Ausserdem hat er angekündigt den Bau von acht Meilern zu stoppen, die erst zu weniger als zehn Prozent fertig gestellt sind. Das gleiche gilt für Atomkraftwerke: Hier hat er den Bau von zwei neuen Anlagen vorläufig gestoppt.

Aktueller und geplanter Strommix in Südkorea

 Anteil im Jahr 2015Anteil im Jahr 2030
Kohle39%25%
Atom31%18%
Gas19%37%
Erneuerbare5%20%
Öl6%0%
Total100%100%
Quelle 2015: [4] und Quelle 2030: [5]

 

In Japan hält die Regierung noch an ihrem Plan fest, neue Kohlekraftwerke mit einer Kapazität von 23 Gigawatt zu errichten. Dieses Jahr wurden aber bereits zwei Projekte von den Betreibern gestoppt. Japan hat seit dem Nuklearunglück von Fukushima im Jahr 2011 die Kapazität seiner Wasser-, Solar- und Windkraftwerke auf 100 Gigawatt mehr als verdoppelt. Ausserdem ist der Stromverbrauch in den letzten sieben Jahren um zwölf Prozent gesunken. Sollten einige der derzeit still gelegten Atomkraftwerke wieder ans Netz gehen, werden noch weniger Kohlekraftwerke benötigt.

Aktueller und geplanter Strommix in Japan

 Anteil im Jahr 2015Anteil im Jahr 2030
Kohle31%26%
Atom1%21%
Gas44%27%
Erneuerbare15%23%
Öl9%3%
Total100%100%
Quelle: [6]

 

Der Ieefa-Analyst Tim Buckley sieht die australische Kohleindustrie denn auch vor schwierigen Zeiten: „Die Wahl von Moon Jae-in bringt grosse Veränderungen für Südkoreas Energiesektor und kommt zu einer Zeit, zu der Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen ebenfalls eine radikale Transformation des Stromsektors vorantreibt“, sagte Buckley gegenüber der britischen Zeitung Guardian. „Kombiniert mit den zunehmenden Anzeichen eines Wandels in Japans Stromsektor sieht Alles danach aus, dass dies grosse Auswirkungen auf den Kohlesektor haben wird.“ [2] Was wie eine Warnung für australische Minenbetreiber klingt, kennt einen klaren Gewinner: das Klima. mic

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[1] IEEFA, 30.05.2017: More Evidence of Stark Change in Seaborne Thermal Coal Markets

[2] Guardian, 11.07.2017: Energy economics group says export market for Australian coal will decline

[3] Taiwan News, 16.05.2017: Taiwan outlines 8-year wind energy development plan

[4] EIA, Stand 21.07.2017: Korea, South

[5] Science, 30.06.2017: South Korea’s nuclear U-turn draws praise and darts

[6] Global Legal Insights, Stand 21.07.2017: Japan – Energy 2017

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