[an error occurred while processing this directive]
weltinnenpolitik.net Rotating Header Image

King Coal ganz klein

US-Kohleindustrie droht Pleitewelle

Wenn der Preis fällt, steigt die Nachfrage. Doch für den Kohlemarkt scheint diese Regel nicht mehr zu gelten. Ausser in Indien fällt die Nachfrage nach Kohle in den meisten Ländern, obwohl der Kohlepreis in den letzten vier Jahren um 60 Prozent gefallen ist.

Während sich der Ölpreis wieder stabilisiert hat, kennt der Preis für Kohle nur eine Richtung: runter. Seit dem Alllzeithoch im Januar 2011 als der Kohlepreis bei knapp 140 Dollar pro Tonne lag, ist der Preis um 60 Prozent gefallen auf noch 55 Dollar im April dieses Jahres. Im Moment liegt er bei rund 60 Dollar. Der Grund für den anhaltenden Preisverfall ist ein steigendes Angebot bei stagnierender Nachfrage. Die grossen Minenkonzerne und Exportländer reduzieren trotz des Preisverfalls die Produktion nicht. Ähnlich wie das Ölkartell Opec versuchen sie ihren Marktanteil zu verteidigen und hoffen, dass der Preis irgendwann wieder steigt. „Es ist die gleiche Strategie bei Kohle wie bei Öl.“, sagt Guillaume Perret, der Direktor von Perret Associates, einem Beratungsunternehmen aus London. „Die grossen Minenbetreiber, besonders die mit niedrigen Produktionskosten, fördern weiter und drücken teurere Konkurrenten aus dem Markt.“ [1] Hinzu kommt, dass der starke Dollar für Produzenten ausserhalb der USA einen Teil des Preisverfalls kompensiert.


In den letzten vier Jahren ist der Preis für Kohle um 60 Prozent gefallen.
(Grafik: tradingeconomics.com)

Ob die Rechnung der grossen Minenbetreiber aufgeht, hängt aber von der Nachfrage ab. Die Internationale Energieagentur IEA schätzte letztes Jahr, dass die globale Kohlenachfrage bis 2019 um 2,1 Prozent pro Jahr zunimmt. Drei Fünftel dieses Wachstums sollen auf China entfallen, das für die Hälfte des globalen Kohlekonsums verantwortlich ist. [2] Doch hier könnte sich die IEA getäuscht haben: Im vergangenen Jahr ist der Kohlekonsum Chinas um 2,5 Prozent gefallen. [3] Dies liegt zum einen am geringeren Wirtschaftswachstum in China. Zum anderen investiert China aber auch massiv in Sonne, Wind, Wasserkraft und Atomenergie. Wegen der grotesken Luftverschmutzung in vielen chinesischen Städten schliesst die Regierung zudem ältere, ineffiziente Kohlekraftwerke. Viele Beobachter gehen daher davon aus, dass der Kohleverbrauch in China ab jetzt zurückgeht: „Die Nachfrage nach Kohle hat in China den Scheitelpunkt überschritten.“, sagt Laban Yu, ein Analyst der US-Investmentbank Jefferies. „Die Nachfrage ging letztes Jahr zurück und wird dieses Jahr vielleicht noch stärker sinken. Die Kohlepreise werden sich nie erholen, niemals.“ [4]

Regel Nummer Eins: "When stuck in a hole, stop digging." (Foto: Peabody Energy)

Regel Nummer Eins: “When stuck in a hole, stop digging.” (Foto: Peabody Energy)

In den USA, dem zweitgrössten Markt für Kohle, sieht die Situation ähnlich aus: Der Markt hat sich strukturell geändert und die Kohlenachfrage wird immer weiter sinken. Die Gründe dafür sind ähnlich wie in China: der Ausbau der Erneuerbaren und Verordnungen zur Verbesserung der Luft. Zudem ist der Gaspreis dank Fracking so stark gesunken, dass mittlerweile gleich viel Strom mit Gas wie mit Kohle erzeugt wird. In den letzten zehn Jahren ist der Kohleverbrauch daher um zehn Prozent gesunken. Das hat tiefe Spuren in den Bilanzen der grossen US-Kohleproduzenten hinterlassen: Der Aktienkurs der drei grössten Produzenten, Peabody Energy, Arch Coal und Alpha Natural Ressources, hat sich dieses Jahr halbiert. [5] Anleihen von Peabody bringen mittlerweile 15 Prozent Rendite, was ein nicht unerhebliches Konkursrisiko in den nächsten Jahren impliziert. [5] Die australische Bank Macquarie warnt denn auch vor einer „Pleitewelle“ in der US-Kohleindustrie. [6] Dabei sind in den letzten Jahren bereits 26 Kohleproduzenten bankrott gegangen. [7] Die letzte Hoffnung der Kohleindustrie ist nun Indien: Hier wächst der Kohleverbrauch noch und das Land überholt dieses Jahr China als grösster Importeur der Welt. Doch Indien hat eigentlich genug einheimische Kohle für seinen Bedarf. Indiens Energieminister Piyush Goyal will daher den Import von Kohle in den nächsten „zwei bis drei Jahren“ auf Null reduzieren. Das macht auch ökonomisch Sinn: Indien produziert die Tonne Kohle für 24 Dollar. Das ist weniger als die Hälfte des aktuellen Weltmarktpreises. [8] mic

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Dann abonnieren Sie doch weltinnenpolitik.net per RSS
oder folgen sie der Facebook Seite

[1] Bloomberg, 30.01.2015: Coal Keeps Dropping as OPEC-Like Tactic Stymied by Dollar

[2] iea, Dezember 2014: Coal – Medium Term Market Report 2014

[3] Reuters, 28.01.2015: China 2014 coal output seen down 2.5 pct, first drop in a decade

[4] Bloomberg, 19.05.2015: China Smog War Seen Dooming Coal on ‘Cheap But Dirty’ Purge

[5] Bloomberg, 20.05.2015: Peabody Bonds Plunge as Coal Miner Grapples With Low Prices

[6] Oilprice, 12.04.2015: A “Wave of Bankruptcies” About To Hit Coal Industry

[7] CarbonTracker, März 2015: The US Coal Crash – Evidence for Structural Change (PDF)

[8] CleanTechnica, 14.11.2014: India Shocks Australia, To Stop Coal Imports In 2-3 Years

Comments are closed.

[an error occurred while processing this directive]
[an error occurred while processing this directive]
[an error occurred while processing this directive]
[an error occurred while processing this directive] [an error occurred while processing this directive]
[an error occurred while processing this directive]
[an error occurred while processing this directive]