weltinnenpolitik.net Rotating Header Image

Ölpreis fällt unter null

Besonderheit des Ölmarkts sorgte für negativen Preis

Zum ersten Mal in der Geschichte war der Ölpreis am Montag negativ. Das zeigt, wie schnell sich die Tanklager für Öl ihrer Kapazitätsgrenze nähern.

Am Montag kostete ein Fass (159 Liter) der US-Ölsorte WTI minus 37 Dollar. Wer Öl verkaufte, musste dem Käufer also 37 Dollar geben, damit dieser das Öl nimmt. Am Montag bedeutete dies, dass der Käufer das Öl tatsächlich nimmt. Am Ölmarkt werden „Futures“ gehandelt, also Wertpapiere die eine Öllieferung in der Zukunft bedeuten. Die Papiere, die eine Lieferung Ende Mai nach sich ziehen, wurden gestern (Dienstag) abgerechnet. Wer also gestern ein solches Papier besaß, verpflichtete sich Ende Mai das Öl physisch in Empfang zu nehmen – in Cushing, dem Handelsplatz für US-Öl im US-Bundesstaat Oklahoma. Dort befinden sich auch die meisten Lagertanks für Öl. Der Ölexperte Damien Courvalin von der US-Investmentbank Goldman Sachs befürchtet allerdings, dass die Tanks „dann wahrscheinlich komplett voll sein werden. Letzten Freitag waren sie bereits zu 77 Prozent gefüllt und der Trend der letzten beiden Wochen deutet darauf hin, dass in der ersten Mai Woche die Lagerkapazität erreicht ist.“ [1]

Untergang. Ob sich die Ölindustrie auf einen neuen Tag freuen kann? (Foto: Pete Markham / Flickr)

Die große Frage ist nun, was passiert mit den Papieren, die eine physische Öllieferung Ende Juni nach sich ziehen. Diese verloren am Montag „nur“ 18 Prozent ihres Werts und gingen für 20 Dollar aus dem Markt. Diese Papiere profitieren unter anderem davon, dass das Ölkartell Opec und Russland ihre Förderung ab Mai um 9,7 Millionen Fass pro Tag drosseln. Zudem ist die Zahl der Fördertürme in den USA fast um die Hälfte im Vergleich zum Vorjahr gefallen. [2] Dennoch könnte auch im Mai noch eine Überangebot an Öl bestehen, denn im April liegt die Ölnachfrage um 29 Millionen Fass pro Tag unter dem Wert von 2019 wie die Internationale Energieagentur IEA schätzt. Hinzu kommt, dass eine Armada an Öltankern mit Öl aus Saudi Arabien auf die USA zusteuert. Das Königreich hat seine Exporte in die USA im März im Vergleich zum Februar mehr als verdoppelt: auf gut 0,8 Millionen Fass pro Tag. In den ersten beiden Aprilwochen wurden dann gar 1,4 Millionen Fass pro Tag angelandet, schätzt Tankertracker, eine Analysefirma, die Satellitenbilder auswertet. [3] Ein ungenannter Vertreter Saudi Arabiens bestritt diese Zahlen allerdings und sagte gegenüber dem US-Fernsehsender CNBC, sein Land exportiere derzeit rund 0,6 Millionen Fass pro Tag in die USA. [4] Trotzdem erstaunt es nicht, dass Goldman davon ausgeht, dass der Preis für die Juni-Papiere „in den kommenden Wochen wahrscheinlich unter Druck kommt“. [1]

Für die Mai-Papiere fand sich am Dienstag dann doch noch ein barmherziger Käufer, der offensichtlich über freie Lagerkapazitäten verfügt. Der Preis stieg um 33 Dollar auf minus 4 Dollar. mic

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Dann abonnieren Sie doch weltinnenpolitik.net per RSS oder Email
oder folgen sie der Facebook Seite

[1] zerohedge, 20.04.2020: Who Was Panic Selling Oil Today? Goldman Answers

[2] oilprice, 17.04.2020: U.S. Drillers Shed 260 Rigs In Five Brutal Weeks

[3] oilprice, 20.04.2020: Flood Of Saudi Oil To Hit U.S. Shores As Prices Hit $10

[4] CNBC, 17.04.2018: Saudi oil official refutes claim that crude exports to the US rose last month

Comments are closed.