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Tschechischer Energiekonzern kauft noch ein defizitäres Kohlekraftwerk

Das Steinkohlekraftwerk Mehrum geht an die tschechische EPH-Gruppe

Kohlekraftwerke bekommt man heute oft schon für einen Euro. Ob sich diese Investition lohnt, ist dennoch unsicher. Wegen der niedrigen Preise an der Strombörse schreiben Kohlemeiler Verluste und ab dem Jahr 2021 gelten neue EU-Grenzwerte für Schadstoffe.

Der tschechische Energiekonzern EPH (von ‚Energeticky a prumyslovy Holding‘) sammelt deutsche Kohlekraftwerke und Braunkohle-Tagebaue. Im Jahr 2009 übernahm EPH die Mibrag (Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft) und damit zwei Tagebaue und zwei Kraftwerke sowie andere Beteiligungen. Letztes Jahr erlöste EPH dann den schwedischen Vattenfall Konzern von seinem deutschen Braunkohlegeschäft. Damit bekam EPH vier weitere Tagebaue, vier Kohlemeiler und andere Beteiligungen. Nun ‚divesifiziert‘ der Konzern ins Steinkohlegeschäft und kauft von den Stadtwerken Hannover und Braunschweig das Kraftwerk Mehrum. [1] EPH-Vostand Jan Springl sagte zum Kauf: „Aktuell wird unser Portfolio von Braunkohle als Primärenergieträger dominiert und mit Mehrum um Steinkohle strategisch ergänzt.“ [2] Für Springl ist dies ein gutes Geschäft: „Wir sind der Überzeugung, trotz der aktuell schwierigen Marktbedingungen für Kohlekraftwerke, eine wirtschaftliche Perspektive für Mehrum im Verbund unserer Kraftwerke zu finden“ Mehrum produzierte letztes Jahr mit 120 Mitarbeitern knapp 2000 Gigawattstunden (GWh) Strom.

Nachschublinie. Das Kraftwerk Mehrum verfügt über einen eigenen Kohlehafen am Mittellandkanal. (Foto: Crux / Wikipedia)

Nachschublinie. Das Kraftwerk Mehrum verfügt über einen eigenen Kohlehafen am Mittellandkanal. (Foto: Crux / Wikipedia)

Aus Sicht der Stadtwerke Hannover sieht die Situation genau umgekehrt aus. Deren Chefin Susanna Zapreva sagte: „Die konsequente Umsetzung unserer Strategie und der wirtschaftliche Druck im Kohlekraftwerksbereich haben uns dazu veranlasst, einen Verkauf in Erwägung zu ziehen.“ [2] Die Strategie der Hannoveraner beruht auf dem Rückzug aus der Kohleverstromung und dem Ausbau der erneuerbaren Energien. Aus diesem Grund wurde sogar eine Stillegung von Mehrum geprüft. [3] Denn das Kraftwerk ist ein schlechtes Geschäft. Letztes Jahr wurde der Wert der 83,33 Beteiligung an Mehrum um 29,1 Millionen Euro reduziert – nach einem Abschreiber im Jahr 2015 von 20,6 Millionen. [4 s. S. 27] Zur Wertminderung von Mehrum im Jahr 2016 hält der Geschäftsbericht der Stadtwerke Hannover fest: „Diese trägt den veränderten Rahmenbedingungen im Zusammenhang mit der Energiewende und der Strompreisentwicklung am Terminmarkt Rechnung.“ [4 s. Anhang S. 9] Dennoch schätzen auch die Hannoveraner die Zukunft von Mehrum positiv ein. Der ‚Zeitwert‘ betrage derzeit zwar 0,0 Millionen Euro und liege damit unter dem ‚Buchwert‘ von 41,5 Millionen Euro, aber: „Eine außerplanmäßige Abschreibung (auf 0,0 Millionen) wurde unterlassen, da die Wertminderung voraussichtlich nicht von Dauer ist. Dies begründet sich darin, dass mit der Stilllegung der letzten Kernkraftwerke in Deutschland und dem Ausscheiden älterer konventioneller Kraftwerke eine bessere Vermarktbarkeit des Kraftwerks Mehrum erwartet wird.“ [4 s. Anhang S. 9] Diesen Optimismus teilt der zweite Anteilseigner von Mehrum allerdings nicht. Die Stadtwerke Braunschweig haben ihre Mehrum-Beteiligung bereits auf Null abgeschrieben. Ob Mehrum für den Buch- oder den Zeitwert verkauft wurde, ist unbekannt. Über den Preis wurde Stillschweigen vereinbart. Ein Brancheninsider hält allerdings auch einen „negativen Preis“ für möglich.

Unklar ist auch ob das Kraftwerk die schärferen EU-Grenzwerte für Stickoxide (NOx), Schwefeloxide (SOx), Quecksilberemissionen und Feinstaub erfüllt. Diese Grenzwerte gelten ab dem Jahr 2021. Sollte Mehrum diese Grenzwerte nicht erfüllen, wäre eine Nachrüstung erforderlich. Ob dies der Fall ist, haben bislang aber weder das Kraftwerk Mehrum noch die Hannoveraner Stadtwerke beantwortet. Welche Auswirkungen die neuen Grenzwerte haben, hat ein US-Think Tank berechnet, das ‚Institute for Energy Economics and Financial Analysis‘ (IEEFA). In der Studie kommt IEEFA zum Schluss, dass insbesondere EPH durch die Grenzwerte gefährdet ist: „Die EPH-Strategie, notleidende Anlagen zu kaufen, funktioniert kurzfristig. Die Firma nähert sich aber einem Scheideweg im Jahr 2021, wo sie entweder grosse Teile ihres Kraftwerkparks verliert oder viel in alte Kraftwerke investieren muss, um den Martanteil zu halten.“ [5] Mehrum wurde 1979 in Betrieb genommen und im Jahr 2003 „umfassend“ modernisiert. Angaben zu den NOx, SOx, Quecksilber- und Feinstaubemissionen enthält die Internetseite des Kraftwerks allerdings nicht. mic

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[1] EPH, 19.09.2017: EPH announces acquisition of Mehrum Power Plant

[2] Stadtwerke Hannover, 31.08.2017: Einigung über Zukunft des Kraftwerks Mehrum

[3] Hannoversche Allgemeine, 27.04.2017: Stadtwerke wollen Kraftwerk Mehrum loswerden

[4] Stadtwerke Hannover, 2017: Jahresabschluss und Lagebericht für das Geschäftsjahr 2016 (PDF)

[5] IEEFA, Mai 2017: Europe’s Coal-Fired Power Plants: Rough Times Ahead (PDF)

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