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Artenschutz bricht aus seinem Kokon aus

Landwirtschaft und Tourismus werden beim Artenschutz in die Pflicht genommen

Der Schutz von Tier- und Pflanzenarten kann nur gelingen, wenn alle mithelfen. Diese Erkenntnis gilt nun als Richtschnur beim Management des Planeten Erde im Rahmen der UN-Biodiversitätskonvention.

„Biodiversität zu schützen, ist nicht nur eine Aufgabe von Umweltministerien“, sagte Giuletta Duyck von der Umweltorganisation WWF Schweiz im Anschluss an die Konferenz der UN-Biodiversitätskonvention (CBD) in Cancun (Mexiko). Dort hatten sich 167 Länder getroffen, um den Artenschutz weltweit zu beschleunigen. Ziel war die Integration des Artenschutzes in alle Politikbereiche: „Das erste Mal hat die CBD-Konferenz über die Verantwortung von anderen Sektoren gesprochen. In Cancun wurden wichtige Impulse gegeben, wie die Biodiversität in der Forstwirtschaft, Landwirtschaft, Fischerei und Tourismus geschützt und nachhaltig genutzt werden sollte“ so Duyck. Wichtig sei dabei die Setzung der richtigen Anreize, sagte Hubert Weiger von der Umweltorganisation Bund: „Bei der kommenden EU-Agrarreform muss es auch um den Abbau umweltschädlicher Subventionen gehen.“ Sonst sei das Ziel, den Artenverlust bis 2020 zu stoppen, nicht erreichbar.

Der Lohn der Mühsal. Noch werden Bestäuber nicht durch ein globales Abkommen geschützt. Dabei erbringen sie 'Bestäubungsleistungen' im Wert von 500 Milliarden Dollar pro Jahr. Zwölf EU-Länder zollen dem nun mit einer 'Koalition der Willigen' Respekt. (Foto: John Sullivan / Wikimedia)

Der Lohn der Mühsal. Noch werden Bestäuber nicht durch ein globales Abkommen geschützt. Dabei erbringen sie ‘Bestäubungsleistungen’ im Wert von 500 Milliarden Dollar pro Jahr. Zwölf EU-Länder zollen dem nun mit einer ‘Koalition der Willigen’ Respekt. (Foto: John Sullivan / Wikimedia)

Ein weiteres Instrument zum Schutz von Tier- und Pflanzenarten sind Schutzgebiete. Hier hätten ebenfalls Fortschritte erzielt werden können, sagte CBD-Chef Braulio Ferreira de Souza Dias: „Wir haben beachtliche Verpflichtungen von Regierungen erhalten, insbesondere auch von Mexiko.“ [1] Der Gastgeber hatte während der Konferenz angekündigt 23 Prozent seiner Gewässer innerhalb der 200-Meilen-Zone unter Schutz zu stellen. [1] Auf der anderen Seite des Pazifiks verpflichtete sich Indonesien dazu, die Trockenlegung von Sumpflandschaften zu stoppen und trocken gelegte Torfböden wieder zu fluten. Dadurch werden nicht nur artenreiche Moore geschützt sondern auch Treibhausgasemissionen in grossem Stil verhindert. „Das Trockenlegen von einem Hektar Sumpfland entspricht der Verbrennung von über 22’000 Litern Benzin“, sagte Nirarta Samadhi von der Umweltorganisation WRI. Lob kam auch vom WWF: „Regierungen wachen auf und merken, dass Klima- und Artenschutz zwei Seiten derselben Medaille sind“, sagte Adrian Dellecker. [2] Eine nennenswerte Zusage kam schliesslich aus Brasilien: Dort sollen 220’000 Quadratkilometer Wald und Weiden wieder in einen naturnahen Zustand versetzt werden. Dies entspricht knapp der Fläche Grossbritanniens.

Besonders umstritten war in Cancun die Freisetzung von gentechnisch modifizierten Organismen im Rahmen sogenannter ‚Gene Drives’. Ein Beispiel sind hier Anopheles Mücken, die Malaria verbreiten. Forscher hoffen mit gentechnisch modifizierten Mücken, die Malaria-verbreitenden Anopheles Mücken durch harmlose Mücken verdrängen zu können. Hier haben die CBD-Mitgliedsländer beschlossen, dass das Vorsorgeprinzip „auch bei ‚Gene Drives’ gelten kann“. [3] Das ist ein Kompromiss. Einige Länder wollten hier festhalten, dass für ‚Gene Drives’ das Vorsorgeprinzip in jedem Fall gilt. Andere Länder versuchten dies zu verhindern. Eine besonders strikte Position nimmt hier Weiger ein: „Es braucht ein Verbot für die Freisetzung von Organismen, die mit neuen Gentech-Verfahren erzeugt wurden.“ Dazu zählten auch „Gene Drives“, die zur gentechnischen Veränderung natürlicher Populationen und zur Ausrottung bestimmter Arten wie beispielsweise Insekten diskutiert würden. „Sind sie erst in die Natur entlassen, könnten Organismen mit Gene Drives ökologische Katastrophen auslösen”, warnte Weiger.

Das Vorsorgeprinzip kam auch beim Kampf gegen den Klimawandel zur Anwendung. Hier hat die CBD beschlossen, das Moratorium für den Einsatz von ‚Geo-Engineering’ Methoden zu verlängern. Dazu zählt etwa die Düngung der Meere mit Eisenspäne, um das Algenwachstum anzuregen. Beim Wachstum absorbieren Algen CO2 durch Photosynthese und nehmen dann das C Atom mit in die Tiefsee, wenn sie sterben. Keinen globalen Durchbruch gab es derweil beim Schutz der Bestäuber wie Bienen. Hier haben auf die Initiative von Holland zwölf europäische Länder eine ‚Koalition der Willigen’ gegründet, die dem Bienensterben begegnen will. Fortschritte gab es auch bei der Vermüllung der Meere, allerdings nur auf freiwilliger Basis. Die Länder wollen sich anstrengen, den Eintrag von Müll in die Ozeane zu reduzieren. Was diese Beschlüsse bringen werden die Länder wieder in zwei Jahren evaluieren – bei der nächsten CBD-Konferenz in Ägypten. mic

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[1] CBD, 17.12.2016: UN Biodiversity Conference results in significant commitments for action on biodiversity (PDF)

[2] WWF, 17.12.2016: CBD COP13 closes in Cancun

[3] CBD, 17.12.2016: UNEP/CBD/COP/13/L34 – Synthetic Biology (PDF)

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