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Kapitalmärkte sitzen auf CO2 Blase

Knapp 80 Prozent der Kohle-, Öl- und Gasreserven können nicht gefördert werden

Der Ölpreis ist hoch und die Energiekonzerne machen momentan gewaltige Gewinne. Doch was sind ihre Reserven wert? Eine neue Studie zeigt, dass ein Grossteil der Reserven niemals gefördert werden darf, wenn die Klimawandel auf zwei Grad begrenzt werden soll.

Der Grund für die amerikanische Immobilienblase war eine falsche Annahme: dass die Immobilienpreise immer weiter steigen. Unter dieser Annahme war es sinnvoll sogenannte Ninja Hypotheken an Menschen ohne Einkommen, Arbeit oder Vermögen zu vergeben (Ninja steht hier für „No Income, No Job or Assets“.) Das ging eine Weile gut, und hat dann beinahe den zu einem Systemkollaps der globalen Wirtschaft geführt.

Eine ähnlich fatale Annahme könnte sich in der Bewertung von Kohle-, Öl- und Gasproduzenten verbergen: nämlich dass die ausgewiesenen Reserven auch tatsächlich gefördert und verkauft werden können. Das Problem: Gemäss dem Potsdam Institut für Klimafolgenforschung darf die Menschheit nur noch 565 Milliarden Tonnen CO2 emittieren, wenn die Klimaerwärmung auf zwei Grad begrenzt werden soll. In den ausgewiesenen Reserven der Energiekonzerne stecken aber CO2 Emissionen von 2795 Milliarden Tonnen CO2. Soll die Klimaerwärmung auf zwei Grad begrenzt werden, dürfen also nur 20 Prozent der nachgewiesenen Reserven tatsächlich gefördert und verfeuert werden.

Sollte die Menschheit also doch noch beschliessen dem Klimawandel Einhalt zu gebieten, bedeutet dies, dass 80 Prozent der ausgewiesenen Reserven praktisch wertlos sind. Doch die Kapitalmärkte haben dieses Risiko noch nicht eingepreist wie eine Studie der britischen Umweltorganisation Carbon Tracker Initiative zeigt. Dies bestätigt auch Nick Robins der Klimachef der britischen Grossbank HSBC: Gemäss den Modellen der Klimawissenschaftler „muss mindestens die Hälfte der fossilen Energiereserven im Boden bleiben. Aber wir bewerten die Energiekonzerne immer noch so, als ob die ganzen Reserven auch tatsächlich ausgebeutet würden.“ Welchen Anteil die Reserven an der Bewertung der Energiekonzerne haben, hat derweil eine Episode aus dem Jahr 2004 gezeigt: Der Energiemulti Shell musste damals eingestehen, seine Reserven um 20 Prozent überschätzt zu haben. Daraufhin fiel der Wert von Shell um drei Milliarden Pfund oder 10 Prozent. Rund die Hälfte des Börsenwerts von Shell steckte damals also in den Reserven.

Für die internationalen Kapitalmärkte ist dies eine durchaus relevante Gefahr, wie Schätzungen der Climate Tracker Initiative zeigen: 20 bis 30 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung der Börsen von Sidney, London, Moskau, Toronto und Sao Paolo beruhen auf der Förderung von fossilen Energieträgern. Ausserdem sind Energiekonzerne prominent in den wichtigsten Aktienindices vertreten. Folglich investieren auch Pensionskassen, die oftmals Indices als Vergleichsmass nehmen, in diese, womöglich niemals förderbaren, Reserven. Hinzu kommt, dass die Energiemultis weiter Milliarden in die Entdeckung und Erschliessung neuer Reserven investieren – zusätzliche Reserven, die die CO2 Blase an den Kapitalmärkten weiter wachsen lassen.

Ähnlich wie bei der Blase am amerikanischen Immobilienmarkt führt eine falsche Annahme so zu einer gigantischen Fehlallokation von Kapital – Kapital, das andernorts fehlt: „Das fehlende Glied beim Aufbau einer weitgehend CO2 freien Zukunft ist ein Finanzsystem, das dies ermöglicht.“ sagt der Umweltaktivist Jeremy Leggett, einer der Direktoren der Carbon Tracker Initiative. Die Angst vor einer Blase kann da nur hilfreich sein. mic

Banken geben US Kohle keinen Kredit mehr

Die umstrittenste Form der Kohleförderung ist das sogenannte Mountain Top Removal Mining. Dabei werden Bergspitzen weggesprengt, um an die darunterliegende Kohle zu gelangen. In den USA ist dies legal und ein gutes Geschäft. Doch die beteiligten Minenkonzerne haben zunehmend Schwierigkeiten ihre Aktivitäten zu finanzieren: Mittlerweile weigern sich sieben internationale Grossbanken Kredite an die beteiligten Kohleproduzenten zu vergeben, darunter die Credit Suisse. Noch finden die Kohleproduzenten genug andere Banken, die ihnen gerne Geld leihen. Rebecca Tarbotton, von der Umweltorganisation Rainforest Action Network freut sich trotzdem über den Boykott durch die Grossbanken: „Sie senden ein klares Signal, dass die Kohleproduzenten ein hohes Risiko darstellen und dass andere Banken besser vorsichtig sein sollten.“ Dies verteuert letztlich die Kapitalkosten der Kohlekonzerne, schmälert deren Gewinn und reduziert ihren Börsenwert. mic

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