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UNO entdeckt Wunderwaffe im Kampf gegen Klimawandel

Schutz von Torfböden kann gigantisch Emissionen verhindern

Beim Klimaschutzplan wurde hart um jede Tonne CO2 gefeilscht. Dabei wurden 43 Millionen Tonnen CO2 übersehen, die sich relativ einfach und schnell einsparen lassen: die Emissionen aus trocken gelegten Moorböden.

Wälder sind wichtig für den Klimaschutz. Klar. Aber es gibt noch einen viel grösseren Kohlenstoffspeicher: Torfböden. Diese bedecken nur drei Prozent der Landfläche der Erde aber speichern doppelt soviel Kohlenstoff wie alle Wälder der Welt, die 30 Prozent der Landfläche bedecken. Doch diese Speicherung funktioniert nur, solange der Torf unter Wasser steht. Werden Torfböden trocken gelegt, werden sie zu einer Quelle von Treibhausgasen wie Methan und CO2. Entwässerte Torfböden sind derzeit für rund fünf Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich. Das ist mehr als durch Luft- und Schifffahrt verursacht werden. Doch diese Emissionen werden nicht mal vom Weltklimaret (IPCC) gemessen. Sie sind meist nicht Teil der Klimapläne der Länder und es gab bis dieses Jahr niemanden, der sich um diese Emissionen gekümmert hat. Dabei lassen sich hier schnell und billig grosse Mengen an Treibhausgasemissionen vermeiden. “Es gibt wohl keine billigere Massnahme”, sagt Erik Solheim, der Chef des UN-Umweltprogramms Unep.

Sumpfblüte. Nicht. Während Wälder positiv konnotiert sind, haben Sümpfe einen schlechten Ruf. Zu Unrecht: Sie speichern riesige Mengen an Kohlenstoff und beherbergen eine einzigartige Vielfalt von Tier- und Pflanzenarten. (Foto: (Jan van der Crabben / Wikipedia)

Sumpfblüte. Nicht. Während Wälder positiv konnotiert sind, haben Sümpfe einen schlechten Ruf. Zu Unrecht: Sie speichern riesige Mengen an Kohlenstoff und beherbergen eine einzigartige Vielfalt von Tier- und Pflanzenarten. (Foto: (Jan van der Crabben / Wikipedia)

Im März diesen Jahres ist dies auch einigen UN- und Umweltorganisationen sowie einigen Ländern wie Deutschland aufgefallen. Diese haben daraufhin die Global Peatland Initiative (GPI) gegründet. Die GPI hat weder ein Sekretariat noch einen Chef, sondern ist ein “loses Kollektiv” wie Jaime Webbe vom Unep sagt. “Ich habe so etwas noch nie gesehen. Wir haben keine formelle Struktur, nicht einmal für die Verteilung von Fördermittel, aber es funtioniert.” Bis Mitte nächsten Jahres wollen die GPI Mitglieder eine Bestandesaufnahme der Torfböden auf der Welt machen. Anschliessend geht es um deren Schutz. Erleichtert wird dies dadurch, dass nur sehr wenige Länder für den grössten Teil der Emissionen aus Torfböden verantwortlich sind (siehe Grafik). Genauer: Indonesien und die EU machen 70 Prozent dieser Emissionen aus. Die nächst kleineren Emittenten sind Russland, China und die Mongolei. Erleichtert wird die Reduktion der Torfemissionen auch, weil diese mit einem einfachen Mittel gestoppt werden können. Man muss die Torfböden nur wieder unter Wasser setzen. Damit werden die Emissionen quasi sofort beendet. Die Flutung von Torfböden habe zudem zwei weitere Vorteile sagt Solheim: Zum einen könne sich die einzigartige Artenvielfalt dieser Sumpflandschaften wieder erholen und zum anderen würden Torffeuer verhindert. Die grossen Torffeuer im vergangenen Jahr in Indonesien haben zum Tod von über 100’000 Menschen geführt und Schäden von über 16 Milliarden Dollar verursacht. Dies ist mehr als das Doppelte der Kosten für den Tsunami in der indonesischen Stadt Aceh. Der Schutz von Torfböden ermögliche es daher, “drei Vögel mit einem Stein zu erlegen”, sagt Solheim.

EU nur Zweiter. Das Problem der Emissionen aus Torfböden ist auf wenige Länder beschränkt und daher relativ leicht zu lösen. Das gilt sowohl wetweit (linke Skala) als auch in der EU (rechte Skala). (Grafik: Wetlands International)

EU und Deutschland nur Zweiter. Das Problem der Emissionen aus Torfböden ist auf wenige Länder beschränkt und daher relativ leicht zu lösen. Das gilt sowohl wetweit (linke Skala) als auch in der EU (rechte Skala). (Grafik: Wetlands International [1])

Europa hat ebenfalls grosses Potential die Emssionen aus Torfböden zu reduzieren. Finnland, Deutschland, Polen und Schweden machen rund die Hälfte der EU-Emissionen aus (siehe Grafik). In Deutschland entströmen trockengelegten Torfböden jedes Jahr Treibhausgase im Gegenwert von 43 Millionen Tonnen CO2. Würde man diese Emissionen stoppen, hätte dies den gleichen Effekt wie die Stillegung von mehr als einem Viertel aller Fahrzeuge in Deutschland. Der soeben veröffentlichte deutsche Klimaplan legt seine Priorität aber auf Wälder. Dies sei “ein geeignetes und kostengünstiges Mittel zur Reduzierung des Treibhausgasausstosses”. Für den Schutz der Moorböden scheint dies aber nicht zu gelten. Hier will der Klimaplan nur “perspektivisch” eine weitere Zerstörung verhindern: “Als Schutz von Moorböden sollte der Torfabbau schrittweise reduziert und perspektivisch eingestellt werden.” Und auch bei der Nutzung von Torfböden als Landwirtschaftsland besteht kein Grund zur Eile: “Bis zum Jahr 2030 müssen erste Fortschritte erzielt sein, um der starken Emission der organischen Böden auf trocken gelegten Moorstandorten entgegenzuwirken.” Dieser Mangel an Dringlichkeit lässt eigentlich nur einen Schluss zu: Der deutsche Sumpf braucht eine Lobby! mic

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[1] Wetlands International, kein Datum: Briefing paper: accelerating action to Save Peat for Less Heat (PDF)

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