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Eine Kiste verändert die Welt

Der Containerverkehr wächst drei Mal schneller als die Weltwirtschaft und belastet das Klima enorm

Dank der Erfindung des Standardcontainers sind Transportkosten heute marginal. Das verändert die internationale Arbeitsteilung und belastet die Umwelt.

Aus grosser Entfernung sehen sie aus wie Legosteine. Und genauso funktionieren sie auch: Container. Wie die dänischen Plastikklötzchen sind sie normiert und stapelbar. Erfunden wurden die Kisten vom Amerikaner Malcolm McLean. 1937 lieferte er Baumwollballen am Hafen von New York zum Verlad nach Istanbul an. Die Ballen wurden von Hand von seinem Lastwagen abgeladen und anschliessend wiederum von Hand an Bord des Schiffs verstaut. Das Handling im Abfahrts- und Ankunftshafen machte rund die Hälfte der Transportkosten aus und dauerte viele Tage. McLean war nicht nur ein ungeduldiger Mensch, sondern auch ein cleverer Geschäftsmann, der das Verbesserungspotenzial erkannte. Trotzdem dauerte es noch bis 1956, bis er seine Idee in die Tat umsetzen konnte. In einem ersten Schritt transportierte er Lastwagenanhänger, dann nur noch den Auflieger – der Container war geboren. Acht Jahre später wurden die Kisten schliesslich normiert. Seither lautet die Globalisierungsformel: 20 x 8 x 8,5. Dies sind die Masse des Standardcontainers in Fuss (6,06 x 2,44 x 2,59 Meter). Heute werden Schiffe, Häfen, Warenlager in Containereinheiten gemessen. Das derzeit grösste Containerschiff der Welt, die «Emma» der dänischen Reederei Maersk, fasst mehr als 13 000 Twenty-foot Equivalent Units (TEU), also 13 000 20-Fuss-Container.

Aber auch die «Emma» ist nur ein Zwischenschritt zu noch grösseren Schiffen für immer mehr Container: Zur Jahrtausendwende wurden 220 Millionen TEU in den Häfen der Welt umgeschlagen. Heute sind es mehr als doppelt so viele. Der Containerverkehr wächst drei Mal schneller als die Weltwirtschaft. So wurden 1970 in Hamburg noch 95 Prozent des Stückguts in Säcken, Kisten und Ballen an Bord und von Bord geschleppt. Tausende fanden als Scheuerleute im Hafen ihr Auskommen. Heute sind 95 Prozent des Stückguts in Containern verpackt, die von wenigen Hundert Hafenarbeitern und gigantischen Kränen umgeschlagen werden – in einem Zehntel der Zeit.

Und dabei sinken die Frachtraten kontinuierlich. Der Transport eines T-Shirts aus China nach Europa kostet etwa zehn Rappen pro Stück und eine Flasche chilenischen Weins reist für 20 Rappen erst um das einstmals gefürchtete Kap der Stürme (Kap Hoorn) und dann quer über den ganzen Atlantik. Selbst eine Verdoppelung der Transportkosten hätte da kaum Einfluss auf den Endverkaufspreis im Laden.

Das war nicht immer so. Anfang der 70er-Jahre machten die Transportkosten beim interkontinentalen Versand von Gütern schnell zehn Prozent des Warenwerts aus. Es lohnte sich, nah bei den Kunden zu produzieren. Dies hat die Containerrevolution radikal verändert: Transportkosten sind bei der Standortwahl kein Faktor mehr. Dies hat die Handelsströme und die internationale Arbeitsteilung nachhaltig verändert. Es lohnt sich, Altpapier von Amerika nach China zu exportieren. Autokonzerne haben ihre Bauteilelager aufgelöst und auf Schiffe verlagert. Just in time werden die Reifen, Bleche und Stossdämpfer angeliefert. Der Aufstieg Chinas zur «Werkbank der Welt» ist ohne Container nicht denkbar.

Die phänomenale Zunahme des internationalen Handels belastet aber auch die Umwelt in nie gekanntem Ausmass. Je Tonnenkilometer sind die Emissionen gering, doch die 70 000 Handelsschiffe der Welt verursachen zusammen knapp fünf Prozent der globalen CO2-Emissionen. Das ist doppelt so viel wie der Treibhausgasausstoss des Luftverkehrs. Allein die «Emma» pustet auf ihren Fahrten zwischen China und Europa 300 000 Tonnen CO2 pro Jahr in die Luft – so viel wie ein mittelgrosses Kohlekraftwerk.

Die Orderbücher der Schiffsbauer sind prall gefüllt: 20 000 Schiffe, viele für Container, haben die Reeder bestellt. Die International Maritime Organisation (IMO) schätzt, dass die Emissionen des Schiffsverkehrs bis 2020 um 72 Prozent zunehmen werden. Politiker fordern daher den Einbezug der Schifffahrt in den Handel mit CO2-Emissionen gemäss dem Kyoto-Klimaprotokoll. Container haben die Welt verändert. Jetzt müssen nur noch die Containerschiffe sauberer werden. mic

Schweizer Grossreederei

Die Schweiz ist Heimat der zweitgrössten Containerreederei der Welt (siehe Tabelle links). Die Mediterranean Shipping Company MSC betreibt 393 Containerschiffe und bedient rund 270 Häfen. Im niederländischen Antwerpen verfügt MSC über einen eigenen Containerterminal. Über eine Tochterfirma ist MSC auch im Kreuzfahrtgeschäft tätig. Die Firma hat 30 000 Mitarbeiter in knapp 150 Ländern. Das Unternehmen wurde 1970 vom italienischen Kapitän Gianluigi Aponte gegründet und befindet sich in Familienbesitz. mic

Aus der Basler Zeitung vom 18.06.2008

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