weltinnenpolitik.net Rotating Header Image

Äpfel statt Apple

Umsatz mit Chinas Apfel-Futures fast so gross wie Umsatz mit Aktien

Den Terminkontrakt für Schweinebäuche gibt es schon lange nicht mehr. Die Chicago Mercantile Exchange hat diesen im Jahr 2011 wegen allzu grosser Volatilität abgeschafft. Doch jetzt gibt es ein neues Papier für Rohstoff-Aficionados: den Apfel-Future. 

Anlageberatung. Insbesondere im Portfolio von Kleinsparern sollten Äpfel nicht fehlen. (Holzschnitt: Wellcome Images / Wikimedia)

Anlageberatung. Insbesondere im Portfolio von Kleinsparern sollten Äpfel nicht fehlen. (Holzschnitt: Wellcome Images / Wikimedia)

Die verbotene Frucht hat ihren eigenen Terminkontrakt: den Apfel-Future an der Warenterminbörse von Zhengzhou in China. Wer Mitte April in dieses Papier investiert hat, wird nicht etwa aus dem Garten Eden vertrieben sondern wähnt sich im Investorenparadies. Der Kurs ist seither um über 25 Prozent gestiegen. Der Kontrakt auf Äpfel existiert seit Dezember letzten Jahres. Meist lag der Kurs knapp unter 1000 Euro pro Tonne. Doch vor einem Monat begann der Apfel-Future unaufhörlich zu steigen und lag am Mittwoch bei 1275 Euro. „Ein Auslöser ist die Kältewelle in Nordchina, der die Erwartung auf einen scharfen Einbruch des Apfelangebots befeuert hat“, sagte Hou Zhifang, eine Analystin von Founder Cifco Futures, einem chinesischen Broker für Terminkontrakte. [1] Sublime China Information, ein Informationsdienst für Rohwaren, schätzt, dass der Kälteeinbruch die diesjährige Ernte um bis zu 30 Prozent reduzieren könnte.

 

Vorteil Apfel. Es ist kein Wunder, dass Investoren Aktien links liegen lassen und ihr Geld lieber in Äpfel investieren. Die Rendite ist einfach besser. (Grafik: Bloomberg)

Vorteil Apfel. Es ist kein Wunder, dass Investoren Aktien links liegen lassen und ihr Geld lieber in Äpfel investieren. Die Rendite ist einfach besser. (Grafik: Bloomberg)

Während der Kurs der Apfelkontrakte mit dem Wetter erklärt werden kann, muss es für das Handelsvolumen einen anderen Grund geben. Am Mittwoch wurden Apfelpapiere im Wert von 48 Milliarden Euro gehandelt. Am gleichen Tag wurden an den Börsen von Shanghai und Shenzen Aktien im Wert von 53 Milliarden Euro umgesetzt. Offensichtlich können viele chinesiche Investoren der Versuchung auf einen schnellen Gewinn nicht widerstehen, sagt Hou: „Spekulanten haben die Preise nach oben getrieben, weil wir nicht sicher wissen, um wieviel die Apfelproduktion in der kommenden Saison reduziert wird“ sagte die Analystin gegenüber der South China Morning Post, einer Zeitung in Hong Kong. [1] Die Börse von Zhengzhou fürchtet denn auch, dass die Apfelbonanza böse enden könnte: Um den Früchtehandel einzudämmen, hat sie die Gebühren erhöht und Investoren zur Vorsicht geraten. [2] Ob diese die Warnung befolgen werde ist allerdings fraglich. Schon Adam und Eva konnten nicht vom Apfel lassen, obwohl die Strafe deutlich höher war als ein möglicher Kursverlust. mic

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Dann abonnieren Sie doch weltinnenpolitik.net per RSS oder Email
oder folgen sie der Facebook Seite

[1] South China Morning Post, 16.05.2018: Which is more tasty? China’s apple futures craze, or mainland’s stock market

[2] Reuters, 16.05.2018: China says to adjust intraday transaction fees for apple futures

Comments are closed.