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Wider die Tragödie der Hochsee

Neuer Vertrag soll das Leben in internationalen Gewässer besser schützen

Umweltorganisationen wollen die gesamte Hochsee ausserhalb der 200-Meilen-Zone unter Schutz stellen. Dafür gibt es gute Argumente: Die Hochseefischerei ist unnötig und meist unrentabel.

Im Jahr 2050 gibt es in den Meeren mehr Plastik als Fisch. [1 s. S. 7] Das liegt aber nicht nur an der zunehmenden Plastikverschmutzung sondern auch an der Überfischung. Mehr als 20 Prozent der Fischbestände sind „kollabiert“ und weitere 40 Prozent sind überfischt (siehe Grafik). Die Ozeane sind damit ein Musterbeispiel für die „Tragödie der Allmend“. Weil jeder soviel fischen darf, wie er will, wird die gemeinsame Ressource übernutzt. „Die aktuelle Gouvernanz der Hochsee ist schwach, fragmentiert und ungeeignet, um den Gefahren des 21 Jahrhunderts zu begegnen, vom Klimawandel und der Überfischung bis zur Plastikverschmutzung und dem Verlust an Lebensräumen“ sagt Peggy Kalas von der High Sea Alliance, einem Verbund von über 40 Umweltorganisationen. [2] Dieser Missstand soll nun mit einem internationalen Vetrag behoben werden. Gestern (Montag) ist in New York die erste Konferenz zur Ausarbeitung eines Abkommens zum Schutz der Artenvielfalt in der Hochsee zu Ende gegangen. Dort haben sich die Länder darauf geeinigt, dass die Vorsitzende, Rena Lee aus Singapur, einen ersten Entwurf des Verhandlungstexts ausarbeitet. Nach drei weiteren Verhandlungsrunden soll dann im Jahr 2020 der Vetrag verabschiedet werden.

 

Die letzten zehn Prozent. Über 90 Prozent der Fischgründe sind entweder überfischt oder werden gerade noch nachhaltig ausgebeutet. (Grafik: Economist [8])

Die letzten zehn Prozent. Über 90 Prozent der Fischgründe sind entweder überfischt oder werden gerade noch nachhaltig ausgebeutet. (Grafik: Economist [8])

Mit diesem Vertrag soll die Möglichkeit geschaffen werden, Schutzgebiete in der Hochsee auszuweisen. Aktuell ist dies in internationalen Gewässern fast unmöglich. Daher steht weniger als ein Prozent der Hochsee unter Schutz. Umweltorganisationen hoffen, dass langfristig der Fischfang ausserhalb der 200-Meilen-Zone komplett verboten wird. Eine neue Studie zeigt, dass dies ohne Konsequenzen für die Versorgung mit Fisch möglich wäre. [3] Nur 2,4 Prozent aller Fische stammt aus de Hochsee. „Wenn wir aufhören Hochseefisch zu essen, hätte das keinen grossen Einfluss auf die globale Nahrungssicherheit“ sagt Laurenne Schiller, die Hauptautorin. [4] Ausserdem würden die Fangmengen innerhalb der 200-Meilen-Zone der Länder zunehmen: „Unsere Arbeit hat gezeigt, dass die globale Fangmenge sogar grösser sein könnte mit einem Bann der Hochseefischerei“, sagt Fischereiexperte Daniel Pauly von der British Columbia Universität in Kanada. [4] Ausserdem wären die Fangmengen „gleichmässiger verteilt“. Das liegt daran, dass nur sehr wenige Länder eine hochseetaugliche Fischereiflotte haben. Fünf Länder fangen zwei Drittel aller Hochseefische: China, Taiwan, Japan, Südkorea und Spanien. [5] Diese Länder hätten „ein Monopol auf die Fischerei in der Hochsee, die eigentlich allen gehören sollte“, beklagt Pauly.

Dass nur wenige Länder in internationalen Gewässern fischen, hat einen simplen Grund: Es ist meist unrentabel. Das ist das Ergebnis einer weiteren Studie: „Das aktuelle Ausmass der Hochseefischerei wird durch hohe Subventionen ermöglicht, ohne die 54 Prozent der Fischgründe in der Hochsee unprofitabel wären.“ [5] Pauly glaubt dennoch nicht, dass demnächst die komplette Hochsee für den Fischfang gesperrt wird. Anfangs würden wohl nur Schutzgebiete in besonders abgelegenen Meeresgebieten ausgewiesen. Trotzdem ist Pauly optimistisch: „Was mich erstaunt ist, dass vor fünf Jahren noch keiner über ein Verbot der Hochseefischerei geredet hat und jetzt ist es auf der Agenda und die UNO zieht es Betracht.“ [4] Hilfreich ist hier auch, dass die Einhaltung von Fischereiverboten immer besser überwacht werden kann. [6] Vorreiter ist hier Global Fishing Watch (GFW), eine Allianz von Google, Skytruth und Oceana. GFW überwacht die Weltmeere mit Hilfe von Satellitenbildern und kann aufgrund der Bewegungsmuster von Booten erkennen, ob diese fischen.

CCAMLR anybody? Wenn diese Pinguine Glück haben profitieren sie schon im Oktober von einem der missglücktesten Akronyme der Welt. (Foto: Antarctica Bound / Flickr)

CCAMLR anybody? Wenn diese Pinguine Glück haben profitieren sie schon im Oktober von einem der missglücktesten Akronyme der Welt. (Foto: Antarctica Bound / Flickr)

Ein kleiner Teil der Hochsee könnte aber auch ohne den neuen Vertrag geschützt werden: Im Oktober tagt die Kommission für den Schutz der Gewässer um den Südpol (CCAMLR) und muss über einen EU-Vorschlag entscheiden. Diese will 1,8 Millionen Quadratkilometer Meer unter Schutz stellen. Die Chancen dafür stehen gut, da selbst der Verband der Krillfischer dafür ist und bereits einen freiwilligen, permanenten Fangstopp verfügt hat. Andrea Kavanagh von der US-Stiftung Pew Trusts bezeichnete dies als „wahrlich visionären Schritt, dem mehr kommerzielle Fischer in der Antarktis und rund um die Welt folgen sollten“. [7] mic

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[1] WEF, Januar 2016: The New Plastics Economy – Rethinking the future of plastics (PDF)

[2] Manila Times, 15.09.2018: UN begins talks on world’s first treaty to regulate high seas

[3] Science Adfvances, 08.08.2018: High seas fisheries play a negligible role in addressing global food security

[4] NPR, 14.09.2018: Could A Ban On Fishing In International Waters Become A Reality?

[5] Science Advances, 06.06.2018: The economics of fishing the high seas

[6] Anthropocene, September 2018: Eyes on the High Seas

[7] Guardian, 09.07.2018: Krill fishing firms back Antarctic ocean sanctuary

[8] Economist, 24.02.2014: In deep water

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