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Bangkok droht ein Massaker

Regierung lehnt Verhandlungen unter UNO Vermittlung ab

Das Motorradtaxi setzt mich vor einem geschlossenen Kaufhaus ab. Ich gehe die letzten Meter bis zur Barrikade der Rothemden zu Fuss. Die Leute vom Sicherheitsdienst der Demonstration grüssen freundlich. Vor einer Barrikade fegt eine Frau die Strasse. Innerhalb des Demonstrationsgeländes geht das Leben weiter seinen gewohnten Gang. Die Menschen sind jetzt seit bald sechs Wochen hier. Sie essen, schlafen und unterhalten sich. Die Regierung behauptet, sie habe das Gelände abgeriegelt und den Demonstranten ginge das Essen aus. Beides ist offensichtlich falsch. Es sind auch nicht weniger Leute hier als zuvor. Das Thai Rote Kreuz soll Frauen und Kinder aus der Gefahrenzone bringen. Aber die Menschen machen einen entschlossenen Eindruck. „Wir haben uns das das Geräusch von Gewehrfeuer gewöhnt“ sagt eine Frau. „Und wenn die Armee angreift bringen wir die Kinder in den Pathumwanaram Tempel“, der sich als Schutzzone angeboten hat.

So gering die Auswirkungen der Regierungsblockade auf die Menschen innerhalb des Demonstrationsgeländes sind, so gravierend sind sie an anderen Orten der Stadt. Da viele Rothemden nicht mehr auf das Gelände kommen, haben sie ausserhalb des Geländes wichtige Kreuzungen besetzt. Bangkok ist nun fast zweigeteilt. Zwischen der Altstadt im Westen und dem Geschäftsviertel rund um die Sukhumvit Strasse im Osten, liegt ein unpassierbarer Riegel. Ich verlasse das Demonstrationsgelände auf der Ostseite und gehe zur Bon Kai Kreuzung. Dort stehen rund zweihundert Menschen unter einer Autobahnbrücke. Die Strasse ist wie leergefegt. In relativ grosser Entfernung ist die Strasse mit einer Barrikade aus brennenden Autoreifen gesperrt. Schwarzer Rauch steigt in den Nachmittagshimmel. Ein gutes Stück hinter der Barrikade ist die Armee. Immer wieder gellen Schüsse durch die Strasse. Die Soldaten schiessen auf alles, was sich bewegt. So halten sie die Strasse frei. Im Fünfminutentakt kommen Pick-Up Trucks mit Autoreifen an. Auf Seitenstrassen werde diese nach vorne gebracht, um damit die Barrikade zu verstärken. Der schwarze Rauch ist das einzige Mittel, das die Demonstranten gegen die Scharfschützen auf der Hochhäuser haben. Ein Ambulanzfahrzeug fährt im Rückwärtsgang Richtung Frontlinie. Ein Mann wurde ins Bein getroffen.

Die Kämpfe sind am Freitag aufgeflammt, nachdem der „Armeechef“ der Rothemden, Major-General Khattiya Sawasdhipol, alias Seh Daeng, am Donnerstag von einem Scharfschützen tötlich verletzt wurde. Seiher sind 35 Menschen gestorben, rund ein Dutzend pro Tag. Die Regierung behauptet „Terroristen“ hätten sich unter die Rothemden gemischt, doch die Menschen, an der Bon Kai Kreuzung sehen aus wie normale Anwohner. Noch herrscht in Thailand weder Krieg noch Bürgerkrieg. Was wir sehen, ist der Versuch der Regierung weitgehend unbewaffnete Demonstranten mit militärischen Mitteln zur Aufgabe zu zwingen. Dabei hat man zum ersten Mal den Eindruck, die Regierung folge ihrem immer wieder angekündigten Plan, die Demonstration mit schrittweise zunehmendem Gewalteinsatz aufzulösen. Man wagt nicht zu denken, wie die nächste Eskalationsstufe aussehen könnte, wenn jetzt schon Scharfschützen auf Steinewerfer angesetzt werden. Aber der Regierungschef will von Verhandlungen nichts wissen. Die Rothemden haben angeboten unter UN Vermittlung mit der Regierung zu verhandeln. Das hat die Regierung aber abgelehnt. Dafür läuft am Montag Nachmittag um drei ein Ultimatum der Regierung ab: Bis dann sollen alle Frauen und Kinder das Demonstrationsgelände verlassen haben. Nur wenige werden der Aufforderung nachkommen. Anschliessend kommt dann vielleicht die nächste Eskalationsstufe im Plan der Regierung.

Was diese beinhalten könnte beschreibt Thailand Spezialist Frederico Ferrara von der Universität Singapur in einem Interview mit Reuters: „Dies könnte der Anfang des schlimmsten Massakers an Pro-Demokratie-Demonstranten in der Geschichte des Thailands sein. Die Tatsache, dass bereits soviele Menschen gestorben sind, ohne dass die Armee Boden gutgemacht hat, ist ein Zeichen, dass die Auflösung der Demonstration zu einem Vielfachen der Opfer führen könnte. Da die Regierung aber bereits begonnen hat auf Zivilisten, Journalisten, Rettungssanitäter, ja alles was sich bewegt, zu schiessen, ist der Unterschied zwischen 50, 100 oder 200 Toten nur noch eine Zahl auf einem Stück Papier.“ mic

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