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Der weltgrösste private Kohlekonzern steht vor der Pleite

Peabody Energy kann noch nicht mal seine operativen Kosten decken

Peabody Energy hat am Mittwoch bekannt gegeben, dass der „finanzielle Pfad (der Firma) nicht nachhaltig sein könnte“. Damit steht der weltgrösste, private Betreiber von Kohleminen kurz vor der Pleite.

Im Markt für Kohle ist Peabody Energy ein Gigant. Der Konzern hat letztes Jahr knapp 230 Millionen Tonnen Kohle verkauft. [1 s. S. 9] Ein Zehntel der gesamten US-Stromproduktion erfolgt mit Kohle aus den Peabody Minen. Noch im Jahr 2014 erhielt der Konzern vom Energiemarktspezialisten Platts die Auszeichnung „Energiefirma des Jahres“ und ihr Chef den Titel „CEO des Jahres“. [2] Am Mittwoch dieser Woche teilte der Konzern dann mit: „Wir haben (letztes Jahr) einen substantiellen operativen Verlust erlitten. Unser aktueller Plan zeigt an, dass wir weiterhin operative Verluste machen werden.“ Und kommt dann zum Schluss: „Wir könnten nicht genug flüssige Mittel haben, um unsere Geschäftstätigkeit fortzusetzen.“ [3 s. S. 20] Der Aktienkurs von Peabody fiel daraufhin um 45 Prozent auf noch 2,19 Dollar. Damit ist die Firma noch rund 70 Millionen Dollar wert bei Schulden von über sechs Milliarden. [1 s. S. 11] Sollte Peabody Gläubigerschutz nach ‚Chapter 11‘ des US-Rechts beantragen, würde sich der Konzern einer lange Liste von Firmen aus der US-Kohleindustrie anschliessen, die dies bereits getan haben: Arch Coal, Alpha Natural Resources, Patriotic Coal und eine Firma mit dem rückblickend ironisch anmutenden Namen Foresight (englisch für Voraussicht) Energy.

Spass mit Kohle. Diese Peabody Mitarbeiter scheinen noch nichts von der Finanzlage ihrer Firma zu wissen. (Foto: Peabody)

Spass mit Kohle. Diese Peabody Mitarbeiter scheinen noch nichts von der Finanzlage ihrer Firma zu wissen. (Foto: Peabody)

Dieser spektakuläre Absturz ist auf den Kohlepreis und die rückläufige Nachfrage nach Kohle zurückzuführen. Während der Kohlepreis kurz vor der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2008 noch bei 200 Dollar pro Tonne lag, bekam Peabody letztes Jahr in den USA weniger als 20 Dollar pro Tonne von den Kraftwerksbetreibern. [1 s. S. 10] Trotzdem sank die Nachfrage nach Kohle deutlich. Dies hat zwei Gründe: Zum einen ist Gas in den USA dank der Fracking Technologie mittlerweile meist günstiger als Kohle. Zum anderen führt die US-Umweltorganisation Sierra Club einen ‚Krieg gegen die Kohle‘. Dank Spenden des ehemaligen New Yorker Bürgermeisters und Multimilliardärs Michael Bloomberg hat der Sierra Club eine ‚Armee‘ von knapp 200 Anwälten [4], die mit juristischen Mitteln und wirtschaftlichen Argumenten gegen geplante und bestehende Kohlekraftwerke vorgehen. In den letzten fünf Jahren konnte so alle zehn Tage ein Kohlekraftwerk verhindert oder geschlossen werden. Mittlerweile haben die Anwälte des Sierra Clubs 232 von 523 Kohlekraftwerken stillgelegt – 45 Prozent. [5] Das hinterlässt Spuren in der Nachfrage nach Kohle wie Peabody in seinem Jahresbericht schreibt: Allein letztes Jahr ist der US-Kohleverbrauch in Kraftwerken um 110 Millionen Tonnen gesunken. [1 s. S. 4]

Die USA sind aber nicht das einzige Land mit einer sinkenden Nachfrage nach Kohle. Das gleiche gilt für China. Nicht zuletzt wegen der horrenden Luftverschmutzung in vielen Millionenstädten versucht die chinesische Regierung die Kohleverstromung zurückzudrängen. Mit Erfolg: Letztes Jahr ist der Kohleverbrauch das zweite Mal in Folge gefallen – um 3,7 Prozent. [6] Mit eingerechnet ist hier allerdings auch die teurere Kokskohle, die in der Stahlindustrie eingesetzt wird. Wegen des Rückgangs im Baugewerbe benötigt China weniger Stahl. Das Land hat daher ein Fünftel weniger Kokskohle importiert und gleichzeitig seine Stahlexporte gesteigert. Dadurch wird auch in anderen Ländern etwa in Europa weniger Kokskohle verbraucht, wenn dort die Stahlproduktion sinkt. Eine Zeit lang hatte die Kohleindustrie gehofft, dass Indien die sinkende Kohlenachfrage aus China kompensieren könnte. Aber auch dort sinken die Importe. Indien hat seine einheimische Produktion gesteigert und versucht ebenfalls Kohlestrom aus dem Strommix zu drängen. Im soeben vorgestellten Staatshaushalt ist vorgesehen die Kohlesteuer auf knapp sechs Dollar pro Tonne zu verdoppeln. [7]

Unabhängige Buchprüfer kamen daher zum Schluss, dass Peabodys „finanzieller Pfad nicht nachhaltig sein könnte“, wie das Unternehmen mit Bedauern feststellt. [8] Sollte die Firma Pleite gehen, verschwände auch eine Stimme, die immer wieder die Gründe für den Klimawandel angezweifelt hat. Der ‚CEO des Jahres‘ 2014, Greg Boyce, hat noch letztes Jahr gesagt: Der Klimawandel sei „eine Umweltkrise, die von fehlgeleiteten Computermodellen vorher gesagt wird“. [9] Das dürfte mittlerweile seine kleinste Sorge sein. mic

 

Wer will Vattenfalls Braunkohlegeschäft?

Der schwedische Staatskonzern Vattenfall will sein deutsches Braunkohlegeschäft verkaufen. Dieses besteht aus vier Tagebauen, drei Kohlekraftwerken und zehn Wasserkraftanlagen. Das Unternehmen hofft, damit noch dieses Jahr rund 3,2 Milliarden Euro einzunehmen. Bis Mittwoch dieser Woche sollten sich potentielle Käufer melden. Für zwei Firmen, die im Vorfeld Interesse bekundet hatten, war das Geschäft dann aber doch zu riskant: Der tschechiche Energiekonzern CEZ und das deutsche Stadtwerke-Konsortium Steag haben kein Gebot abgegeben. [10] Noch im Rennen sind zwei weitere tschechiche Energiekonzerne. Ursprünglich wollte auch die Umweltorganisation Greenpeace ein Angebot abgegeben, wurde dann aber von Vattenfall disqualifiziert. Greenpeace wollte verhindern, dass neue Tagebaue erschlossen werden. mic

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[1] Peabody, 11.02.2016: Vorl’ufiger Jahresberciht 2015 (PDF)

[2] Peabody, kein Datum: Awards and Recognition 2014

[3] Peabody, 16.03.2016: FORM 10-K (als PDF Download)

[4] Politico, 26.05.2015: Inside the war on coal

[5] Sierra Club, Stand 17.03.2016: How many dirty coal-burning plants have we retired?

[6] Guardian, 29.02.2016: China coal consumption drops again

[7] Climate Home, 29.02.2016: India to double coal tax under 2016-17 budget

[8] Peabody, 16.03.2016: Statement from Peabody Energy on 2015 10-K Filing

[9] Desmog, 11.05.2015: Peabody CEO Greg Boyce’s Long History of Climate Denial

[1] Klimaretter, 16.03.2016: Vattenfall springen die Interessenten ab

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