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Das war erst der Anfang

Die Klimaerwärmung macht Überschwemmungen und Hitzewellen wahrscheinlicher

Stark- und Dauerregen hat es schon immer gegeben. Aber weil sich das Klima in Deutschland bereits um mehr als ein Grad erwärmt hat, sind diese Ereignisse wahrscheinlicher geworden. Die Überschwemmungen sind ein Weckruf, der nicht überhört werden sollte.

Dutzende Tote und Vermisste, eingestürzte Häuser, schwimmende Autos. Solche Nachrichten und Bilder sieht man in Deutschland selten. Entsprechend groß ist die Bestürzung angesichts der Überschwemmungen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Ganz unerwartet sind die Extremniederschläge dieser Woche allerdings nicht. Der Schweizer Klimaforscher Reto Knutti sagt: „Starkniederschläge nehmen mit dem Klimawandel zu“ und folglich seien „Situationen wie jetzt zu erwarten“. [1] Der Grund dafür ist simpel. Wenn sich Luft um ein Grad erwärmt, kann sie rund sieben Prozent mehr Feuchtigkeit speichern. Knutti schränkt allerdings ein: „Man kann nicht ein spezifisches Regenereignis dem Klimawandel in einem deterministisch kausalen Sinn zuordnen, aber eine klare Aussage über den Einfluss des Klimawandels auf die Häufigkeit machen.“ Kurz: Da sich das Klima in Deutschland bereits um mehr als ein Grad erwärmt hat, gibt es häufiger Überschwemmungen.

Noch klarer ist der Zusammenhang zwischen Extremwetter und der Klimaerwärmung bei Hitzewellen wie derzeit in den USA, Skandinavien und Russland. Die Rekordtemperaturen im Westen der USA vor drei Wochen wären ohne die Erwärmung, die bereits stattgefunden hat, „nahezu unmöglich“ gewesen. [3] Das ist das Ergebnis einer Schnellstudie von mehreren Attributionsforschern rund um die Welt. Diese ermitteln erst mit Hilfe von Computermodellen des Klimas, wie wahrscheinlich ein Ereignis in der vorindustriellen Zeit gewesen ist, als die Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre und damit die Temperaturen noch niedriger waren. Anschließend berechnen sie das Gleiche mit den aktuellen Daten. So lässt sich nicht ein einzelnes Ereignis eindeutig dem Klimawandel zuschreiben, aber die Wahrscheinlichkeit berechnen, dass ein bestimmtes Ereignis eintritt. Dabei zeigt sich, dass Hitzewellen am direktesten eine Folge der Klimaerwärmung sind (siehe Grafik).

Korrelationen. Bei Hitze und Kälte ist es am eindeutigsten, dass der Klimawandel wohl der Grund für ein Ereignis ist. (Quelle: NOAA)

Dieser Zusammenhang ist fatal, denn Hitzewellen sind die tödlichsten Extremwetterereignisse. Der menschliche Körper ist sehr gut darin, seine Temperatur nach oben zu regulieren aber weniger nach unten. Die Hitzewelle Anfang Juli hat allein in der kanadischen Provinz British Columbia rund 500 Menschen das Leben gekostet. [4] Die wirtschaftlich teuersten Extremwetterereignisse sind allerdings Stürme. Dies gilt insbesondere für kleine Inselstaaten. Der Inselstaat Dominica in der Karibik hatte im Jahr 2017 wegen Hurrikan Maria Schäden im Gegenwert von 250 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu bewältigen. Dabei wurde die Insel bereits zwei Jahr zuvor verwüstet: Damals hat Hurrikan Erika Schäden im Wert von 90 Prozent des BIPs angerichtet. Die UN Entwicklungsorganisation UNDP hat ausgerechnet, dass, wenn ein kleiner Inselstaat in der Karibik von einem Hurrikan getroffen wird, im Durchschnitt Schäden von 17 BIP-Prozenten entstehen. [5] In Deutschland entspräche das einem Schaden im Wert von 560 Milliarden Euro.

Ein derart gigantischer Schaden ist in Deutschland kaum jemals zu erwarten. Dennoch werden auch hier die Zahl der Hitzetoten und Opfer anderer Extremwetterereignisse sowie die Schäden mit weiter steigenden Temperaturen zunehmen. Wie stark diese Zunahme ist, hängt aber auch davon ab, wie gut sich Deutschland auf den Klimawandel vorbereitet. Klimaanlagen in Spitälern und Altenheimen etwa können viele Hitzetote verhindern. Mit der Entsiegelung von Flächen und der Schaffung von natürlichen Überschwemmungsgebieten lässt sich Hochwassern die Spitze nehmen. Und falls es dennoch zur Katastrophe kommt, hängt viel von den Rettungskräften ab. Für ihr Buch „Deutschland 2050“ haben Nick Reimer und Toralf Staud auch mit diesen gesprochen. Noch ist Deutschland aber nicht ausreichend gewappnet: „Spricht man mit Fachleuten über die Zukunft des Bevölkerungs- und Katastrophenschutzes in Deutschland, dann schwingt eine gewisse Ratlosigkeit mit. Die bisherigen Strukturen von Rettungsdiensten werden in den kommenden Jahrzehnten immer stärker an ihre Grenzen stoßen.“ [6 s. S. 308]

Ahr. Im LandkreisAhrweiler, wo dieses Bild entstand, liegt auch das Dorf Schuld. (Screengrab: Tagesschau [8])

Letztlich ist jedes Extremwetterereignis also ein Weckruf. Einerseits muss die Menschheit ihre Emissionen so schnell wie möglich auf Null reduzieren, um die Klimaerwärmung zu stoppen und so zu verhindern, dass diese Ereignisse immer häufiger auftreten. Und andererseits muss sich jedes Land und jede Stadt auf diese Ereignisse vorbereiten. Dass letzteres nötig ist, ist allerdings tragisch, denn Warnungen der Wissenschaft gibt es seit Jahrzehnten, ohne dass viel passiert wäre. „Wir bringen nach und nach unseren Planeten um“ konstatierte UN-Chef António Guterres letztes Jahr. [7] Dass das eine schlechte Idee ist, zeigt sich nun auch in einem deutschen Dorf namens „Schuld“. mic

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[1] Reto Knutti, 14.07.2021: Tweet

[2] Reto Knutti, 25.06.2021: Tweet

[3] World Weather Attribution, 07.07.2021: Western North American extreme heat virtually impossible without human-caused climate change

[4] CNN, 13.07.2021: Climate change is fueling mass-casualty heat waves. Here’s why experts say we don’t view them as crises

[5] UNDP, 21.03.2019: After the Rain: The Lasting Effects of Storms in the Caribbean

[6] Nick Reimer, Toralf Staud, Juni 2021: Deutschland 2050 – Wie der Klimawandel unser Leben verändern wird

[7] António Guterres, 17.06.2020: Tweet

[8] Tagesschau, 15.07.2021: Unwetter in Deutschland: Mindestens 19 Tote

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