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Die zweite Runde im Kampf Opec gegen die Fracker

Jetzt nehmen die Frackingfirmen der Opec Marktanteile ab und drücken den Ölpreis

Die Frackingfirmen haben die Kosten für die Produktion von Schieferöl stark gesenkt. Ausserdem können sie ihre Produktion schnell hoch- und runterfahren. Dadurch hat das Ölkartell seinen Einfluss auf den Ölpreis weitgehend verloren.

Der Ölpreis begann letzte Woche zu rutschen und lag am Mittwoch dieser Woche knapp unter 51 Dollar pro Fass (159 Liter) für die Nordseesorte Brent. Innert Tagen wurde Öl knapp zehn Prozent billiger und kostet jetzt wieder so viel wie Ende November letzten Jahres. Damals kündigte das Ölkartell Opec an, die Förderung zu drosseln. Dies hatte den gewünschten Effekt: Der Ölpreis stieg auf rund 55 Dollar. Damit war die erste Runde im Kampf der Opec gegen die Produzenten von Schieferöl in den USA zu Ende. Zuvor hatte die Opec den Markt mit Öl geflutet und den Preis zeitweise auf unter 30 Dollar gedrückt – in der Hoffnung das Schieferöl aus dem Markt drängen zu können. Doch das gelang nur begrenzt. Die Zahl der Bohrlöcher aus denen mittels der Fördertechnik ‚Fracking‘ Öl gewonnen wird, ging um zwei Drittel zurück. Doch die Branche überlebte indem sie Kosten senkte und die Effizienz steigerte. Vor drei Jahren brauchten die ‚Fracker‘ noch einen Ölpreis von 66 bis 98 Dollar um Gewinn zu machen. Mittlerweile erreichen sie die Gewinnschwelle schon bei einem Preis von 29 bis 39 Dollar (siehe Grafik).

Fracking rules. Die Gewinnschwelle für Schieferöl ist in den letzten drei Jahren deutlich gesunken. (Grafik: Rystad Energy)

Fracking rules. Die Gewinnschwelle für Schieferöl ist in den letzten drei Jahren deutlich gesunken. (Grafik: Rystad Energy)

Der Preisrutsch zeigt, dass nun die zweite Runde des Kampfs Opec gegen die Fracker eingeleutet wurde – doch unter umgekehrten Vorzeichen: Jetzt nehmen die Fracker der Opec Marktanteile weg und drücken damit den Preis. Die Opec hat die angekündigten Produktionskürzungen tatsächlich umgesetzt. Die Internationale Energieagentur schätzt, dass die Opecförderung dieses Jahr um knapp 1,2 Millionen Fass pro Tag tiefer lag als im Dezember. Trotzdem sind die Lagerbestände an Öl weiter auf sehr hohem Niveau. Das hat mehrere Gründe: Bevor die Förderkürzung in Kaft trat, lag die Ölproduktion auf einem Rekordniveau. Ausserdem haben Libyen und Nigeria ihre Förderung dieses Jahr gesteigert. Für diese beiden Opec-Länder gilt kein Produktionsdeckel. Zudem wächst die Ölnachfrage vor Allem wegen des schleppenden Wirtschaftswachstums in China weiterhin nur langsam. Der Hauptgrund ist aber die Produktion von Schieferöl. Die US-Frackingfirmen haben den höheren Ölpreis genutzt, um ihre Produktion deutlich auszuweiten: Im wichtigsten Fördergebiet für Schieferöl, dem Permian Bassin, konnte die Produktion in den letzten fünf Monaten um zehn Prozent gesteigert werden und die Firmen haben angekündigt, ihre Förderung weiter zu erhöhen. Das macht mittlerweile selbst den US-Frackern Sorge. Harold Hamm, der Chef von Continental Resources, warnt: Die Ausweitung der Produktion müsse „auf geregelte Weise erfolgen, sonst killen wir den Markt“. [1]

Nicht in New York. Der Opec wäre es am liebsten, alle US-Bundesstaaten hätten einen Fracking-Bann so wie New York. (Foto: Credo / Flickr)

Nicht in New York. Der Opec wäre es am liebsten, alle US-Bundesstaaten hätten einen Fracking-Bann so wie New York. (Foto: Credo / Flickr)

Die weitere Entwicklung des Ölpreises hängt von der Opec ab. Die Deckelung der Produktion gilt nur bis Ende Juni. Ob sie verlängert wird entscheidet die Opec im Mai. Dabei steht sie vor zwei schlechten Alternativen: Behält sie den Deckel bei, bleibt der Preis relativ hoch und die Opec-Länder verlieren weiter Marktanteile an die US-Frackingfirmen. Gibt sie den Deckel auf, dürfte der Preis wieder deutlich fallen. Bei einem Treffen zwischen Opec-Vertretern und US-Schieferölproduzenten warnte ein Opec-Vertreter: Das Kartell würde „den Schlag durch die steigende US-Produktion nicht einfach einstecken“ und die US-Firmen sollten „nicht annehmen, dass die Opec die Förderkürzung verlängert.“ [2] Die russische Ölfirma Rosneft warnt ebenfalls: „Es gibt ein signifikantes Risiko, dass der Opec-Deal nicht verlängert wird“ und folglich „bleibt die Gefahr, dass der Preiskrieg wieder anfängt“. [3] Langfristig würden aber „das Wachstum der Ölnachfrage und die niedrigen Investitionen während der Periode ultra-niedriger Preise wieder für ein Gleichgewicht auf dem Ölmarkt sorgen.“ [3] Das könnte allerdings sehr lange dauern. Letzte Woche wurde in Alaska ein neues Ölfeld entdeckt – das grösste neu entdeckte US-Vorkommen seit 30 Jahren. mic

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[1] Bloomberg, 09.03.2017: Shale Billionaire Hamm Says Industry Binge Can ‘Kill’ Oil Market

[2] Reuters, 09.03.2017: Saudis tell U.S. oil: OPEC won’t extend cuts to offset shale – sources

[3] Reuters, 13.03.2017: Russian oil major says U.S. shale growth imperils OPEC deal

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