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Das Klima kommt in den Geschäftsbericht

Firmen sollen offenlegen, welche Risiken ihnen aus Klimawandel und -schutz erwachsen

Um den Klimawandel zu stoppen sind drastische Massnahmen erforderlich. Damit dadurch kein Börsenbeben ausgelöst wird, sollen Konzerne ihre Klimarisiken offenlegen.

Am Mittwoch wurde eine neue Front im Kampf gegen den Klimawandel eröffnet: die Finanzmärkte. Die G20 Staaten fürchten, dass Klimawandel und Klimaschutz eine Finanzkrise auslösen könnten. Daher wurde eine Arbeitsgruppe beauftragt, Richtlinien für die Offenlegung von Klimarisiken auszuarbeiten, denn: „Ohne die richtigen Informationen könnten Investoren Anlagen falsch bewerten, was zu einer Fehlallokation von Kapital führt“, wie der Abschlussbericht warnt. [1] Dafür sei sich nicht zuletzt die Finanzkrise 2008 ein „wichtiger Weckruf“ gewesen.

Beim Klima unterscheiden die neuen Richtlinien zwei Risiken: die Risiken durch den Klimawandel etwa extreme Wetterereignisse und die Risiken durch den Klimaschutz. Denn die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens mache „wesentliche“ und manchmal gar „disruptive“ (auf deutsch etwa ‚revolutionäre’) Änderungen erforderlich. [1] Das hat Auswirkungen auf die Bewertung von Firmen wie Energiekonzernen: Wenn die Klimaerwärmung auf zwei Grad begrenzt werden soll, müssen zwei Drittel der bekannten Vorkommen an Kohle, Öl und Gas im Boden bleiben. Sobald die Märkte das merken, drohen daher „Schocks“ durch den Wertverfall dieser Firmen. [1]

Auf dem Schirm. Damit die Finanzmärkte ihrer Aufgabe, der Kapitalallokation, nachkommen können, brauchen sie Informationen. Nun soll auch die Klimakrise eingepreist werden, damit es nicht zu einer Börsenkrise kommt. Denn wenn die Menschheit etwas verhindern muss, dann das. (Foto: Justtrader / Wikimedia)

Auf dem Schirm. Damit die Finanzmärkte ihrer Aufgabe, der Kapitalallokation, nachkommen können, brauchen sie Informationen. Nun soll auch die Klimakrise eingepreist werden, damit es nicht zu einer Börsenkrise kommt. Denn wenn die Menschheit etwas verhindern muss, dann das. (Foto: Justtrader / Wikimedia)

Ziel der Richtlinien sind aber nicht nur Unternehmen wie Exxon oder RWE sondern alle Konzerne. Autohersteller müssen sich überlegen, ob ihre Investitionen in Verbrennungsmotoren noch etwas wert sind. Nestlé und Co. werden angehalten, ihre Lieferketten auf die Auswirkungen von Dürren oder schweren Stürmen zu überprüfen. Und Banken, Versicherer und institutionelle Anleger sollen offen legen, wieviel CO2 in ihren Anlageportfolios steckt und was diese noch wert sind, wenn Regierungen einen angemessenen CO2-Preis verordnen. Ziel ist letztlich eine Umlenkung der globalen Finanzströme: „Um die nötigen Investitionen in Klimaschutz zu mobilisieren, muss die Datenlage zu Klimarisiken und Klimastrategien verbessert werden“, sagt etwa die Schweizer Grossbank UBS. [2]

Unternehmen sollen daher in ihren Geschäftsberichten aufzeigen, welche Risiken und Chancen ihnen aus Klimawandel und Klimaschutz erwachsen. Ausgangspunkt ist dabei das Zwei-Grad-Ziel. Was das bedeutet sagt Nigel Topping vom Unternehmensverband ‚We Mean Business’: Letztlich müssten die Firmen erklären, wie sie sich den „Weg zu einer Null-Emissions-Wirtschaft“ vorstellen. [2] Damit sei der Klimaschutz nicht länger Aufgabe des Umweltbeauftragten der Konzerne, sagt Koushik Chatterjee vom indischen Stahlhersteller Tata: „Ich freue mich besonders, dass die Klimadiskussionen nun in die Geschäftsleitungen und Finanzabteilungen gehoben wurden.“ [2] Damit dies geschieht, haben die neuen Richtlinien denn auch berühmte Autoren: Die Schirmherrschaft hat Mark Carney, der Chef der britischen Nationalbank, und die Arbeitsgruppe wurde von Michael Bloomberg, dem ehemaligen Bürgermeister von New York und Gründer des Finanznachrichtendienstes Bloomberg, geleitet.

Vorerst sind die Richtlinien freiwillig, was etwa der Chef des britischen Versicherers Aviva, Mark Wilson, kritisiert: „Wir sollten diesen Offenlegungsregeln echten Biss verleihen, indem wir diese verpflichtend machen.“ [2] Mittelfristig werden aber insbesondere Investoren kaum um die neuen Richtlinien herumkommen. Um ihrer ‚treuhänderischen Pflicht’ zu genügen, müssen sie alle relevanten Risiken berücksichtigen. Tun sie dies nicht, werden sie für Verluste haftbar. Das weiss auch der deutsche Autokonzern Daimler: „Die Regeln des Kapitalmarkts haben eine sehr starke Wirkung auf börsenkotierte Unternehmen.“ [2] Wilson ist daher zuversichtlich, dass auch die noch unverbindlichen Richtlinien ihre Wirkung entfalten: Der Bericht könne, „ein Katalysator zur Erreichung des Paris-Abkommens“ sein. [2] mic

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[1] Financial Stability Board, 14.12.2016: Recommendations of the Task Force on Climate-related Financial Disclosures (PDF)

[2] Financial Stability Board, 14.12.2016: TCFD Recommendations – Statements of Support

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