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Iranisches Öl kommt erst 2016 auf den Weltmarkt

Teheran will Exporte um eine Million Barrel pro Tag erhöhen

Der Iran hofft schnell wieder eine bedeutende Rolle auf dem Markt für Öl spielen zu können. Wegen veralteter Förderanlagen und dem Überangebot auf dem Ölmarkt, dürften die iranischen Ölexporte aber langsamer steigen als gehofft.

Direkt nach der Ankündigung des Nuklearabkommens mit dem Iran kam der Ölpreis unter Druck. Doch er erholte sich schnell wieder, nachdem die Märkte gemerkt hatten, dass frühestens Anfang nächsten Jahres mit höheren Ölexporten aus dem Iran zu rechen ist. Der Iran muss erst nachweisen, dass er alle Elemente des Abkommens implementiert hat, bevor die Sanktionen aufgehoben werden. Die internationale Atomenergieagentur IAEA geht davon aus, dass dies Mitte Dezember der Fall sein wird.

Nussig. Dieser Pistazienhändler in Griechenland schaut besorgt in die Zukunft. Bald kann der Iran wieder ungehindert Pistazien exportieren. (Foto: Pixabay)

Nussig. Dieser Pistazienhändler in Griechenland schaut besorgt in die Zukunft. Bald kann der Iran wieder ungehindert Pistazien exportieren. (Foto: Pixabay)

Als erstes kann der Iran dann seine Vorräte auf den Markt werfen. Schätzungen zufolge hat das Land 20 bis 40 Millionen Barrel (159 Liter) Öl an Lager. Anschliessend kommt es darauf an, wie schnell der Iran seine Ölproduktion steigern kann und ob er Käufer für sein Öl findet. Teheran hat angekündigt die Exporte innert sechs Monaten von heute gut einer Million auf über zwei Millionen Barrel pro Tag zu verdoppeln. „Die eine Frage ist, wie schnell können sie Öl auf den Markt bringen und die andere Frage ist, wie schnell können sie es verkaufen beim derzeitigen Preiskrieg?“ sagt Bijan Khajepour, ein Berater, der die iranische Ölindustrie verfolgt. [1] Khajepour schätzt, dass der Iran seine Produktion sehr schnell um 400 000 Barrel pro Tag erhöhen kann, indem er Förderanlagen stärker auslastet. Anschliessend wird es aber schwieriger. Die iranische Ölindustrie ist veraltet und viele Förderanlagen wurden in Folge der Sanktionen still gelegt. Um seine Ölindustrie zu modernisieren ist der Iran auf das Know-How der grossen, internationalen Ölkonzerne angewiesen. Vor den Sanktionen waren insbesondere die Ölmultis Eni, Statoil und Total im Iran aktiv.

Das iranische Öl wird auf einen Weltmarkt treffen, der bereits heute einen Angebotsüberhang hat. Jeden Tag werden zwei Millionen Barrel mehr gefördert als verbraucht. „Irans Anstrengungen seine Ölexporte zu steigern, hätten nicht zu einem schlechteren Zeitpunkt kommen können, in Anbetracht des Überangebots auf dem Markt.“, sagt Michael Cohen von der Barclays Bank. [1] In Saudi Arabien und Russland ist die Ölproduktion nahe einem Allzeit Hoch und auch die amerikanische Produktion von Schieferöl ist trotz des Preisverfalls in den letzten Monaten nicht zurückgegangen. Ed Morse von der Citigroup Bank erwartet daher, dass es schwierig wird für den Iran, schnell zusätzliche Käufer zu finden: „Der Markt wird den Iranern gegenüber unfreundlich sein, wenn es darum geht Platz zu machen, um so schnell so viel Öl zu verkaufen.“ [1] Aus Sicht von Stephen Davis von Signal Analytics ist letztlich aber die chinesische Ölnachfrage entscheidend: „Die Leute konzentrieren sich zu sehr auf Angebot und Nachfrage, dabei ist es die Weltwirtschaft, die den Ölpreis bestimmt und China steht stellvertretend für die Weltwirtschaft.“ [2] Doch China kämpft derzeit mit nachlassendem Wachstum und Turbulenzen an den Aktienmärkten. „Es ist ein doppelter Schlag: Nicht nur das Angebot steigt viel mehr als es sollte, sondern die Nachfrage ist auch schwächer, als viele Leute meinen.“

Noch schwieriger wird eine deutliche Erhöhung der Gasexporte. Der Iran sitzt zwar auf den grössten Gasvorkommen der Welt, hat aber zuwenig Kapazitäten um das Gas zu exportieren. Der iranische Anteil am globalen Gasmarkt liegt bei nur einem Prozent. Das ist auch der EU nicht entgangen, die derzeit versucht, unabhängiger von russischem Gas zu werden. Der EU Energiekommissar Miguel Arias Cañete sagt denn auch: „Es gibt ein Potential für grössere Zusammenarbeit zwischen der EU und dem Iran.“ [3] Wann das erste iranische Gas in Europa ankommt weiss er aber auch noch nicht: „Es ist zu früh, um den Zeitpunkt erster Lieferungen abzuschätzen.“ Der Iran verfügt derzeit über keine Anlage zur Verflüssigung von Gas und hat nur zwei kleinere Exportpipelines in die Türkei und nach Armenien. Aus Sicht von Sijbren de Jong vom Zentrum für strategische Studien in Den Haag sollte sich Europa aber sputen: „Wenn europäische Firmen, Regierungen und die EU jetzt nicht auf die Überholspur einbiegen, dann werden andere Länder schneller sein.“ [3] Bereits im April wurde bekannt, dass China eine Pipeline vom Iran nach Pakistan bauen will. [4] mic

Iran kann wieder Pistazien in die USA exportieren

Wie gründlich das Nuklearabkommen mit dem Iran ausgehandelt wurde zeigt sich unter anderem im Punkt 5.1.3: Dort verpflichten sich die USA „Lizenzen für den Import von iranischen Teppichen und Lebensmitteln, inklusive Pistazien und Kaviar“ zu erteilen. Gegenüber der Internetpublikation Slate erklärt Jeff Braverman, der Chef von nuts.com, welche Auswirkungen dies auf den US-Nussmarkt haben wird: „Früher kam die Mehrheit der Pistazien aus dem Iran. Sie waren gross und rund und hatten einen tollen, nussigen Geschmack. Nach dem Handelsembargo gegen den Iran, eroberten kalifornische Pistazien den Markt. Die sehen gut aus und sind leicht zu öffnen aber für Pistazien Connaisseurs schmecken sie nach Pappe. Wenn die iranischen Pistazien wieder ins Land dürfen, werden sie eine grossen Teil des Marktes übernehmen.“ [5] Das wird sich positiv auf die iranische Handelsbilanz auswirken. Nach Öl sind Pistazien das zweitwichtigste Exportprodukt des Landes. [6] mic

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[1] Wall Street Journal, 14.07.2015: Iran Deal Raises Prospect of Fresh Oil Glut

[2] CNBC, 15.07.2015: Never mind Iran. Oil price is going nowhere: Citi

[3] Foreign Policy, 25.06.2015: The Next Iranian Revolution

[4] Wall Street Journal, 09.04.2015: China to Build Pipeline From Iran to Pakistan

[5] Slate, 14.07.2015: Nuclear Deal Also Opens American Shores to a Plentiful Bounty of Delicious Iranian Pistachios

[6] Bloomberg, 06.05.2015: Never Mind Oil, Iran’s About to Shake the World Pistachio Market

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