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Und was, wenn Yvo Recht hat?

Leiter der UN Klimaverhandlungen glaubt nicht an adäquate Klimaziele „in den nächsten zehn Jahren“

Er bekam stehende Ovationen. Yvo de Boer der Leiter der UN Klimaverhandlungen tritt ab. Klimadiplomaten, Umweltorganisationen und Journalisten haben ihn gemocht für seine klare Sprache und seinen enormen Einsatz. Dass es auch 18 Jahre nach dem Erdgipfel von Rio de Janeiro immer noch kein effektives Weltklimaabkommen gibt, ist nicht seine Schuld. Aber auch hinsichtlich der Aussichten gibt sich de Boer pessimistisch: „Ich glaube nicht, dass der Verhandlungsprozess in den nächsten zehn Jahren adäquate Ziele für die Reduktion von Treibhausgasen liefern wird.“

Doch was heisst das? Zum einen spielt de Boer damit auf die Lebenslüge der Klimaverhandlungen an: Die Verhandlungen beruhen auf dem vierten IPCC Bericht aus dem Jahr 2007. Darin steht, dass die Klimaerwärmung auf zwei Grad begrenzt werden kann, wenn die CO2 Konzentration in der Atmosphäre 450 CO2 Moleküle pro eine Million „Luft“teilchen nicht übersteigt. Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse deuten aber daraufhin, dass diese CO2 Konzentration einer Erwärmung von vier Grad entspricht. Um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, müssen die Emissionen also deutlich stärker gesenkt werden, als bislang in den Verhandlungen vorgesehen.

Zum anderen nährt de Boer mit seiner pessimistischen Prognose aber auch die Skepsis gegenüber dem Verhandlungsprozess an sich. Denn wenn die Welt auch in zehn Jahren noch kein wirksames Klimaabkommen hat, dann aus zwei möglichen Gründen: Entweder die Verhandlungen sind nie zu einem Abschluss gekommen wie etwa die Verhandlungen über eine weitere Liberalisierung des Welthandels im Rahmen der WTO Doha Runde. Hier suchen die Länder nun schon seit neun Jahren nach einem Kompromiss ohne Aussichten auf einen baldigen Abschluss. Oder die Klimaverhandlungen können tatsächlich abgeschlossen werden und die nötigen Institutionen und Mechanismen zur Umsetzung werden auch geschaffen. Nur die Reduktionsziele, die auf diese Art durchgesetzt werden sollen, sind unzureichend. In diesem Fall besteht die Hoffnung, dass die Länder nach und nach strengere Emissionsziele akzeptieren, wenn sie sehen, dass das Abkommen funktioniert.

Dem Klima kann der Verhandlungsfortschritt derweil egal sein. Für das Klima zählen einzig die tatsächlichen Emissionen. Wenn die Länder auch ohne einen griffigen Weltklimavertrag ihre Emissionen im erforderlichen Ausmass senken, dann lässt sich das Zwei-Grad-Ziel erreichen. Ein Problem bei den aktuellen Verhandlungen ist, dass die Regierungen nicht wissen wie schnell sich die Treibhausgasemissionen senken lassen und zu welchen volkswirtschaftlichen Kosten. Niemand will daher Versprechen abgeben, die er dann nicht halten kann. Und manche Länder wie etwa die USA wollen erst ein nationales Klimaschutzgesetz verabschieden, bevor sie sich international verpflichten. Hinzu kommen die Unwägbarkeiten hinsichtlich der technologischen Entwicklung. Während heute noch Raps und Mais angebaut wird um Biosprit zu erzeugen, wird dies vielleicht schon bald mit Algen möglich sein. Kurz, viele Länder trauen sich noch nicht, sich auf „adäquate“ Klimaziele verpflichten zu lassen.

Trotzdem sind die Verhandlungen nicht umsonst. Zum einen geht es dabei um mehr als die Reduktion der Emissionen. Insbesondere die Anpassung an den Klimawandel und die Finanzierung etwa von Deichen in Bangladesch sind für viele Länder von existentieller Bedeutung. Und zum anderen helfen die Verhandlungen das Misstrauen zwischen den Ländern abzubauen. Denn kein Land kann den Klimawandel alleine stoppen. Dies ist nur möglich, wenn alle mitmachen. Und hier schaffen die Verhandlungen für ein gewisses Mass an Transparenz. So müssen bereits heute die Länder dem UN Klimasekretariat über ihre Klimaschutzmassnahmen Bericht erstatten. Und schliesslich gibt es in Teilbereichen auch bereits erste Ergebnisse zu vermelden, wie beim Schutz der Regenwälder.

Sollte de Boer also mit seiner pessimistischen Prognose Recht behalten, dann heisst das noch nicht automatisch, dass das Klima nicht mehr zu retten ist. Und es heisst auch nicht, dass die Klimaverhandlungen umsonst sind. De Boers Worte zeigen aber, dass sich die Politiker nicht länger hinter den Klimaverhandlungen verstecken dürfen. Sie müssen in ihren Ländern konkrete Massnahmen einleiten und dürfen nicht darauf warten, dass irgendwann ein Weltklimavertrag kommt.

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