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Das Loch, das die Welt einte

Alle Länder der Welt sind dem Abkommen zum Schutz der Ozonschicht beigetreten

Die Menschheit hätte beinahe die Ozonschicht und damit ihren Schutzschirm gegen UV Strahlung zerstört. Doch nach Entdeckung des Ozonlochs handelten die Länder der Welt entschlossen und vereinbarten im Montreal Protokoll die Abschaffung der ozonschädigenden Chemikalien.

Mit der Erfindung der Dampfmaschine durch James Watt im Jahr 1784 begann das Anthropozän, das Erdzeitalter des Menschen (von griechisch Anthropos = Mensch). Damals wurde die Schaffenskraft des Menschen von seiner Muskelkraft entkoppelt und der Mensch begann, seine Umwelt immer schneller zu verändern. Etwas weniger schnell entwickelte sich hingegen das Verständnis der natürlichen Kreisläufe, die das Leben auf dem Planeten Erde erst ermöglichen. So entdeckte der Mensch erst rund 100 Jahre später, dass das Leben auf der Erde von einer Schicht aus Ozonmolekülen vor der UV Strahlung der Sonne abgeschirmt wird. Kurz nach dem ersten Weltkrieg entwickelte die chemische Industrie dann die ersten Fluorchlorkohlenwasserstoffe kurz FCKWs. Diese waren weder brennbar noch giftig und galten dank ihrer vielen Anwendungen bei niedrigen Herstellkosten als „Wunderchemikalien“, die in Spraydosen, Matratzen, Eisschränken, Klimaanlagen und beim Brandschutz zum Einsatz kamen. Doch 1974 entdeckten die beiden kalifornischen Forscher Sherwood Rowland und Mario Molina, dass die so haltbaren FCKWs dem Beschuss durch UV Strahlung in der Stratosphäre nicht standhalten. Die Strahlung sprengt das Chloratom aus dem FCKW Molekül und das freie Chloratom schlägt dann eine Schneise der Verwüstung in die Ozonschicht: Ein einziges Chloratom kann bis zu 10‘000 Ozonmoleküle, bestehend aus drei Sauerstoffatomen (O3), in seine Einzelteile zerlegen. Der Strahlenschutz der Erde war in Gefahr.

Doch noch war dies nur eine wissenschaftliche Theorie. Erst 1985 konnten britische Forscher dann nachweisen, dass die Ozonschicht tatsächlich immer dünner wurde. Erst über dem Südpol und später über dem Nordpol konnte im Winter ein „Ozonloch“ beobachtet werden. Das Anthropozän hatte sein erstes, wirklich globales Umweltproblem und die Führer der Welt stellten sich der Herausforderung: Nur zwei Jahre nach Entdeckung des Ozonlochs wurde das Montreal Protokoll zum Schutz der Ozonschicht verabschiedet. Darin wird die schrittweise Abschaffung von rund 100 ozonschädigenden Chemikalien geregelt. So wurde die Produktion von FCKWs, den schlimmsten Ozonkillern, per Ende 2010 auch in Entwicklungsländern beendet und im Jahr 2040 werden die letzten ozonschädigenden Substanzen aus dem Verkehr gezogen. Damit ist das Problem gelöst: Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich die Ozonschicht zwischen 2060 und 2070 wieder vollständig regeneriert hat. Dadurch werden 20,5 Millionen Fälle von Hautkrebs sowie 130 Millionen Fälle von grauem Star, einer Augenerkrankung, vermieden. Die US Umweltbehörde schätzt, dass das Montreal Protokoll allein in den USA zu einer Minderung der Gesundheitskosten um 4,2 Billionen (4‘200 Milliarden) Dollar führt. Hinzu kommen die vermiedenen Umweltschäden: Insbesondere Plankton wird durch erhöhte UV Strahlung im Wachstum gestört, was wiederum die gesamte Nahrungskette im Meer bis hinauf zur Fischereiindustrie beeinträchtigt.

Diesen gewaltigen Gewinnen stehen bislang Kosten von 2,8 Milliarden Dollar gegenüber. Da die Industrieländer für den Grossteil der historischen Emissionen von ozonschädigenden Substanzen verantwortlich sind, kommt ihnen bei deren Abschaffung eine besondere Verantwortung zu: Zum einen müssen sie den Einsatz dieser Substanzen 10 bis 16 Jahre früher als die Entwicklungsländer beenden und folglich entsprechende Ersatzstoffe entwickeln. Und zum anderen müssen sie die Entwicklungsländer finanziell bei der Umstellung auf Ersatzstoffe unterstützen. Dazu wurde ein Ozonfonds geschaffen. Dieser hat mittlerweile 2,8 Milliarden Dollar in 6875 Projekte investiert, etwa die Anpassung von Produktionsabläufen bei Kühlschrankherstellern in Entwicklungsländern oder die sachgerechte Entsorgung von Klimaanlagen. Um Länder zum Beitritt zum Montreal Protokoll zu bewegen, verbietet das Protokoll ausserdem den Verkauf von ozonschädigenden Substanzen an Nichtmitglieder des Protokolls. Dies hat dazu geführt, dass das Montreal Protokoll das einzige internationale Abkommen ist, dem auch tatsächlich alle Länder der Welt angehören: Seit dem Jahr 2009 beteiligen sich auch Andorra und San Marino am Kampf gegen das Ozonloch. Kurz, mit ihrem geeinten und entschlossenen Vorgehen hat die Menschheit die erste Feuerprobe des Anthropozäns gut überstanden. mic

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