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«Wir haben in fünf Jahren zwei Millionen Leben gerettet»

Der «Global Fund» mit Sitz in Genf poolt Gelder für den Kampf gegen die grössten Krankheiten in der armen Welt

baz: Herr Evans, Sie arbeiten für den «Global Fund to Fight Aids, Tuberculosis and Malaria». Was tun Sie eigentlich?

David Evans: Der Global Fund ist ein Finanzierungsinstrument. Wir sammeln weltweit Gelder ein und finanzieren damit Aids-, Malaria- und Tuberkulose-Projekte in mittlerweile 136 Ländern. Wir poolen also das Geld, um es effizienter einsetzen zu können. Unser Ziel ist es, die Mittel für den Kampf gegen diese Krankheiten massiv zu erhöhen.

baz: Und, ist Ihnen das gelungen?

David Evans: Die Lage hat sich komplett verändert. In den 90er-Jahren standen pro Jahr 200 Millionen Dollar für Malaria zur Verfügung, heute sind es zwei Milliarden. Das ist ein Faktor zehn. Seit der Gründung 2001 haben wir zehn Milliarden Dollar eingesammelt. 20 Prozent der weltweiten Ausgaben für Aids und zwei Drittel der Ausgaben für Tuberkulose und Malaria laufen über den Global Fund. Und wir wollen weiter wachsen: Dieses Jahr wollen wir vier, nächstes fünf und 2010 dann sechs Milliarden Dollar umschlagen.

baz: Das ist viel. Wer sind die Hauptspender?

David Evans: Die USA mit 2,5 und Frankreich mit 1,4 Milliarden Dollar.

baz: Und die Schweiz?

David Evans: Manche Länder geben mehr, andere weniger. Die Schweiz hat bislang nur 27 Millionen Dollar beigesteuert.

baz: Gibt es auch ärmere Länder, die Geld an den Global Fund geben?

David Evans: Ja, interessant ist da das Beispiel von Russland. Die Russen haben sich verpflichtet, Geld, das sie vom Global Fund bekommen, wieder in den Global Fund einzubezahlen. Sie benutzen also einfach unseren Evaluations- und Monitoringprozess.

baz: Was haben Sie bis jetzt erreicht?

David Evans: Wir haben in fünf Jahren mehr als zwei Millionen Leben gerettet. Rund eine Million Aidspatienten und zwei Millionen Tuberkulosepatienten werden in Projekten betreut, die von uns finanziert werden.

baz: Wer ist für die Projekte verantwortlich?

David Evans: Die Projekte werden von den Gesundheitsministerien und zivilgesellschaftlichen Organisationen in den Empfängerländern entwickelt und durchgeführt. Wir geben nur das Geld und überprüfen was damit gemacht wird. Durch diese Trennung von Finanzierung und Implementierung können wir Transparenz und Effektivität sicherstellen.

baz: Wie muss man sich diese Überprüfung vorstellen?

David Evans: Wir verfolgen einen erfolgsbasierten Ansatz. Das heisst, dass wir nur Projekte finanzieren, die nachweislich die versprochenen Resultate zeigen. Wir haben in allen Ländern Partner, meist Wirtschaftsprüfer, die für uns die Projekte vor Ort überprüfen. Die von uns finanzierten Projekte haben einen Zielerreichungsgrad von 94 Prozent.

baz: Warum wurde der Global Fund eigentlich gegründet? Ist es nicht die Aufgabe der Weltgesundheitsorganisation WHO, Aids, Malaria etc. zu bekämpfen?

David Evans: Als der Global Fund anno 2002 gegründet wurde, wollte man ganz bewusst keine weitere UN-Organisation schaffen. Man wollte einen ganz neuen Mechanismus. Rechtlich ist der Global Fund eine Stiftung nach Schweizer Recht. Wir sind denn auch in Genf zu Hause.

baz: Der Global Fund verfolgt einen vertikalen Ansatz, indem er sich auf drei ausgewählte Krankheiten konzentriert (vergleiche Artikel oben). Kommen dabei nicht die lokalen Gesundheitssysteme zu kurz?

David Evans: Mit den von uns finanzierten Projekten wollen wir auch die Kapazität der Gesundheitssysteme stärken. Wir glauben die Projekte haben eine diagonale Wirkung. In Zukunft werden wir aber auch gezielt in die Gesundheitssysteme unserer Empfängerländer investieren. Es ist wichtig, dass die Kapazität der Gesundheitssysteme dem medizinischen Bedarf entspricht.

baz: Aber mit zunehmender Kapazität wird doch immer mehr Geld nachgefragt?

David Evans: Genau das wollen wir ja. Wir versuchen die Nachfrage nach Global-Fund-Geldern weiter anzukurbeln. Zuerst müssen viele Länder aber die Kapazität ihrer Gesundheitssysteme erhöhen, um überhaupt mehr Projekte bewältigen zu können. Die Länder wissen, dass sie Resultate liefern müssen und geben eher zu wenige Projekte ein. Deswegen erreichen wir noch lange nicht alle Malaria-, Aids- und Tuberkulose-Patienten.

baz: Planen Sie weitere Krankheiten in den Global Fund aufzunehmen?

David Evans: Nein, im Moment nicht. Aber wir sind ja noch eine sehr junge Organisation, gerade mal fünf Jahre alt. Trotzdem sind wir schon jetzt der weltweit grösste Investor in Gesundheit.

Aus der Basler Zeitung vom 12.04.2008

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