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Eine Pipeline wie aus einem Spionagethriller

Israelische Pipeline könnte Öl aus den Vereinigten Arabischen Emiraten transportieren

Pipelines sind immer auch Politik. Doch kaum eine Pipeline hat den Schah von Persien, Ayatollah Khomeini, Marc Rich und gleich zwei US-Präsidenten in ihrer Geschichte und ist trotzdem nahezu unbekannt.

In welche Richtung fließt das Öl? Die Antwort auf diese Frage ist in Israel ein Staatsgeheimnis. Die Rede ist von der Pipeline zwischen den israelischen Städten Eilat am Roten Meer und Aschkelon am Mittelmeer. Die Röhre ist 254 Kilometer lang und hat einen Durchmesser von einem Meter sowie eine schillernde Geschichte. Gebaut wurde sie im Jahr 1968, das Jahr nach dem Sechs-Tage-Krieg. Dieser sorgte für eine Schließung des Suezkanals bis 1975. Das zwang Tanker mit Öl aus dem Persischen Golf zur langen Reise um ganz Afrika für Lieferungen nach Europa. Damit war es billiger Öl in Eilat anzulanden, quer durch Israel zu pumpen und anschließend wieder per Schiff weiter zu transportieren. Damit war die Eilat-Aschkelon Pipeline Company (EAPC) geboren, ein hälftiges Joint Venture zwischen Israel – und dem Iran.

Links oder rechts. Öltanker haben die Wahl: Entweder sie nehmen den Golf von Suez und dann den Kanal oder den Golf von Akaba und landen das Öl dann in Eilat an. (Karte: Kaidor / Wikipedia)

Iran unter der Führung von Schah Mohammad Reza Pahlavi unterhielt gute Beziehungen zu Israel. Das änderte sich allerdings jäh mit der Islamischen Revolution 1979. Trotzdem floss das Öl aber weiter – dank des legendären Rohstoffhändlers Marc Rich, der eine gute persönliche Beziehung zu Revolutionsführer Ayatollah Khomeini hatte. Dass Geschäfte mit dem Iran nach US-Recht illegal waren, kümmerte Rich dabei wenig. Der Gründer des Schweizer Rohstoffkonzerns Glencore handelte nach der Devise: „Ich erbringe eine Dienstleistung. Manche Leute wollen mir Öl verkaufen und andere wollen Öl von mir kaufen.“ [1] Diese Haltung führte schließlich zu einer Anklage in den USA. Verurteilt wurde Rich allerdings nicht, da ihn US-Präsident Bill Clinton am letzten Tag seiner Amtszeit im Jahr 2001 begnadigte.

Geschichtsträchtig. Ohne die EAPC hätte Israel in verschiedenen Zeiten seiner turbulenten Geschichte Schwierigkeiten mit der Ölversorgung gehabt. (Video: EAPC)

Zu dieser Zeit erlebte auch der Ölhandel eine fundamentale Veränderung: Asiatische Länder und dort insbesondere China importierten immer mehr Öl. Für diesen Bedarf wurde im Jahr 2003 die Pipeline umgerüstet, damit auch Öl in die andere Richtung gepumpt werden kann. [2] Seither dient die Pipeline wahrscheinlich vor allem dem Export von Öl aus Russland und Aserbaidschan Richtung Osten. Sicher weiß man das aber nicht, weil die EAPC keine Geschäftsberichte veröffentlicht und auch geheim hält, wer die Geschäftspartner sind. Klar ist nur, dass die Firma bis zum Auslaufen der Konzession im Jahr 2017 zur Hälfte dem Iran gehörte. Ein Schiedsgericht in der Schweiz urteilte im Jahr 2015, dass dem Iran dafür eine Entschädigung von 1,1 Milliarden Dollar zusteht. [3] Aufgrund des israelischen Embargos gegen den Iran, verbietet Israel allerdings die Überweisung dieses Geldes.

Geburtshelfer. Bei der Unterzeichnung des Vertrags zwischen EAPC und einer Firma aus den Vereinigten Arabischen Emiraten war US-Finanzminister Steve Mnuchin anwesend. (Foto: EAPC)

Letztes Jahr vergab Israel dann eine neue Konzession für den Betrieb der Pipeline, diesmal an eine Firma mit dem Namen Europe-Asia Pipeline Company (EAPC). [2] Gleichzeitig wurde die Pressezensur verlängert, die es israelischen Medien verbietet, über die EAPC Geschäfte zu berichten. Im Oktober machte EAPC dennoch Schlagzeilen: Die Firma unterzeichnete eine verbindliche Absichtserklärung mit den Vereinigten Arabischen Emiraten. [4] Damit könnte das ursprüngliche EAPC-Geschäftsmodell wieder aufleben, der Transport von Öl in Richtung Westen. Möglich geworden war der Deal, weil Israel und die Emirate im September diplomatische Beziehungen aufgenommen haben, der wohl größte außenpolitische Erfolg von US-Präsident Donald Trump.

Dank der Entspannung zwischen Israel und immer mehr arabischen Ländern hat EAPC nun große Pläne: Die Firma wolle zwischen 12 und 17 Prozent des Öls, das durch den Suezkanal transportiert wird, stattdessen auf dem Landweg in die eine oder andere Richtung pumpen, wie EAPC-Chef Izik Levi dem Foreign Policy Magazin verriet. [5] Die Chancen dafür stehen gut, denn der Suezkanal ist für die größten Öltanker zu klein. Außerdem kostet eine Durchfahrt zwischen 300 000 und 400 000 Dollar. Wer die Kunden sind, wollte Levi allerdings nicht sagen. Es gehörten aber „einige der größten Firmen der Welt“ dazu. mic

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[1] The Guardian, 26.06.2013: Marc Rich: controversial commodities trader and former fugitive dies aged 78

[2] EAPC, Stand 11.11.2020: Milestones

[3] Times of Israel, 20.05.2015: Treasury says it won’t pay $1.1 billion judgment to Iran

[4] Reuters, 20.10.2020: Israeli pipeline company signs deal to bring UAE oil to Europe

[5] FP, 04.09.2020: UAE Deal Boosts Israeli Oil Pipeline Secretly Built With Iran

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