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Wirtschaft verliert Geduld mit Regierungen bei Klimapolitik

Firmen fordern eine klare Ansage der Politik, selbst wenn das kurzfristig ihrem Geschäft schadet

Manche Politiker glauben immer noch, Klimaschutz schade ihren Volkswirtschaften, dabei sind viele Firmen längst weiter. Sie fürchtenden Klimawandel mehr als die erforderlichen Massnahmen, um diesen zu stoppen.

In Grossbritannien ist der Verkauf von Autos mit Verbrennungsmotor ab dem Jahr 2040 verboten. Ben van Beurden geht das nicht schnell genug: „Wenn man das früher machen könnte, wäre das natürlich willkommen.“ [1] Viele dürfte diese Aussage überraschen,denn van Beurden ist der Chef des Ölkonzerns Shell. Nigel Topping wundert sich dagegen nicht. Er ist der Chef von We Mean Business, einer Organisation, die Firmen hilft, sich am Paris Abkommen auszurichten. „Unternehmen wollen wissen, in welche Richtung es langfristig geht. Wenn Länder klar sagen, dass Verbrennungsmotoren abgeschafft werden, dann wird Alles viel einfacher.“

Nervös. Am Samstag fand in Katowice eine Demonstration für mehr Klimaschutz statt. Zur Einrichtung einer Arbeitsgruppe, die sich um mehr Ehrgeiz beim Klimaschutz kümmert, konnte sich der polnische Konferenzpräsident dennoch nicht durchringen. (Foto: Kiara Worth / IISD)

Die Wirtschaft wünscht sich aber nicht nur eine klare Ansage der Politik, sondern fordert auch, dass die Klimapolitik am Stand der Wissenschaft ausgerichtet wird. Insbesondere der Bericht des Weltklimarats IPCC zum 1,5-Grad-Ziel habe viele Firmenlenker „wachgerüttelt“ so Topping. „Firmen operieren in der realen Welt“ und sie verstünden, dass schon eine Erwärmung um zwei Grad katastrophale Folgen haben wird. Immer mehr Unternehmen sind daher bereit, ihr Geschäft an den IPCC-Berichten auszurichten. Über 500 Firmen haben sich in Zusammenarbeit mit We Mean Business„wissenschaftsbasierte Klimaziele“ gesetzt. Dazu gehören auch Firmen aus Branchen, die ihre Emissionen nur schwer senken können: So hat etwa der indische Zementhersteller Dalmia angekündigt seinen CO2-Ausstoss bis zum Jahr 2040 auf Null zu bringen. [2]

Die Firmennutzen ausserdem gezielt ihre Nachfragemacht: So haben 168 Konzerne versprochen, nur noch Strom aus erneuerbaren Quellen zu kaufen. [2] Zusammen haben sie einen grösseren Stromverbrauch als Polen. Ähnlich ist es bei Elektrofahrzeugen. Hier haben zwar nur 26 Konzerne zugesagt, ihre Flotten komplett umzustellen, dafür gehören einige Schwergewichte dazu: das schwedische Möbelhaus Ikea, der holländische Autoleasingkonzern Leaseplan und das grösste Logistikunternehmen der Welt: Deutsche Post DHL. [2] We Mean Business hat denn auch eine klare Ansage für Autokonzerne: „Die Entwicklung zu Null-Emmissions-Transport ist nicht aufzuhalten.“ Auslöser für die ehrgeizigen Klimaziele vieler Firmen war die Pariser Klimakonferenz. Dort seien zum ersten Mal Firmen eingeladen worden, einen Beitrag zum globalen Klimaschutz zu leisten, erklärt Topping.

Das Interesse an den Konferenzen hat seither noch zugenommen und ebenso die Sorge um deren Resultate. So sagt der Chef des Bundesverband der deutschen Industrie, Dieter Kempf: „Die deutsche Industrie ist sehr besorgt über den schleppenden Fortschritt bei den Klimaverhandlungen in Kattowitz. Die Verabschiedung eines konkreten Regelwerks zur Umsetzung des vor drei Jahren beschlossenen Pariser Abkommens ist längst überfällig.“ Sven Harmeling von der Hilfsorganisation Care fordert daher, dass die Regierungen auf ihre Wirtschaftsführer hören: „Die Regierungen sollten die Positionen dieser Akteure aufgreifen, anstatt sich hinter die zu stellen, die dem notwendigen, schnellen Wandel im Weg stehen.“

Diese Nachricht haben einige Länder allerdings noch nicht bekommen: Am Samstag letzter Woche haben die USA, Saudi Arabien, Russland und Kuweit verhindert, dass die Klimakonferenz den IPCC-Bericht „Willkommen heisst“. Sie bestanden darauf den Bericht nur „zur Kenntnis zu nehmen“. Damit haben sie verhindert, dass der Bericht eines technischen Unterorgans der Klimakonferenz verabschiedet wird. Nun müssen sich die Minister um die richtige Wortwahl kümmern. Eine geeignetes Forum zu dieser Frage gibt es allerdings nicht. Die polnische Konferenzpräsidentschaft hat es versäumt eine Arbeitsgruppe zu bilden, die sich um mehr Ehrgeiz beim Klimaschutz kümmert. Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan zeigte sich denn auch entgeistert: „Wie kann man nach Erscheinen der IPCC-Berichts eine Klimakonferenz präsidieren und keine Arbeitsgruppe aufsetzen, die ein Signal für mehr Ehrgeiz sendet?“ Ähnlich sieht das Topping. Er bezeichnete die Position der USA und ihrer Mitstreiter als „tragisch“. mic

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[1] Guardian, 05.07.2018: Shell would support UK bringing forward petrol ban from 2040

[2] We Mean Business, Stand 10.12.2018: Company commitments 

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