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Und der Ölpreis fällt und fällt

Bleibt der Preis tief haben mehrere Opec Länder und Russland ein Haushaltsdefizit

Seit über einem Jahr war Öl nicht mehr so billig. Trotz Kriegen und Krisen in wichtigen Förderländern sorgen eine gedämpfte Nachfrage bei einem reichlichen Angebot für tiefe Preise. Für viele Opec Länder ist das ein Problem.

Am Montag hat der Preis für ein Barrel Öl (159 Liter) der Nordsee-Ölsorte Brent zum ersten Mal seit 14 Monaten die 100 Dollar Marke unterschritten. Grund dafür sind schlechte Konjunkturnachrichten von den beiden grössten Ölkonsumenten der Welt, China und den USA. In den USA wurden im August weniger neue Stellen geschaffen als erwartet und in China sind die Importe weiter gefallen. Beides deutet auf eine Verlangsamung der Konjunktur und damit der Ölnachfrage hin. Zudem ist das Angebot an Öl reichlich. So ist es Libyen gelungen seine Ölförderung in den letzten drei Monaten um 80 Prozent auf 720‘000 Barrel pro Tag zu steigern. Ausserdem hält der Schieferölboom in den USA an.

'On a slippery slope': So diversifiziert sind Venezuelas Exporte in 28 farblich unterschiedenen Kategorien (Grafik: MIT)

‘On a slippery slope’: So diversifiziert sind Venezuelas Exporte in 28 farblich unterschiedenen Kategorien (Grafik: MIT)

Trotz der vielen Krisen in Öl produzierenden Ländern ist der Preis seit Mitte Juni um 15 Prozent gefallen (siehe Grafik). Weder Ebola in Nigeria, noch der Vormarsch des Islamischen Staates im Irak, noch die Sanktionen gegen russische Ölkonzerne in Folge der Ukrainekrise vermochten den Ölpreis zu stabilisieren. Die Frage ist wie es nun weiter geht. Auffällig ist: Der Ölpreis ist in den Sommermonaten gefallen obwohl dann die Ölnachfrage relativ hoch ist, wie Eric Lee von der Citi Bank sagt: „Der Rückgang beim Preis für Brent Öl begann mitten im Sommer. Daher sollte man keinen Anstieg der Preise erwarten. Am Jahresende gibt es keine grössere Nachfrage.“ [1] Genau umgekehrt argumentiert derweil die Opec: „Es ist kein permanenter Preisrückgang. Wir nähern uns dem Winter und erwarten steigende Preise.“ [2] Die Marktbeobachter schauen insbesondere darauf, wie Saudi Arabien auf den Preisrückgang reagiert. „Wenn der Ölpreis unter 100 Dollar gefallen ist, dann bedeutet das wahrscheinlich, dass Saudi Arabien mit diesem Preisniveau zufrieden ist.“ sagt Peter Helles von der Bank of America Merrill Lynch. [3] Gemäss dem saudischen Ölminister könnte der Preis sogar noch weiter fallen, bevor das Königreich die Produktion drosselt: “100 Dollar, 110 Dollar, 95 Dollar ist ein guter Preis“ sagte Ali al-Naimi in Juni. [2]

Entwicklung des Ölpreises (Brent) pro Barrel in Dollar über die letzten zwölf Monate (Grafik: FT)

Entwicklung des Ölpreises (Brent) pro Barrel in Dollar über die letzten zwölf Monate (Grafik: FT)

Und tatsächlich: Auch wenn der Ölpreis auf 95 Dollar fällt, hat Saudi Arabien immer noch einen ausgeglichenen Staatshaushalt (siehe Tabelle). Viele andere Opec Länder und Russland haben hingegen ihre Staatsausgaben derart aufgebläht, dass sie einen Ölpreis von über 100 Dollar benötigen, um ein Budgetdefizit zu vermeiden. Nach dem ‚Arabischen Frühling‘ haben viele Opec Länder ihre Staatsausgaben massiv erhöht, um Unruhen wie in Ägypten zu verhindern. Die wirtschaftlichen und politischen Auswirkungen eines niedrigen Ölpreises sind insbesondere in drei Ländern interessant:

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Russland: Russland hat Reserven von 644 Milliarden Dollar. Ein Haushaltsdefizit wäre also durchaus verkraftbar. Schlecht sieht es hingegen um den grössten russischen Ölkonzern Rosneft aus. Dieser hat nach der Übernahme des Konkurrenten TNK-BP 40 Milliarden Dollar Schulden. Davon sind 21,2 Milliarden noch dieses Jahr fällig. Doch Rosneft unterliegt den Sanktionen der EU und USA und kann diese Schulden daher nicht mehr an den westlichen Kapitalmärkten refinanzieren. Aus diesem Grund hat der Konzern die Regierung in Moskau um Hilfe gebeten. Und der Kreml hat Rosneft erhört. Gemäss dem russischen Ministerpräsidenten Dimitri Medwedew erhält der Ölkonzern eine Finanzspritze von 40,6 Milliarden Dollar. Nachdem Moskau schon Pensionskassengelder für die Finanzierung der Krim Annexion beschlagnahmt hat [4], kommt so nun die zweite Milliardenrechnung für die aktuelle Aussenpolitik.

  • Venezuela: Das Land der ‚bolivarischen Revolution‘ ist auch ohne einen tiefen Ölpreis quasi pleite. Anfang Oktober muss Venezuela 5,2 Milliarden Dollar an Schulden zurückbezahlen. Dabei hat das Land nicht nur die höchste Inflationsrate der Welt sondern auch riesige Schulden gegenüber inländischen Gläugigern. Das Land schuldet Importeuren und Fluggesellschaften über 13 Milliarden Dollar. Aus diesem Grund bedienen einige Fluglinien das Land nicht mehr und Güter von Klopapier bis Medikamenten können nicht in ausreichender Menge importiert werden. Der venezoelanische Ökonom Ricardo Hausmann sagt daher: „Venezuela bedient seine Auslandsschulden noch aber gegenüber seinen Bürgern ist es längst bankrott.“ [5]
  • Iran: Kein Land braucht einen derart hohen Ölpreis wie Iran um sein Budget auszugleichen: 136 Dollar. Wegen des iranischen Atomprogramms unterliegt das Land harten Sanktionen der EU und der USA. In den letzten beiden Jahren Jahr ist die iranische Wirtschaft denn auch geschrumpft. Mittlerweile hat sie sich aber wieder stabilisiert wie die iranische Regierung mitteilt. Der Preisverfall bei Irans wichtigstem Exportprodukt dürfte da nicht willkommen sein. Dies erhöht den Druck bei den Atomverhandlungen zu einem Ergebnis kommen: Bis Ende November wollen sich der Iran und der Westen über Irans Atomprogramm und eine Rücknahme der Sanktionen einigen.

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Irans sind zudem ein wichtiger Grund, warum die sunnitischen Golfstaaten von Qatar bis Saudi Arabien derzeit keinen Grund haben, den Ölpreis durch Produktionskürzungen zu erhöhen. Im Irak und in Syrien werden Stellvertreterkriege zwischen dem Iran und Saudi Arabien ausgefochten in denen es um die Vorherrschaft in der Golfregion geht. Wenn da der Ölpreis so tief ist, dass er Iran schadet, kann das Saudi Arabien nur recht sein. So kommt zum heissen Krieg auch noch ein bisschen Opec-interner Wirtschaftskrieg. Die Autofahrer freut’s. mic

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[1] The Wall Street Journal, 08.09.2014: Crude Prices Close at Lowest Level in More Than a Year

[2] Reuters, 08.09.2014: OPEC unfazed by oil’s drop below 100$

[3] The National, 08.09.2014: Oil price drops below $100 as GCC producers are close to curbing supply

[4] Bloomberg, 26.06.2014: Russian pensions Paid For Putin’s Crimea Grab

[5] Project Syndicate, 05.09.2014: Should Venezuela Default?

One Comment

  1. […] [5] Weltinnenpolitik, 09.09.2014: Und der Ölpreis fällt und fällt […]

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