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Batterien vor und hinter dem Zähler

Mit Batterien lässt sich schon heute auf dem Strommarkt Geld verdienen

Batterien können innert Sekundenbruchteilen Strom liefern und sind daher ideal für die Stabilisierung des Stromnetzes. Trotz der noch hohen Anschaffungskosten können Batterien daher rentabel betrieben werden.

Das Stromnetz kann mit einem See verglichen werden, dessen Zu- und Abflüsse immer genau gleich gross sein müssen. Ändert sich der „Wasserspiegel“ bricht das Netz zusammen und der Strom fällt aus. Bislang haben die Stromkonzerne die Netzstabilität beinahe ohne Stromspeicher gewährleistet. Einzig Pumpspeicherkraftwerke konnten als „Batterien“ genutzt werden. Doch richtige Batterien werden sehr schnell sehr viel billiger. Seit dem Jahr 2010 ist der Preis pro Kilowattstunde (kWh) Speicherkapazität von 1000 Dollar auf noch 150 bis 200 Dollar letztes Jahr gefallen. [1] Dieser Preisverfall ist nicht nur dabei den Automarkt zu revolutionieren, sondern auch den Strommarkt. Aus Sicht der Unternehmensberatung McKinsey stehe dieser vor der „nächsten disruptiven Technologie“ in nur wenigen Jahren [2]: „Bei der Kostenentwicklung haben wir bei Solarstrom den Kipppunkt bereits erreicht und früher oder später werden wir auch den Kipppunkt bei Stromspeichern erreichen“, sagt David Frankel von McKinsey. [3]

Umgekehrt bedeutet das aber auch, dass Batterien momentan noch zu teuer sind. Trotzdem werden bereits heute Batteriespeicher von Stromkonzernen geordert.  Der erste Grossspeicher wurde bei Los Angeles gebaut – mit einer Kapazität von 120 Megawattstunden (MWh). Der dortige Stromversorger befürchtete Stromausfälle in der Millionenmetropole. Die Batterielösung war teurer als ein neues Gaskraftwerk, dafür war die Batterie nach nur acht Monaten Bauzeit am Netz. [1] Bei einem Gaskraftwerk dauert allein das Genehmigungsverfahren Jahre. Noch schneller ging es bei Teslas Grossbatterie in Südaustralien: Nach einem Stromausfall im März 2017 bot Tesla-Chef Elon Musk der dortigen Provinzregierung eine Wette an: Entweder Tesla schafft es innert 100 Tagen eine 129-MWh-Batterie zu installieren oder die Provinz bekommt die Batterie geschenkt. Musk hielt Wort und seine Batterie revolutioniert jetzt den südaustralischen Strommarkt. [4]  „Die Geschwindigkeit und Präzision“ der Batterie seien „beispiellos“, sagt Australiens Netzbehörde Aemo. [5] Dies zeigte die Anlage schon im ersten Monat: Nach dem Ausfall eines 690-Megawatt-Kohlekraftwerks glich die Batterie den Spannungsabfall im Netz innert Sekundenbruchteilen aus. [5]

Wahrscheinlich ist die Batterie sogar profitabel, da sie auf zweierlei Arten Geld verdient. Zum einen dient sie einem nahegelegenen Windpark als Stromspeicher und hilft diesem mehr Geld an der Strombörse zu verdienen. Dabei profitiert sie sowohl bei einem Überangebot an Strom als auch bei Strommangel. Südaustraliens Strommarkt ist relativ isoliert vom Rest des Landes und der Strompreis entsprechend volatil. Wenn zuviel Strom im Netz ist fällt er auf minus 1000 australische Dollar [6] und steigt bei Knappheit auf bis zu 14‘000 Dollar pro MWh [7]. Je grösser die Schwankungen desto mehr Profit. Die australische Beratungsfirma Energy Synapse schätzt den Gewinn der Batterie in den ersten vier Betriebsmonaten auf 1,4 Million Dollar. [8] Der grösste Teil davon wurde an nur fünf Tagen erwirtschaftet als die Preisschwankungen besonders gross waren. Wenn man diese fünf Tage herausrechnet, war der Gewinn aus dem Stromhandel hingegen eher bescheiden: 530 Dollar pro Tag. [8] Hinzu kommt allerdings noch das Entgelt für die Vorhaltung von Regelenergie zur Netzstabilisierung. [8]

Powerkisten. Teslas Batterie passt in ein paar Transportcontainer. (Foto: Hornsdale Power Reserve)

Powerkisten. Teslas Batterie passt in ein paar Transportcontainer. (Foto: Hornsdale Power Reserve)

Batterien können aber nicht nur von Energiekonzernen „vor dem Zähler“ eingesetzt werden sondern auch von Konsumenten „hinter dem Zähler“. Besitzer einer Solaranlage können mit einer Batterie Stromproduktion und –verbrauch miteinander in Einklang bringen. Der deutsche Batteriehersteller Sonnen bietet zudem die Möglichkeit, als Konsument zur Netzstabilisierung beizutragen. Wer eine Solaranlage auf dem Dach und eine Sonnen-Batterie im Keller oder ein Elektroauto in der Garage hat, kann Teil eines „virtuellen Kraftwerks“ werden. In Deutschland sind dies mittlerweile 20‘000 Haushalte mit einer totalen Speicherkapazität von 240 MWh. Dieses „virtuelle Kraftwerk“ stellt Regelenergie zur Netzstabilissierung bereit. Das ist so lukrativ, dass Sonnen den Teilnehmern eine Strom-Flatrate zum Preis von Null anbietet. Geschenkt bekommt man die erforderliche Batterie allerdings nicht.

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[1] The Economist, 12.08.2017: After electric cars, what more will it take for batteries to change the face of energy?

[2] McKinsey, Juni 2017: Battery storage: The next disruptive technology in the power sector

[3] milken institute review, 22.01.2018: The Missing Link in Renewables

[4] The Guardian, 06.02.2018: How Tesla’s big battery is bringing Australia’s gas cartel to heel

[5] ABC, 06.04.2018: How Elon Musk’s big Tesla battery is changing Australia’s power landscape

[6] electrek, 14.01.2018: Tesla’s massive battery in Australia was paid up to $1000/MWh to charge itself

[7] electrek, 23.01.2018: Tesla’s giant battery in Australia made around $1 million in just a few days

[8] Energy Synapse, 05.04.2018: Four months in, SA Tesla battery is showing mixed results in energy arbitrage

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