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Nordkoreas Schwachpunkt

USA wollen Ölembargo gegen Nordkorea

Nordkorea muss 100 Prozent seines Ölverbrauchs mit Importen bestreiten. Die USA fordern daher ein Ölembargo. China und Russland werden dem aber kaum zustimmen.

Die USA wollen Nordkorea mit einem Ölembargo zu einem Stopp des Atombomben- und Raketenprogramms zwingen. Dazu soll der UN-Sicherheitsrat anfangs nächster Woche eine Resolution verabschieden. Ob China und Russland, die wichtigsten Öllieferanten Nordkoreas, dem US-Wunsch entsprechen werden, ist allerdings noch unklar. Russlands Präsident Vladimir Putin hat sich gegen neue UN-Sanktionen ausgesprochen und China fürchtet den Kollaps des Nachbarlandes. Shi Yinhong, ein Berater von Chinas Regierung sagte: „Ein vorrübergehender oder teilweiser Bann ist möglich, aber Chinas Regierung wird sich definitiv weigern, Ölexporte nach Nordkorea komplett und für immer einzustellen.“ [1] Nordkorea hat keine eignen Ölvorkommen und ist zu 100 Prozent auf Importe angewiesen.

Erste Priorität. Ein Ölembargo hätte kurzfristig kaum Auswirkungen auf Nordkoreas Streitkräfte. (Foto: Roman Harak / Flickr)

Erste Priorität. Ein Ölembargo hätte kurzfristig kaum Auswirkungen auf Nordkoreas Streitkräfte. (Foto: Roman Harak / Flickr)

China ist Nordkoreas wichtigste Lieferant für Rohöl und Ölprodukte. Nordkoreas Ölverbrauch ist winzig. Die Internationale Energieagentur IEA schätzt, dass das Land 15‘000 Fass (159 Liter) pro Tag verbraucht. [1] [2] (Südkorea verbraucht 2,6 Millionen Fass pro Tag.) 10‘000 Fass importiert Nordkorea in Form von Rohöl über eine Pipeline aus China. Dieses Öl wird in der einzigen Raffinerie des Landes in Sinuiju weiterverarbeitet. Die IEA geht zudem davon aus, dass Nordkorea rund 6000 Fass Benzin und Kerosin pro Tag importiert. Diese Produkte kommen zum grössten Teil per Tankschiff aus China. Aber auch Russland exportiert Ölprodukte per Schiff nach Nordkorea. Hier geht die IEA von rund 700 Fass pro Tag aus. [3]

Wie lange Nordkorea ohne Ölimporte auskommen kann, ist nicht bekannt. Beobachter gehen davon aus, dass das Land über Reserven für mehrere Monate verfügt. Ölprodukte werden vor allem von den nordkoreanischen Streitkräften, der kleinen Elite und in der Landwirtschaft benötigt. Hier könnte ein Embargo zuerst Wirkung zeigen, falls in der bevorstehenden Erntezeit Benzin und Diesel für Landwirtschaftsmaschinen rationiert wird. Auswirkungen auf die Stromproduktion hätte ein Ölembrago hingegen nicht. Nordkorea befeuert seine Kohlemeiler mit einheimischer Kohle und verfügt über einige Wasserkraftwerke. mic

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[1] Bloomberg, 04.09.2017: China’s Oil Lifeline to North Korea Targeted After Nuclear Blast

[2] Nautilus, 04.09.2017: Sanctions on North Korean oil imports: Impacts and efficacy

[2] Reuters, 07.09.2017: U.N. mulls U.S. push for North Korea oil embargo, textile export ban

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