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Paris Abkommen tritt Anfang November in Kraft

Dank Blitz-Ratifikation durch EU sind alle Bedingungen erfüllt

Das Paris Abkommen tritt in Kraft bevor die Bedienungsanleitung geschrieben wurde. Das ist ein Problem. Wichtiger ist allerdings, dass die Länder die Emissionen doppelt so schnell senken müssen als geplant. Sonst erreicht die Erwärmung bereits im Jahr 2050 zwei Grad.

Am 4. November tritt der Pariser Weltklimavertrag in Kraft. Mittlerweile haben 74 von 197 Ländern, die knapp 59 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verursachen, das Abkommen ratifiziert. [1] Voraussetzung für das In-Kraft-Treten war, dass 55 Länder, die 55 Prozent der Emissionen ausmachen, dem Abkommen beitreten. Diese Schwelle wurde schliesslich durch die Ratifikation der EU und einiger ihrer Mitgliedsländer wie Deutschland und Frankreich erreicht. China, die USA, Indien und Brasilien waren dem Pakt bereits früher beigetreten. Mit dabei sind ausserdem Kanada, Norwegen und Neuseeland. Nicht dabei sind derweil Russland, Japan, Südafrika, Australien und die Schweiz. Die schnelle Ratifikation wird allseits gefeiert: “Das Paris Abkommen ist ein Triumph der globalen Kooperation. Es zeigt, dass die Welt zusammen kommen und schnell handeln kann, wenn sie mit einer Gefahr wie dem Klimawandel konfrontiert ist.“, sagt etwa Mohamed Adow von der Hilfsorganisation Christian Aid.

Basar. Ähnlich wie auf diesem Markt in Marrakesch wird auch bei der Klimakonferenz wieder hart gefeilscht werden. Auf dem Markt sind allerdings die Regeln klar, bei der Konferenz sind sie es noch nicht. (Foto: Luc Viatour / Wikipedia)

Basar. Ähnlich wie auf diesem Markt in Marrakesch wird auch bei der Klimakonferenz wieder hart gefeilscht werden. Auf dem Markt sind allerdings die Regeln klar, bei der Konferenz sind sie es noch nicht. (Foto: Luc Viatour / Wikipedia)

Bei der Klimakonferenz letztes Jahr in Paris waren die Verhandler davon ausgegangen, dass der Vertrag erst im Jahr 2020 in Kraft treten würde. In seiner jetzigen Form ist er auch noch nicht umsetzbar. Es fehlt die ‚Bedienungsanleitung‘. Im Vertragstext steht etwa, dass die Länder transparent über ihre Klimaschutzmassnahmen berichten. Noch ist aber unklar, in welcher Form dies geschehen soll. Im Text steht ausserdem, dass bei der ersten Klimakonferenz nach In-Kraft-Treten, die erste Konferenz der Vertragsparteien des Paris Abkommens stattfindet – die CMA1 im Klimasprech. Dort soll dann die ‚Bedienungsanleitung‘ verabschiedet werden. Damit stehen die Klimadiplomaten der Welt vor einem kniffligen Problem: Die nächste Klimakonferenz beginnt am 7. November in Marrakesch (Marokko) und die ‚Bedienungsanleitung‘ ist noch inexistent. Wahrscheinlich ist daher, dass in Marrakesch die CMA1 zwar eröffnet doch dann suspendiert wird, um Zeit zu schaffen die Bedienungsanleitung auszuhandeln. Sicher ist dies aber noch nicht, denn auch das Prozedere ist Verhandlungssache.

Die Länder stehen aber nicht nur vor einem prozeduralen sondern vor Allem vor einem praktischen Problem: Klimaforscher erwarten, dass die Temperatur dieses Jahr 1,25 Grad über dem Durchschnitt der Jahre vor Beginn der industriellen Revolution liegen wird. [2] So warm war es zuletzt vor 115‘000 Jahren. Damals lag der Meeresspiegel um sechs bis neun Meter über dem jetzigen Niveau. Mit den bisherigen Klimaplänen der Länder dürfte die Zwei-Grad-Marke zudem bereits im Jahr 2050 erreicht sein. Die Länder müssen daher das Tempo verdoppeln, mit dem sie ihre Emissionen reduzieren. Noch besteht aber eine Chance, dass die Welt die Erwärmung begrenzen kann, meint Kornelis Blok vom Forschungsinstitut Ecofys: „Wir haben die technischen Fähigkeiten und die Ratifikation des Paris Abkommens zeigt, dass wir auch den politischen Willen haben. Jetzt müssen wir diese Beiden zusammenbringen, um die grossen Veränderungen zu beschleunigen, die erforderlich sind.“ Hinzu kommen die schnell fallenden Kosten für Klimaschutztechnologien: In den letzten sechs Jahren sind die Kosten für Windstrom um 41 Prozent, für Solarstrom um 64 Prozent, für Batterien um 73 Prozent und für Energiesparlampen um 94 Prozent gefallen. [3 s. S. 1] Die Rettung der Welt ist damit nicht nur mach- sondern auch bezahlbar. mic

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[1] WRI, Stand 06.10.2016: Paris Agreement Tracker

[2] Earth System Dynamics Journal, Oktober 2016: Young People’s Burden: Requirement of Negative CO2 Emissions

[3] Department of Energy, September 2016: Revolution … Now — 2016 Update (PDF)

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