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Naturschutz macht Fortschritt zu Land und zu Wasser

Eine neue Koalition will einen Markt für Privatinvestitionen in Naturschutzprojekte schaffen

Die Weltbevölkerung und die Weltwirtschaft wachsen und die Belastung der Umwelt nimmt immer weiter zu. Aber es gibt auch gute Nachrichten wie die Ausweitung der Naturschutzgebiete.

Die Welt ist auf gutem Weg ihre Ziele bei der Ausweisung von Naturschutzgebieten an Land und in den Meeren zu erreichen. Dies zeigt ein neuer Bericht [1] der Weltnaturschutzunion IUCN (von englisch International Union for the Conservation of Nature), der bei einer Konferenz in Hawaii vorgestellt wurde. 15 Prozent der Landfläche (ohne Antarktis), zehn Prozent der Territorialgewässer und vier Prozent der Hochsee stehen mittlerweile unter Schutz. Damit sind die Schutzziele für das Jahr 2020 in Griffweite oder bereits erreicht. Bis dann sollen 17 Prozent der Landfläche und zehn Prozent der Küstengewässer unter Schutz stehen. Fortschritte gab es insbesondere beim Meeresschutz: In den letzten zehn Jahren hat sich die Fläche der Schutzgebiete mehr als vervierfacht. Kurz vor Beginn der IUCN Konferenz hat US-Präsident Barack Obama die Fläche eines bestehenden Schutzgebiets vor Hawaii vervierfacht und damit das grösste Meeresschutzgebiet der Welt geschaffen. Das Papahānaumokuākea Reservat ist mit 1,5 Millionen Quadratkilometern nun mehr als vier Mal so gross wie Deutschland.

Aloha. Die Fläche der Meeresschutzgebiete hat sich in den letzten zehn Jahren vervierfacht. Ob dieses Walross auch davon profitiert, ist aber nicht bekannt. Falls ja, lässt es sich dies zumindest nicht anmerken. (Foto: Ryan Kingsbery / Flickr)

Aloha. Die Fläche der Meeresschutzgebiete hat sich in den letzten zehn Jahren vervierfacht. Ob dieses Walross auch davon profitiert, ist aber nicht bekannt. Falls ja, lässt es sich dies zumindest nicht anmerken. (Foto: Ryan Kingsbery / Flickr)

Probleme bereitet aber noch die Qualität des Managements dieser Schutzgebiete sagt Erik Solheim der Chef der UN-Umweltprogramms Unep „Die riesigen Fortschritte im letzten Jahrzehnt hinsichtlich der Zahl und Grösse der Schutzgebiete müssen nun durch Verbesserungen der Qualität ergänzt werden.“ [2] Weiter bestehende Probleme beim Artenschutz zeigt denn auch die ‚Rote Liste gefährdeter Arten‘ [2] auf, die ebenfalls von der IUCN erstellt wird. Von den untersuchten Tier- und Pflanzenarten sind knapp ein Drittel „gefährdet“. Besonders schlecht steht es um Gorillas. Die Zahl der frei lebenden Östlichen Gorillas hat in den letzten 20 Jahren um 70 Prozent abgenommen. Inger Andersen, die IUCN Chefin, sagte dazu: „Zu sehen wie der Östliche Gorilla – einer unseren nächsten Verwandten – Richtung Aussterben schlittert, ist wahrlich verstörend.“ [2] Es gibt aber auch gute Nachrichten: So haben sich die Pandabestände verbessert und auf Hawaii wurden zwei Pflanzenarten wiederentdeckt, nachdem sie bereits als ausgestorben galten.

Fortschritte macht auch die ‚Bonn Challenge‘. Dieses Programm hat zum Ziel 150 Millionen Hektar (1,5 Millionen Quadratkilometer) Wald bis zum Jahr 2020 und 350 Millionen Hektar bis zum Jahr 2030 wieder herzustellen. Mittlerweile haben 36 Länder Zusagen zur Aufforstung von 113 Millionen Hektar gemacht und das 2020-Ziel ist ebenfalls in Griffweite. [3] Der deutschen Parlamentarische Staatssekretärin für Umwelt, Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD), reicht dies aber noch nicht: „Wir müssen ein Jahrhundert der Wiederaufforstung und des Waldschutzes lancieren.“ Dies würde sich auch rechnen. Die Erreichung des 2030-Ziels hätte einen finanziellen Nutzen von 170 Milliarden Dollar pro Jahr durch den Schutz von Wassereinzugsgebieten und höhere Erträge aus der Land- und Forstwirtschaft. Zudem würden jährlich 1,7 Milliarden Tonnen CO2 gebunden. [3] Dies entspricht den deutschen Emissionen innert zwei Jahren.

Das sich Naturschutz oft rechnet, ist nicht neu. Trotzdem besteht eine Finanzierungslücke von 200 bis 300 Milliarden Dollar pro Jahr. Das Problem: Nur wenige Projekte lassen sich so strukturieren, dass sie auch für private Investoren attraktiv sind. Eine neu geschaffene ‚Koalition für private Investitionen in den Naturschutz‘ will dieses Problem nun angehen. [4] Dieser Koalition gehören unter anderen die IUCN, die Umweltorganisation ‚The Nature Conservancy‘ (TNC) und die Schweizer Grossbank Crédit Suisse an. Lynn Scarlett von TNC erklärt das Ziel der Koalition: „TNC hat bereits sechs Projekte mit einer Investionssumme von total 200 Millionen Dollar ermöglicht. Die neue Koalition wird uns dabei helfen, unsere grösste Herausforderung zu meistern: den Magel an Projekten in der Pipeline. Wir haben Erfolg, wenn die grossen Banken genug Optionen haben, dass sie wählen können, wo ihre Investition die grösste Wirkung hat.“ [4] Dem pflichtet John Tobin-de la Puente von der Cornell Universität in New York bei: „Im Moment ist die Entwicklung eines Markts für Naturschutzinvestitionen rund zehn Jahre hinter dem Markt für Investionen in Erneuerbare. Wir haben daher die Chance einen nagelneuen Markt zu entwickeln.“ [4] Diese Chance sieht auch Fabian Huwyler von der Crédit Suisse: „Der Finanzsektor ist sich zunehmend bewusst, dass Investitionen in die Natur Gewinne für die Umwelt und die Wirtschaft generieren können.“ [4]

Ein Problem lässt sich aber selbst mit Hilfe der Grossbanken nicht lösen: die Erwärmung der Meere und der Verlust von Korallenriffen. Die Meere haben 93 Prozent der durch den Treibhauseffekt verursachten Erwärmung des Planeten absorbiert. Wäre die zusätzliche Wärmeenergie, die in den obersten zwei Kilometer der Ozeane in den Jahren 1955 bis 2010 gespeichert wurde, in den untersten zehn Kilometern der Atmosphäre gelandet, wäre das Klima heute um 36 Grad wärmer. „Abgelenkt vom Alltag an Land, hat die Welt übersehen, welchen Impact der Klimawandel auf den grössten Lebensraum des Planeten hat – die Ozeane.“, schreiben die Autoren einer neuen IUCN Studie. [5] Vor diesem Hintergrund erscheinen die bisherigen Erfolge und die aktuellen Ziele denn auch zögerlich. Edward Wilson von der US-Universität Harvard fordert daher mehr: „Der einzige Weg, um die Artenvielfalt zu retten und eine wahrlich nachhaltige Welt zu schaffen, ist ein grosser Sprung. Das Ziel sollte daher sein, die unter Naturschutz stehenden Gebiete auf die Hälfte der Landmasse und die Hälfte der Ozeane auszuweiten.“ [6] mic

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[1] IUCN, 02.09.2016: The World Now Protects 15% of Its Land, but Crucial Biodiversity Zones Left Out

[2] IUCN, 04.09.2016: Four out of six great apes one step away from extinction – IUCN Red List

[3] IUCN, 04.09.2016: Bonn Challenge approaches target to restore 150 million hectares of degraded land

[4] IUCN, 02.09.2016: New coalition launches to scale private conservation investment at IUCN World Conservation Congress

[5] IUCN, 05.09.2016: Global warning: ocean warming

[6] IUCN, September 2016: Quote bank

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