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Dr. Copper und die Weltwirtschaft

Kupferpreis ist in den letzten sechs Monaten um über ein Viertel gestiegen

Die beiden grössten Kupferminen der Welt standen dieses Jahr zeitweise still. Gleichzeitig wächst die Weltwirtschaft relativ solide. Profitiert hat davon der Kupferpreis.

‚Doctor Copper‘ ist die Bezeichnung der Märkte für Kupfer. Dem Metall wird ein Doktortitel in Ökonomie zugesprochen. Weil es in sehr vielen verschiedenen Industrien Anwendung findet, gilt der Kupferpreis als Indikator für die Wachstumsaussichten der Wirtschaft allgemein. Aus Sicht des ‚Doktors‘ geht es der Wirtschaft seit Oktober letzten Jahres hervorragend. Damals lag der Preis für eine Tonne des roten Metalls bei 4730 Dollar. Heute liegt ein Viertel höher bei 5830 Dollar.

Für den Preisanstieg gibt es mehrere Gründe. Die Wirtschaft wächst weltweit tatsächlich relativ solide. In der Eurozone ist die Arbeitslosenrate so tief wir zuletzt vor acht Jahren. In den USA wächst die Wirtschaft mit rund zwei Prozent und in China mit über sechs Prozent. Der US-Ökonom Kenneth Rogoff stellt fest: „Makroökonomen schütteln ungläubig den Kopf: Trotz einer von Populisten getragenen Welle politischen Tumults wird das globale Wachstum die Erwartungen für 2017 übertreffen.“ [1] Rogoff ist allerdings nicht erstaunt: „Tiefe, systemische Finanzkrisen führen zu tiefen und lang anhaltenden Rezessionen.“ [1] Oder anders: Die Weltwirtschaft hat die Finanz- und Wirtschaftskrise der Jahre 2008 und 2009 endlich hinter sich gelassen. Ein Populist war allerdings gut für den Kupferpreis: US-Präsident Donald Trump. Er hat im Wahlkampf ein gigantisches Infrastrukturprogramm versprochen, das den US-Kupferbedarf in die Höhe treiben würde. Nachdem es ihm nicht gelungen ist, die als ‚Obamacare‘ bekannte Krankenversicherung durch ein neues System zu ersetzen, wachsen allerdings die Zweifel, ob der Kongress für sein Infrastrukturprogramm die Mittel bewilligt.

Von klein. Das Zeitalter der Metallverarbeitung begann nicht etwa mit der Bronzezeit sondern mit der 'Kupfersteinzeit'. Deren berühmtestes Mitglied ist Ötzi. Auf dem Bild ist allerdings ein Kupferbergwerk aus dem 16. Jahrhundert zu sehen. (Bild: Hendrick met de Bles / Wikipedia)

Von klein. Das Zeitalter der Metallverarbeitung begann nicht etwa mit der Bronzezeit sondern mit der ‚Kupfersteinzeit‘. Deren berühmtestes Mitglied ist Ötzi. Auf dem Bild ist allerdings ein Kupferbergwerk aus dem 16. Jahrhundert zu sehen. (Bild: Hendrick met de Bles / Wikipedia)

Des ‚Doktors‘ Gemütslage spiegelt aber nicht nur die Kupfernachfrage sondern auch das Kupferangebot wieder. Dieses war in den ersten Monaten dieses Jahres eingeschränkt. Die grösste Kupfermine der Welt, Escondida in Chile, war durch einen Streik für sechs Wochen lahm gelegt. In der Mine des Bergbaukonzerns BHP werden fünf Prozent allen Kupfers weltweit gefördert. Gleichzeitig hatte die zweitgrösste Kupfermine der Welt ihre Produktion eingeschränkt. Die Grasberg Mine des US-Bergbaukonzerns Freeport McMoran liegt im indonesischen Teil von Neuguinea (auch Papua genannt). Dort war nicht ein Arbeitskampf sondern ein Streit zwischen Freeport und der Regierung Indonesiens der Grund für die Produktionsausfälle: Indonesien will, dass Rohstoffe dort nicht nur gefördert sondern auch vor Ort verarbeitet werden. Daher hat Indonesien den Export von unverarbeiteten Rohstoffen seit Anfang diesen Jahres verboten. Richard Adkerson, der Chef von Freeport, sagte dazu im Februar: Das Exportverbot sei „eine Form der Enteignung und wir werden uns aggressiv dagegen wehren.“ [2] Adkerson drohte Indonesien mit der Anrufung eines Schiedsgerichts: „Das höfliche Verhältnis, das wir in der Vergangenheit hatten, wird dann durch taffe Anwälte ersetzt.“ [2] Mittlerweile haben die beiden Kontrahenten sich auf einen achtmonatigen Waffenstillstand geeinigt. [3] In dieser Zeit soll eine langfristige Lösung gefunden werden.

Zu gross. Die Grasberg Mine ist so gross, dass sie selbst aus dem All leicht zu erkennen ist. (Foto: Nasa / Wikipedia)

Zu gross. Die Grasberg Mine ist so gross, dass sie selbst aus dem All leicht zu erkennen ist. (Foto: Nasa / Wikipedia)

Durch die Produktionsausfälle in Chile und Indonesien liegt die diesjährige Kupferproduktion um 109‘000 Tonnen oder ein Prozent tiefer als ursprünglich erwartet. [4] Trotzdem sind die Lagerbestände an Kupfer seit Anfang Jahr um ein Drittel gestiegen. Dieser Widerspruch ist auch Dane Davis, einem Analysten der Barclays Bank aufgefallen: „Man sollte nicht allzu sehr auf fallende Preise setzen wegen des Kupferangebots und man sollte nicht allzu sehr auf steigende Preise setzen, weil die Nachfrage in den nächsten sechs Monaten nicht grossartig aussieht.“ [4] Langfristig seien die Aussichten für ‚Dr. Copper‘ allerdings gut, meint die Baratungsfirma McKinsey. Die besten Vorkommen gehen zur Neige und durch die zunehmende Elektrifizierung steigt der Kupferbedarf. [5] Ob das Rückschlüsse auf die Weltwirtschaft erlaubt, sagt McKinsey aber nicht. mic

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[1] Project Syndicate, 04.04.2017: Growing Out of Populism?

[2] CNBC, 27.02.2017: Shareholders tell miner Freeport to get tough with Indonesia

[3] Bloomberg, 04.04.2017: Indonesia Allows Exports From Freeport Mine in Stop-Gap Deal

[4] Bloomberg, 31.03.2017: Cracks Appear on Bullish Copper View

[5] McKinsey, 16.02.2017: Beyond the supercycle: How technology is reshaping resources (PDF)

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