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Japans Regierung will keine Energiewende

Ein neuer Energieplan beruht auf der Wiederinbetriebnahme der Atomreaktoren

Mit dem Atomunglück in Fukushima war das Aus für die deutschen Atomkraftwerke besiegelt. Anders in Japan: Während der Unglücksreaktor noch immer für Schlagzeilen sorgt, will Japans Regierung die 48 verbleibenden Atomkraftwerke wieder hochfahren.

Es war das stärkste Erdbeben, das Japan je getroffen hat. Doch die Schäden waren gering. 50 Minuten später kam dann die Welle – ein 14 Meter hoher Tsunami. Insgesamt starben an diesem Tag 18‘500 Menschen. Doch damit nicht genug. Die Atommeiler des Fukushima Daichi Kraftwerks hatten sich zwar von selbst heruntergefahren, wie immer bei starken Erdbeben. Doch die Mauer zum Meer war für den Tsunami kein Hindernis. Die Welle war vier Meter höher als die Mauer. Das Gelände um die sechs Reaktoren wurde geflutet. Damit standen auch die Dieselgeneratoren unter Wasser, die Strom für die Pumpen liefern mit denen die Brennstäbe gekühlt werden. Daraufhin wurden die Pumpen mit Batteriestrom versorgt. Am Tag nach dem Erdbeben waren dann die Batterien leer. Das Wasser in den Reaktorbecken heizte sich immer weiter auf. Es bildete sich Wasserstoff, der dann mit Luft reagierte. Gewaltige Knallgasexplosionen zerstörten bei drei Reaktoren die Aussenhülle. Die Brennstäbe begannen zu schmelzen. Die Welt erlebte nach Chernobyl den zweitschwersten Nuklearunfall der Geschichte.

Arbeiter in Fukushima (Gill Tudor / IAEA)

Arbeiter in Fukushima (Gill Tudor / IAEA)

Doch auch drei Jahre nach der Katastrophe hat Tepco, die Betreibergesellschaft des Kraftwerks, und die japanische Regierung das Unglück längst nicht unter Kontrolle. Immer wieder tritt radioaktiv verseuchtes Wasser aus und gelangt ins Meer, zuletzt am 20. Februar. Von den ursprünglich 300‘000 Menschen, die ihre Häuser rund um das Kraftwerk verlassen mussten, leben noch immer 136‘000 in Notunterkünften. [1] Und auch die wirtschaftlichen und ökologischen Folgeschäden sind noch lange nicht behoben: So hat sich der CO2 Ausstoss von Japans Stromerzeugern verdoppelt. Gleichzeitig sind die Strompreise seit dem Unglück um die Hälfte gestiegen. Da derzeit alle 48 japanischen Kernkraftwerke stillgelegt sind, muss das Land vermehrt Kohle, Gas und Öl importieren. Das schlägt sich in der Handelsbilanz niedrig, die seit dem Jahr 2011 negativ ist. „Japan bezahlt den Preis für die Transformation des Energiesystems. Dieser Trend in Japans Handelsbilanz wird sich noch eine Weile fortsetzen, und zersetzt langsam die Wirtschaftskraft.“ sagt Naohiro Niimura von Market Risk Advisory, einem Beratungsunternehmen in Tokyo. [2]

Die Frage ist nur, von welcher „Transformation des Energiesystems“ Niimura spricht. Denn während die deutsche Bundesregierung nach Fukushima den Ausstieg aus der Atomenergie beschleunigt hat, ist die Energiepolitik Japans sehr viel weniger klar. Nach dem Unglück hat der damalige japanische Ministerpräsident zwar angekündigt, bis 2040 alle Atomkraftwerke abzuschalten. Doch er ist längst nicht mehr im Amt. Und der aktuelle Ministerpräsident Shinzo Abe hat soeben einen neuen Plan vorgelegt: Vorausgesetzt das sie die neuen Sicherheitsbestimmungen erfüllen, können alle 48 japanischen Kernkraftwerke wieder ans Netz. Theoretisch könnten sogar neue gebaut werden. „Wenn wir ohne Grundlage von ‚Null Atom‘ ausgegangen wären, könnte man es nicht eine vernünftige Enmergiepolitik nennen.“ erklärt Industrieminister Toshimitsu Motegi die neue japanischeEnergiepolitik. [3] Dass Motegi keinen Grundlage für einen Atomausstieg sieht, hat dabei politische Gründe. Die japanische Antiatombewegung ist zersplittert, wie sich im Februar bei den Governeurswahlen in Tokyo gezeigt hat: Dort sind mehrere Antiatomkandidaten gestartet, nur um schliesslich allesamt gegen einen Atomkraftbefürworter zu verlieren. [4]

Dabei lehnt die Mehrheit der Japaner das Wiederanfahren der Atomreaktoren ab, wie die Nachrichtenagentur Kyodo im Januar per Umfrage ermittelt hat: 60 Prozent sind dagegen und nur 31 Prozent dafür, dass Japans Atomkraftwerke wieder ans Netz gehen. [4] Und mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten Junichiro Koizumi, hat das Antiatomlager auch einen populären Bannerträger. Dieser appeliert an das Zusammengehörigkeitsgefühl der Japaner: Mit einem Atomausstieg “würde die Nation zusammenkommen, um eine Kreislaufwirtschaft zu schaffen wie sie die Welt noch nicht gesehen hat.“ [5]

Ein Solarkraftwerk von Tepco auf dem Mount Komekura (Sakaori / Wikimedia)

Ein Solarkraftwerk von Tepco auf dem Mount Komekura (Sakaori / Wikimedia)

Was in Japan möglich ist, haben die Monate direkt nach der Fukushima Katastrophe gezeigt. Mit der Abschaltung aller Atomkraftwerke verlor Japan rund ein Drittel seiner Stromerzeugungskapazität. Daher hatten Beobachter mit grossflächigen Stromausfällen gerechnet. Doch es geschah ein Effizienzwunder: So hat Tokyo seinen Stromverbrauch in den letzten drei Jahren um zehn Prozent reduziert. [6] Mitte 2012 traten zudem grosszügige Einspeisevergütungen in Kraft. Im folgenden Jahr hat Japan dann prompt hinter China den zweiten Platz beim Neubau von Solaranlagen erreicht.  Bei der Windenergie hingegen geht es langsam voran. Wegen umständlicher Genehmigungsverfahren sind nur wenige neue Anlagen ans Netz gegangen. Hoffnungen macht sich Japan ausserdem bei der Geothermie. Dank der vielen Vulkane hat Japan das drittgrösste Geothermiepotential weltweit. Von einer echten ‚Energiewende‘ ist trotzdem nicht viel zu spüren. Das Fukushima Desaster war eine „grossartige Gelegenheit“, um ein auf Sonne und Wind beruhendes Energiesystem aufzubauen, sagt David Suzuki, von der japanischen Stiftung für Erneuerbare Energien. Aber diese Chance „wird verschwendet in dem Versuch die Atomreaktoren wieder ans Netz zu bringen.“ [7] Hoffnung bietet da das verstrahlte Land rund um die Unglücksreaktoren. „Plötzlich gibt es einen grossen Küstenstreifen in einer Zone wo nicht gebaut werden darf. Dort gibt es viel Sonneneinstrahlung und die Gegend ist an die grossen Stromtrassen angeschlossen.“ [7] mic

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