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Familienplanung für die Ärmsten

Ein neues Programm für Familienplanung in Entwicklungsländern meldet erste Erfolge

Ohne Familienplanung keine Entwicklung. Trotzdem haben in vielen Ländern nur wenige Frauen einen gesicherten Zugang zu Verhütungsmitteln. Doch ein neues Programm sorgt für Besserung.

220 Millionen Frauen haben keinen Zugang zu modernen Verhütungsmitteln, obwohl sie sich das wünschen. Dies führt zu 80 Millionen ungewollten Schwangerschaften pro Jahr. Doch vor zwei Jahren kam die Wende: Bei einer internationalen Konferenz wurde die Initiative Familienplanung 2020 oder FP2020 ins Leben gerufen, die sich zum Ziel gesetzt hat bis zum Ende des Jahrzehnts 120 Millionen Frauen in den 69 ärmsten Ländern der Welt Zugang zu modernen Verhütungsmitteln zu verschaffen. Und FP2020 sieht sich auf gutem Weg: Im Jahr 2013 hatten bereits 8,4 Millionen zusätzliche Frauen die Möglichkeit ihre Schwangerschaften zu planen. [1] Damit liegt FP2020 zwar hinter dem selbstgesetzten Ziel von 9,4 Millionen Frauen. Trotzdem wertet die Initiative in einem Bericht das Erreichte als Erfolg: „Wir haben erwartet, dass das Wachstum in den ersten Jahren am langsamsten ist, wenn Länder und Partnerorganisationen ihre Programme ausweiten.“ [1]

Noch ganz am Anfang: Nach dem ersten Jahr liegt FP2020 noch unter dem eigenen Ziel. 8,4 statt 9,5 Millionen zusätzliche Frauen haben Zugang zu modernen Verhütungsmitteln. (Grafik: FP2020)

Noch ganz am Anfang: Nach dem ersten Jahr liegt FP2020 noch unter dem eigenen Ziel. 8,4 statt 9,5 Millionen zusätzliche Frauen haben Zugang zu modernen Verhütungsmitteln. (Grafik: FP2020)

Besonders wichtig ist, dass Verhütungsmittel stets auf Lager sind auch in abgelegenen Gegenden. Gemäss einer Studie aus Senegal haben dort bereits vier von fünf Frauen die Erfahrung gemacht, dass ihr bevorzugtes Verhütungsmittel nicht vorrätig war. Aus diesem Grund hat sich das Land eine Methode der Automatenindustrie zunutze gemacht: Statt dass Apotheken und Kliniken Bestellungen aufgeben, wenn ihre Vorräte zuneige gehen, werden nun regelmässig die Lager wieder aufgefüllt. Ausserdem wird der Verbrauch an jeder Abgabestelle erfasst, sodass die ‚Zentralapotheke‘ abschätzen kann, wieviel wo gebrauucht wird. Anders in Kenya: Dort melden die Abgabestellen regelmässig ihre Lagerbestände per SMS an eine Zentrale, die dann automatisch die Belieferung mit den verschiedenen Verhütungsmitteln auslöst.

Aber die Frauen müssen sich die Verhütungsmittel auch leisten können. Aus diesem Grund hat FP2020 Verhandlungen mit den Herstellern von Implataten wie Bayer oder Merck aufgenommen. Das Resultat: In den FP2020 Zielländern kosten diese Mittel nun die Hälfte. Dadurch hat sich ihre Nutzung verdreifacht. Aber FP2020 entwickelt auch neue Methoden um die Verhütungsmittel an die Frau zu bringen. Basierend auf einem injizierbaren Mittel von Pfizer und einer Einmalspritze aus der Impfindustrie wurde eine Drei-Monats-Spritze entwickelt. Diese ist so einfach anzuwenden, dass sie auch von wenig ausgebildeteten Hilfskräften und nicht nur von Krankenschwestern appliziert werden kann. In der Zukunft hofft FP2020, dass sich die Frauen die Spritze sogar selber setzen können. Dadurch würde der Einsatz des Mittels noch diskreter. Denn nicht immer unterstützen die Männer und Familien der betroffenen Frauen den Einsatz von Verhütungsmitteln.

Dabei sind die Vorteile von Familienplanung gut untersucht: Wenn Frauen den Abstand zwischen Geburten selber steuern können, profitieren davon die Frauen und ihre früheren Kinder. Durch die Vermeidung von Hochrisiko Schwangerschaften kann die Zahl der Todesfälle im Kindbett um ein Drittel reduziert werden. Weniger ungewollte Schwangerschaften bedeuten ausserdem weniger – oft riskante – Abtreibungen. Eine aktuelle Studie aus der medizinischen Fachzeitschrift The Lancet zeigt denn auch [2], dass Familienplanung die kosteneffektivste Gesundheitsmassnahme für Frauen und Kinder ist. Im Rahmen von FP2020 wurden die Entwicklungshilfegelder, die in Familienplanung investiert werden, um ein Fünftel auf 1,3 Milliarden Dollar gesteigert. Ausserdem steuern die Stiftungen von Bill und Melinda Gates sowie Michael Bloomberg 140 und 50 Millionen Dollar bei.

Melinda Gates und der britische Ministerpräsident David Cameron bei der FP2020 Konferenz in London im Jahr 2012. (Foto: Wikimedia)

Melinda Gates und der britische Ministerpräsident David Cameron bei der FP2020 Konferenz in London im Jahr 2012. (Foto: Wikimedia)

Die Erwartungen von Melinda Gates an ihre Investition sind denn auch hoch: „Der Übergang eines Landes von niedrigem zu mittlerem Einkommen passiert, wenn Eltern weniger Kinder haben. Der einzige Weg, um besser ausgebildete Kinder zu haben, ist, die Zahl der Kinder zu reduzieren.“ Dies habe auch eine Langzeitstudie aus Bangladesch gezeigt. Dort wurden 141 Dörfer über den Zeitraum von 1974 bis 1996 untersucht. In der einen Hälfte der Dörfer gingen Familienplanungsberater regelmässig von Tür zu Tür. In der anderen Hälfte nicht. In den Dörfern mit den Beratern „waren die Familien gesünder und wohlhabender. Ausserdem gingen die Kinder länger zur Schule.“ sagt Gates. „Und all das wegen Familienplanung.“ [3] mic

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[1] FP2020, 03.11.2014: Progress Report

[2] The Lancet, 12.04.2014: Advancing social and economic development by investing in women’s and children’s health: a new Global Investment Framework (Anmeldung erforderlich)

[3] Reuters, 03.11.2014: Melinda Gates backs contraception for healthier, wealthier future

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