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EU bietet die attraktivsten Märkte

Vorzüge von Russland, Brasilien, China und Indien werden laut Prognos überschätzt

Alle reden von China. Dabei bieten die EU-Länder besseren Marktzugang. Insbesondere Klein- und Mittelunternehmen (KMU) müssen sich gut überlegen, welche Märkte am attraktivsten sind.

Die Multis habens einfach: Sie sind in fast allen Ländern der Erde präsent. KMU hingegen müssen sich auf einzelne, ausgewählte Länder konzentrieren. Welche Länder die besten rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bieten, wird aber immer schwieriger zu eruieren. Seit dem Ende des Kalten Krieges hat sich die Zahl der bilateralen Freihandelsabkommen mehr als vervierfacht. Und bis 2010 wird mit einer weiteren Verdoppelung auf dann 400 verschiedene Verträge gerechnet. Vor dem Hintergrund dieser zunehmenden Unübersichtlichkeit hat das Basler Marktforschungsinstitut Prognos versucht, die attraktivsten Länder zu identifizieren. Die Studie wurde aus deutscher Sicht erstellt. Die Ergebnisse seien aber weitgehend auf die Schweiz übertragbar, sagt Kai Gramke, Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung von Prognos und Mitautor der Studie. Die Ergebnisse haben es in sich: Die attraktivsten Märkte liegen nicht in Fernost, noch nicht einmal in Osteuropa, sondern direkt vor der Haustür. Spitzenreiter ist Grossbritannien.

«Am meisten erstaunt hat uns das schlechte Abschneiden der Bric-Staaten, also von Brasilien, Russland, Indien und China», sagt Gramke. Während China noch im oberen Mittelfeld liegt (Platz 38 von 100) finden sich Brasilien (60), Russland (62) und Indien (67) klar im unteren Mittelfeld. China und Indien liegen zumindest noch in Bezug auf ihre wirtschaftliche Dynamik unter den ersten zehn der Welt, aber Brasilien und Russland sind auch bei diesem Indikator weit abgeschlagen.

Wie attraktiv einzelne Länder wahrgenommen würden, unterliege Moden, meint Gramke. Und im Moment sind eben die Bric-Staaten «in». Dass sich dabei nicht alle Hoffnungen erfüllen können, liegt auf der Hand. Eine Studie des Karlsruher Fraunhofer-Instituts zeigt, dass jede fünfte Firma, die ihre Produktion ausgelagert hat, mittlerweile wieder zurückgekehrt ist.

Mit Abstand der wichtigste Grund für die Rückverlagerungen ist Flexibilität, gefolgt von Qualität. Kurzfristige Änderungen im Produktionsprogramm lassen sich einfacher organisieren, wenn die Fabrik nicht viele Zeitzonen weit weg liegt. «Nähe ist wirklich relevant», meint denn auch Gramke.

Und nah ist vor allem die EU. Für Deutschland als EU-Mitglied, aber auch für die Schweiz mit den Bilateralen I und II, bietet sie ein verlässliches Umfeld und nahezu ungehinderten Marktzugang. «In unseren Gesprächen mit Branchenverbänden und Handelskammern haben wir immer wieder gehört, dass sich die Unternehmen wieder vermehrt für Länder wie Italien und Frankreich interessieren», sagt Gramke.

Einen wesentlichen Unterschied könnte allerdings ein erfolgreicher Abschluss der Doha-Welthandelsrunde machen. Hier verhandeln Industrie- und Entwicklungsländer über Handelserleichterungen für Agrarprodukte und Industriegüter. Von einem Abschluss würden nicht zuletzt KMU profitieren, die sich keine eigene Rechtsabteilung für die Analyse von Freihandelsverträgen leisten können. Auch würden Entwicklungsländer für europäische Exporte attraktiver, wenn sie die Zölle auf Industriegüter senkten. Aber noch ist es nicht so weit. Und so gilt, insbesondere für KMU, weiter «Management by Goethe»: Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah. Lerne nur das Glück ergreifen. Denn das Glück ist immer da. mic

Aus der Basler Zeitung vom 04.06.2008

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