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USA verhängen Strafzölle und China kontert

Beide Länder belegen jeweils Güter im Wert von 50 Milliarden Dollar mit Zöllen

Chinas schnelle und harte Antwort auf die US-Strafzölle hat die Märkte überrascht. Noch erwarten aber die meisten Beobachter, dass Washington und Peking mit einem Handelsdeal verhindern werden, dass die Zölle tatsächlich in Kraft treten.

Die USA belegen rund 1300 verschiedene Produkte aus China mit einem Strafzoll von 25 Prozent. [1] Damit unterliegen chinesische Exporte im Wert von 50 Milliarden Dollar diesem Zoll. Dies entspricht 10 Prozent der chinesischen Exporte in die USA. Die USA wollen China damit für den Diebstahl geistigen Eigentums bestrafen. In China müssen ausländische Investoren oft Joint Ventures mit chinesischen Firmen eingehen, wodurch Fertigungs-Know-How transferiert wird. China erzwingt auch die Lizenzierung gewisser Technologien. Die Zölle treten in rund zwei Monaten in Kraft, nach Abschluss von Anhörungen. Die chinesische Botschaft in Washington teilte daraufhin mit: „Es ist nur höflich, sich zu revanchieren.“ [2] Die Antwort aus Peking kam denn auch prompt: China wird 106 Waren im Wert von ebenfalls 50 Milliarden Dollar mit Zöllen belegen. Dies entspricht 38 Prozent der US-Exporte nach China.

Hellseher. Der griechische Stratege und Historiker Thukydides schrieb: "Was den Krieg unvermeidlich gemacht hat, war das Wachsen der Macht Athens und die Angst, die das in Sparta ausgelöst hat." Dieses Dynamik zwischen zwei Supermächten heisst daher 'Thukydides Falle'. (Foto: Walter Maderbacher / Wikimedia)

Hellseher. Der griechische Stratege und Historiker Thukydides schrieb: „Was den Krieg unvermeidlich gemacht hat, war das Wachsen der Macht Athens und die Angst, die das in Sparta ausgelöst hat.“ Dieses Dynamik zwischen zwei Supermächten heisst daher ‚Thukydides Falle‘. (Foto: Walter Maderbacher / Wikimedia)

Die USA belegen insbesondere Maschinen und High-Tech-Produkte mit Zöllen. Das erklärte Ziel ist, die Auswirkungen auf Konsumenten zu minimieren. Ausserdem gehen die USA gegen Produkte vor, die China im Rahmen seiner industriepolitischen Strategie ‚Made in China 2025‘ fördert. Peter Navarro, der handelspolitische Berater von US-Präsident Donal Trump, sagte zu dieser Strategie: „China hat diesen dreisten China-2025-Plan veröffentlicht, der dem Rest der Welt sagt: ‚Wir werden jede einzelne Industrie der Zukunft dominieren und daher haben eure Volkswirtschaften keine Zukunft.‘“ [3] Der US-Fokus auf Maschinen wurde allerdings umgehend kritisiert. „Zölle auf bestimmte Maschinen machen US-Produkte teurer“, sagte etwa Matthew Shay, der Chef des Verbands ‚National Retail Federation‘. [4] China hingegen konzentriert seine Zölle auf US-Agrargüter wie Mais, Sojabohnen und Wein. Eines der wenigen US-Industrieprodukte auf Pekings Liste sind Flugzeuge. Ein Nutzniesser des Handelsstreits wird daher der europäische Airbus Konzern sein.

Eigentor? Wie die Wortwolke der US-Liste zeigt, sind Maschinen eines der Hauptziele. Ob das der Wettbewerbsfähigkeit der US-Industrie nutzt ist allerdings fraglich. (Grafik: Chad Bown, PIIE)

Eigentor? Wie die Wortwolke der US-Liste zeigt, sind Maschinen eines der Hauptziele. Ob das der Wettbewerbsfähigkeit der US-Industrie nutzt ist allerdings fraglich. (Grafik: Chad Bown, PIIE)

Noch sind die Zölle aber nicht in Kraft und im Hintergrund laufen Verhandlungen zwischen Washington und Peking. Es ist allerdings unbekannt, was genau die USA von China wollen. Dennoch hoffen viele, dass ein Deal möglich ist: „Die meisten Analysten und Investoren gehen davon aus, dass ein Deal in letzter Minute die Erhebung von Zöllen verhindert“, sagt der Reuters-Analyst John Kemp. [5] Julian Evans-Pritchard von Capital Economics teilt diese Sicht: „Es ist mehr das Spiel ‚Wer blinzelt zuerst?‘“ [6] Dennoch war Evans-Pritchard von der Deutlichkeit der chinesischen Gegenmassnahme überrascht: „Die Annahme war, dass China nicht allzu aggressiv antworten würde. Chinas Antwort ist eine Überraschung für einige Leute.“ Die Märkte reagierten denn auch heftig: Sojabohnen verloren zeitweise über fünf Prozent, sowohl der Dollar als auch der Yuan verloren gegenüber dem Euro an Wert und der US-Aktienindex Dow Jones büsste im vorbörslichen Handel zwei Prozent ein.

Sollten die Zölle in Kraft treten, wird dies auch Folgen für Drittstaaten haben. „Wir werden eine Umleitung des Handels zu Chinas anderen Handelspartnern sehen, um das auszugleichen, was die USA verlieren“, sagt Sherman Robinson vom US-Thinktank ‚Peterson Institute for International Economics‘. [7] Brasilien und Argentinien werden etwa ihre Soja-Exporte nach China steigern können. Auch Europas Bauern werden profitieren: „Wenn US-Weine höheren Zöllen unterliegen, hat das einen direkten Nutzen für andere Anbieter, insbesondere Frankreich und Australien“ sagt Kym Anderson von der Adelaide Universität in Australien. [7] Da die USA vornehmlich chinesische Industrieprodukte aus ihrem Markt drängen werden, dürfen aber auch deutsche und japanische Maschinenbauer oder Südkoreas Chemieindustrie auf bessere Geschäfte in den USA hoffen. Noch ist es aber nicht so weit. mic

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[1] USTR, 03.04.2018: Notice of Determination and Request for Public Comment Concerning Proposed Determination of Action Pursuant to Section 301 (PDF)

[2] Chinas US-Botschaft, 03.04.2018: Statement of the Chinese Embassy in the United States on the Announcement of the Proposed Tariff List on Chinese Products Under Section 301 Action

[3] Reuters, 02.04.2018: Trump to unveil China tariff list this week, targeting tech goods

[4] Marketwatch, 04.04.2018: Cheaper bacon and pricier gadgets — how a trade war with China would impact you

[5] John Kemp, 04.04.2018: Tweet

[6] Guardian, 04.04.2018: Trade wars: China retaliates against US with new tariffs on soybeans, whisky and cigars (siehe 11:00 Uhr)

[7] CNBC, 02.04.2018: China tariffs could help Australia gain share from US wine, nut and fruit producers

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