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Die 100 Milliarden Dollar Frage

Ein neuer Bericht zeigt, dass rund 100 Milliarden Dollar ‚Klimageld‘ aus den Industrie- in die Entwicklungsländer fliesst

Die Diskussion um Geld sorgte bei Klimaverhandlungen stets für böses Blut. Mit ein Grund war, dass niemand wusste wieviel Geld eigentlich wohin fliesst. Doch jetzt liegt ein neuer Bereicht vor und die Zahlen sind erstaunlich.

„Den Grünen Klimafonds schon vor der Konferenz in Lima zu füllen, war möglicherweise ein Fehler.“ sagt Franz Perrez, der Leiter der Schweizer Delegation. Denn jetzt sähen sich die Industriestaaten bei den Klimaverhandlungen in Lima mit neue Forderungen der Entwicklungsländer konfrontiert. Im November hatten Industrieländer knapp zehn Milliarden Dollar für den Fonds bereit gestellt und so mit einer Tradition gebrochen: Normalerweise wird erst ganz am Schluss der Klimakonferenzen über Geld diskutiert. So haben die Industriestaaten ein Druckmittel.

Grün sind sie alle, aber dürfen sie auch an das 100 Milliarden Dollar Versprechen angerechnet werden? (Foto: US Regierung)

Grün sind sie alle, aber dürfen sie auch an das 100 Milliarden Dollar Versprechen angerechnet werden? (Foto: US Regierung)

Doch zehn Milliarden Dollar, noch dazu für vier Jahre, sind ein Klacks verglichen mit dem Versprechen, das die Industriestaaten vor fünf Jahren abgegeben haben: Ab dem Jahr 2020 wollen sie 100 Milliarden Dollar “mobilisieren”, um Entwicklungsländer beim Klimaschutz und bei der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen. An dieser Zahl müssen sie sich seither messen lassen. Doch nun kommt ihnen ein Bericht des Finanzkomitees der UN-Klimakonvention zu Hilfe [1]: Dieser zeigt, dass bereits heute zwischen 40 und 175 Milliarden Dollar ‚Klimageld‘ pro Jahr aus den Industrie- in die Entwicklungsländer fliessen. „Der Unterschied zwischen den beiden Zahlen liegt in der Definition von ‚Klimageld‘“ sagt Seyni Nato vom Finanzkomitee. Trotzdem lässt sich feststellen: „Es fliesst bereits viel Geld.“ wie Christiana Figueres, die Chefin der UN-Klimakonvention sagt. „Wir sind auf gutem Wege die Finanzfrage zu lösen.“ Und dabei ist der Grüne Klimafonds in den Zahlen noch nicht mal enthalten, da er erst nächstes Jahr beginnt Geld auszugeben.

Das Klimageld stammt aus verschiedenen Quellen, öffentlichen und privaten. Aus öffentlichen Quellen stammen 35 bis 50 Milliarden Dollar. Dies beinhaltet klimarelevante Entwicklungshilfe, Geld von den verschiedenen Entwicklungsbanken wie der Weltbank sowie Geld, das durch diverse Fonds fliesst, deren Namen einer Buchstabensuppe gleichen (GEF, LDCF, SCCF etc.). Hinzu kommen “andere Flüsse” wie Exportrisikogarantien. Die privaten Investitionen liegen derweil zwischen 5 und 125 Milliarden Dollar. Die grosse Spannbreite der Zahlen zeigt, dass diese noch sehr ungenau sind, denn Privatinvestoren müssen niemandem ihre Klimaaktivitäten melden. Trotzdem sind die beiden Co-Vorsitzenden des Finanzkomitees der UN-Klimakonvention mit ihrem Bericht zufrieden: “Dieser erste Bericht ist ein Meilenstein.” Zukünftige Berichte dürften zudem noch sehr viel präzisere Daten liefern. Der ‘Industrieländer-Club’ OECD, die ‘Weltbankfamilie’ und ein Club nationaler Entwicklungsbanken wie der deutschen KfW arbeiten unter Hochdruck an einer Verbesserung der Datenbasis.

Dann lässt sich vielleicht auch besser abschätzen, welcher Anteil des Geldes tatsächlich auf die 100 Milliarden angerechnet werden kann, also von den Regierungen der Industrieländer ‚mobilisiert‘ wurde. “Wenn ein deutscher Projektierer in Südafrika einen Windpark baut, ist das gut fürs Klima und gut für den Investor: In Südafrika läßt sich mit Windkraft gutes Geld verdienen”, sagt Jan Kowalzig von der Entwicklungsorganisation Oxfam. Von Deutschland wurde diese Investition aber nur dann ‚mobilisiert‘, wenn sie erst durch eine Bürgschaft oder eine Exportrisikogarantie ermöglicht wurde. „Die Schwäche des Berichts ist, dass er diesen Unterschied nicht herstellt.“ sagt Kowalzig. Und so ist die Finanzfrage immer noch nicht abschliessend geklärt. Trotzdem kommt der neue Bericht einem Paukenschlag gleich: Die 100 Milliarden sind zumindest in Griffweite. mic

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[1] UNFCC Standing Committee on Finance, 03.12.2014: 2014 Biennial Assessment and Overview of Climate Finance Flows Report

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