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Jetzt kommt es auf McCarthy an

Die billigste Klimaschutzmassnahme der Welt droht erneut vertagt zu werden

CO2 Emissionen zu reduzieren, weil die ganze Wirtschaft betroffen ist. Einige Klimagase werden aber nur von wenigen Unternehmen produziert und verbraucht. Hier ist eine Reduktion relativ einfach.

Das erfolgreichste Klimaabkommen der Welt ist nicht das Kyoto-Protokoll oder die UN-Klimakonvention sondern das Montreal Protokoll zum Schutz der Ozonschicht. Denn die ozonzerstörenden Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKWs) sind auch starke Treibhausgase. Doch nun werden diese immer öfter durch noch stärkere Treibhausgase ersetzt, die Fluorkohlenwasserstoffe (FKWs). Aus diesem Grund wollen viele Länder nun auch diese Stoffklasse mit Hilfe des Montreal Protokolls aus der Welt schaffen. „Beim Klimawandel kommen grosse Fortschritte nicht oft oder einfach.“, schreibt US-Aussenminister John Kerry. „Das Montreal Protokoll ist eine Erfolgsgeschichte und durch den Einbezug von FKWs können 0,5 Grad Klimaerwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts vermieden werden. Das ist eine seltene Chance, echten Fortschritt zu erzielen.“ [1]

Ausnahme. Die arabischen Länder wehren sich dagegen, ihre FKW Emissionen zu reduzieren. Klimaanlagen mit Alternativstoffen hätten nicht genügend Leistung. Das ist erwiesenermassen falsch. Aber man kann es ja trotzdem immer wieder behaupten. (Foto: LConstantino / Wikimedia)

Ausnahme. Die arabischen Länder wehren sich dagegen, ihre FKW Emissionen zu reduzieren. Klimaanlagen mit Alternativstoffen hätten nicht genügend Leistung. Das ist erwiesenermassen falsch. Aber man kann es ja trotzdem immer wieder behaupten. (Foto: LConstantino / Wikimedia)

Ob diese Chance dieses Jahr genutzt werden kann, hängt von Verhandlungen in Dubai ab. Dort findet derzeit das Treffen der Mitgliedsländer des Montreal Protokolls statt. Die gute Nachricht zuerst: Die Länder haben sich darauf geeinigt formelle Verhandlungen über den Einbezug von FKWs aufzunehmen. Einige Entwicklungsländer vorneweg Indien hatten sich bislang geweigert, auch nur über das Thema zu reden. Doch US-Präsident Barack Obama konnte schliesslich dem indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi das Zugeständnis abringen, dass doch über FKWs verhandelt werden darf. [2] Die Wahrscheinlichkeit, dass es dieses Jahr zu einer Einigung kommt, sei aber „sehr klein“, sagt Blaise Horisberger, der Leiter der Schweizer Delegation. „Eine Überraschung ist aber nicht ausgeschlossen. Die USA und andere betreiben intensive diplomatische Arbeit.“ Das zeigt sich nicht zuletzt an der hochrangigen US-Delegation, die ab heute (Mittwoch) an den Verhandlungen teil nimmt. Die Delegation wird geleitet von der Chefin der US-Umweltbehörde EPA, Gina McCarthy.

Derzeit liegen vier Vorschläge auf dem Tisch, wie das Montreal Abkommen genutzt werden kann, um die FKW Emissionen zu senken: ein Vorschlag von den USA, Kanada und Mexiko, einer von der EU, einer von einer Gruppe kleiner Inselstaaten und einer von Indien. Die erste drei Vorschläge sind sehr ähnlich und führen alle zu einer raschen FKW Reduktion. Der indische Vorschlag hingegen sieht vor, dass in den Entwicklungsländer die FKW Emissionen ungebremst bis zum Jahr 2030 weiter anwachsen können. Das wäre nicht nur schlecht fürs Klima, sondern rechnet sich auch nicht. Eine Studie des UN-Ozonsekretariats kommt zum Schluss, dass ein schneller FKW Ausstieg rund 2,5 Milliarden Dollar kosten würde – 1,2 Milliarden Dollar weniger als ein langsamer Ausstieg. [3] Denn die meisten Länder würden dann sofort von FCKWs auf Stoffe wie Hydrofluorolefine (HFOs) wechseln ohne erste den Umweg über FKWs zu nehmen.

Auf Diplomatenebene wurde bislang aber „noch nicht über die vier Vorschläge verhandelt, sondern über generelle Prinzipien.“, sagt Horisberger. Daher kommt es nun auf die Ministerebene und dort insbesondere auf Gina McCarthy an. Sie muss ihre Kollegen zumindest von einer Grundsatzeinigung überzeugen etwa entlang der Linien des EU Vorschlags. [4] Dieser sieht vor, dass die Industriestaaten ihre FKW Emissionen in den nächsten 20 Jahr um 85 Prozent reduzieren. EU intern ist dies bereits mit der sogenannten ‚F-Gas Verordnung‘ weitgehend umgesetzt. [5] Für die Entwicklungsländer schlägt die EU derweil zwei Schritte vor: Dort dürfen die FCKW und FKW Emissionen gemessen an ihrer Klimawirkung ab dem Jahr 2019 nicht weiter ansteigen und bis zum Jahr 2020 wird ein Fahrplan für deren Reduktion ausgehandelt. mic

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[1] John Kerry, 29.10.2015: Paris Climate Conference is a Rare Opportunity – Grab It

[2] Weltinnenpolitik, 03.10.2014: Obama und Modi einigen sich auf die einfachste Klimamassnahme der Welt

[3] TEAP, September 2015: Decision XXVI/9 Task Force Report – Additional Information on Alternatives to Ozone Depleting Substances (PDF)

[4] EU, 30.04.2015: Proposed amendment to the Montreal Protocol submitted by European Union and its Member States (PDF)

[5] EU, ohne Datum: F-gas emissions to be cut by two-thirds by 2030 in the EU

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