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Welt hat bald zwei Drittel aller Tiere verloren

Am Sonntag beginnt Konferenz der UN-Artenschutzkonvention

Auf der Erde vermehrt sich eine Art prächtig: der Mensch. Bei allen anderen Arten geht der Bestand zurück. Auf Dauer kann das nicht gut gehen.

Die Erde ist zu klein. Derzeit wären 1,6 Erden erforderlich, um den Bedarf der Menschheit an Nahrung, sauberem Wasser, sauberer Luft und einem stabilen Klima zu decken. Kurzfristig ist diese Überbeanspruchung des Naturkapitals durch die Menschen möglich. Doch irgendwann ist der Kapitalstock aufgebraucht. Bei der Zahl der Tiere nähert sich die Erde bereits einer bedrohlichen Wegmarke: Die Umweltorganisation WWF erwartet, dass im Jahr 2020 zwei Drittel weniger Tiere leben als 50 Jahre zuvor. [1] Dieser Schätzwert beruht auf der Zählung der Populationen von über 3500 Arten an Säugetieren, Vögeln, Fischen, Amphibien und Reptilien.  Hauptgrund für den Rückgang ist meist der Verlust an Lebensraum. Bei Fischen dominiert allerdings die Überfischung.

Wüstenbildung 1. Dieser Wissenschaftler kartiert die neuesten Unterwasserwüsten. Geht die Korallenbleiche nächstes Jahr weiter, werden wieder neue Karten gebraucht. (Foto: NPS / Flickr)

Wüstenbildung 1. Dieser Wissenschaftler kartiert die neuesten Unterwasserwüsten. Geht die Korallenbleiche nächstes Jahr weiter, werden wieder neue Karten gebraucht. (Foto: NPS / Flickr)

Wie dieser Raubbau gestoppt werden kann, diskutieren die Mitgliedsländer der ‚UN-Artenschutzkonvention’ (CBD) ab Sonntag in Cancun (Mexiko). Dort werden sie den Fortschritt bei der Erreichung der Aichi Ziele diskutieren: Diese fordern, dass 17 Prozent der Landmasse und 10 Prozent der Ozeane unter Schutz gestellt werden – bis zum Jahr 2020. Diese Ziele sind mittlerweile in Griffweite. Insbesondere beim Schutz der Meere wurden grosse Fortschritte erzielt. 15 Prozent der Landfläche (ohne Antarktis), zehn Prozent der Territorialgewässer und vier Prozent der Hochsee stehen mittlerweile unter Schutz. [2] Probleme bereitet aber noch die Qualität des Managements dieser Schutzgebiete sagt Erik Solheim der Chef der UN-Umweltprogramms Unep „Die riesigen Fortschritte im letzten Jahrzehnt hinsichtlich der Zahl und Grösse der Schutzgebiete müssen nun durch Verbesserungen der Qualität ergänzt werden.“ [3]

Wie wichtig der Artenschutz für das Wohlergehen der Menschheit ist, zeigen Bienen und andere Bestäuber. Diese sind für fünf bis acht Prozent der globalen Nahrungsmittelproduktion verantwortlich und ‚erwirtschaften’ einen Mehrwert von 235 bis 577 Milliarden Dollar pro Jahr wie ein neuer Bericht des Weltbiodiversitätsrat IPBES zeigt. [4] Der Bestand an Bestäubern geht aber weltweit zurück. In Europa sind der Bestand an Bienen um 37 Prozent und der Bestand an Schmetterlingen um 31 Prozent gesunken. „Die wachsende Gefährdung von Bestäubern, die eine wichtige Rolle bei der Nahrungssicherheit spielen, ist ein weiteres Beispiel dafür, wie stark unser Schicksal mit dem der Natur verwoben ist“ sagt Solheim. [4]

Ähnlich sieht es beim Fischfang aus. Korallenriffe sind die ‚Kinderstube’ vieler Fischarten. Letztes Jahr und dieses Jahr wurden die Riffe aber durch die bislang längste gemessene Korallenbleiche dezimiert und für nächstes Jahr sind weitere Verluste prognostiziert. Bei der Korallenbleiche sterben die Korallen ab, sodass nur noch ihre weissen Gehäuse übrig bleiben. Welche Folgen diese langandauernde Schädigung der Riffe hat, ist noch unklar sagt Nick Graham von der Lancaster Universität: „Das 2015 – 2016 Ereignis hat viele Korallen-Wissenschaftler schockiert. Wenn sich das nächstes Jahr fortsetzt, sind wir in unerforschtem Gebiet.“ [5] Dabei steht auch hier viel Geld auf dem Spiel: Der Nutzen von Korallenriffen für den Tourismus, den Fischfang und den Küstenschutz wird auf 30 Milliarden Dollar geschätzt.

Wüstenbildung 2. Die Korallenbleiche-Vorhersage bis März nächsten Jahres ist rot bis dunkelrot. (Grafik: NOAA)

Wüstenbildung 2. Die Korallenbleiche-Vorhersage bis März nächsten Jahres ist rot bis dunkelrot. (Grafik: NOAA)

Die Aichi Ziele seien ungenügend, selbst wenn sie komplett umgesetzt würden, sagt der Biologe Edward Wilson von der Harvard Universität. Die Ziele seien „bei weitem nicht genug“. [6] Er fordert, dass die halbe Welt unter Schutz gestellt wird. „Menschen verstehen Ziele“, schreibt Wilson in seinem neuen Buch ’Half-Earth’. „Sie brauchen einen Sieg und nicht nur die Nachricht, dass Fortschritt gemacht wird. Es ist in unserer Natur, grosse Ziele anzustreben, die vielleicht schwer zu erreichen sind dafür aber entscheidend und von universellem Nutzen.“ Der Schutz der eigenen Art durch den Schutz aller anderen, könnte ein solches Ziel sein. mic

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[1] WWF, 2016: Living Planet Report 2016

[2] IUCN, 02.09.2016: The World Now Protects 15% of Its Land, but Crucial Biodiversity Zones Left Out

[3] IUCN, 04.09.2016: Four out of six great apes one step away from extinction – IUCN Red List

[4] IPBES, 2016: Pollinators, pollination and food production (PDF)

[5] Climate Home, 30.11.2016: Worst-recorded coral bleaching event to continue into 2017

[6] Guardian, 15.06.2016: Could we set aside half the Earth for nature?

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