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McKinsey entdeckt Afrika

Der vergessene Kontinent bietet Investoren weltweit die besten Renditen

Wenn nicht gerade Fussball WM ist, findet Afrika in den Medien meist nur im Zusammenhang mit Hunger und Krieg Erwähnung. Dabei wird der Kontinent auch wirtschaftlich immer attraktiver: von 2000 bis 2008 wuchs Afrikas Wirtschaft im Schnitt mit 4,9 Prozent, doppelt so schnell wie in den 90er Jahren. Und dies ist nur zu einem Viertel den höheren Preisen für Rohstoffe geschuldet, wie die Unternehmensberatung McKinsey in einer neuen Studie schreibt. Der Rest ist das Ergebnis von grösserer politischer Stabilität und dem Ende diverser Kriege einerseits und einer liberaleren Wirtschaftspolitik andererseits.

Aber auch die Aussichten für weiteres Wachstum sind gut: Die Nachfrage nach Afrikas Bodenschätze wird weiter zunehmen. Auch verfügt der Kontinent über 60 Prozent des weltweit nutzbaren aber noch unkultivierten Landwirtschaftslandes. Zudem wächst Afrikas Mittelklasse, die schon heute grösser ist als diejenige Indiens. Und schliesslich dürften die ausländischen Investitionen weiter zunehmen, denn Afrika bietet weltweit die besten Renditen. Gemäss McKinsey verzinst sich jeder in Afrika investierte Franken mit 12 Prozent. Der Anteil von Direktinvestitionen am Bruttoinlandsprodukt BIP des Kontinents ist denn auch fast so hoch wie in China.

Diese Investitionen sind auch dringend erforderlich, denn Afrikas Bevölkerung wächst weiter rasant. Während der Kontinent heute 500 Millionen Menschen im arbeitsfähigen Alter hat steigt diese Zahl auf 1,1 Milliarden im Jahr 2040. Afrika wird dannzumal das grösste Heer an Arbeitskräften weltweit haben, mehr als Indien und China. Ob und wie dieses Potential genutzt werden kann hängt insbesondere von der Ausbildung der vielen jungen Menschen ab. Und hier ist das Bild weniger rosig: Während noch 76 Prozent der Kinder die Primarschule besuchen, gehen gerade mal 35 Prozent der Jugendlichen auf die Sekundarschule. Hinzu kommt die niedrige Qualität des Unterrichts.

Während Bildungsinvestitionen langfristig Früchte tragen, bietet eine Erleichterung des innerafrikanischen Handels die Chance schnell Erfolge zu erzielen. Während 40 Prozent der asiatischen Exporte in andere asiatische Länder gehen, beträgt der Anteil des innerafrikanischen Handels gerade mal 12 Prozent der gesamten Aus- und Einfuhren. Hohe Zölle und eine ineffiziente Bürokratie verteuern den Handel unnötig. Da viele afrikanische Länder sehr klein sind, behindert dies die Entwicklung des Industriesektors. Fallen die Handelsschranken aber weg, steigt der Handel schnell an: So ist der Handel zwischen den fünf Mitgliedern der East African Community EAC seit 2005 um knapp 50 Prozent gestiegen. Kurz, wenn man die Wirtschaft lässt, dann wächst sie auch in Afrika. mic

PS: Neue Studien der Boston Consulting Group und von Chatham House kommen zu ähnlichen Ergebnissen wie McKinsey. Und schliesslich hat die OECD ihren African Economic Outlook 2010 veröffentlicht.

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