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Das meiste Wasser essen wir

Der Wasser-Fussabdruck misst den direkten und indirekten Wasserverbrauch

Der Durchschnittsschweizer braucht 4600 Liter Wasser – pro Tag. Davon entfallen nur 162 Liter oder 3,5 Prozent auf den Verbrauch im Haushalt. Mehr als 95 Prozent des Wasserverbrauchs entfällt auf Nahrungsmittel (65 Prozent) und Industrieprodukte (30 Prozent). So stecken in einer Tasse Kaffee 140 Liter und in einem Baumwoll-T-Shirt 2400 Liter Wasser. Da die Schweiz sowohl Nahrungsmittel wie auch Industriegüter in grossem Mass importiert, verbrauchen die Schweizer im Ausland viel mehr Wasser als in der Schweiz: Das Wasserschloss Europas importiert 80 Prozent seines Wasserbedarfs.

Bislang waren diese riesigen Wasserimporte kein Problem. Doch die Konkurrenz um Wasser nimmt zu. Durch den Klimawandel kommt es immer häufiger zu Dürren wie in Australien und die wachsende Weltbevölkerung verbraucht immer mehr Nahrungsmittel und somit Wasser. Die Menschheit muss daher ihren Wasserverbrauch unter Kontrolle bringen. Der erste Schritt hierzu ist buchhalterischer Natur: Der direkte und indirekte Verbrauch muss gemessen werden. Dies wird mit dem sogenannten Wasser-Fussabdruck (Water Footprint) erreicht. Der Wasser-Fussabdruck gibt an wieviel Wasser ein Mensch oder ein Land konsumiert. Die Schweiz liegt hier im oberen Mittelfeld: Der Durchschnittsamerikaner verbraucht 6800 Liter pro Tag und der Durchchnittschinese 1900 Liter.

Der Wasserfussabdruck kann aber auch für einzelne Produkte und Dienstleistungen berechnet werden. Vorreiter sind hier die grossen Nahrungsmittelkonzerne wie Nestlé. „Der Handel mit Nahrungsmitteln ist nichts anderes als ein Handel mit virtuellem Wasser“ erklärt Nestléchef Peter Brabeck-Letmathe die Bedeutung von Wasser für die Branche. Der Konzern versucht denn auch seinen Wasser-Fussabdruck über die ganze Lieferkette, vom Bauern bis ins Supermarktregal, zu messen und anschliessend zu reduzieren. Aber auch die Konsumenten sollen einen Beitrag zu Reduktion des Wasserverbrauchs leisten. Derzeit wird die Einführung von Labels diskutiert, die angeben wieviel Wasser für die Herstellung der Fertigpizza oder der Ananasscheiben aufgewendet wurde.

Die Wasserlabels schaffen Transparenz für die Konsumenten und einen Anreiz für die Produzenten Wasser zu sparen. Denn das Problem ist, dass die Landwirtschaft kaum etwas für Wasser bezahlt. Vielerorts wird Wasser gar subventioniert. Damit wird ein Anreiz geschaffen Wasser zu verschwenden und zu verschmutzen. Dabei fällt das Waser oft nicht einfach vom Himmel, sondern stammt aus Jahrmillionen alte Vorräten, die nicht wieder aufgefüllt werden. Wenn dieses „fossile“ Wasser einmal hochgepumpt ist, ist es weg. Der fehlende Wasserpreis führt so zu gigantischen Fehlallokationen volkswirtschaftlicher Ressourcen. In einem Liter Biosprit aus Mais stecken 4560 Liter Wasser. Müssten die Bauern einen fairen Preis für dieses Wasser bezahlen, wäre Biosprit niemals konkurrenzfähig.

Um den Wasserverbrauch zu senken., müssen wir sehr viel effizienter mit dem wertvollen Nass umgehen. Ein erster Schritt ist die Entkoppelung des Wasserverbrauchs vom Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum. Derzeit stecken in Industriegütern 80 Liter Wasser pro Dollar Verkaufspreis. Doch die Unterschiede zwischen den Ländern sind riesig. Während in amerikanischen Produkten 100 Liter Wasser pro Dollar enthalten sind, kommen japanische Hersteller mit 10 bis 15 Litern aus. Ein anderer Faktor sind unsere Essgewohnheiten. Mit steigendem Einkommen essen die Menschen mehr Fleisch. Doch in einem Kilo Fleisch steckt viel mehr Wasser als in einem Kilo Getreide. Essgewohnheiten, Bevölkerungswachstum und Biosprit führen zusammen zu einer Zunahme des Wasserbedarfs in der Landwirtschaft um 70 bis 90 Prozent bis im Jahr 2050. Noch wird der Wasser-Fussabdruck der Menschheit also grösser nicht kleiner. Die Messung des Wasserverbrauchs ist eben nur der erste Schritt. mic

Einen Rechner, um Ihren persönlichen Wasser-Fussabdruck zu berechnen und Angaben zum Wasser-Fussabdruck von Ländern und Produkten, finden Sie unter www.waterfootprint.org.

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