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Wer nicht führen kann soll folgen

Die Verhandlungen über den Artenschutz sind die „kleine Schwester“ der Klimaverhandlungen. Dies aber nicht weil der Artenschutz weniger wichtig wäre, sondern weil die Auswirkungen auf die Wirtschaft weniger weitreichend sind. Und nun ist es geschafft: Die Staaten der Welt haben sich auf ein gemeinsames, koordiniertes Vorgehen geeinigt, um der Gefahr aus dem Verlust an Tier- und Pflanzenarten Herr zu werden. Dieser Erfolg beinhaltet drei Lehren für die Klimaverhandlungen:

Erstens, ein Ausgleich zwischen Ökologie und Ökonomie ist möglich. Ja, der Einsatz von wirtschaftlichen Anreizen ist das zentrale Instrument um den Naturschutz voranzubringen. Und die Folgen auf die Wirtschaft sind nennenswert: Landwirtschaft und Fischerei müssen nachhaltig betrieben werden. Umweltschädliche Subventionen müssen abgebaut werden. Und die Pharmaindustrie muss ihre Gewinne teilen, wenn sie Tiere und Pflanzen nutzt.

Zweitens, die Länder der Welt sind bereit sich international auf Massnahmen zum Schutz der Natur zu verpflichten. Obwohl jedes der 193 Länder in Nagoya ein Vetorecht hatte, ist es gelungen einen Kompromiss zu schliessen. Offensichtlich ist den Regierungen klar, dass es besser ist, einem globalen Problem mit einer globalen Lösung zu begegnen, als einzeln und unkoordiniert vor sich hinzuwursteln.

Drittens, wenn die USA nicht dabei sind, ist ein Erfolg möglich. Die USA waren bei den Verhandlungen in Nagoya nur als Beobachter dabei, da sie der UN Konvention über den Schutz der biologischen Vielfalt CBD nie beigetreten sind. Bei den Klimaverhandlungen hingegen, sitzen die USA mit am Verhandlungstisch, ja beanspruchen eine Führungsrolle. Dies steht im krassen Gegensatz zur innenpolitischen Realität der Supermacht: In den USA ist die Existenz des Klimawandels eine ideologische Frage. Von ein, zwei Ausnahmen abgesehen glaubt keiner der republikanischen Kandidaten bei den Midterm Wahlen am Dienstag der wissenschaftlichen Erklärung für den Klimawandel. Die Wahrscheinlichkeit, dass die USA in den nächsten Jahren ein nationales Klimagesetz verabschieden, ist daher nahe Null. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie ein internationales Klimaabkommen ratifizieren ist aber noch kleiner. Denn für ein Klimagesetz braucht es im 100 köpfigen Senat „nur“ 60 Stimmen, für einen Staatsvertrag aber 67 Stimmen.

Nagoya zeigt also, dass ein gemeinsames Vorgehen gegen die Zerstörung unserer Umwelt nicht nur nötig sondern auch möglich ist und dass Ökonomie und Ökologie keine Gegensätze sein müssen. Um einen solchen Erfolg bei den Klimaverhandlungen zu erzielen, sollte man die USA aber vielleicht besser ignorieren. Sie können nicht führen, werden wohl aber irgendwann folgen.

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