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King Coal ganz klein

US-Kohleindustrie droht Pleitewelle

Wenn der Preis fällt, steigt die Nachfrage. Doch für den Kohlemarkt scheint diese Regel nicht mehr zu gelten. Ausser in Indien fällt die Nachfrage nach Kohle in den meisten Ländern, obwohl der Kohlepreis in den letzten vier Jahren um 60 Prozent gefallen ist.

Während sich der Ölpreis wieder stabilisiert hat, kennt der Preis für Kohle nur eine Richtung: runter. Seit dem Alllzeithoch im Januar 2011 als der Kohlepreis bei knapp 140 Dollar pro Tonne lag, ist der Preis um 60 Prozent gefallen auf noch 55 Dollar im April dieses Jahres. Im Moment liegt er bei rund 60 Dollar. Der Grund für den anhaltenden Preisverfall ist ein steigendes Angebot bei stagnierender Nachfrage. Die grossen Minenkonzerne und Exportländer reduzieren trotz des Preisverfalls die Produktion nicht. Ähnlich wie das Ölkartell Opec versuchen sie ihren Marktanteil zu verteidigen und hoffen, dass der Preis irgendwann wieder steigt. „Es ist die gleiche Strategie bei Kohle wie bei Öl.“, sagt Guillaume Perret, der Direktor von Perret Associates, einem Beratungsunternehmen aus London. „Die grossen Minenbetreiber, besonders die mit niedrigen Produktionskosten, fördern weiter und drücken teurere Konkurrenten aus dem Markt.“ [1] Hinzu kommt, dass der starke Dollar für Produzenten ausserhalb der USA einen Teil des Preisverfalls kompensiert.


In den letzten vier Jahren ist der Preis für Kohle um 60 Prozent gefallen.
(Grafik: tradingeconomics.com)

Ob die Rechnung der grossen Minenbetreiber aufgeht, hängt aber von der Nachfrage ab. Die Internationale Energieagentur IEA schätzte letztes Jahr, dass die globale Kohlenachfrage bis 2019 um 2,1 Prozent pro Jahr zunimmt. Drei Fünftel dieses Wachstums sollen auf China entfallen, das für die Hälfte des globalen Kohlekonsums verantwortlich ist. [2] Doch hier könnte sich die IEA getäuscht haben: Im vergangenen Jahr ist der Kohlekonsum Chinas um 2,5 Prozent gefallen. [3] Dies liegt zum einen am geringeren Wirtschaftswachstum in China. Zum anderen investiert China aber auch massiv in Sonne, Wind, Wasserkraft und Atomenergie. Wegen der grotesken Luftverschmutzung in vielen chinesischen Städten schliesst die Regierung zudem ältere, ineffiziente Kohlekraftwerke. Viele Beobachter gehen daher davon aus, dass der Kohleverbrauch in China ab jetzt zurückgeht: „Die Nachfrage nach Kohle hat in China den Scheitelpunkt überschritten.“, sagt Laban Yu, ein Analyst der US-Investmentbank Jefferies. „Die Nachfrage ging letztes Jahr zurück und wird dieses Jahr vielleicht noch stärker sinken. Die Kohlepreise werden sich nie erholen, niemals.“ [4]

Regel Nummer Eins: "When stuck in a hole, stop digging." (Foto: Peabody Energy)

Regel Nummer Eins: “When stuck in a hole, stop digging.” (Foto: Peabody Energy)

In den USA, dem zweitgrössten Markt für Kohle, sieht die Situation ähnlich aus: Der Markt hat sich strukturell geändert und die Kohlenachfrage wird immer weiter sinken. Die Gründe dafür sind ähnlich wie in China: der Ausbau der Erneuerbaren und Verordnungen zur Verbesserung der Luft. Zudem ist der Gaspreis dank Fracking so stark gesunken, dass mittlerweile gleich viel Strom mit Gas wie mit Kohle erzeugt wird. In den letzten zehn Jahren ist der Kohleverbrauch daher um zehn Prozent gesunken. Das hat tiefe Spuren in den Bilanzen der grossen US-Kohleproduzenten hinterlassen: Der Aktienkurs der drei grössten Produzenten, Peabody Energy, Arch Coal und Alpha Natural Ressources, hat sich dieses Jahr halbiert. [5] Anleihen von Peabody bringen mittlerweile 15 Prozent Rendite, was ein nicht unerhebliches Konkursrisiko in den nächsten Jahren impliziert. [5] Die australische Bank Macquarie warnt denn auch vor einer „Pleitewelle“ in der US-Kohleindustrie. [6] Dabei sind in den letzten Jahren bereits 26 Kohleproduzenten bankrott gegangen. [7] Die letzte Hoffnung der Kohleindustrie ist nun Indien: Hier wächst der Kohleverbrauch noch und das Land überholt dieses Jahr China als grösster Importeur der Welt. Doch Indien hat eigentlich genug einheimische Kohle für seinen Bedarf. Indiens Energieminister Piyush Goyal will daher den Import von Kohle in den nächsten „zwei bis drei Jahren“ auf Null reduzieren. Das macht auch ökonomisch Sinn: Indien produziert die Tonne Kohle für 24 Dollar. Das ist weniger als die Hälfte des aktuellen Weltmarktpreises. [8] mic

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[1] Bloomberg, 30.01.2015: Coal Keeps Dropping as OPEC-Like Tactic Stymied by Dollar

[2] iea, Dezember 2014: Coal – Medium Term Market Report 2014

[3] Reuters, 28.01.2015: China 2014 coal output seen down 2.5 pct, first drop in a decade

[4] Bloomberg, 19.05.2015: China Smog War Seen Dooming Coal on ‘Cheap But Dirty’ Purge

[5] Bloomberg, 20.05.2015: Peabody Bonds Plunge as Coal Miner Grapples With Low Prices

[6] Oilprice, 12.04.2015: A “Wave of Bankruptcies” About To Hit Coal Industry

[7] CarbonTracker, März 2015: The US Coal Crash – Evidence for Structural Change (PDF)

[8] CleanTechnica, 14.11.2014: India Shocks Australia, To Stop Coal Imports In 2-3 Years

TPP Abschluss in greifbarer Nähe

Verhandlungen über US geführte Freihandelszone rund um Pazifik könnten bereits nächste Woche abgeschlossen werden

Eine Freihandelszone rund um den Pazifik: das ist das Ziel der zwölf Mitgliedsländer der Transpazifischen Partnerschaft (TPP). Seit 2010 wird über das TPP Abkommen verhandelt, das Handelserleichterungen für zwei Fünftel der Weltwirtschaft verspricht.

Die Verhandlungen über die Transpazifische Partnerschaft (TPP) gehen in die letzte Runde. Zur Vorbereitung auf den Showdown will das US-Parlament noch diese Woche die sogenannte ‚Trade Promotion Authority‘ (TPA) erneuern. Diese gibt dem US-Präsident Barack Obama die Möglichkeit Handelsverträge auszuhandeln, die anschliessend vom Parlament nicht mehr geändert werden können. Das US-Parlament kann dem Vertrag nur noch als Ganzes zustimmen oder muss ihn als Ganzes ablehnen. TPA gilt als Voraussetzung, dass die Verhandlungspartner der USA ihre letzten und besten Angebote auf den Tisch legen.

Der 'Pivot to Asia': Guam ist nicht nur ein wichtiger Stützpunkt der US-Marine und -Luftwaffe, sondern könnte auch Zeuge des Abschlusses der TPP Verhandlungen werden. Damit würde Guam zum Sinnbild der beiden Pfeiler der strategischen Neuausrichtung der USA Richtung Asien, dem 'Pivot to Asia'. (Bild: US Regierung)

Der ‘Pivot to Asia': Guam ist nicht nur ein wichtiger Stützpunkt der US-Marine und -Luftwaffe, sondern könnte auch Zeuge des Abschlusses der TPP Verhandlungen werden. Damit würde Guam zum Sinnbild der beiden Pfeiler der strategischen Neuausrichtung der USA Richtung Asien, dem ‘Pivot to Asia’. (Bild: US Regierung)

Die Verabschiedung der TPA war vergangene Woche im US-Senat gescheitert. Fast alle Senatoren von Obamas demokratischer Partei verweigerten eine Debatte über das Gesetz. Sie forderten zwei zusätzliche Gesetze: eins zur Entschädigung von Arbeitern, die wegen Importen ihre Jobs verlieren und eins zum Schutz vor Manipulationen der Wechselkurse von Währungen. Hier konnte ein Kompromiss gefunden werden und der Führer der Republikaner im Senat zeigte sich am Sonntag zuversichtlich, dass die TPA diese Woche den Senat passiert. Dann kommt die Abstimmung im Repräsentantehaus. Dort sind viele Demokraten und einige Anhänger der Tea Party Fraktion gegen die TPA. Doch der Vorsitzende des relevanten Ausschusses, der Republikaner Paul Ryan ist ebenfalls optimistisch: „Wir nehmen viel Schwung auf. Wir werden die Stimmen zusammen bekommen.“ [1] Der australische Handelsminister Andrew Robb rechnet daher damit, dass die TPA „vor Ende dieser Woche“ verabschiedet wird. [1]

Damit wäre dann die letzte Verhandlungsrunde eröffnet. Seit letzten Samstag (16. Mai) tagen die Handelsbeauftragten der zwölf TPP Länder auf der US-Pazfikinsel Guam. Ab Dienstag nächster Woche stossen dann auch die Handelsminister dazu. Gemäss Robb könnten die Verhandlungen daher bereits Ende nächster Woche abgeschlossen werden. [1] Wo die letzten Knackpunkte liegen ist allerdings unklar, da die Verhandlungen im Geheimen erfolgen. Bekannt ist einzig, dass sich Japan lange gegen niedrigere Zölle für Agrarprodukte und Autos gewehrt hat. Umstritten war auch das Kapitel zu geistigem Eigentum wie aus Verhandlungsdokumenten hervorgeht, die im Dezember 2013 auf der Enthüllungsplatform Wikileaks veröffentlicht wurden. [2] Die USA forderten damals eine Verlängerung des Copyrights für Filme, Bücher und Musik. Zudem gab es grosse Uneinigkeit hinsichtlich Patenten für Medikamente. Das Abkommens beinhaltet voraussichtlich auch die Möglichkeit für ausländische Investoren vor internationalen Schiedsgerichten gegen TPP Mitgliedsländer zu klagen. Ob und wie diese Fragen geklärt wurden, lässt sich aber erst sehen, wenn der Vertrag nach Abschluss der Verhandlungen veröffentlicht wird.

Die zwölf TPP Mitgliedsländer machen knapp zwei Fünftel der Weltwirtschaft aus. Im Osten des Pazifiks sind dies die USA, Kanada, Mexiko sowie Chile und Peru. Im Westen des Pazifiks sind dies Japan, Australien und Neuseeland sowie Brunei, Malaysia, Singapur und Vietnam. Ausserdem haben Südkorea, Taiwan und fast alle Asean Länder Interesse an einer TPP Mitgliedschaft angemeldet. Abwesend von dieser Gruppe ist China, weswegen das TPP Abkommen von manchen Beobachtern als Versuch der Einhegung Chinas (Containment) gewertet wird. Ein Abschluss der Verhandlungen wäre ein grosser Erfolg für Obama, der angekündigt hat, die USA strategisch neu auszurichten: weg von Europa und dem Mittleren Osten und hin zu Asien. Ein Erfolg wäre ein TPP Vertrag auch für den japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe. Der ‚dritte Pfeil‘ der nach ihm benannten Wirtschaftspolitik ‚Abenomics‘ besteht aus Strukturreformen, die durch TPP zusätzlichen Schwung bekämen. mic

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[1] ABC, 18.05.2015: Growing optimism that US Congress will pass bill to fast track Pacific region trade deal

[2] weltinnenpolitik, 10.12.2013: Amerika spielt aufs Ganze

Ist Turkish Stream ein Wahlkampf-Gag?

Türkei und Gazprom haben sich auf Bau einer neuen Pipeline geeinigt. Doch viele Fragen bleiben offen

Normalerweise dauert die Planung neuer Gaspipelines viele Jahre. Doch bei Turkish Stream will der russische Gaskonzern Gazprom beweisen, dass es auch schneller geht: Nachdem das Projekt im Dezember 2014 zum ersten Mal erwähnt wurde soll bereits im Dezember 2016 das erste Gas fliessen.

Die Türkei und der russische Gaskonzern Gazprom haben sich auf den Verlauf einer neuen Gaspipeline durch das Schwarze Meer geeinigt. „Heute hat Gazprom mit der Bauphase begonnen.“, sagte Gazprom-Chef Alexei Miller am Freitag letzter Woche (8. Mai). [1] Die Türkei und Gazprom hoffen, dass schon im Dezember nächsten Jahres das erste Gas durch die rund 1100 Kilometer lange Röhre fliessen wird. Mit Turkish Stream soll russisches Gas bis zur türkisch-griechischen Grenze transportiert werden. Die Pipeline ist der Ersatz für das South Stream Projekt, das im Dezember letzten Jahres überraschend vom russischen Präsidenten Vladimir Putin abgebrochen worden war. Beide Pipelineprojekte verfolgen das gleiche Ziel: die Belieferung von Südosteuropa mit russischem Gas unter Umgehung der Ukraine.

Bessere Zeiten: Beim feierlichen Baubeginn von South Stream signiert Gazprom-Chef Alexei Miller eine Röhre. Doch das Projekt ist schon wieder Geschichte und Miller hat bereits das Nachfolgeprojekt Turkish Stream angekündigt. Davon gibt es aber noch keine Bilder. (Bild: Gazprom)

Bessere Zeiten: Beim feierlichen Baubeginn von South Stream signiert Gazprom-Chef Alexei Miller eine Röhre. Doch das Projekt ist schon wieder Geschichte und Miller hat bereits das Nachfolgeprojekt Turkish Stream angekündigt. Davon gibt es aber noch keine Bilder. (Bild: Gazprom)

Doch ob Turkish Stream jemals gebaut wird, ist noch lange nicht sicher. Auffällig ist etwa, dass sich die Vertragspartner noch nicht auf einen Preis für das Gas geeinigt haben. Bislang hat sich Gazprom nur mit privaten türkischen Gasimporteuren auf einen Preisnachlass verständigt, aber nicht mit dem staatlichen türkischen Gaskonzern Botas. Für die privaten Importeure fällt der Gaspreis pro 1000 Kubikmeter in zwei Schritten von 374 Dollar auf 260 Dollar, ein Rabatt von 30 Prozent. [2] Doch Botas ist der wichtigere Kunde und wird auf einem höheren Rabatt bestehen. Gemäss Miller besteht mit Botas „ein vorläufiges Abkommen, das noch nicht niedergeschrieben wurde. Im Moment haben wir ein gemeinsames Verständnis mit unserem türkischen Partner über die Höhe dieses Rabatts. In naher Zukunft werden wir dieses Abkommen formalisieren.“ [3] Botas sitzt bei diesen Verhandlungen am längeren Hebel, denn Russland hat bereits Spezialschiffe gechartert, um die Pipelineröhren im Schwarzen Meer zu verlegen.

Wie das Gas von der türkisch-griechischen Grenze weitertransportiert werden soll, ist aber ebenfalls noch unklar. Anfang Mai hatte es geheissen, Russland habe Griechenland eine Vorauszahlung von fünf Milliarden Dollar auf zukünftige Durchleitungsgebühren angeboten. Noch versuchen aber die USA, Griechenland von einer Beteiligung an Turkish Stream abzubringen. „Turkish Stream gibt es nicht.“, sagte Amos Hochstein, der US-Sondergesandte für Energiefragen anlässlich eines Besuchs in Athen. „Es gibt kein Konsortium für den Bau der Pipeline. Es gibt kein Abkommen. Lasst uns das also zur Seite legen und konzentrieren wir uns auf das Wichtige: die Pipeline, auf die wir uns bereits verständigt haben.“ [4] Damit meint Hochstein zwei Pipelines, mit denen Gas aus Aserbaidschan über die Türkei und Griechenland bis Süditalien transportiert werden soll (Tanap und TAP). Für diese Röhren gibt es bereits Konsortien, die den Bau finanzieren, und alle erforderlichen Genehmigungen liegen ebenfalls vor. Zudem hat die EU dem TAP Konsortium eine Ausnahme zugestanden: Entgegen geltendem EU-Recht muss TAP nicht für das Gas von Drittparteien geöffnet werden. Der Transport von Gazprom-Gas durch TAP ist somit für 25 Jahre ausgeschlossen.

Und dann ist da noch die Frage, ob sich Gazprom Turkish Stream überhaupt leisten kann. Für Laszlo Varro von der Internationalen Energieagentur IEA ist das nicht der Fall: „Die Idee hat aus unserer Sicht Null Glaubwürdigkeit, dass Gazprom in der Lage ist, grosse, neue Infrastrukturinvestitionen in Südosteuropa zu stemmen.“ [5] Russland hat das South Stream Projekt unter anderem wegen der hohen Kosten aufgegeben, glauben viele Experten. Dabei gab es für South Stream ein Konsortium, das sich die Investition geteilt hätte. Zu diesem Konsortium gehörten die Energieriesen ENI (Italien), EDF (Frankreich) und die BASF Tochter Wintershall. Turkish Stream dürfte aber kaum billiger werden und zumindest den Teil durch das Schwarze Meer müsste Gazprom alleine bezahlen. Dabei ist der Gewinn von Gazprom schon letztes Jahr deutlich eingebrochen (siehe Kasten).

Einen Gewinner hat die Diskussion um Turkish Stream aber selbst dann, wenn die Pipeline nicht gebaut wird: die türkische Regierung. In dem Land wird am 7. Juni ein neues Parlament gewählt. Der energiepolitische Sprecher der grössten Oppositionspartei CPH, Necdet Pamir, sagt: “Die Türkei will ein Abkommen über dieses Projekt vor den Wahlen abschliessen, um die Wähler zu beeindrucken.“ [6] Zusätzlich winkt dann auch noch ein grosszügiger Rabatt auf den Gaspreis, den der türkische Gaskonzern Botas zahlen muss. Anschliessend ist das Projekt dann vielleicht nicht mehr so wichtig. mic

 

Die Geldmaschine stottert

Gazprom ist ein ‚Klumpenrisiko‘: Der Konzern bestreitet rund sechs Prozent von Russlands BIP und ein Fünftel der Staatseinnahmen. Lange galt Gazprom als eine der profitabelsten Firmen der Welt. Doch das Geschäft stockt: Letztes Jahr ist der Gewinn von Gazprom um 86 Prozent gesunken. [7] Gründe sind der Einbruch des Rubelkurses und die zeitweise Unterbrechung der Gaslieferungen an die Ukraine. Doch auch dieses Jahr wird schwierig. Gazprom erwartet einen Preisrückgang von 30 Prozent auf noch 242 Dollar pro 1000 Kubikmeter bei Gasexporten in Länder ausserhalb der früheren Sowjetunion. [8] Hinzu kommt das EU Verfahren gegen Gazprom wegen Missbrauchs der Marktmacht. Dies könnte den Konzern zwingen, seine Preise für einzelne EU Länder anzupassen und Beteiligungen an EU Firmen zu verkaufen von einer möglichen Milliardenstrafe ganz abgesehen. Schwierig bleibt auch das Ukrainegeschäft, denn Kiew begleicht nicht länger die Gasrechnung der Krim und der von Separatisten besetzten Ostukraine. Gleichzeitig hat der Konzern einige Grossinvestitionen geplant: Um einem Vertrag mit China gerecht zu werden muss Gazprom ein Gasfeld in Sibirien erschliessen und eine Pipeline nach China bauen, die ‚Kraft Sibiriens‘. Und dann ist da noch Turkish Stream (siehe oben): Wenn tatsächlich im Dezember 2016 das erste Gas fliessen soll, dann fällt ein Grossteil der erforderlichen Investitionen bereits in diesem Jahr an. mic

 

Und hier noch zwei ‘Kurzmeldungen’ zum Thema:

Wiedervereinigung von Zypern

Die Wähler im türkisch besetzten Nordzypern haben einen neuen Präsidenten gewählt, der die Verhandlungen über eine Wiedervereinigung der Insel vorantreiben will. Diese Gespräche waren letztes Jahr von Zyperns Regierung unterbrochen worden, nachdem türkische Marineboote die Suche nach Erdgas in den zypriotischen Gewässern behindert hatten. Der neue Präsident Nordzyperns Mustafa Akinci hofft nun das diese Gasvorkommen „eine neue Dynamik“ in die Gespräche bringen können. „Es gibt die Möglichkeit für alle Seiten zu gewinnen.“ [9] Ein Teil des zypriotischen Gases könnte schliesslich seinen Weg nach Griechenland finden. Israel propagiert den Bau einer Pipeline von Israel über Zypern nach Griechenland. In israelischen Hoheitsgewässern wurden ebenfalls Gasvorkommen entdeckt, die es dem Land ermöglichen würden, Gas zu exportieren. mic

Iran meldet Interesse an Tanap Beteiligung an

Noch laufen die Verhandlungen über das iranische Atomprogramm. Doch Teheran bereitet sich bereits auf einen erfolgreichen Abschluss vor und damit auf die Aufhebung der westlichen Sanktionen gegen das Land. Dann wäre es möglich iranisches Gas durch die Tanap Pipeline nach Europa zu pumpen. Tanap befindet sich derzeit im Bau und soll aserbaidschanisches Gas über die Türkei und Griechenland nach Süditalien befördern. Doch der Chef von Aserbaidschans Gaskonzern Socar, Rovnag Abdullayev, steht einer Beteiligung Irans offen gegenüber: „Tanap ist bereits ein wirtschaftlich sehr attraktives Projekt. Nach der Aufhebung der Sanktionen gegen Iran, wird die Bedeutung von Tanap aber weiter zunehmen. Für zukünftige Gasexporte aus dem Iran, wäre Tanap die einzige Möglichkeit, um die Weltmärkte zu beliefern.“ [10] mic

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[1] Reuters, 08.05.2015: Russia’s Gazprom says launches construction of Turkish Stream gas pipeline

[2] Standart, 05.05.2015: Gazprom to discount price for private Turkish companies, agrees to return USD 300M

[3] Interfax, 08.05.2015: Russia and Turkey reach agreement on gas price discount

[4] International Business Times, 09.05.2015: Russia And Turkey Agree To Route For New Turkish Stream Pipeline Through Black Sea

[5] Politico, 12.05.2015: US urges Greece to drop Russian pipeline project

[6] Al-Monitor, 12.05.2015: Is Turkish Stream a pipe dream?

[7] Financial Times, 29.04.2015: Gazprom predicts export gas prices will fall due to cheaper oil

[8] Gazprom, 29.04.2015: Management Report 2014 (PDF)

[9] Reuters, 27.04.2015: Leftist Akinci wins north Cyprus election, seeking peace deal

[10] Natural Gas Europe, 06.04.2015: Azerbaijan eyes Iranian gas for Tanap

Indien gibt ein Dogma auf

Delhi macht Vorschlag zur Reduktion von Super-Treibhausgasen mit Hilfe des Ozonprotokolls

Darf man den Klimaschutz auch mit einem Abkommen zum Schutz der Ozonschicht voranbringen? „Nein“ lautet bislang die Antwort aus Indien. Doch mit dieser Meinung stand Delhi zuletzt alleine da und hatte nun ein Einsehen.

Über die Reduktion von Treibhausgasen wird nicht nur im Rahmen der UN-Klimakonvention verhandelt. Das bislang wirksamste Klimaschutzabkommen ist das Montreal Protokoll zum Schutz der Ozonschicht. Mit diesem wurden die ozonschädlichen FCKWs (Fluorchlorkohlenwasserstoffe) abgeschafft, sodass sich das Ozonloch nun wieder schliesst. Doch FCKWs schaden nicht nur der Ozonschicht sondern sind auch potente Treibhausgase. Durch das FCKW Verbot wurde daher der Gegenwert von 135 Milliarden Tonnen CO2 seit dem Jahr 1989 vermieden. Das entspricht den weltweiten CO2 Emissionen von mehr als vier Jahren. Doch diese Errungenschaft ist in Gefahr: In vielen Ländern wird das FCKW in Kühlschränken und Klimaanlagen durch FKWs (Fluorkohlenwasserstoffe) ersetzt. Diese schaden zwar nicht der Ozonschicht, sind dafür aber 11‘700 mal klimaschädlicher als CO2. Wenn deren Produktion unkontrolliert zunimmt, werden FKWs im Jahr 2050 knapp ein Fünftel der weltweiten Treibhausgasemissionen ausmachen, schätzt die UNO.

Antrittsbesuch: Um nicht mit leeren Händen dazustehen, hat Narendra Modi seinem neuen Freund "Barack" versprochen, endlich den Widerstand gegen die einfachste Klimaschutzmassnahme der Welt aufzugeben (Bild: US Regierung)

Antrittsbesuch: Um nicht mit leeren Händen dazustehen, hat Narendra Modi seinem neuen Freund “Barack” versprochen, endlich den Widerstand gegen die einfachste Klimaschutzmassnahme der Welt aufzugeben (Bild: US Regierung)

Aus diesem Grund möchten die USA und die EU FKWs ebenfalls mit Hilfe des Montreal Protokolls aus der Welt schaffen. Das Protokoll ist dazu gut geeignet. Zum einen ist es das einzige UN-Abkommen, dem alle Länder der Welt angehören und zum anderen hat es sich als effizientes und billiges Instrument zur Abschaffung ganzer Stoffklassen erwiesen. Doch bislang durfte im Rahmen des Montreal Protokolls noch nicht mal über die Abschaffung von FKWs vehandelt werden. Indien bestand darauf, dass einzig die UN-Klimakonvention für den Schutz des Klimas verantwortlich ist. Denn beim Montreal Protokoll sind alle Staaten in der Pflicht, während nach indischer Lesart der Klimaschutz für Entwicklungsländer immer noch freiwillig ist. Um den indischen Widerstand zu brechen, hat US-Präsident Barack Obama FKWs zur Chefsache gemacht: Beim Antrittsbesuch des neuen indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi hat Obama diesem die Zustimmung abgerungen, dass die FKW Emissionen doch mit Hilfe des Montreal Protokolls reduziert werden. [1]

Kühlen heizt das Klima auf: Die Grafik zeigt die Klimawirkung des FKW Einsatzes in verschiedenen Sektoren. "RACHP" steht hier für Refrigeration, Air-Conditioning und Heat Pumps oder kurz für Kühlung. (Quelle: Unep, siehe [2])

Kühlen heizt das Klima auf: Die Grafik zeigt die Klimawirkung des FKW Einsatzes in verschiedenen Sektoren. “RACHP” steht hier für Refrigeration, Air-Conditioning und Heat Pumps oder kurz für Kühlung. (Quelle: Unep, siehe [2])

Nun hat Indien geliefert: Das Land hat einen eigenen Vorschlag zur Reduktion von FKWs beim Montreal Protokoll eingereicht. [3] Industriestaaten sollen diese Gase bis 2035 weitgehend abschaffen, während Entwicklungsländer bis 2050 Zeit haben. Damit liegen nun vier Vorschläge auf dem Tisch: von den USA, der EU, Mikronesien und eben Indien. „Es gibt Unterschiede zwischen den Vorschlägen, aber diese Unterschiede sind einfach zu verhandeln.“, sagt David Doninger von der US-Umweltorganisation Natural Resources Defense Council. „Es besteht eine reale Chance, diesen Herbst zu einem FKW Abkommen zu kommen.“ [4] Im November tagen die Mitglieder des Montreal Protokolls in Dubai. Wenn ihnen dort der Durchbruch gelingt, wäre das Abkommen pünktlich zur Klimakonferenz im Dezember in Paris fertig und würde den dortigen Verhandlungen Schwung verleihen: „Es würde Momentum für einen erfolgreichen Abschluss in Paris erzeugen.“ sagt Durwood Zaelke vom Institute for Governance and Sustainable Development. „Ein Erfolg beim FKW Abkommen liefert kurzfristig den grössten, schnellsten, billigsten und zuverlässigsten Beitrag zum Klimaschutz.“ [5]

Bis es soweit ist, muss aber noch die Finanzierungsfrage geklärt werden: Bislang werden im Rahmen des Montreal Protokolls den Entwicklungsländern nur die zusätzlichen Kosten vergütet, die ihnen durch den Schutz der Ozonschicht entstehen. Der indische Vorschlag zur Reduktion der FKW Emissionen sieht hingegen vor, dass die Industriestaaten die gesamten Kosten für die Umstellung auf andere Substanzen bezahlen. [6] Ein UN Bericht schätzt, dass diese Kosten in den Entwicklungsländern zwischen 500 Millionen und 3,2 Milliarden Dollar liegen. [7] Ein Teil davon liegt bereits auf dem Tisch. Die USA und einige andere Industriestaaten haben 508 Millionen Dollar über drei Jahre in Aussicht gestellt. Aus Sicht von Zaelke ist das „eine unglaublich bescheidene Investition für die Klimavorteile, die wir dafür bekommen.“ [8] mic

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[1] weltinnenpolitik, 03.10.2014: Obama und Modi einigen sich auf die einfachste Klimaschutzmassnahme der Welt

[2] Unep Ozone Secretariat, 20.04.2015: Factsheet 2 – Overview of HFC Market Sectors (PDF)

[3] Indien, 20.04.2015: Proposed Amendment to the Montreal Protocol (Word file)

[4] Reuters, 30.04.2015: Europe calls for tougher limits on super greenhouse gases

[5] rtcc, 17.04.2015: India hostility to HFC phase-out thaws, submits plans to UN

[6] nrdc, 20.04.2015: Progress on Climate Change: India Takes Driver’s Seat in Amending the Montreal Protocol – Part 2

[7] Unep Ozone Secretariat, Oktober 2014, Seite 6: Teap Report – Volume 4 (PDF)

[8] Bloomberg, 19.03.2015: An $8 Billion Push to Cool the Globe Has Poor Countries Steaming

Wenn Meerjungfrauen weinen

Kleider aus Kunstfasern setzen bei jedem Waschen 1900 Fäserchen frei, die in den Meeren landen

Die Plastikverschmutzung der Meere ist ein bekanntes Problem. Neu ist, dass ein Grossteil der kleinen Plastikpartikel von Textilien stammen. Ein EU Projekt soll diese Verschmutzung nun um 70 Prozent reduzieren.

Die Weltmeere verwandeln sich zunehmend in eine ‚Plastiksuppe‘. Bekannt sind vor allem die grossen Müllstrudel im Atlantik und Pazifik. In letzterem kommen sechs Plastikpartikel auf ein Plankton-Kleinlebewesen. Im Mittelmeer hat das Plankton noch die Mehrheit. Auf zwei der Kleinlebewesen kommt ein Plastikpartikel, die auch Tränen der Meerjungfrauen genannt werden. Bislang ging man immer davon aus, dass der grösste Teil dieses Plastiks entweder vom Land in die Meere geschwemmt wird oder von Schiffen stammt. Die grösste Quelle der Plastikverschmutzung sind aber Kleider, wie eine Studie in der Fachzeitschrift Environmental Science and Technology zeigt. [1] Der Autor, Mark Browne von der Universität Kalifornien, hat Plastikfasern an Stränden analysiert und festgestellt, dass es sich bei 85 Prozent um Textilfasern handelt etwa Polyester- oder Akrylfasern. Daraufhin hat er Tests mit Waschmaschinen durchgeführt: Ein Kleidungsstück aus synthetischem Material verliert pro Waschgang bis zu 1900 Fasern. Diese Fasern sind mit dem blossen Auge kaum zu erkennen. Sie sind auch zu klein, um von Kläranlagen herausgefiltert zu werden und gelangen daher in die Meere, wo sie dann bleiben: Da Plastikmoleküle sehr stabil sind, zerfallen die Plastikfasern zwar in immer kleinere Stücke aber sie zersetzen sich nicht.

Lecker: Im Mittelmeer kommt ein Plastikpartikel auf zwei Plankton-Kleinlebewesen. (Foto: M.Danny25, Wikimedia)

Lecker: Im Mittelmeer kommt ein Plastikpartikel auf zwei Plankton-Kleinlebewesen. (Foto: M.Danny25, Wikimedia)

Bis es soweit ist, können sich Giftstoffe an den Plastikpartikeln anlagern oder sie werden von einem Film aus Bakterien und Viren überzogen. Verwechseln dann Fische die Plastikpartikel mit Plankton ist der Kreis geschlossen: die Giftstoffe landen wieder auf dem Teller. Bei Krusten- und Schalentieren oder Sprotten, die vor der Zubereitung nicht ausgenommen werden, verzehrt der Mensch sogar das Mikroplastik, das sich in deren Mägen angesammelt hat. Die EU hat dieses Problem mittlerweile erkannt und ein Projekt aufgelegt [2], das das Problem von drei Seiten her untersucht: Der erste Ansatzpunkt ist die Textilindustrie. Diese soll ermutigt werden, Kunstfasern einzusetzen, die weniger Fasern beim Waschen abgeben. Dann kommen die Hersteller von Waschmitteln. Diese sollen prüfen, ob sie durch Zusätze die Zahl der Fasern reduzieren können. Und schliesslich sind auch die Produzenten von Waschmaschinen in der Pflicht: Diese könnten Filter in ihre Maschinen einbauen, um die verbleibenden Fasern aus dem Wasch-Abwasser zu eliminieren. Ziel des Projekts ist eine Reduktion der Anzahl Fasern im Wasch-Abwasser um mindestens 70 Prozent.

Zumindest ein Hersteller von Waschmaschinen hat sich bereits mit dem Plastikfaserproblem beschäftigt, die Firma BSH Hausgeräte, die Waschmaschinen unter den Markennamen Siemens und Bosch produziert. „Wir bei der BSH erforschen das Thema Mikroplastics bereits seit einigen Jahren.“, teilt BSH Sprecherin Johanna Janusch mit. „Um das Problem umfassend zu lösen, müsste man bei dessen Ursache anfangen, also bei der Herstellung von Textilien, da insbesondere während der ersten Gebrauchsphasen eines Textils sehr viele Fasern abgelöst werden.“ Einen Filter für die Mikrofasern hat aber auch BSH noch nicht: „Bislang gibt es leider noch keine vernünftige Lösung für unsere Serien-Waschmaschinen und -Trockner, die diese kleinen Fasern aus der Lauge entfernen könnte. Darüber hinaus müssten diese Fasern dann von den Konsumenten auch entsprechend entsorgt werden, damit diese nicht ins Abwasser gelangen.“

Die Hersteller hinter den Marken Miele, Bauknecht und AEG/Electrolux haben auf die Frage nach der Faserproblematik nicht geantwortet. Damit bestätigen sie eine Aussage von Maria Westerbros, der Chefin der niederländischen Umweltorganisation Plastic Soup Foundation [3]: „Trotz der Warnungen vieler Wissenschaftler ignorieren viele Hersteller von Waschmaschinen das Problem. Das kann doch nicht sein.“ Ein Vorbild könnten hier die USA sein: Dort sind Filter zumindest für Grosswäschereien Pflicht. mic

 

Plastikverschmutzung durch Kosmetika weitgehend gelöst

Viele Kosmetika wie Peelings enthalten kleine (0,01 bis 1 mm) Plastikkügelchen, um tote Hautzellen abrubbeln zu können. Diese Plastikkügelchen sind so klein, dass sie von Kläranlagen nur zum Teil herausgefiltert werden und daher letztlich im Meer landen. Einer niederländischen Umweltorganisation, der ‚Stiftung Nordsee‘ [4], ist zuerst aufgefallen, dass dies keine gute Idee ist. Im Jahr 2011 kontaktierte sie die Hersteller von Kosmetika mit der Bitte, auf den Einsatz von Mikroplastik in ihren Produkten zu verzichten. Einige kleinere Hersteller aus den Niederlanden kamen der Bitte nach. Im Jahr darauf wurde dann einer der Industriegiganten mit einer Kampagne auf dem Kurznachrichtendienst Twitter ins Visier genommen. Kurz darauf kündigte Unilever an, ab diesem Jahr auf den Einsatz der Plastikkügelchen in Kosmetika zu verzichten. Als Alternativen stehen gemahlene Nussschalen oder Pflanzenfasern (Zellulose) zur Verfügung. Nach und nach konnten dann die meisten grösseren Hersteller von Kosmetika überzeugt werden dem Beispiel von Unilever zu folgen. Mittlerweile haben The Body Shop, L’Oréal, Johnson und Johnson, Procter und Gamble, Beiersdorf, Louis Widmer sowie Coop und Migros (Eigenmarken) angekündigt, in ihren Kosmetikartikeln kein Mikroplastik mehr zu verwenden. Bei einigen Firmen brauchte es dabei mehr Überzeugungsarbeit als bei anderen. Für den auf ‚Naturkosmetika‘ spezialisierten Hersteller Yves Rocher musste gar eine Unterschriftensammlung organisiert werden. [5] Parallel wird versucht Mikroplastik in Kosmetika zu verbieten. Die Niederlande sowie einige US-Bundesstaaten haben dies bereits getan. In der Schweiz, in Deutschland und in der EU haben Parlamentarier oder EU-Mitgliedsländer derartige Verbote angeregt. mic

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[1] Mark Anthony Browne et al, in Environmental Science and Technology, 06.09.2011: Accumulations of microplastic on shorelines worldwide: sources and sinks (PDF)

[2] EU Projekt Life-Mermaids, ab Juli 2014: Mitigation of microplastics impact caused by textile washing processes

[3] The Plastic Soup Foundation

[4] The North Sea Foundation

[5] Bund Umwelt und Naturschuty Deutschland: Erfolg im Kampf gegen Mikroplastik – Yves Rocher: Kein Mikroplastik in Kosmetik!

China krempelt Weltfinanz um

Mehrere westliche Länder wollen sich an Chinas Entwicklungsbank beteiligen

China gründet eine neue Entwicklungsbank und auch viele europäische Länder wollen sich daran beteiligen. Abseits stehen die USA und Japan.

Die Weltbank wird von einem Amerikaner geführt, der Internationale Währungsfonds (IWF) von einer Europäerin und die asiatische Entwicklungsbank (ADB) von einem Japaner. Das war schon immer so und die Länder dieser Triade sehen auch keinen Grund daran etwas zu ändern. Um den Schwellenländer ein wenig entgegen zu kommen, haben die Mitglieder des IWF im Jahr 2010 beschlossen, das Kapital des Fonds zu verdoppeln und die Stimmrechte anzupassen. Denn bislang hat China weniger Stimmrechte als Grossbritannien und Brasilien liegt hinter Belgien. Doch das US-Parlament blockiert diese Reform. Die Gruppe der grössten Volkswirtschaften G20 zeigte sich beim letzten Gipfel darüber „tief enttäuscht“ und gab den USA eine letzte Frist: Ende 2014. Doch auch diese Frist verstrich ungenutzt. [1]

Hand drauf: Chinas Vizepremier Ma Kai und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble vereinbaren Deutschlands Beteiligung an Chinas Entwicklungsbank.  (Foto: Jörg Rüger, BMF)

Hand drauf: Chinas Vizepremier Ma Kai und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble vereinbaren Deutschlands Beteiligung an Chinas Entwicklungsbank. (Foto: Jörg Rüger, BMF)

Während die Reform der bestehenden Institutionen der Weltfinanz nicht voran kommt, geht China nun einen neuen Weg: Es gründet selber eine Entwicklungsbank, die Asian Infrastructure Investment Bank, kurz AIIB. Im Oktober 2014 haben China, Indien und 19 weitere Länder Asiens die Bank offiziell aus der Taufe gehoben. Damit reagierten sie auf den grossen Investitionsbedarf in Asien. In diesem Jahrzehnt müssen die Länder Asiens 8000 Milliarden Dollar in ihre Infrastruktur investieren, um die weitere wirtschaftliche Entwicklung zu sichern, schätzt die ADB. Ein Teil davon soll nun durch die chinesischen Währungsreserven gedeckt werden. Peking hat knapp 4000 Milliarden Dollar an Reserven angehäuft – genug um das Gründungskapital der AIIB von 100 Milliarden 40 mal zu decken. Derzeit ist ein Grossteil von Chinas Reserven in US-Staatsanleihen angelegt und dienen damit der Finanzierung der US-Regierung.

Die USA waren von der Gründung der AIIB wenig begeistert und haben ihren Verbündeten Japan, Südkorea und Australien bedeutet, sich von der Bank fernzuhalten. Doch Mitte März brach der Damm. Die britische Regierung kündigte an, sich an der AIIB zu beteiligen. Ein Vertreter der US-Regierung sagte daraufhin gegenüber der Financial Times: „Wir sind besorgt über den Trend, China ständig entgegen zu kommen. Dies ist nicht der beste Weg mit einer aufsteigenden Macht umzugehen.“ [2] Aber London blieb nicht lange allein. In den letzten Tagen kündigten Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg, die Schweiz, Österreich und zuletzt Australien an, sich ebenfalls an der AIIB beteiligen zu wollen. Diese Länder hoffen, als Gründungsmitglieder auf die Ausarbeitung der Statuten der neuen Bank Einfluss nehmen zu können, wie der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble betonte: „Wir wollen mit unserer Erfahrung beim Aufbau der neuen Bank beitragen, indem wir hohe Standards setzen.“ [3] Denn das ist der Hauptkritikpunkt der USA: „Wir sind besorgt, ob die AIIB hohen Standards entspricht, insbesondere hinsichtlich der Gouvernanz und dem Schutz der Menschen und der Umwelt“ etwa bei der Kreditvergabe für Staudämme.

Die bestehenden Finanzinstitutionen stehen der neuen Bank positiv gegenüber. IWF Chefin Christine Lagarde sagte, der IWF sei „hoch erfreut“ über die Aussicht mit der AIIB zusammenzuarbeiten und der Raum für mögliche Kooperationen sei „massiv“. [5] Positiv äusserten sich auch die Weltbank und die ADB. Chinas Präsident Xi Jinping sicherte derweil zu, die Bank werde multilaterale Regeln befolgen. Der erste Test für dieses Versprechen wird der Anteil Chinas an der Bank sein. Die USA halten weniger als ein Fünftel der Anteile am IWF und an der Weltbank. Bei der AIIB hingegen könnte China 49 Prozent des Aktienkapitals halten, während der Anteil für nicht-asiatische Länder auf 25 Prozent begrenzt ist. Wann über die Vergabe der ersten Kredite entschieden wird, ist noch unklar. Bis Ende dieses Jahres sollen die Statuten der Bank ausgearbeitet werden. Ausserdem müssen die einzelnen Länder entscheiden, wieviel Geld sie in die neue Bank investieren wollen. mic

 

Yuan soll Teil des IWF Währungskorbs werden

„Wir hoffen der Internationale Währungsfonds IWF kann die Fortschritte bei der Internationalisierung des Yuan voll berücksichtigen und den Yuan in den Währungskorb aufnehmen, der den IWF Sonderziehungsrechten unterliegt.“, sagte Yi Gang, der Vizepräsident der chinesischen Zentralbank. [6] Diese Sonderziehungsrechte (SZR) sind eine Parallelwährung des IWF. Sie beruhen auf einem Wärungskorb bestehend aus Dollar, Euro, Yen und dem britischen Pfund. Dieses Jahr soll die Zusammensetzung des Korbs neu festgelegt werden. IWF Chefin Christine Lagarde steht dem Wunsch Chinas offen gegenüber. Die Aufnahme des Yuan sei keine Frage des „ob“ sondern nur des „wann“. [7] Voraussetzung für die Aufnahme in den Korb ist, dass die Währung frei konvertierbar ist und wie gross ihr Anteil am Welthandel ist. Bei der letzten Anpassung des Währungskorbs im Jahr 2010 „erfüllte der Yuan das Exportkriterium, aber wurde als nicht frei konvertierbar eingeschätzt“ sagte IWF Sprecher Gerry Rice. [8] Dies gilt auch heute noch. Die chinesische Zentralbank lässt den Yuan nur innerhalb eines ‚Bandes‘ rund um einen Währungskorb schwanken. Doch China werde seine Finanzmärkte weiter öffnen, verspricht Yi Gang: „Egal ob und wann der Yuan Teil des SZR Korbs wird, China wird seine Finanzsektorreformen weiterführen und sich weiter öffnen.“ [6] Die Aufnahme in den IWF Korb wäre nicht nur ein Prestigegewinn für China, sondern würde es auch mehr ausländischen Notenbanken erlauben, einen Teil ihrer Währungsreserven in Yuan zu halten. mic

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[1] Weltinnenpolitik, 16.11.2014: Putin sorgt für Schlagzeilen, andere für G20 Sustanz

[2] Financial Times, 12.03.2015: US attacks UK’s ‘constant accommodation’ with China

[3] Wall Street Journal, 17.03.2015: Germany, France, Italy to Join China-Backed Development Bank

[5] BBC, 22.03.2015: Lagarde says IMF to co-operate with China-led AIIB bank

[6] Xinhua, 12.03.2015: China hopes RMB included in SDR basket in “near future”

[7] Reuters, 21.03.2015: IMF’s Lagarde says inclusion of China’s yuan in SDR basket question of when

[8] Xinhua, 13.03.2015: IMF says to study RMB’s international use for next SDR basket review later this year

Türkei wird zur Gaszentrale Europas

Gas aus Zentralasien und vielleicht aus Russland wird künftig durch die Türkei nach Europa gepumpt

Russland will die Ukraine umgehen, wenn es Europa mit Gas beliefert. Doch der Bau einer Pipeline nach Bulgarien wurde gestoppt. Nun hofft Russland, Europa über die Türkei beliefern zu können. Doch dazu müsste Europa in Milliardeninvestitionen einwilligen.

Die Diversifizierung der europäischen Gasimporte ist am Dienstag (17.3.) ein Stück voran gekommen: In der Türkei begann der Bau der Trans-Anatolien-Pipeline Tanap. Diese Röhre beginnt an der türkisch-georgischen Grenze und transportiert Gas aus Aserbaidschan in den Westen der Türkei (siehe Karte). Die 1850 Kilometer lange Pipeline soll 2018 fertig sein und rund zehn Milliarden Dollar kosten. Ab 2019 fliessen dann jährlich 16 Milliarden Kubikmeter Gas westwärts. Davon bekommt die Türkei sechs Milliarden und die EU zehn Milliarden Kubikmeter. Die EU übernimmt ihren Anteil an der türkisch-griechischen Grenze und transportiert das Gas dann durch die (noch zu bauende) Trans-Adria-Pipeline Tap über Albanien und durch die Adria nach Süditalien. Dort wird das Gas in das europäische Gasnetz eingespeist. Ab 2020 sollte damit der sogenannte ‚südliche Gaskorridor‘ die Abhängigkeit Europas von russischem Gas reduzieren. Dies wäre dann der vierte Korridor für Gasimporte. Die anderen drei kommen aus Russland, Norwegen und Nordafrika.

Ready to go: Russland hat bereits Schiffe für den Bau einer Pipeline durchs Schwarze Meer gechartert. Diese Kosten Tausende pro Tag. Daher würde Russland gerne schnell mit dem Bau von Turkish Stream beginnen. (Foto: Allseas)

Ready to go: Russland hat bereits Schiffe für den Bau einer Pipeline durchs Schwarze Meer gechartert. Diese Kosten Tausende pro Tag. Daher würde Russland gerne schnell mit dem Bau von Turkish Stream beginnen. (Foto: Allseas)

Der Baubeginn von Tanap stellt eine Niederlage für Russland dar, denn neuerdings will auch Russland Gas über die Türkei nach Europa exportieren. Ursprünglich plante Russland, Gas durch eine Pipeline namens ‚South Stream‘ nach Bulgarien zu pumpen. Doch in Folge der Ukrainekrise stoppte der russische Präsident Vladimir Putin im Dezember 2014 dann abrupt den Bau von South Stream. Kurz darauf gaben Putin und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Pläne für den Bau einer Pipeline von Russland in die Türkei bekannt, ‚Turkish Stream‘. Diese Pipeline soll wie Tanap die Türkei aber auch Europa mit Gas versorgen. Der russische Botschafter für die EU, Vladimir Chizrov, versuchte denn auch Tanap schlecht zu reden: Die Pipeline sei „aus technischer Sicht eine extreme Herausforderung“ und „exorbitant teuer“. [1] Derweil sieht der türkische Energieminister Taner Yildiz keine Konkurrenz zwischen den beiden Projekten. [1] Dabei sollen durch Turkish Stream sogar 63 Milliarden Kubikmeter Gas in die Türkei fliessen, 50 Milliarden davon für Europa. Das Problem: An der türkisch-griechischen Grenze gibt es aber nicht die nötige Infrastruktur, um soviel Gas weiter zu transportieren.

Von Baku nach Brindisi: Dank Tanap fliesst ab 2020 Gas aus Zentralasien nach Europa. Damit wird Europa unabhängiger von russischem Gas. (Karte: Wikipedia)

Von Baku nach Brindisi: Dank Tanap fliesst ab 2020 Gas aus Zentralasien nach Europa. Damit wird Europa unabhängiger von russischem Gas. (Karte: Wikipedia)

Damit die EU die erforderlichen Milliarden in diese Infrastruktur investiert, hat Gazprom angekündigt ab 2019 kein Gas mehr durch die Ukraine nach Europa zu liefern. Europa wäre damit gezwungen den grössten Teil der Gasimporte aus Russland statt an der ukrainischen Grenze und durch bestehende Pipelines an der türkisch-griechischen Grenze und durch neue Pipelines in Empfang zu nehmen. Die EU zeigte sich ob dieser Aussicht denn auch irritiert: „Wir sind gute Kunden. Wir zahlen viel Geld. Wir zahlen pünktlich und in harter Währung. Daher denke ich, wir sollten entsprechend behandelt werden.“, sagte der für die Energieunion verantwortliche Vizepräsident der EU-Kommission Maroš Šefčovič. [2] Ausserdem haben viele europäische Gaskonzerne langfristige Lieferverträge mit Gazprom. „Ich wäre sehr erstaunt, wenn Firmen, mit Verträgen die weit über das Jahr 2019 hinausgehen, morgen ihre Nachfrage von der Ukraine in die Türkei verlagern und froh wären dies zu tun.“, sagt Oliver Koch, der Chef der EU-Energieabteilung. [3] Hinzu kommt, dass immer mehr Alternativen zu russischem Gas zur Verfügung stehen. Zum einen liesse sich durch Tanap auch Gas aus Turkmenistan oder aus den kurdischen Provinzen im Irak Richtung Europa befördern. Falls eine Beilegung des Atomstreits mit dem Iran gelingt, bestünde sogar die Möglichkeit, dass iranisches Gas durch Tanap fliesst. Und zum anderen fällt der Preis für Flüssiggas: Seit Januar 2014 ist der Preis von rund 50 auf 30 US-Cents pro Kubikmeter Gas gefallen. Da die globale Flüssiggas-Exportkapazität weiter ansteigt, ist auch nicht mit einem baldigen Anstieg der Preise zu rechnen. [4]

Noch ist also unklar, ob der russische Plan aufgeht, die Ukraine zu umgehen indem Europa mit dem Umweg über die Türkei beliefert wird. Einen klaren Gewinner gibt es aber schon heute: die Türkei. Am Mittwoch (18.3.) wurde bekannt, dass Russland der Türkei einen Rabatt von 10,25 Prozent auf den Gaspreis einräumt. Denn am liebsten würde Russland morgen mit dem Bau von Turkish Stream anfangen. Die Schiffe für den Bau von South Stream wurden bereits gechartert und könnten jederzeit mit dem Bau einer Pipeline durch das Schwarze Meer beginnen, egal ob nach Bulgarien oder in die Türkei. Doch die Türkei dürfte Russland noch eine Weile zappeln lassen, während die Charterkosten für die Spezialschiffe weiterlaufen. Vielleicht lässt sich ja noch ein bisschen mehr Rabatt heraushandeln. mic

 

Russland und die Ukraine verhandeln wieder über Gas

Unter Vermittlung der EU haben am Freitag (20.3.) Russland und die Ukraine ihre Verhandlungen über die Gaslieferungen an die Ukraine wieder aufgenommen. Ende März läuft das Abkommen aus, das die russischen Gasexporte in die Ukraine während der Wintermonate geregelt hat. Nun strebt die EU ein Abkommen an, das nicht nur einige Monate sondern bis Herbst nächsten Jahres gilt. Dann entscheidet ein internationales Schiedsgericht, ob Russland seine Marktmacht gegenüber der Ukraine missbraucht und überhöhte Preise gefordert hat. Die Verhandlungsposition der Ukraine hat sich im Vergleich zum Herbst letzten Jahres verbessert. Das Land bezieht mittlerweile einen Teil seines Gasbedarfs aus der EU, insbesondere aus Slowakien. Zudem ist der ukrainische Gasbedarf gesunken, da die von Separatisten kontrollierten Gebiete Donetsk und Luhansk ihr Gas direkt aus Russland beziehen. Die Ukraine geht denn auch selbstbewusst in die Verhandlungen. Zum einen will sie den Gaspreis auf von 27 auf rund 25 US-Cents pro Kubikmeter drücken zu können. [5] Und zum anderen will Kiew die Gebühr für den Transit von russischem Gas in die EU um ein Drittel erhöhen. [5] Zumindest beim Gaspreis signalisiert Russland bereits Kompromissbereitschaft: “Hinsichtlich eines Rabatts – dieser Wird von der Regierung gewährt. Das ist unser guter Wille.“, sagte der russische Premierminister Dmitri Medvedev im Vorfeld der Verhandlungen. [6] mic

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[1] Euractiv, 17.03.2015: Turkey and Azerbaijan begin construction of TANAP pipeline

[2] Project Syndicate, 26.02.2015: Putin’s Gas Problem

[3] Reuters, 13.02.2015: Even with Turkish Stream, Russia can’t avoid sending gas via Ukraine

[4] The Economist, 28.02.2015: Golden scenarios

[5] Reuters, 11.03.2015: Ukraine wants to discuss raising Russian gas transit tariff 30 pct

[6] The Moscow Times, 18.03.2015: Russia Ponders Discount as Ukraine Winter Gas Deal Set to Expire

Klimaverhandlungen starten gut ins entscheidende Jahr

Klimadiplomaten einigen sich auf Ausgangstext für die diesjährigen Verhandlungen

Ende dieses Jahres soll ein neuer Weltklimavertrag verabschiedet werden, der – zumindest perspektivisch – die Klimaerwärmung auf zwei Grad begrenzt. Dafür wurde nun einer erster, wichtiger Schritt getan.

Das vergangene Jahr war das wärmste seit Beginn der Temperaturaufzeichnung vor rund 130 Jahren und die zehn wärmsten Jahre fielen alle in die Zeit von 1998 bis heute. Damit es nicht immer wärmer wird, wollen die Länder der Welt im Dezember dieses Jahres in Paris einen neuen Weltklimavertrag verabschieden. Darin sollen sich alle Länder und nicht nur die Industriestaaten zur Reduktion ihrer Emissionen verpflichten. In der vergangenen Woche fand in Genf eine erste Vorbereitungskonferenz für Paris statt. Dort haben sich die Klimadiplomaten auf einen ersten Entwurf des neuen Weltklimvertrags geeinigt, aufgrund dessen weiterverhandelt werden soll.

Die drei Musketiere der Klimaverhandlungen: Christiana Figueres und die beiden neuen Co-Chairs der ADP Verhandlungen Ahmed Djoghlaf (Algerien, links) und Daniel Reifsnyder (USA, rechts). (Foto: IISD)

Die drei Musketiere der Klimaverhandlungen: Christiana Figueres und die beiden neuen Co-Chairs der ADP Verhandlungen Ahmed Djoghlaf (Algerien, links) und Daniel Reifsnyder (USA, rechts). (Foto: IISD)

Der Text entspricht aber noch eher einer Ideensammlung: Alle Länder hatten die Gelegenheit ihre Wünsche einzubringen. „Es ist, als ob 195 Autorn versuchen würden, gemeinsam ein Buch zu schreiben“ sagt Ahmed Sareer aus den Malediven, der Sprecher der Verhandlungsgruppe der kleinen Inselstatten. Die Sammlung aller Ideen sei daher „ein nötiger Schritt“ gewesen, sagt Sareer, „um sicherzustellen, dass sich alle Länder mit dem Text identifizieren können.“ [1] Die Stimmung in Genf war denn auch gut, aber „es ist unklar, inwiefern das damit zusammenhängt, dass in Genf nicht wirklich verhandelt wurde.“, sagt Alix Mazounie, vom Klimanetzwerk CAN.

Ob die gute Stimmung anhält, zeigt sich spätestens im Juni. Dann treffen sich die Klimadiplomaten in Bonn um den mittlerweile 86 Seiten langen Text wieder zu kürzen. Eine der wichtigsten Fragen ist dabei die Unterscheidung zwischen Industrie- und Entwicklungsländern. Im Moment beruht diese auf einer Liste aus dem Jahr 1992. Doch mittlerweile ist China der grösste Emittent von CO2 und einige ‚Entwicklungsländer‘ sind wohlhabender als Industriestaaten. Eine Möglichkeit besteht darin, dass die Länder selber entscheiden, wie ‚entwickelt‘ sie sind und welchen Beitrag, sie zum Klimaschutz leisten wollen. Doch es gibt auch neue Vorschläge: Äthiopien will zwar an einer Zweiteilung der Welt festhalten, jedoch Indikatoren festlegen, wann ein Land zum ‚Industriestaat‘ befördert wird. Und Brasilien schlägt vor, ein System mit mehr als zwei Gruppen zu schaffen. Indien vertritt derweil weiter seine legalistische Position: “Die Kategorien der UN-Klimakonvention kann man nicht ändern.“, sagt Shankar Prasad, der Leiter der indischen Delegation. [2]

Der EU und der Schweiz ist es wichtig, dass sich nicht nur die Entwicklungsländer stärker an Klimaschutz beteiligen, sondern dass auch der internationale Flug- und Schiffsverkehr einen Beitrag leistet. Diese beiden Sektoren tragen derzeit je rund drei Prozent zu den globalen CO2 Emissionen bei. Doch bis 2050 werden die Emissionen des Flugverkehrs um 270 Prozent und die des Schiffsverkehr um 250 Prozent wachsen. Dann wären diese beiden Sektoren für rund ein Viertel der totalen CO2 Emissionen verantwortlich, wenn die anderen Emissionen wie nötig sinken. Doch bislang passiere in diesen beiden Sektoren zu wenig, beklagt Bill Hemmings vom Brüsseler Forschungsinstitut Transport and Environment: „Das Thema ist noch nicht einmal auf der Agenda der UN-Schifffahrtsorganisation IMO. Die UN-Luftverkehrsorganisation ICAO hat versprochen, bis 2016 zu handeln, aber operiert mit totaler Geheimhaltung. Beide Sektoren sind von Treibstoffsteuern ausgenommen. Daher wäre eine Abgabe auf Emissionen sinnvoll.“ [3] mic

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[1] Reuters, 11.02.2015: UN deal to combat global warming complicated as length of draft text balloons

[2] Niti Central, 13.02.2015: US move to make UNFCCC changes rejected by developing nations

[3] Financial Times, 12.02.2015: Talks target emissions cap on airline and shipping industries

“Um TTIP zu retten muss man den Investorenschutz rauswerfen”

Der Widerstand gegen TTIP nimmt zu. Daher sollte die EU ein ‘TTIP Light’ Abkommen anstreben, fordert Prof. Sebastian Dullien

Prof. Sebastian Dullien

Prof. Sebastian Dullien

Sebastian Dullien, 39, ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule für Technik und Wirtschaft, Berlin. Dullien ist ausserdem Senior Policy Fellow beim European Council on Foreign Relations, einem paneuropäischen Think Tank. Dort hat er soeben eine neue Studie veröffentlicht ‚A Fresh Start for TTIP‘, in der er und seine beiden Co-Autoren einen Neustart für die Verhandlungen über TTIP fordern. [1]

 

 

Sie fordern einen Neustart bei den TTIP Verhandlungen. Warum ist das nötig?

Die EU Kommission ist damit gescheitert, TTIP der Bevölkerung zu verkaufen. In Deutschland und Europa wächst der Widerstand gegen TTIP. Insbesondere die Idee, den Investorenschutz und die Schiedsgerichte über TTIP einzuführen, ist schwierig. Das hat die Öffentlichkeit gemerkt. Den Leuten das wieder auszureden, ist mit einer PR Kampagne kaum noch möglich. Um TTIP zu retten muss man den Investorenschutz rauswerfen. Dazu braucht man einen Neustart.

Warum ist der Investorenschutz so problematisch?

Die Liste der Kritik ist lang. Die Schiedsgerichte sind intransparent. Es gibt keine Rechtsgrundlage, was Staaten machen dürfen und was nicht. Oft zweifelt man an der Unabhängigkeit der Schiedsgerichte, weil da Anwälte drin sitzen, die bereits die Firmen vertreten haben, um die es gerade geht. Ausserdem werden einheimische Unternehmen benachteiligt: Wenn eine einheimische und ein ausländische Firma unter die gleiche Regulierung fallen, dann muss die einheimische Firma den inländischen Gerichtsweg gehen, während die ausländische Firma über Schiedsgerichte gehen kann. Das addiert sich so. Dabei haben die Schiedsgerichte keinen nachweisbaren Nutzen: Die UN-Welthandels- und Entwicklungskonferenz Unctad hat gezeigt, dass es keine nachweisbaren positiven Effekte auf die ausländischen Direktinvestitionen gibt.

Warum sind ausgerechnet die Deutschen gegen TTIP? Profitiert nicht gerade der ‚Exportweltmeister‘ von einem Freihandelsabkommen?

Deutschland würde mit am meisten von TTIP profitieren. Wenn es ein reines Freihandelsabkommen über Zölle gewesen wäre, dann hätte in Deutschland auch kein Hahn danach gekräht. Die Deutschen sind wegen der Schiedsgerichte kritisch. Das hat zwei Hintergründe. Beim NSA Skandal haben die Deutschen gesehen, dass deutsche und amerikanische Interessen nicht immer deckungsgleich sind. Ausserdem reagieren die Deutschen sensibel, wenn man die Autonomie der Kommunen, der Länder oder auch des Bundes angreifen möchte. Die Schiedsgerichte schüren diese Ängste insbesondere, da in den letzten Jahren zwei grosse Fälle gelaufen sind. Einmal mit dem Kohlekraftwerk Moorburg in Hamburg, wo die neue Landesregierung die Standards erhöht hat und Vattenfall dann auf Schadensersatz geklagt hat. Der zweite Fall ist der Atomausstieg, wo ebenfalls Vattenfall vor einem Schiedsgericht mehrere Milliarden an Kompensationen fordert. Das sind Fälle, wo der Durchschnittsdeutsche sagt: Das darf die Politik machen und es kann nicht sein, dass Unternehmen in solchen Fällen klagen und damit die Politik blockieren können.

Warum sind die Schiedsgerichte für die USA so wichtig?

Zum einen haben die Amerikaner eine ganze Reihe von Grosskonzernen, die international tätig sind. Die haben ein Interesse im Ausland ihre Interessen durchzusetzen. Zum anderen geht es den USA auch darum, einen Präzedenzfall im Hinblick auf China zu schaffen. China hat sich immer geweigert, von den USA geforderte Kompetenzen für Schiedsgerichte zu akzeptieren, und die USA hoffen, ihre Verhandlungsmacht zu erhöhen.

Sie fordern aber nicht nur die Schiedsgerichte aus TTIP rauszunehmen, sondern schlagen eine noch weitergehende ‚Verschlankung‘ von TTIP vor.

Wir wollen die Dinge drin haben, die man schnell regeln kann. Das sind die Zölle und einige Standards etwa im Autosektor. Da sieht einfach der Blinker anders aus, oder da muss der Crashtest zweimal gemacht werden. Das kann man schnell abhaken. Aber Bereiche, wo es vollständig andere Regulierungsphilosophien gibt wie bei Chemikalien, sollte man vorerst weglassen.

In Europa gilt im Chemiebereich das Vorsichtsprinzip. Wenn nicht nachgewiesen ist, dass etwas unschädlich ist, dann darf man das nicht auf den Markt bringen. Die Amerikaner sind da weniger strikt. Das liegt aber auch am amerikanschen Haftungsrecht. Wenn eine amerikanische Firma ein schädliches Produkt auf den Markt bringt, dann muss sie richtig viel zahlen. Das zeigt, dass man nicht Regulierungen von einem Land ins andere übernehmen kann, ohne sich die anderen gesetzlichen Regelungen anzugucken.

Sie möchten, dass TTIP ein ‚lebendes Abkommen‘ wird. Was ist das?

Bei einem ‚Lebenden Abkommen‘ werden Verfahren definiert, wie Standards in der Zukunft harmonisiert werden können. Diese Verfahren müssten natürlich einer demokratischen Kontrolle unterliegen. Aber mit diesen Verfahren könnte man dann auch eine Harmonisierung in den anderen Bereichen vorantreiben. Das würde erlauben, dass man TTIP schnell abschliesst, möglichst vor den Präsdentschaftswahlen in den USA.

Lohnt sich TTIP überhaupt noch, wenn man viele Bereiche wieder rausnimmt?

TTIP bringt nicht so viel wie man ursprünglich gedacht hat. Mit unserem Vorschlag steigt das BIP vielleicht um 0,1 bis 0,3 Prozent. Das ist wirklich nicht viel. Andererseits, wenn es nur um den Abbau von Zöllen geht, dann tut das nicht weh. Es gibt einige Branchen, die davon profitieren, nicht zuletzt in den Krisenländern. So sind italienische Lederschuhe mit relativ hohen Zöllen behaftet. Wenn man diese Zölle abbaut, kommt das direkt den italienischen Schuhproduzenten zu gute. Oder die Textilproduktion in Portugal. Da gibt es Zölle, die auch relativ hoch sind. Da man mit TTIP schon mal angefangen hat, kann man diese Vorteile auch mitnehmen.

Es heisst immer TTIP hätte vor allem auch strategische Bedeutung. Es sei das Gegenstück zur Nato.

TTIP hat ein ganz wichtige strategische Bedeutung. Wenn man ehrlich ist, dann ist das der wichtigere Grund, warum man mit TTIP überhaupt angefangen hat. Derzeit verhandeln die USA mit einigen Ländern rund um den Pazifik ein weiteres Freihandelsabkommen (siehe unten). Wenn es den USA gelingt dieses Abkommen abzuschliessen, während TTIP scheitert, besteht die Gefahr, dass Europa abgehängt wird. Um das zu vermeiden reicht aber auch ein eher enges TTIP.

Ist es möglich TTIP noch vor den US Präsidentschaftswahlen im November 2016 abzuschliessen?

In Brüssel wird mit Hochdruck verhandelt und EU Komission hofft, noch vor den Wahlen zu einem Abschluss zu kommen. Nur wenn die Schiedsgerichte drin bleiben, dann besteht das Problem, dass es ein ‚gemischtes Abkommen‘ ist, und alle 28 Parlamente der EU Länder zustimmen müssen. Das könnte Verzögerungen geben oder das Vorhaben ganz scheitern lassen. Wenn man ein einfacheres Abkommen hat, sehe ich keinen Grund, warum man das nicht noch dieses Jahr ratifizieren könnte.

 

Die Konkurrenz zu TTIP

Zwölf Länder rund um den Pazifik verhandeln seit mehreren Jahren über die Transpazifische Partnerschaft TPP. Gemäss Michael Froman, dem US-Handelsbeauftragten, steht ein Abschluss in „einer kleinen Zahl von Monaten“ bevor. [2] Damit entstünde eine Freihandelszone, die 40 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung abdeckt und die USA, Japan, Kanada, Mexiko, Australien, Neuseeland, Chile, Peru, Brunei, Malaysia, Singapur und Vietnam umfasst. Die schwierigsten verbleibenden Fragen müssen von den USA und Japan bilateral geklärt werden: der Handel mit Autos und Agrarprodukten. Mit der Wiederwahl des japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe im Dezember 2014, hat dieser in den Augen vieler Beobachter das Mandat der Wähler, der japanischen Bauernlobby Zugeständnisse abzutrotzen. Gleichzeitig arbeitet das von Republikanern dominierte US-Parlament an einem Gesetz, das Handelsabkommen erleichtert. Erhält US-Präsident Barack Obama die sogenannte ‚Autorität zur Förderung des Handels‘ (TPA), kann das US-Parlament ein Handelsabkommen nur noch annehmen oder verwerfen und nicht wie andere Gesetze abändern. Aus Sicht von Froman ist das Jahr 2015, denn auch ein „kritisches Jahr für den Handel“ – mit oder ohne TTIP. [2] mic

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[1] ECFR, Februar 2015: AFresh Start for TTIP

[2] Bridges, 05.02.2015: TPP Talks See Progress in New York as Officials Suggest Deal Within Months

Russlands Karten werden immer schlechter

Nach dem Ölpreis fällt auch der Gaspreis, während billige Kohle die Gasnachfrage dämpft

Über Jahrzehnte waren Russland und Europa von einander abhängig: Europa brauchte Gas und Russland die Einnahmen. Doch nun sinkt der Gaspreis weltweit und Europa hat die Möglichkeit immer mehr Flüssiggas zu importieren.

Das vergangene Jahr war nicht gut für Russland. Der Ölpreis fiel um rund 60 Prozent wie auch der Rubel. 150 Milliarden Dollar sind aus Russland abgeflossen, ein neuer Rekord bei der Kapitalflucht. [1] Russische Staatsanleihen liegen aus Sicht der Rating Agenturen nur noch knapp über Ramschniveau. Die Inflation liegt über zehn Prozent und dem Land droht eine Rezession von fünf Prozent. Das hat auch Spuren in der Bilanz von Gazprom hinterlassen: Im dritten Quartal 2014 fiel der Gewinn um 62 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. [2] Dabei hatte im dritten Quartal 2014 der Ölpreisverfall noch kaum Spuren im Gaspreis hinterlassen. Bei vielen der langfristigen Lieferverträgen wird der Gaspreis erst nach sechs Monaten an den Ölpreis angepasst. Doch nun hat sich der Ölpreis deutlich unter 60 Dollar pro Barrel (159 Liter) Öl der Nordseesorte Brent eingependelt, was ab April zu tieferen Gaspreisen führt: Statt bei 350 Dollar für 1000 Kubikmeter Gas wie in den ersten neun Monaten des letzten Hahres wird der Preis dieses Jahr bei 200 bis 250 Dollar liegen schätzt der Analyst Alexander Kornilov von der russischen Alfa Bank. [2]

Putins Albtraum: Dank Flüssiggastankern kann Europa sein Gas auch auf dem Weltmarkt einkaufen. Seit die Gaspreise fallen, lohnt sich das sogar. (Grafik: Wikimedia)

Putins Albtraum: Dank Flüssiggastankern kann Europa sein Gas auch auf dem Weltmarkt einkaufen. Seit die Gaspreise fallen, lohnt sich das sogar. (Grafik: Wikimedia)

Der Gaspreis sinkt aber nicht nur, weil viele Lieferverträge an den Ölpreis gekoppelt sind, sondern weil auch im Gasmarkt ein Überangebot besteht. Die Gasnachfrage wird durch zwei Faktroren beeinträchtigt: Die Wirtschaft in China, Europa und Japan wächst noch immer nur schleppend. Zudem ist der Preis für Kohle so stark gefallen, dass auch ein niedrigerer Gaspreis nicht zu einer Verdrängung von Kohle bei der Stromerzeugung führt. Russische Kohle kostet in Europa noch 50 Dollar während der Preis vor einem Jahr noch bei 83 Dollar lag. [3] Hinzu kommt, dass dieses Jahr in den USA rund fünf Prozent aller Kohlekraftwerke stillgelegt werden, weil sie neuen Auflagen gegen Luftverschmutzung nicht genügen. Damit drängt noch mehr US-Kohle auf den Weltmarkt.

Auf der Angebotsseite nimmt dieses Jahr die Menge an Flüssiggas deutlich zu. In Australien, den USA und Indonesien gehen insgesamt sechs neue Terminals in Betrieb in denen Gas verflüssigt wird. Damit steigt das weltweite Angebot an Flüssiggas um zehn Prozent und sorgt für ein Überangebot bis ins Jahr 2023 schätzen die Analysten von Bernstein Research. [4] Dabei ist die Preisdifferenz zwischen dem teureren, asiatischen und dem billigeren, europäischen Gasmarkt bereits auf ein Zehntel gefallen. Damit lohnt es sich auch für Europas Gaskonzerne Flüssiggas zu kaufen. Der schwedische Energiekonzern Vattenfall schätzt, dass Europa dieses Jahr knapp ein Fünftel mehr Flüssiggas kauft als 2014. „Die Preise in Asien fallen aus einem Grund. Es ist entweder die Nachfrage oder das Angebot oder beides. Das bedeutet, dass Qatar nichts anderes übrig bleibt, als mehr Flüssiggas nach Europa zu schicken.“, sagt Frank van Doorn, der bei Vattenfall für den Gashandel zuständig ist. Qatar ist der grösste Exporteur von Flüssiggas weltweit. „Wieviel Flüssiggas schliesslich nach Europa kommt ist schwierig zu sagen, aber es wird sicherlich Druck auf die Preise ausüben.“ [5]

Aus europäischer Sicht haben Flüssiggasimporte einen doppelten Vorteil: Zum einen sinkt dadurch der Gaspreis und zum anderen wird Europa unabhängiger von russischen Gaslieferungen. Bislang wurde rund 30 Prozent der europäischen Gasnachfrage mit russischem Gas gedeckt. Sogar die Ukraine braucht immer weniger russisches Gas: „Im Jahr 2015 planen wir, dass 60 Prozent des Gases aus Richtung der EU kommt.“, sagt Andriy Kobolyev, der Chef des ukranischen Gaskonzerns Naftogaz. Trotzdem droht Russland, den Gaspreis für die Ukraine im April um 100 Dollar anzuheben. Dann läge der Preis bei rund 450 Dollar und wäre „nicht mehr konkurrenzfähig“. „Russland sollte akzeptieren, dass sich die Märkte verändert haben.“, sagt Kobolyev. [6] Dem stimmt auch der Analyst Daragh McDowell von Verisk Maplecroft zu: „Da sind all diese Faktoren, die schlecht sind für Russlands Position als ein Lieferant von Gas für Europa. Russlands Hand ist schwach und wird immer schwächer.“ [7] Das dürfte sich dann auch im russischen Staatshaushalt zeigen, da Gas 14 Prozent der russischen Exporte ausmacht. „Hinsichtlich der Einnahmen hat Gas einen geringeren Anteil als Öl. Aber wenn man eh schon eine schlechte Haushaltslage hat, dann wird alles ‚wichtig‘.“, sagt die Analystin Lelsie Palti-Guzman von der Eurasia Group, einer Firma, die auf politische Risiken spezialisiert ist. [7] Die russische ‚Gaswaffe‘ könnte nach hinten losgehen. mic

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[1] Anadolu Agancy, 17.01.2015: Russia’s capital flight highest ever in 2014

[2] Wall Street Journal, 29.01.2015: Gazprom Braces for Oil Price Impact

[3] Powersource, 31.01.2015: Coal keeps sliding as OPEC-like tactic stymied by dollar

[4] Business Recorder, 26.01.2015: Global Gas Prices to Sink Further in Coming Months

[5] Bloomberg, 29.01.2015: EU Gas Prices Prone to Declines on LNG Supplies, Vattenfall Says

[6] Wall Street Journal, 29.01.2015: Why Russia’s Grip on Europe’s Gas Markets Is Weakening

[7] Hellenic Shipping News, 09.01.2015: Add Natural Gas Prices to Putin’s Long List of Problems