weltinnenpolitik.net Rotating Header Image

Der Ölpreis fällt wieder

US-Schieferöl und Libyen machen Effekt von Opec-Deal zunichte

Pünktlich zur Reisezeit fällt der Ölpreis. Der Versuch des Ölkartells Opec, den Preis hochzutreiben, ist gescheitert. Was Autofahrer freut, sorgt für Haushaltsdefizite in Ländern wie Saudi Arabien.

Der Ölpreis ist innert eines Monats um 15 Prozent gefallen. Ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Brent ist jetzt für 45,90 Dollar zu haben. So wenig hat Öl zuletzt im November letzten Jahres gekostet. Damals beschloss das Ölkartell Opec zusammen mit Russland die Ölproduktion um 1,8 Millionen Fass pro Tag oder zwei Prozent der globalen Fördermenge zu reduzieren. Dieser Deal galt zunächst für ein halbes Jahr und vermochte den Preis auf bis zu 57 Dollar hochzutreiben (siehe Grafik). Im Mai diesen Jahres wurde der Deal um weitere neun Monate bis März 2018 verlängert. Trotzdem herrscht auf dem Ölmarkt nachwievor ein Überangebot.

Drei Jahre Schmerz. Vor drei Jahren kollabierte der Ölpreis und fiel von über 100 Dollar auf bis zu unter 30 Dollar. (Grafik: Screenshot Bloomberg)

Drei Jahre Schmerz. Vor drei Jahren kollabierte der Ölpreis und fiel von über 100 Dollar auf bis zu unter 30 Dollar. (Grafik: Screenshot Bloomberg)

In den letzten Monaten haben drei Länder ihre Ölförderung gesteigert: die beiden Opec-Mitglieder Nigeria und Libyen und die USA. Nigeria und Libyen waren von den Opec-Förderkürzung ausgenommen, da ihre Produktion im November letzten Jahres wegen Bürgerkriegs (Libyen) und schweren Unruhen (Nigeria) deutlich unter der normalen Fördermenge lag. Doch nun normalisiert sich die Ölproduktion in diesen Ländern wieder. Allein im Mai konnten die beiden Länder 340‘000 Fass pro Tag mehr aus dem Boden pumpen als noch im April und die Produktion steigt weiter. [1 s. S. 51] „Opec hat guten Willen gezeigt als es einige Länder von der Förderkürzung ausgenommen hat“, sagt Lukman Otunuga von der Devisenhandelsplattform Fxtm. „Doch das rächt sich jetzt.“[2]

Kollaps. Der Preisrutsch beim Öl könnte Venezuela endgültig in den Staatsbankrott treiben. (Foto: ビッグアップジャパン / Flickr)

Kollaps. Der Preisrutsch beim Öl könnte Venezuela endgültig in den Staatsbankrott treiben. (Foto: ビッグアップジャパン / Flickr)

Noch schneller steigt allerdings die Ölproduktion in den USA. Insbesondere Firmen, die mit der Fördertechnik ‚Fracking‘ Schieferöl fördern, können ihre Produktion sehr schnell ausweiten, wenn der Ölpreis steigt. So hat sich die Zahl der Bohrtürme in den letzten neun Monaten mehr als verdoppelt und die Ölproduktion ist um gut 800‘000 Fass pro Tag gestiegen. Damit haben die drei Länder gut die Hälfte der Förderkürzung durch die anderen Opec-Länder und Russland kompensiert. Die Opec-Förderkürzung werde als „Opec-Versagen und US-Gewinn“ gesehen, sagt denn auch Tony Headrick von CHS Hedging, einem US-Rohstoffbroker. [3]

Gewinner sind auch die Konsumenten in Europa und vor allem Autofahrer just zu Beginn der Ferienzeit. Verlierer sind hingegen Ölförderländer wie Saudi Arabien. Dieses hat bereits zwei magere Jahre hinter sich: Vorletztes Jahr lag das Haushaltsdefizit bei 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und letztes Jahr sogar bei über 17 Prozent. [4] Vor einem Monat, bei einem Ölpreis von über 50 Dollar haben Analysten gemäss einer Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg mit einem Defizit von knapp acht Prozent in diesem Jahr gerechnet. [5] Wie das Defizit bei einem Preis von 45 Dollar aussieht, ist aber noch nicht bekannt. Unklar sind auch noch die Auswirkungen auf eines der wichtigsten Projekte des neuen Kronprinzen Mohammed bin Salman: den Börsengang von Saudi Aramco, der staatlichen Ölfirma. Bin Salman will nächstes Jahr fünf Prozent der voraussichtlich wertvollsten Firma der Welt in London oder New York an die Börse bringen. Doch wieviel Saudi Aramco Wert ist hängt auch vom Ölpreis ab. Bin Salman hat die Firma in der Vergangenheit mit zwei Billionen Dollar (2‘000 Milliarden) bewertet. Analysten sehen den Preis aber näher bei einer Billion. [6]

Geradezu katastrophale Folgen dürfte der Preisrutsch in Venezuela haben. Das Land leidet unter einer schweren Wirtschaftskrise und steht kurz vor dem Staatsbankrott. Zudem wird Venezuela seit knapp drei Monaten von heftigen Unruhen erschüttert, die schon mehr als 70 Tote gefordert haben. mic

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Dann abonnieren Sie doch weltinnenpolitik.net per RSS oder Email
oder folgen sie der Facebook Seite

[1] Opec, 13.06.2017: Monthly Oil Market Report – June 2017 (PDF)

[2] The Guardian, 21.06.2017: Business Live

[3] Wall Street Journal, 20.06.2017: Oil Returns to Bear Market

[4] TradingEconomics, Stand 21.06.2017: Saudi Arabia Government Budget

[5] Bloomberg, 11.05.2017: Saudi Quarterly Budget Deficit Narrows With Oil Income Surge

[6] Oilprice, 20.06.2017: Why Is Saudi Arabia Desperate For Higher Oil Prices?

US-Senat nimmt deutsch-russische Gaspipeline ins Visier

Deutschland und Österreich protestieren scharf gegen US-Sanktionen für Nord Stream Pipeline

Die Nord Stream 2 Pipeline von Russland nach Deutschland ist hoch umstritten. Doch nun kommt ein weiterer Faktor ins Spiel: Der US-Senat will Firmen sanktionieren, die Russland beim Gasexport helfen. Das trifft auch deutsche Energiekonzerne.

So einig war sich der US-Senat schon lange nicht mehr. Mit 98 gegen 2 Stimmen verabschiedete der Senat neue Sanktionen gegen Russland. Damit solle „Russlands Einmischung in unsere Wahl“ gestoppt werden, sagte Chuck Schumer, der Fraktionschef der Demokraten im Senat. [1] Ausserdem wolle der Senat verhindern, dass US-Präsident Donald Trump die Sanktionen gegen Russland aufhebt oder aufweicht. „Sollte der Präsident die Idee haben, er könne die Sanktionen von sich aus aufheben, dann zerschmettert dieses Gesetz diese Idee.“ [1] Für Russlands Präsidenten Vladimir Putin sind die neuen Sanktionen daher „ein Zeichen für die andauernden, internen Machtkämpfe in den USA.“ [2]

Doppelröhre. Ein Ingenieur inspiziert die ersten Röhren der Nord Stream 2 Pipeline. (Foto: Nord Stream 2 AG / © Axel Schmidt)

Doppelröhre. Ein Ingenieur inspiziert die ersten Röhren der Nord Stream 2 Pipeline. (Foto: Nord Stream 2 AG / © Axel Schmidt)

Die Verschärfung der Sanktionen könnte aber auch Folgen für Europas Energieversorgung haben. Bislang waren russische Energieexporte von den US- und EU-Sanktionen ausgenommen. Das soll sich nun ändern: Neu sind auch Firmen im Visier, die Russland beim Export von Öl und Gas helfen. Der republikanische Senator Mike Crapo sagte denn auch: Firmen, die „in den Bau von russischen Exportpipelines investieren“ würden nun sanktioniert. [2] Das betrifft alle Mitglieder des Konsortiums, das die zweite Ostsee-Gaspipeline, Nord Stream 2, bauen will – also Wintershall (Teil des BASF Konzerns) und Uniper (vormals Eon) aus Deutschland sowie die niederländische Shell, die französische Engie (vormals GDF Suez) und das österreichische Unternehmen OMV sowie alle Zulieferer der neuen Pipeline.

Die Reaktion aus Berlin und Wien kam denn auch prompt. Bundesaussenminister Sigmar Gabriel und und Österreichs Bundeskanzler Christian Kern teilten mit: „Die Drohung mit völkerrechtswidrigen extraterritorialen Sanktionen gegen europäische Unternehmen“ könnten sie „nicht akzeptieren“. [3] Und weiter: „Europas Energieversorgung ist eine Angelegenheit Europas und nicht der USA!“ Zudem vermuten sie wirtschaftliche Interessen hinter den neuen Sanktionen. „In bemerkenswerter Offenheit beschreibt der US-Gesetzentwurf, worum es eigentlich geht: um den Verkauf amerikanischen Flüssiggases und die Verdrängung russischer Erdgaslieferungen vom europäischen Markt.“ [3] Gabriel und Kern hoffen daher, dass das Gesetz noch gestoppt wird. Bevor es in Kraft treten kann, benötigt es noch die Zustimmung des US-Repräsentantenhauses und die Unterschrift von Trump.

Dieser könnte an dem Gesetz aber durchaus gefallen finden. Nachdem Polen letzte Woche die erste Lieferung von US-Flüssiggas erhalte hatte, teilte die Trump-Regierung mit: Gasexporte „sichern US-Jobs, reduzieren die Energiekosten für unsere Partner und tragen zu Europas Energiesicherheit bei“. [2] Zudem gibt es noch ein Argument aus der Obama-Ära, warum die USA Nord Stream 2 ablehnen: Die Pipeline diene einzig dazu, die Ukraine bei Gaslieferungen von Russland nach Europa zu umgehen – mit schwerwiegenden Konsequenzen für die Ukraine. Diese verdient rund zwei Milliarden Dollar pro Jahr mit Transitgebühren für Gas. Ausserdem verdienen einige EU-Länder wie Slowakien und Tschechien an der Weiterleitung von Gas nach Westen. Aus diesem Grund ist Nord Stream 2 auch in Europa umstritten. Die baltischen Staaten, Polen aber auch die EU-Kommission lehnen die Pipeline ab.

Aus diesem Grund würde die EU-Kommission gerne direkt mit Russland über die verschiedenen Pipelines verhandeln und bemüht sich derzeit um ein Verhandlungsmandat von den EU-Staaten. EU-Kommissar Maroš Šefčovič sagte: Nord Stream 2 hätte Auswirkungen „für die gesamte Architektur der europäischen Gasnetzwerke“ mit weitreichenden Folgen: „Die Pipeline hat das Potential negativer Auswirkungen auf Zentral- und Osteuropa und sie könnte verheerende Folgen für die Ukraine haben.“ [4] Aus Sicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel ist ein EU-Verhandlungsmandat aber nicht erforderlich: „Von meiner Seite aus gibt es Rechtsfragen im Zusammenhang mit Nord Stream 2 zu klären. Ansonsten handelt es sich hier um ein wirtschaftliches Projekt, und ich glaube nicht, dass wir dafür ein extra Mandat brauchen.“ [5]

Trotz der ungeklärten Rechtsfragen sind die Vorbereitungen für den Bau der Pipeline in vollem Gang: die Finanzierung von 9,5 Milliarden Euro steht und die Rohre werden bereits gefertigt. [6]  Nord Stream 2 hat eine Länge von 1200 Kilometer und verbindet Russland mit Greifswald. Wie die Schwesterpipeline Nord Stream 1 soll sie eine Kapazität von 55 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr haben. Mit Nord Stream 1 und 2 liesse sich rund ein Viertel der europäischen Gasbedarfs decken. Damit würde der Traum von Altkanzler Gerhard Schröder und Chef von Nord Stream Wirklichkeit: Deutschland würde zur Gasdrehscheibe Europas. mic

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Dann abonnieren Sie doch weltinnenpolitik.net per RSS oder Email
oder folgen sie der Facebook Seite

[1] Deutsche Welle, 15.06.2017: US bill on Russia sanctions prompts German, Austrian outcry

[2] Financial Times, 15.06.2017: Berlin hits back at US move to tighten sanctions on Russia

[3] Auswärtiges Amt, 15.06.2017: Außenminister Gabriel und der österreichische Bundeskanzler Kern zu den Russland-Sanktionen durch den US-Senat

[4] Euractiv, 14.06.2017: Proposed Nord Stream 2 compromise guarantees Ukraine’s gas transit role

[5] Kanzleramt, 15.06.2017: Pressekonferenz von Bundeskanzlerin Merkel und dem estnischen Ministerpräsidenten Jüri Ratas

[6] Pipelines International, 16.06.2017: Progress on the Nord Stream 2 pipeline

Leitartikel: Ein halbes Prozent für den Planeten

Die Erde braucht einen Platz am Kabinettstisch

Egal ob beim Klima, den Ozeanen oder der Artenvielfalt die Schäden werden immer grösser. Dabei wissen die Verantwortlichen eigentlich, was zu machen ist. Sie sind aber zu zaghaft. Eine ‚Pulse of the Planet‘ Bewegung sollte ihnen daher Mut machen etwa durch die Forderung nach einem ‚Ministerium für planetare Angelegenheiten‘.

Eigentlich ist es nicht so schwierig: Da die Menschheit keinen Ersatzplaneten hat, lohnt es sich zur Erde Sorge zu tragen. Diese Erkenntnis umzusetzen, scheint aber nahezu unmöglich zu sein. Das zeigt diese Woche die UN-Ozeankonferenz. Wenn man den aktuellen Wissensstand Revue passieren lässt, folgt eine Hiobsbotschaft auf die andere: Die Korallenriffe sterben ab. Im Atlantik und Pazifik finden sich riesige Müllstrudel mit mehr Plastik als Plankton. 30 Prozent der Fischbestände sind ‚stark‘ und weitere 60 Prozent einfach nur ‚gefährdet‘. Aber auch aus einer ökonomischen Perspektive ist unser Handeln unsinnig: Der Plastikmüll kostet die Tourismusindustrie hunderte Millionen Euro pro Jahr. Der WTO ist es bislang nicht gelungen, Subventionen für illegalen Fischfang zu verbieten – vom legalen ganz zu schweigen. Dabei sinken die Fischereierträge schon jetzt.

All das ist nicht neu. Heute ist es einfach etwas schlechter als gestern. Dabei gibt es einen Managementplan für die Welt, der alle diese Fragen anspricht: die Nachhaltigen Entwicklungsziele oder SDGs (von englisch Sustainable Development Goals). Vor zwei Jahren haben sich die Länder darauf geeinigt, Hunger und Armut bis 2030 abzuschaffen. Ausserdem wollen sie den Klimawandel stoppen, die Überfischung der Meere beenden und anderes mehr. Dieser gemeinsame Plan für den Planeten zeigt, dass die Führer der Welt wissen, was zu tun ist. Doch wie der Zustand der Meere, des Klimas und der Artenvielfalt zeigt, sind sie beider Umsetzung zu zaghaft. Jean-Claude Juncker hat einmal über sich und seine Kollegen gesagt: „Wir wissen alle, was zu tun ist, aber wir wissen nicht, wie wir anschliessend wiedergewählt werden.“

Mangels Zweitplaneten sollte man sich allerdings besser an Winston Churchill orientieren: „Manchmal ist es nicht genug, sein Bestes zu geben. Manchmal muss man tun, was erforderlich ist.“ Damit die Verantwortlichen dies tun, müssen sie aber wissen, dass die Menschen hinter ihnen stehen. So wie ‚Pulse of Europe‘ pro-europäischen Politikern den Rücken stärkt, brauchen wir folglich eine Bewegung, die Politik zugunsten des Planeten unterstützt – ein ‚Pulse of the Planet‘. Wir müssen den Politikern Mut machen, das „Erforderliche“ zu tun, denn bei der Umwelt befinden wir uns in einer ähnlichen Situation wie bei Europa. Beide sind in Gefahr, einmal vom Brexit und dem Populismus und einmal von US-Präsident Donald Trump. Mit dem Austritt aus dem Paris-Abkommen hat er gezeigt, dass ihm die Zukunft des Planeten egal ist. Ja schlimmer: Es scheint ihm Spass zu machen, der Welt zu schaden.

In diesem ‚planetaren Notfall‘ lohnt es sich auf die Strasse zu gehen so wie für Europa. Eine Kernforderung könnte sein, dass das Wohl des Planeten einen Fürsprecher am Kabinettstisch bekommt – und ein Budget. Wir brauchen ein ‚Ministerium für planetare Angelegenheiten‘ oder für Ökonomen ein ‚Ministerium für globale, öffentliche Güter‘. Dieses würde sich ums Klima kümmern, um den Schutz der Meere und Seuchen wie Ebola. Es würde in die Entwicklung von Impfstoffen investieren genauso wie von Saatgut. Damit lassen sich oft spektakuläre Renditen erzielen: In manchen Entwicklungsländern können schon durch die Jodierung von Salz weit über hundert Dollar Gewinn pro investiertem Dollar erzielt werden, wie der Think Tank ‚Copenhagen Consensus‘ ausgerechnet hat. Ähnlich spektakuläre Renditen winken bei Verhütungsmitteln und dem Kampf gegen Malaria und Tuberkulose. Das Programm des neuen Ministeriums wären also einfach die SDGs, denn dort stehen alle diese Massnahmen drin. Jetzt fehlt nur noch das Geld: Hier bietet sich ein BIP-Prozentsatz an. Mit einem halben Prozent käme man dabei schon weit – ein halbes Prozent für den Planeten, schliesslich haben wir keinen anderen. mic

 

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Dann abonnieren Sie doch weltinnenpolitik.net per RSS oder Email
oder folgen sie der Facebook Seite

Trumps Austritt aus der Welt

USA verlassen Pariser Klimaabkommen

Die USA schliessen sich Syrien und Nicaragua an – die bislang einzigen Länder, die der UN-Klimakonvention aber nicht dem Paris-Abkommen angehören. Damit gelten die USA als weltweit isoliert.

Das Pariser Klimaabkommen gilt als historisch, da sich darin fast alle Länder der Welt zur Begrenzung ihrer Emissionen verpflichten. Es beruht auf den auf dem aktuellen Stand der Klimawissenschaften und berücksichtigt die Tatsache, dass die Länder der Welt sehr unterschiedlich entwickelt sind. Am Donnerstag hat US-Präsident Donald Trump angekündigt, dass die USA aus dem Abkommen austreten werden. Wegen zweier Fristen ist dies jedoch erst im November 2020 rechtskräftig – pünktlich zur nächsten Präsidentenwahl. Ausserdem kündigte er an, die USA würden versuchen das Abkommen neu zu verhandeln. Dies wurde jedoch sofort von Deutschland, Frankreich und Italien abgelehnt. Das UN-Klimasekretariat teilte zudem mit: Der Vertrag könne „nicht neu verhandelt werden aufgrund der Forderung einer einzelnen Vertragspartei“. Kurzfristig hat die US-Ankündigung so nur Folgen für die ärmsten Länder der Welt: Trump hat angekündigt kein weiteres Geld für die diversen Klimafonds zur Verfügung zu stellen.

Coal Miners Special. Im Wahlkampf hat Trump versprochen, die Amerikaner würden müde, andauernd zu gewinnen. In diesem Fall können sie ihr müdes Haupt im nächstgelegenen Trailerpark betten. (Foto: Don Sniegowski / Flickr)

Coal Miners Special. Im Wahlkampf hat Trump versprochen, die Amerikaner würden müde, andauernd zu gewinnen. In diesem Fall können sie ihr müdes Haupt im nächstgelegenen Trailerpark betten. (Foto: Don Sniegowski / Flickr)

Zur Begründung für seinen Schritt sagte Trump, das Abkommen sei „unfair“: „Es bestraft den Führer beim Umweltschutz (gemeint sind die USA), während es den führenden Verschmutzer der Welt keine Verpflichtungen auferlegt.“ Der Austritt diene zudem der „Wiederherstellung von Amerikas Souveränität“. Trumps Umweltminister Scott Pruitt lobte im Anschluss seinen Chef: „Amerika hat endlich einen Führer, der gegenüber dem Volk und nicht gegenüber Interessengruppen verantwortlich ist.“ Ausserhalb des Weissen Hauses war die Ablehnung dagegen nahezu einhellig und die Wortwahl oft drastisch. Mexikos Präsident Vicente Fox twitterte: Trump „erklärt dem Planeten den Krieg.“ Die ehemalige irische Präsidentin Mary Robinson sagte, die USA würden zu einem „Schurkenstaat“ und der frühere US-Aussenminister John Kerry liess wissen: Trumps Entscheidung sei wohl die „selbstzerstörerischste Tat in der amerikanischen Geschichte“ während Michael Brune, der Chef der grössten US-Umweltorganisation, dem Sierra Club, sagte: „Trump hat uns in der Welt isoliert, gibt unsere Führungsposition auf und begründet dies, indem er den Slogan auf einer Basketballmütze grölt.“ Trumps Vetrauter Newt Gingrich sah den weltweiten Aufschrei hingegen als Beweis, dass Trump Recht hat: „Alle ausländischen Führer greifen Trump an. Das ist ein weiterer Beweis, dass der Deal besser für Ausländer ist als für die USA.“

Für das Klima dürfte der Austritt der USA aus dem Paris Abkommen keine grösseren Folgen haben. Wegen Trumps Klimapolitik werden die US-Emissionen etwa auf dem heutigen Niveau bleiben statt weiter zu sinken wie mit dem Obama-Ära ‚Clean Power Plan‘, schätzen die Forschungsinstitute hinter dem ‚Climate Action Tracker‘. Viele glauben sogar, dass der Klimaschutz von Trumps Paris-Ausstieg profitiert, etwa der Gouverneur von Kalifornien, Jerry Brown: „Trump könnte genau das Gegenteil von dem erreichen, was er anstrebt. Kalifornien wird Widerstand leisten“ Ähnlich sieht dies die frühere Chefin des UN-Klimasekretariats Christiana Figueres: „Dies wird die unbeabsichtigte Folge haben, die Unterstützung (für das Abkommen) wachzurütteln.“ Die Weiterentwicklung des Paris-Abkommens dürfte zudem einfacher werden. Bis Ende nächsten Jahres muss die Gebrauchsanleitung für das Abkommen ausgehandelt werden. Die grosse Gefahr war hier, dass die USA mit am Tisch sitzen und bremsen. Darauf werden sie nun wohl verzichten.

Die Position der USA in der Welt könnte jedoch erheblichen Schaden nehmen, fürchten viele Beobachter. „Angela Merkel hat ziemlich klar gesagt, dass man sich nicht mehr auf die USA verlassen kann. Aus dem Paris Abkommen auszusteigen, macht Amerika nicht ‚gross‘ sondern klein in den Augen der Welt“, sagte etwa Mohamed Adow von der Entwicklungsorganisation Christian Aid. Ähnlich sieht das der ehemalige, republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney: „Beim Paris Abkommen geht es nicht nur ums Klima, sondern auch darum, dass Amerika der globale Führer bleibt.“ Diese Rolle könnten nun die EU und China übernehmen. Bei ihrem gestrigen Gipfel in Brüssel einigten sie sich auf eine gemeinsame Position: „Die EU und China sind entschlossen, die Transformation hin zu sauberen Energien anzuführen.“ mic

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Dann abonnieren Sie doch weltinnenpolitik.net per RSS oder Email
oder folgen sie der Facebook Seite

Die ‚Fake News‘ in Trumps Rede

Trump begründet Ausstieg aus Paris-Abkommen mit Halb- und Unwahrheiten

Ein Faktencheck von Trumps Aussagen lässt den Schluss zu, dass seine Entscheidung aus dem Paris-Abkommen auszusteigen zu Teil auf ‚Fake News‘ beruht.

Trump: Die USA werden aus dem Paris Abkommen austreten, aber Verhandlungen beginnen um dem Paris-Abkommen oder einer ganz neuen Transaktion beizutreten.

Zumindest irreführend. Die USA können aus dem Paris-Abkommen austreten. Wegen zweier Fristen ist dies jedoch erst im November 2020 rechtskräftig – pünktlich zur nächsten Präsidentenwahl. Dass das Abkommen nachverhandelt wird, ist nahezu ausgeschlossen. Deutschland, Frankreich und Italien haben dies bereits abgelehnt. Das UN-Klimasekretariat teilte zudem mit: Der Vertrag könne „nicht neu verhandelt werden aufgrund der Forderung einer einzelnen Vertragspartei“.

Fake News. Wenn Politik nicht mehr rational begründet wird und sich auf Tatsachen stützt, ist Alles möglich. (Foto: Screenshot White House)

Fake News. Wenn Politik nicht mehr rational begründet wird und sich auf Tatsachen stützt, ist Alles möglich. (Foto: Screenshot White House)

Trump: Die Einhaltung des Paris-Abkommens und die schwerwiegenden Energierestriktionen, die es den USA auferlegt, könnten Amerika 2,7 Millionen Arbeitsplätze im Jahr 2025 kosten gemäss den ‚National Economic Research Associates‘ (Nera).

Anderthalbmal falsch. Das Paris-Abkommen beinhaltet weder eine Begrenzung der US-Emissionen noch Regeln zur US-Energieproduktion. Die USA haben freiwillig und unverbindlich zugesagt, ihre Emissionen um 26 bis 28 Prozent bis zum Jahr 2025 im Vergleich zum Jahr 2005 zu senken.

Die von Trump zitierte Nera-Studie kommt tatsächlich zum Resultat, dass diese Emissionsreduktion 2,7 Millionen Arbeitsplätze kostet. Die Studie betrachtet aber nur die Kosten und „berücksichtigt nicht mögliche Vorteile von vermiedenen Emissionen“, wie sie selber sagt. Würden die Vorteile mitberücksichtigt sähe das Resultat anders aus, sagt Kenneth Gillingham von der US-Universität Yale: „Die Nettokosten wären ganz anders und vermutlich positiv.“ [1] Oder anders: Es entstünde ein Gewinn. Hinzu kommen die Annahmen, die der Nera Studie zu Grunde liegen: „Die extremen Annahmen bedeuten: Dies wären die Kosten, wenn Politiker die Kosten-ineffizientesten Massnahmen zur Erreichung der Emissionsziele nutzen würden. Dies ist eine irreführende Bestandesaufnahme“, sagt Bob Ward von der London School of Economics. [1]

Trump: Unter dem Abkommen kann China seine Emissionen für eine unglaubliche 13 Jahre weiter steigern. Die können machen, was sie wollen für 13 Jahre. Wir nicht.

Falsch. Chinas Klimaplan sieht steigende Emissionen bis zum Jahr 2030 vor. Dies bedeutet aber nicht, dass China bis dann keine Massnahmen zur Reduktion seiner Emissionen umsetzen muss. China hat zugesagt, die CO2-Intensität seiner Wirtschaft bis zum Jahr 2030 um 60 bis 65 Prozent zu verbessern. Im Vergleich zu heute soll im Jahr 2030 also nur noch ein Drittel soviel CO2 pro BIP-Yuan emittiert werden. Um dieses Ziel zu erreichen muss China bereits jetzt anspruchsvolle Massnahmen implementieren und tut es auch. Chinas Emissionsziel wie auch das von Indien und der EU wird von den Forschungsinstituten hinter dem ‚Climate Action Tracker‘ als ehrgeiziger eingeschätzt als das US Ziel.

Trump: China ist es erlaubt hunderte von zusätzlichen Kohlekraftwerken zu bauen. Wir dürfen keine bauen, aber die dürfen.

Falsch. Das Paris-Abkommen schreibt keinem Land seinen Energiemix vor. Das Wort ‚Kohle‘ steht gar nicht im Vertrag.

Trump: Selbst wenn das Paris-Abkommen komplett umgesetzt würde, würde es gemäss Schätzungen nur zwei Zehntel von einem Grad Temperaturreduktion bis zum Jahr 2100 liefern. Ein klitzekleiner Betrag.

Falsch. Der ‚Climate Action Tracker‘ hat nachgerechnet: Ohne das Paris-Abkommen und die Klimapläne der Länder würde sich das Klima um 3,6 Grad erwärmen. Mit Paris sinkt dieser Wert auf 2,8 Grad. Der Unterschied ist somit 0,8 Grad. Aber selbst 0,2 Grad wären nicht zu vernachlässigen, sagt Stefan Rahmstorf vom Potsdam Institut: „Jedes Zehntelgrad erhöht die Zahl von Extremwetterereignissen deutlich.“

Trump: Bei einem Prozent Wirtschaftswachstum können die Erneuerbaren einen Teil unserer Energienachfrage decken. Aber bei drei oder vier Prozent Wachstum, was ich erwarte, brauchen wir alle Arten von Energie oder unser Land riskiert Stromausfälle.

Doppelt irreführend. Trumps Erwartung von drei bis vier Prozent Wachstum ist unrealistisch. Wachstum entsteht durch eine Zunahme der Erwerbsbevölkerung oder durch steigende Produktivität. Diese beiden Faktoren sprechen gegen drei bis vier Prozent Wachstum.

Trump geht zudem davon aus, dass Wachstum mit steigendem Energieverbrauch und somit steigenden Emissionen einhergeht. Dies war früher so, ist aber nicht mehr der Fall. Die US-Emissionen sind im Jahr 2015 um 2,4 Prozent gefallen während die Wirtschaft um den gleichen Prozentsatz gewachsen ist.

Trump: Das Paris-Abkommen beinhaltet einen weiteren Trick um den US-Wohlstand umzuverteilen, den Green Climate Fund (GCF). Der GCF würde die USA wohl dazu verpflichten Dutzende Milliarden bereitzustellen. Eine Milliarde haben wir schon ausgehändigt. Niemand kommt dem auch nur nah.

Irreführend bis falsch. Das Paris-Abkommen verpflichtet die Länder nicht dazu, Klimahilfen in einer bestimmten Höhe zu leisten. Präsident Barack Obama hat für die Zeit bis 2020 dem GCF drei Milliarden Dollar in Aussicht gestellt. Davon haben die USA bislang eine Milliarde Dollar überwiesen. Richtig ist allerdings, dass die USA absolut den höchsten Betrag zugesagt hat. Pro Kopf der Bevölkerung sieht dies aber anders aus: Während die USA 9,30 Dollar pro Kopf geben, gibt Schweden 60.54 Dollar und Luxemburg 93,60 Dollar.

Trump: Unser Ausstieg aus dem Abkommen bedeutet die Wiederherstellung von Amerikas Souveränität.

Irreführend. Das Paris-Abkommen beinhaltet nur einige Berichtspflichten um Transparenz zwischen den Ländern herzustellen. Der US-Klimaplan wurde von den USA in Eigenverantwortung erstellt.

 

Fazit: Trump versteht nicht, dass das Paris-Abkommen den Ländern keine Emissionsvorgaben macht, sondern primär einen Transparenzrahmen bereitstellt. Der US-Klimaplan wurde von den USA in Eigenregie entwickelt und ist unverbindlich. Das gleiche gilt für die Klimahilfen.

Trump stellt zudem die Klimapläne anderer Länder wie China irreführend dar. Ausserdem nutzt er einseitige Studien mit unsinnigen Annahmen, um seine Meinung zu untermauern. Und schliesslich ist sei Verständnis des Energiesystems rund zwanzig Jahre veraltet. mic

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Dann abonnieren Sie doch weltinnenpolitik.net per RSS oder Email
oder folgen sie der Facebook Seite

[1] climatefeedback, Mai 2017: In Paris Agreement op-ed, US Senator Ted Cruz misrepresents the costs and benefits of reducing greenhouse gas emissions

Wall Street verlangt Klimaschutz

Während Trump über das Paris Abkommen nachdenkt, fordern Grossinvestoren Klimaschutz

Die Aktionäre von Exxonmobil haben genug. Sie wollen wissen, was ihre Firma noch wert ist, wenn die Welt den Klimaschutz ernst nimmt.

Die Aktionäre von Exxonmobil haben dem Management des grössten, privaten Ölkonzerns der Welt gezeigt, wer Chef ist. Bei der Generalversammlung der Firma am Mittwoch Abend in der texanischen Ölmetropole Dallas, haben sie gegen das Management gestimmt. 62 Prozent der Aktionäre wollen, dass Exxonmobil aufzeigt, wie sich Klimaschutzmassnahmen auf das zukünftige Geschäft auswirken. Sie wollen über die „finanziellen Risiken“ aufgeklärt werden, die sich aus „einer Reduktion der Nachfrage“ ergeben, wenn die Länder Massnahmen zur Erreichung des „global vereinbarten zwei Grad Ziels“ ergreifen. [1] Dem entgegnete Exxonmobil Chef Darren Woods: „Das Management glaubt, dass die Firma die künftigen Auswirkungen von politischen Entwicklungen adäquat untersucht hat.“ [2] Folglich lehnte Woods den Wunsch der Aktionäre nach mehr Transparenz ab.

Mehr Erfolg in der GV. Früher haben Aktivisten vor dem Gebäude demonstriert, in dem Exxonmobil seine GV abhält. Heute haben sie IN der GV die Mehrheit. (Foto: Greenpeace)

Mehr Erfolg in der GV. Früher haben Aktivisten vor dem Gebäude demonstriert, in dem Exxonmobil seine GV abhält. Heute haben sie IN der GV die Mehrheit. (Foto: Greenpeace)

Um die Klimaerwärmung auf „deutlich unter zwei Grad“ zu begrenzen, wie es das Paris-Abkommen verlangt, müssen zwei Drittel der bekannten Kohle-, Öl- und Gasreserven im Boden bleiben. [3] Die Aktionäre befürchten daher, dass Energiekonzerne viel Geld in neue Fördergebiete investieren, die dann nicht ausgebeutet werden können. Aus diesem Grund haben der Pensionsfond des US-Bundesstaats New York und die Kirche von England die Offenlegung dieses Klimarisikos verlangt. Dabei erhielten sie dieses Jahr Unterstützung vom grössten Vermögensverwalter der Welt Blackrock sowie von dessen kleineren Konkurrenten Vanguard. Im Anschluss an die Kampfabstimmung sagte Thomas DiNapoli, der Chef von New Yorks Pensionskassen: „Dies ist ein beispielloser Sieg für Investoren im Kampf um einen reibungslosen Übergang hin zu einer klimafreundlichen Wirtschaft. Der Klimawandel ist eines der grössten Langfrist-Risiken in unserem Portfolio und hat einen direkten Einfluss auf das Kerngeschäft von Exxonmobil.“ [4]

Mit dem Sieg in der Kampfabstimmung haben die Exxonmobil-Aktionäre ein deutliches Zeichen zugunsten des Paris Abkommens gesetzt – einen Tag bevor US-Präsident Donald Trump bekannt geben will, ob die USA dem Vertrag weiter angehören. Edward Mason von der Kirche von England sagte denn auch: „Trump handelt im Widerspruch zur Wallstreet und zu den weltgrössten Investoren.“ [2] Sollte Trump tatsächlich aus dem Paris-Abkommen aussteigen, hätte er noch nicht mal das Exxonmobil-Management hinter sich: Die Firma, die bis vor Kurzem vom heutigen US-Aussenminister Rex Tillerson geleitet wurde, unterstützt das Abkommen. Ausserdem fordert Exxonmobil eine CO2-Steuer, wie viele andere Öl- und Gasmultis auch. Das ist zumindest Trumps Vorgänger, Barack Obama, nicht verborgen geblieben. Dieser sagte vor drei Wochen: “Die Wirtschaft hat sich bereits festgelegt, dass unsere Zukunft in sauberen Energien liegt.“ [5] Diese Auffassung teilt DiNapoli: „Die absichtliche Ignoranz der Trump-Regierung beim Klimawandel wird das Momentum in der Wirtschaft nicht stoppen, wo noch Vernunft herrscht.“ [6]

Im Vorfeld der Entscheidung Trumps machen US-Unternehmen einen letzten Versuch, den Präsidenten auf das Abkommen einzuschwören. Dazu haben sie am Donnerstag eine ganzseitige Anzeige in der New York Times geschaltet, eine Zeitung, die Trump liest. Darin wenden Sie sich direkt an ihn: „Lieber Präsident Trump, Als einige der grössten Firmen in den USA bitten wir Sie dringend, die USA im Paris-Abkommen zu halten.“ [7] Unterzeichnet ist der Appell von Tech-Giganten wie Apple, Google, Facebook und Microsoft, Konsumgüterkonzernen wie Unilever und Mars, Modelabels wie Gap und Levi’s und anderen. Der Gründer des Elektro-Autobauers Tesla und Trump-Berater, Elon Musk, warnte derweil via Twitter: Er werde „keine andere Wahl haben als den Beraterstab zu verlassen“, falls Trump aus dem Abkommen aussteigt. [8] Diese Frage könnte sich auch Trumps Wirtschaftsberater und Ex-Chef der US-Investmentbank Goldman Sachs, Gary Kohn, stellen. Dieser hatte auf dem Rückflug von Trumps Nahost- und Europareise gesagt: „Kohle macht nicht mehr so viel Sinn“ und mit Erneuerbaren könnten die USA wieder zu einer „Industriemacht“ werden – also genau das was Trump will. [9] Nur weiss er’s vielleicht nicht. mic

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Dann abonnieren Sie doch weltinnenpolitik.net per RSS oder Email
oder folgen sie der Facebook Seite

[1] NY State Comptroller, undatiert: Exxonmobil Corporation Shareholde Proposal (PDF)

[2] Guardian, 31.05.2017: Shareholders force ExxonMobil to come clean on cost of climate change

[3] Carbon Tracker, undatiert: Unburnable Carbon

[4] NY State Comptroller, 31.05.2017: DiNapoli Statement in Response to Majority Support at Exxon Annual Meeting

[5] Politico, 31.05.2017: On climate change, who needs Donald Trump?

[6] NY State Comptroller, 31.05.2017: DiNapoli Statement on Reports Trump Administration Will Withdraw From Paris Agreement

[7] C2ES, 01.06.2017: Anyeige in der New York Times

[8] Elon Musk, 31.05.2017: Twitter Statement (siehe Antwort auf erste Frage)

[9] ThinkProgress, 27.05.2017: Top Trump economic adviser: ‘Coal doesn’t even make that much sense anymore’

Das Treibhausgas aus Rindermägen und Reisfeldern

Was Reisbauern gegen Methanemissionen tun können

Die globalen Methanemissionen steigen rasant. Schuld daran ist vor allem die Landwirtschaft. Dabei gibt es Lösungen, um die Emissionen aus Rindermägen und Reisfeldern zu senken.

Auf den ersten Blick wirkt das Problem fast niedlich: Kilo für Kilo entsprechen die globalen, vom Menschen verursachten, Methanemissionen von 293 Millionen Tonnen weniger als einem Prozent der CO2-Emissionen. Doch Methan (CH4) hat über hundert Jahre gerechnet eine 28 Mal stärkere Treibhauswirkung als CO2. Ausserdem stammt Methan aus viel mehr verschiedenen Quellen: „Im Gegensatz zu CO2, wo wir eindeutige Emissionsquellen wie Kraftwerke haben, ist fast Alles im globalen Methanbudget diffus“, sagt Rober Jackson von der US-Universität Stanford. [1] „Von Kühen über Sumpfgebiete und Reisfelder – der Methanzyklus ist schwieriger.“ Das Resultat dieses Kreislaufs lässt sich aber wieder einfach messen und zeigt ein klares Ergebnis: „Das Abflachen, das wir in den letzten Jahren bei den CO2-Emissionen gesehen haben, ist auffallend verschieden von der schnellen Zunahme bei Methan.“ Dies sei „besorgniserregend“ aber biete auch „eine Chance zur Emissionssenkung, die die Anstrengungen bei CO2 ergänzt“. [1]

Überschuss. Ohne die vom Menschen verursachten Emissionen würde die Methankonzentration in der Atmosphäre abnehmen. (Grafik: PhysOrg [1])

Überschuss. Ohne die vom Menschen verursachten Emissionen würde die Methankonzentration in der Atmosphäre abnehmen. (Grafik: PhysOrg [1])

Von den, durch den Menschen verursachten, Methanemissionen entfällt ein Drittel auf die Nutzung von fossilen Energieträgern wie Kohle, Öl und Gas. Die anderen zwei Drittel werden durch die Landwirtschaft verursacht (siehe Grafik). Diese ist gemäss aktuellen Studien auch für den Anstieg der Emissionen in den letzten Jahren verantwortlich. [2] Das Hauptproblem sind hier Kühe und Reis. Die naheliegendste Lösung um die Emissionen aus Kuhmägen zu reduzieren, ist statt Rindfleisch Schweine- oder Hühnchenfleisch zu essen. Durch die Beigabe von Leinöl und Calciumnitrat zum Futter von Wiederkäuern lässt sich zudem die Methanproduktion in deren Mägen um knapp ein Drittel reduzieren, wie eine Studie im Wissenschaftsmagazin ‚Journal of Animal Science‘ zeigt. [3] Aufgrund der hohen Konzentration in der Futtermittelindustrie besteht so die Möglichkeit, mit relativ einfachen Massnahmen die Methanemissionen der Rindfleisch- und Milchwirtschaft merklich zu mindern.

Relativ ‚einfach‘ ist auch die Reduktion der Methanemissionen bei der Förderung von Kohle, Öl und Gas. Methan ist der Hauptbestandteil von Erdgas und Schiefergas, findet sich aber auch in Kohleflözen (‚Grubengas‘). David Allen von der Universität Texas hat die Emissionen bei der Gasförderung mittels Fracking in den USA untersucht und kommt zum Schluss: „Ein kleiner Teil der Bohrlöcher ist für einen Grossteil der Emissionen verantwortlich.“ Genauer: Ein Fünftel der Bohrlöcher verursacht drei Viertel der Emissionen. Diese Emissionen zu stoppen sei daher „einer der schnellsten und kostengünstigsten Wege um Treibhausgase zu reduzieren“, sagt Allen. [4] Dass dies voraussichtlich auch geschehen wird, ist drei Republikanern im US-Senat zu verdanken: John McCain, Lindsey Graham und Susan Collins haben den Versuch der Regierung von US-Präsident Donald Trump abgewehrt, eine Regel zur Reduktion von Methanemissionen abzuschaffen. [5]

Paradies. Diese Landschaft ist nicht nur paradiesisch schön, sondern bietet auch paradiesische Zustände für methanproduzierende Mikroben. (Foto: Pixabay)

Paradies. Diese Landschaft ist nicht nur paradiesisch schön, sondern bietet auch paradiesische Zustände für methanproduzierende Mikroben. (Foto: Pixabay)

Die grösste Herausforderung sind die Emissionen aus Reisfeldern: Hier kann man sich nicht auf einige wenige Futtermittel- oder Energieproduzenten konzentrieren, sondern muss Millionen von Kleinbauern in Asien davon überzeugen, ihre traditionelle Anbaumethode zu ändern. In gefluteten Reisfeldern wird Methan von Mikroorganismen produziert, die Pflanzenreste zersetzen. Lässt man die Felder zeitweise trocken fallen, sterben diese Mikroben ab. Traditionell stehen Reisfelder aber vom Pflanzen der Setzlinge bis kurz vor der Ernte unter Wasser.

Vor diesem Hintergrund wurde im Jahr 2011 die ‚Plattform für nachhaltigen Reis‘ SRP ins Leben gerufen. Diese umfasst Umwelt- und Entwicklungsorganisationen wie die ‚Rainforest Alliance und die deutsche ‚Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit‘ (GIZ), Agromultis wie Bayer und Syngenta sowie Lebenmittelkonzerne wie Nestlé und Mars. Die SRP hat dann einen ‚Standard für nachhaltigen Reis‘ entwickelt. [6] Dieser regelt vom Saatgut, über Dünger und Pestizide, bis zu Schutzhandschuhen und dem Schulbesuch der Kinder von Reisbauern, alle Aspekte der Reisproduktion. Nun wird der Standard in vier Ländern eingeführt: in Kambodscha, Pakistan, Thailand und Vietnam. Das Projekt in Thailand wird von der GIZ, dem Reisgrosshändler Olam aus Singapur und der Regierung umgesetzt. Letztes Jahr konnte dort in der Provinz Ubon Ratchathani der weltweit erste ‚nachhaltig produzierte Reis‘ geerntet werden – mit vielversprechenden Resultaten: „Die Bauern haben einen 20 bis 25 Prozent höheren Gewinn erzielt“, sagt Matthias Bickel, der Projektleiter der GIZ. „Die Qualität des Reises war besser und die Bauern haben weniger Saatgut, weniger Dünger und weniger Pflanzenschutzmittel benutzt.“ Ausserdem wurden 26 Prozent weniger Treibhausgase emittiert und der Wasserverbrauch gesenkt.

Das Pilotprojekt in Ubon Ratchathani war mit 70 teilnehmenden Bauern noch sehr klein, schliesslich gibt es in Thailand vier Millionen Familien, die Reis anbauen. Nun soll das Projekt auf 100‘000 Bauern bis zum Jahr 2020 ausgedehnt werden. Diese sind in Gruppen von Bauern organisiert, die wiederum regionalen Reiszentren angehören. „Wir haben einen Lehrgang mit zwölf Modulen entwickelt, der kaskadenartig weitergegeben wird“, erklärt Bickel das Vorgehen. Denn jetzt muss es schnell gehen: Die beiden US-Lebensmittelkonzerne Kellogg und Mars haben angekündigt, ab dem Jahr 2020 nur noch nachhaltig produzierten Reis zu kaufen. Dafür sind Zehntausende Tonnen erforderlich. Um diese Nachfrage zu decken ist Thailand zentral: „Nur sechs Prozent des global benötigten Reises wird international gehandelt, aber davon kommt ein Viertel aus Thailand“, sagt Bickel. „Thailand ist daher systemrelevant.“

Schliesslich bleibt noch die Frage, warum es erst jetzt gelungen ist, so etwas wie den ‚SRP Standard‘ zu entwickeln und einzuführen, schliesslich profitieren davon sowohl die Bauern als auch die Umwelt. „Bis vor fünf Jahren war es unmöglich eine grosse Initiative im Reissektor zu starten. Reis ist in vielen Ländern ein sehr politisches Produkt“, sagt Bickel. „In Thailand hat erst die Abschaffung der Subvention für Reis die Tür dazu geöffnet.“ Ausserdem fehle bislang der Druck der Öffentlichkeit: „Anders als etwa bei Palmöl, wird das Nachhaltigkeitsthema bei Reis weder von Produzenten noch von Konsumenten wahrgenommen.“ Damit geht es Reis letztlich wie Methan: Nur wenige kennen das Problem und noch weniger die Lösungen. Dabei gibt es welche. mic

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Dann abonnieren Sie doch weltinnenpolitik.net per RSS oder Email
oder folgen sie der Facebook Seite

[1] PhysOrg, 12.12.2016: Surge in methane emissions threatens efforts to slow climate change

[2] Environmental Research Letters, 12.12.2016: The growing role of methane in anthropogenic climate change (PDF)

[3] Journal of Animal Science, 26.06.2015: Additive methane-mitigating effect between linseed oil and nitrate fed to cattle

[4] Yale e360, 25.10.2016: What is Causing the Recent Rise in Methane Emissions?

[5] CNBC, 10.05.2017: John McCain just delivered Trump a rare loss in his bid to roll back energy rules

[6] SRP, Oktober 2015: Standard on Sustainable Rice Cultivation (PDF)

Der dritte Pol schmilzt weg

Das Klima im Himalaya erwärmt sich fast doppelt so schnell wie der weltweite Durchschnitt

Der Himalaya ist von Ländern umgeben, die unter Wassermangel leiden. 1,3 Milliarden Menschen sind auf das Wasser der Flüsse angewiesen, die in dem Gebirge entspringen. Doch die Gletscher schmelzen.

Der Himalaya und die umliegenden Gebirge gelten als der dritte Pol der Erde. Abgesehen vom Nord- und Südpol hat keine Region der Welt mehr Eis und Schnee. 46‘000 Gletscher verteilen sich auf eine Fläche von 4,3 Millionen Quadratkilometern. Diese Gletscher speisen die wichtigsten Flüsse Asiens – vom Amu Darya in Afghanistan, Tajikistan, Turkmenistan und Usbekistan, über den Indus in Pakistan, den Ganges und Brahmaputra in Indien und Bangladesch, den Irrawady in Burma, den Mekong in Thailand, Laos, Kambodscha und Vietnam, bis hin zu den beiden grossen Strömen Chinas: der Yangtze und der Gelbe Fluss (siehe Karte). Der Himalaya wird daher auch als ‚Wasserturm Asiens‘ bezeichnet, denn die meisten der Länder rund um das Gebirgssmassiv leiden unter Wassermangel und sind auf das Wasser dringend angewiesen.

Wasserturm. Rund um den Himalaya herrscht Wasserstress. (Karte: International Water Security Network)

Wasserturm. Rund um den Himalaya herrscht Wasserstress. (Karte: International Water Security Network)

Doch die Gletscher sind auf dem Rückzug in Folge eines Angriffs von zwei Fronten: dem Klimawandel und der Luftverschmutzung. Die Temperaturen im Himalaya steigen fast doppelt so schnell wie der weltweite Durchschnitt. Mittlerweile ist es rund um den Mount Everest 1,5 Grad wärmer als zu Beginn der Industrialisierung. [1] Hinzu kommt die Luftverschmutzung: Russ und Staub lagern sich auf den Gletschern ab. Diese werden dadurch dunkler und absorbieren mehr Sonnenlicht. Wenn das Eis schmilzt und sich Gletscherseen bilden, beschleunigt sich das Abschmelzen zusätzlich: „Es ist ein positiver Rückkopplungseffekt“, sagt Duncan Quincey von der Universität Leeds. [2] „Ein See absorbiert mehr Sonnenlicht als Gestein und das erwärmt das Wasser. Dadurch schmilzt mehr Eis und der See wird grösser.“ [2] Die Gletscherseen sind ausserdem gefährlich: Wenn der Wasserdruck auf die Moräne zu gross wird, können sich die Seen plötzlich entleeren – mit verheerenden Auswirkungen auf die darunter liegenden Dörfer. Joseph Shea von der Universität Saskatchewan in Kanada warnt: „Grössere Seen erhöhen die Gefahr katastrophaler Dammbrüche.“ [4]

Zuschauer. Im Everest Basecamp kann man den Gletschern beim Schmelzen zuschauen. In einigen Jahren muss das Camp deswegen wohl verlegt werden. (Foto: Hendrik Terbeck / Flickr)

Zuschauer. Im Everest Basecamp kann man den Gletschern beim Schmelzen zuschauen. In einigen Jahren muss das Camp deswegen wohl verlegt werden. (Foto: Hendrik Terbeck / Flickr)

Die grösste Gefahr der schmelzenden Gletscher kommt aber nicht plötzlich sondern schleichend. 1,3 Milliarden Menschen hängen vom Wasser in den zehn Flüssen ab (siehe Tabelle). Durch das Abschmelzen der Gletscher vergrössert sich deren Wassermenge kurzfristig. Langfristig werde sich aber der Anteil des Schmelzwassers in den Flüssen halbieren, besagt eine neue Studie im Wissenschaftsmagazin Nature. [5]  „Der Fortbestand und die Stetigkeit der Frischwasserzufuhr sowohl hinsichtlich Quantität als auch Qualität in der Zukunft ist die grösste Sorge“, sagte Paolo Gabrielli von der US-Universität Ohio State. [6 Dies gilt insbesondere in Jahren mit wenig Regen wie die Nature Studie zeigt. In einem Jahr mit durchschnittlich viel Regen trägt das Schmelzwasser nur wenig –zwischen 0,1 und drei Prozent – zum Wasser in den Flussgebieten bei. Bei grosser Trockenheit allerdings spielen die Gletscher eine viel wichtigere Rolle: Wenn weniger Regen fällt, steigt der Anteil des Schmelzwassers in den Flüssen stark an. In trockenen Sommern kommt beispielsweise das Wasser im oberen Indus, der durch China, Indien und Pakistan fliesst, überwiegend aus den Gletschern.

Die zehn großen Flusssysteme der Himalaya-Region

FlussEinzugsgebiet in km²Länge in kmWassermenge in m³/sBevölkerung in Tausend
Gesamt8.594.7551.345.241
Amudarja534.73924002.52520.855
Brahmaputra651.335384819.8118.543
Ganges1.016.124251016.648407.466
Indus1.081.71832006.6178.483
Irrawaddy413.7121701332.683
Mekong805.60440231657.198
Saluen271.91428154.8765.982
Tarim1.152.44820301588.067
Jangtse1.722.193641830.166368.549
Gelber Fluss944.9754642.571147.415
Quelle: IUCN/IWMI, Ramsar-Konvention und WRI, 2003 (zitiert von ICIMOD [11])

 

Dies trifft einige der instabilsten und wasserärmsten Regionen der Welt. Verschärft wird die Situation oft noch durch schlechtes Wassermanagement Dies gilt etwa für Zentralasien. Dort teilen sich Tadschikistan, Kirgistan und Usbekistan das Wasser des Syr Darya Flusses, der schliesslich wie der Amu Darya in den Aralsee mündet. Zur Zeit der Sowjetunion wurden im flussaufwärts gelegenen Kirgistan und Tadschikistan riesige Reservoirs gebaut um im Winter Wasser zu sammeln. Dieses wurde dann im Sommer zur Bewässerung der Baumwollfelder im flussabwärts gelegenen Usbekistan benutzt. Im Gegenzug versorgte dieses Kirgistan und Tadschikistan mit Energie im Winter. Heute lassen die beiden ‚Wasserschlösser‘ das Wasser im Winter durch die Turbinen rauschen, weil sie von den Usbeken keine Energie fürs Heizen mehr bekommen. Und im Sommer ist dann kein Wasser für die Baumwollfelder mehr da. Hinzu kommt, dass die gesamte zur Verfügung stehende Menge an Wasser wegen des Klimawandels um ein Viertel abgenommen hat und die Bevölkerung rasant wächst. [7]

Kritisch ist auch die Situation in Pakistan. Das Land leidet regelmässig unter Dürren und dann wieder unter Überschwemmungen. Wegen billiger Pumpen sinkt zudem der Grundwasserspiegel. Eine aktuelle Studie in Nature zeigt den Zusammenhang zwischen dem internationalen Handel mit Lebensmitteln und dem nicht-erneuerbaren Verbrauch von Jahrtausende-altem Grundwasser. [8] Spitzenreiter ist hier Pakistan. Das Land hat seine Reisproduktion und damit –exporte in den letzten Jahren deutlich gesteigert. Mit dem Reis exportiert es aber auch sein Grundwasser. Im Jahr 2010 hat Pakistan 7,3 Kubikkilometer Grundwasser exportiert. Dieses Wasser wird in Zukunft fehlen. Das World Resources Institute kommt denn auch zum Schluss, dass Pakistan eines der 33 Länder sein wird, die in gut zwanzig Jahren unter „extrem hohem Wasserstress“ leiden werden. [9] Dieses Schicksal teilt sich das Land mit vier weiteren Ländern, deren Wasserversorgung zum Teil von den Gletschern im Himalaya abhängt: Afghanistan, Kasachstan, Kirgistan und Usbekistan.

Nur wenig besser sieht es in China aus. Das Land ist Heimat für 21 Prozent der Weltbevölkerung, hat aber nur sieben Prozent des Frischwassers. Den 20 Millionen Einwohnern von Peking stehen jährlich nur 100 Kubikmeter Wasser pro Person aus regionalen Brunnen und Quellen zur Verfügung. [10] Für die UNO leidet ein Landstrich aber schon unter ‚Wasserstress‘, wenn pro Person weniger als 1700 Kubikmeter Wasser verfügbar ist. Hinzu kommt die Wasserverschmutzung: Knapp 60 Prozent des Grundwassers ist verunreinigt. [10] Für Dabo Guan von der britischen East Anglia Universität ist der Wassermangel denn auch „die schwerste Umweltkrise Chinas“, wie er gegenüber dem Guardian sagte. [10] Hinzu komme, dass die Menschen den Mangel nicht wahrnehmen: Die Leute „sehen den Smog, aber es ist selten, Wasserverschmutzung oder das Austrocknen eines Flusses zu sehen. Die Leute sind dem nicht ausgesetzt.“ [12] Das gilt auch für die Gletscher im Himalaya: Sie schmelzen – mit schwerwiegenden Folgen für 1,3 Milliarden Menschen – aber kaum einer sieht’s. mic

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Dann abonnieren Sie doch weltinnenpolitik.net per RSS oder Email
oder folgen sie der Facebook Seite

[1] Iccinet, 2012: Himalayas

[2] Outside, 12.04.2016: Climate Change Is Melting Everest

[4] Science, 17.02.2017: Melting glaciers around Mount Everest may be forming killer lakes

[5] Nature, 11.05.2017: Asia’s glaciers are a regionally important buffer against drought

[6] Glacierhub, 09.06.2016: US & China Research Coordination at the Third Pole

[7] Weltinnenpoliti, 26.10.2008: Die Schweiz hilft Zentralasien beim Wasser Sparen

[8] Nature, 30.03.2017: Groundwater depletion embedded in international food trade

[9] WRI, 26.08.2015: Ranking the World’s Most Water-Stressed Countries in 2040

[10] The Guardian, 22.03.2017: Will China’s children solve its crippling water shortage problem?

[11] Icimod, undatiert: River Basins

EU geht in Klimaoffensive

USA haben Führungsrolle in der internationalen Klimapolitik und –diplomatie aufgegeben

Bei den Klimaverhandlungen in Bonn stand anfangs die zukünftige Klimapolitik der Trump-Regierung im Mittelpunkt des Interesses. Am letzten Tag trumpfte die EU dann aber auf und schmiedete eine Allianz, der mehr als die Hälfte aller Länder angehört.

Die EU ist bereit die Führung in der internationalen Klimapolitik zu übernehmen. Dies signalisierte sie am letzten Tag der UN-Klimakonferenz in Bonn: Die EU hat sie sich mit 79 Entwicklungsländern aus Afrika, der Karibik und dem Pazifik (den ‚AKP-Staaten‘) auf eine gemeinsame Position bei der Umsetzung des Pariser Klimaabkommens geeinigt. „Wir werden das Paris-Abkommen verteidigen – Industriestaaten und Entwicklungsländer gemeinsam“, sagte EU-Klimakommissar Miguel Arias Cañete. [1] „Unser gemeinsames Eintreten für diesen Vertrag ist heute so wie in Paris: unumkehrbar und nicht verhandelbar.“ [1] Die EU und die AKP-Staaten machen mehr als die Hälfte aller Länder aus. „Die USA geben ihre Führungsposition beim Klimaschutz auf“, sagte Mohamed Adow von der Entwicklungsorganisation Christian Aid und lobte die EU für ihre „klare und starke Botschaft“ „in dieser Stunde der Not“. Wie dringlich die Lage ist verdeutlichte der äthiopische Vorsitzende der ‚Allianz der besonders vom Klimawandel betroffenen Länder‘, Debasu Bayleyegn Eyasu: „Das 1,5-Grad-Ziel einzuhalten, ist eine Frage des Überlebens für uns.“ Damit haben die USA geschafft, was dem Paris-Abkommen noch nicht ganz gelungen war: die Aufhebung des Gegensatzes von Industrie- und Entwicklungsländern. „Der Gegensatz verläuft vielmehr zwischen denen, die ein robustes Klimaregime wollen, und jenen, die dies vermeiden möchten“, sagte der Leiter der Schweizer Delegation Franz Perrez.

Wo ist die Kohle? Delegierte in einem 'Huddle' während der Verhandlungen zum Budget. (Foto: IISD)

Wo ist die Kohle? Delegierte in einem ‚Huddle‘ während der Verhandlungen zum Budget. (Foto: IISD)

Die Allianz der besonders vom Klimawandel betroffenen Länder, das Climate Vulnerable Forum (CVF), forderte die Staatengemeinschaft zu schnellerem Handeln auf. „Das 1,5-Grad-Ziel einzuhalten, ist einfach eine Frage des Überlebens für uns“, sagte der CVF-Vorsitzende Debasu Bayleyegn Eyasu. Das Pariser Klimaschutzabkommen sei ihr Rettungsanker. Zu den mehr als 40 Ländern gehören kleine Inselstaaten wie Fidschi oder die Maledivien, die vom Anstieg des Meeresspiegels bedroht sind, aber auch etliche Entwicklungsländer wie Niger und Senegal, die sich auf eine Zunahme von Wetterextremen und längere Dürren einstellen müssen. In Anspielung auf Trump sagte der philippinische Delegierte Emmanuel De Guzman, dass ohne größere Anstrengungen könne kein Land „ever be great again“ (englisch für: jemals wieder grossartig sein).

Zu Beginn des Treffens standen noch die USA im Zentrum der Aufmerksamkeit. Auffallend war die US-Mini-Delegation mit nur sieben Diplomaten. Zum Vergleich: Vietnam war mit mehr als doppelt sovielen Verhandlern in Bonn. Ausserdem wollte die Regierung von US-Präsident Donald Trump letzte Woche Dienstag bekannt geben, ob die USA Teil des Paris-Abkommens bleiben. Doch dann wurde diese Entscheidung auf Ende Mai verschoben. Vorher findet so noch Trumps Papstaudienz und der G7-Gipfel statt – zwei Treffen, bei denen der Verbleib der USA im Paris-Abkommen auf der Agenda steht. In Bonn sei die US-Delegation „beinahe unsichtbar“ gewesen, sagte Wendel Trio vom Klimanetzwerk CAN. Fragen nach der US-Klimapolitik beantwortete der US-Chefdiplomat, Trigg Talley, in Bonn stets mit: Diese werde einer „Überprüfung“ unterzogen. Damit hatte die US-Delegation „kein Verhandlungsmandat“ sagte Trio, mit einer Ausnahme: „Der einzige US-Beitrag war, dass die USA kein Klimageld zur Verfügung stellen, aber das wussten eh schon alle.“

Unklar ist hingegen, ob die USA ihr Emissionsziel aufweichen können, wenn sie im Paris-Abkommen bleiben. Der Vertrag lässt hier einen gewissen Interpretationsspielraum in dem relevanten Artikel: Ein Land „kann jederzeit sein (Emissionsziel) anpassen im Hinblick auf eine Erhöhung seines Ambitionsniveaus“. Aus Sicht von Jonathan Church, einem Anwalt der Umweltorganisation Client Earth, erlaubt dies keine Aufweichung des Emissionsziel. Dies wäre eine „übertrieben freizügige Interpretation des Artikels“ und eine Abschwächung des Ziels folglich „ein Bruch des Paris-Abkommens“. [2] Anders sieht dies Laurence Tubiana, eine der Architektinnen des Vertrags: „Natürlich können die USA ihren Beitrag reduzieren, aber sie sollten nicht.“ Diplomatisch gibt sich in dieser Frage derweil die EU: „Wir müssen sehen, womit die Trump Regierung schliesslich rauskommt“, sagte Yvon Slingenberg von der EU-Kommission. „Es ist wichtig, dass die Länder ihren Beitrag in unterschiedlichen Formen leisten können.“

Auch ohne nennenswerten Beitrag der USA haben die Klimadiplomaten in Bonn derweil ihr eigentliches Ziel weitgehend erreicht: die Umrisse der Gebrauchsanleitung für das Paris-Abkommen zu erarbeiten. Hier geht es um sehr technische Fragen etwa: Wer berichtet wann und wie über seine Emissionen und Klimaschutzmassnahmen? Dabei sei der Fortschritt „passabel, wenn auch recht langsam“ gewesen, sagte Jan Kowalzig von der Entwicklungsorganisation Oxfam. Warum dem so war erklärte Perrez. „Dies hat einerseits damit zu tun, dass viele technische Fragen noch vertiefteres Verständnis benötigen. In anderen Bereichen sind die Parteien aber auch einfach noch nicht bereit, sich zu bewegen. Insgesamt denke ich, sind wir aber immer noch auf Kurs.“

Auf Kurs ist auch das Sekretariat der UN-Klimakonvention. Dabei ging es hier nicht wie so oft um Billionen sondern um einen fast schon trivialen Betrag: Knapp 55 Millionen für das Budget der beiden Jahre 2018 und 2019. Das UN-Sekretariat hatte ursprünglich eine Erhöhung um 9,7 Prozent beantragt. Auf Wunsch der Mitgliedsländer hatte es aber auch einen Budgetvorschlag ohne Erhöhung erarbeitet. Mit diesem gelang es dem Sekretariat aber für einmal alle Länder zu einen: Der Vorschlag den Beitrag der Klimakonvention an den Weltklimarat IPCC zu streichen, wurde von grossen und kleinen, armen und reichen Ländern kritisiert. Schliesslich gelang aber eine Einigung: Dem Klimasekretariat steht in den nächsten beiden Jahren 4,1 Prozent mehr Geld zur Verfügung und der Beitrag an den IPCC bleibt erhalten.

Ob schliesslich auch die Klimapolitik auf Kurs bleibt, zeigt sich schon nächste Woche beim Petersberger Dialog. Für dieses Teffen auf Ministerebene wird eine weitere EU-Initiative erwartet: Die EU, China und Kanada werden dort voraussichtlich die Übernahme des ‚Major Economies Forums‘ (MEF) bekannt geben. Das MEF ist eine Klimainitiative der USA, die Trump wohl nicht weiterführen wird. Sollten die drei Länder das MEF übernehmen, signalisieren sie damit erneut: Es geht auch ohne Amerika. mic (mit Sandra Kirchner)

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Dann abonnieren Sie doch weltinnenpolitik.net per RSS oder Email
oder folgen sie der Facebook Seite

[1] EU, 18.05.2017: EU and 79 African, Caribbean, Pacific countries in joint push to defend and implement global climate deal

[2] CarbonBrief, 08.05.2017: Can the US legally weaken its Paris Agreement climate pledge?

Für Öl auf die Palme

Südostasien mobilisiert für Palmöl in EU-Biosprit

Kein Ölpflanze ist so produktiv wie Ölpalmen. Auf einem Hektar können pro Jahr vier Tonnen Öl gewonnen werden. Doch wenn dafür Urwald gerodet oder Moore trocken gelegt werden, entstehen riesige Mengen an Treibhausgasen. Darum soll Palmöl nicht länger zu Biodiesel verarbeitet werden.

Es ist nur eine nicht-bindende Resolution des Europaparlaments, aber in Südostasien schrillen die Alarmglocken. Eine überwältigende Mehrheit (640 versus 18 Stimmen bei 28 Enthaltungen) der Parlamentarier forderte Anfang April, dass „spätestens“ ab dem Jahr 2020 kein Palmöl mehr zu Biodiesel verarbeitet wird. [1] „Das Parlament ist besorgt, dass 46 Prozent allen importierten Palmöls der Herstellung von Biokraftstoffen dient, und dass dafür eine Million Hektar Land (10‘000 Quadratkilometer) erforderlich ist“, sagte die tschechische Grünen-Abgeordnete Kateřina Konečná, die die Resolution eingebracht hatte. Der Landbedarf für Palmöl sei der Grund für „20 Prozent aller Entwaldung“ in den letzten 20 Jahren und die Klimabilanz von Palmöl folglich verheerend: „Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Biodiesel aus Palmöl dreimal mehr Emissionen verursacht als herkömmlicher Diesel.“

Arbeitsplätze. Diese beiden Arbeiter einer Palmölplantage in Malaysia verdanken ihre Arbeitsplätze auch der EU-Richtlinie zu Biosprit. (Foto: CEphoto, Uwe Aranas / Wikimedia)

Arbeitsplätze. Diese beiden Arbeiter einer Palmölplantage in Malaysia verdanken ihre Arbeitsplätze auch der EU-Richtlinie zu Biosprit. (Foto: CEphoto, Uwe Aranas / Wikimedia)

Das wollen die grossen Palmölproduzenten in Südostasien nicht auf sich sitzen lassen. Schon im April haben Indonesien und Malaysia angekündigt, Emissäre zum EU-Parlament in Brüssel zu schicken. „Wir werden Alles uns mögliche tun, um das Parlament und die EU-Länder zu überzeugen, die Resolution nicht umzusetzen“, sagte der indonesische Wirtschaftsminister Darmin Nasution. [3] Indonesien und Malaysia sind die beiden grössten Palmölproduzenten der Welt mit einem Marktanteil von rund 85 Prozent. Die EU ist nach Indien der zweitgrösste Importeur des Öls. Malaysias Premierminister Najib Razak warnte: „Falls diese Resolution umgesetzt würde, hätte das einen verheerenden Effekt auf unser nationales Interesse, insbesondere für 600‘000 Kleinbauern in Malaysia und 2,4 Millionen in Indonesien.“ [4] Um die Wirkung ihres Lobbyings in Brüssel zu stärken, haben Indonesien und Malysia nun Thailand mit ins Boot geholt. [5] Thailand ist der drittgrösste Palmölproduzent der Welt und plant seine Produktion innert zehn Jahren um die Hälfte zu steigern. [9]

In Brüssel werden die drei Länder auf eine hitzige Debatte über Biosprit stossen, denn derzeit wird über die Neufassung der Erneuerbaren-Energien- Richtlinie gestritten, die auch Biosprit umfasst. Die EU Kommission hat vorgeschlagen, den Anteil an Biosprit, der Benzin oder Diesel beigemischt wird, von derzeit knapp fünf Prozent auf 3,8 Prozent im Jahr 2030 abzusenken. [6] Doch das ist vielen Umweltorganisationen nicht genug. „Die EU muss alle Anreize abschaffen, die eine künstliche Nachfrage für Pflanzenöle im Transportsektor schaffen“, sagt Cristina Mestre von ‚Transport and Environment‘. [7] „Jede Lösung, die nur darin besteht Palmöl zu verbannen, ignoriert die Tatsache, dass es einfach durch Raps- oder Soyaöl ersetzt wird, die ebenfalls höhere Emissionen verursachen als herkömmlicher Diesel.“ [7] Für Raps und Soya werden zwar keine Urwälder gerodet, doch der Flächenverbrauch ist deutlich grösser: Auf einem Hektar können vier Tonnen Palmöl produziert werden. Das ist fünfmal mehr als Rapsöl und zehnmal mehr als Soyaöl. [8] mic

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Dann abonnieren Sie doch weltinnenpolitik.net per RSS oder Email
oder folgen sie der Facebook Seite

[1] EU, 04.04.2017: MEPs call for clampdown on imports of unsustainable palm oil and use in biofuel

[2] Euractiv, 14.04.2017: Parliament committee says palm oil biofuels usage should end by 2020

[3] Reuters, 11.04.2017: Indonesia, Malaysia launch efforts to counter EU palm oil resolution

[4] Malaymail, 30.04.2017: Malaysia, Indonesia resolve to counter latest threat to palm oil

[5] Asian Correspondent, 01.05.2017: Indonesia, Malaysia and Thailand join forces against EU on palm oil

[6] T&E, April 2017: The world without food-based biofuels (PDF)

[7] T&E, 04.04.2017: MEPs demand phase out of vegetable oil biofuels by 2020

[8] gro, 08.12.2017: Palm Oil: Growth in Southeast Asia Comes With A High Price Tag

[9] Mongabay, 24.03.2017: As Thailand ramps up its palm oil sector, peat forrests feel the pressure