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Sind die USA in zehn Jahren klimaneutral?

Ambitioniertes Klimaprogramm soll Millionen Jobs schaffen

Mit einer „Mobilisierung wie im Zweiten Weltkrieg“ sollen die USA innert zehn Jahren weitgehend klimaneutral werden. Ausserdem werden Millionen neue, gut bezahlte Jobs geschaffen. Das ist das Ziel des „Green New Deals“, der derzeit in den USA die Schlagzeilen dominiert.

Der CO2-Ausstoss der Welt muss in den nächsten zwölf Jahren halbiert werden, damit die Chance bestehen bleibt, die Klimaerwärmung bei 1,5 Grad zu stoppen. Das ist das Ergebnis des Berichts des Weltklimarats IPCC zum 1,5-Grad-Ziel des Paris Abkommens. Gleichzeitig stagnieren in den USA die Löhne seit 1970 und die Einkommensungleichheit hat wieder das Niveau des Jahres 1920 erreicht. Diese beiden Probleme wollen zwei Politiker der Demokratischen Partei nun gleichzeitig lösen. Dabei orientieren sie sich am „New Deal“ Reformprogramm des früheren US-Präsidenten Franklin Roosevelt. Dieser kombinierte Wirtschafts- und Sozialreformen sowie Investitionen in die Infrastruktur, um der US-Wirtschaft nach der Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts wieder auf die Beine zu helfen. Nun wollen die Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez und Senator Ed Markey die Klimakrise und die soziale Ungleichheit gleichzeitig angehen – mit einem „Green New Deal“.

Newbie. Kongressneuling Alexandria Ocasio-Cortez und Senator Ed Markey (rechts) stellen den Green New Deal vor. (Foto: House Demaocrats / Wikimedia)

Newbie. Kongressneuling Alexandria Ocasio-Cortez und Senator Ed Markey (rechts) stellen den Green New Deal vor. (Foto: House Demaocrats / Wikimedia)

Dieser sieht vor, dass innert zehn Jahren nach Verabschiedung die Treibhausgasemissionen der USA auf Netto Null gesenkt und Millionen an neuen Arbeitsplätzen geschaffen werden. Ocasio-Cortez und Markey fordern nicht weniger als eine „neue nationale, soziale, industrielle und wirtschaftliche Mobilisierung in einem Ausmass, wie sie seit dem Zweiten Weltkrieg und der Ära des New Deals nicht mehr gesehen wurde“. [1] Julian Noisecat von der Klimaorganisation 350.org begrüsst die Kombination von Klima und Jobs: „Die Klimapolitik wurde lange aus einer Perspektive von Knappheit und Verzicht betrachtet. Was den Green New Deal so wirkmächtig macht, ist dass er eine neue Perspektive bietet: Wir können Millionen von Jobs schaffen und phänomenale Dinge für normale Menschen tun durch Klimapolitik.“ [2] Damit können sich auch viele Amerikaner anfreunden: Eine Umfrage im Dezember ergab, dass 81 Prozent einen „Green New Deal“ befürworten und nur 18 Prozent dagegen sind. [3] Damals war allerdings den wenigsten bekannt, dass es sich dabei um eine Initiative der Demokraten handelt. Sobald dies Wählern der Republikanischen Partei von US-Präsident Donald Trump bewusst wird, könnte die Zustimmungsrate daher sinken. [3] Sie muss es aber nicht: Eine andere Umfrage hat ergeben, dass 69 Prozent der Amerikaner zumindest „etwas besorgt“ sind wegen des Klimawandels. [4]

Vorerst ist allerdings nahezu ausgeschlossen, dass der Green New Deal Gesetz wird. Die Demokraten haben zwar im Repräsentantenhaus die Mehrheit, nicht aber im Senat. Ausserdem könnte Trump gegen das Gesetz sein Veto einlegen. Noch ist zudem unklar, was der Plan kostet und wie er finanziert werden soll. Ocasio-Cortez erklärt dazu nur, die US-Notenbank Federal Reserve könne „Kredite“ vergeben und „eine Kombination verschiedener Steuern (inklusive CO2- und Vermögenssteuern)“ könne eingesetzt werden. [5] Umstritten ist auch, ob die Ziele etwa im Stromsektor realistisch sind. Vorletztes Jahr stammten 17 Prozent des US-Stroms aus erneuerbaren Quellen und 20 Prozent aus Atomkraftwerken. [6] 100 Prozent CO2-freier Strom innert zehn Jahren ist daher ambitioniert. Ausserdem besteht bei den Unterstützern des Green New Deals kein Konsens bezüglich Atomkraft. Ocasio-Cortez will diese abschaffen, Markey hingegen nicht. Auch das Ziel „alle Gebäude“ in zehn Jahren zu renovieren, um „maximale Energieeffizienz“ zu erreichen, ist eine Herausforderung. Hinzu kommen einige soziale Versprechen, die sich nicht leicht halten lassen. So sollen etwa alle Amerikaner einen Rechtsanspruch auf einen Job bekommen, der gut genug bezahlt ist, um damit eine Familie zu unterhalten. [1]

Vielen Unterstützern des Green New Deals geht es denn auch nicht, um dessen sofortige Umsetzung sondern um die Kandidatenauswahl der Demokraten für die US-Präsidentschaftswahlen im Jahr 2020. Mittlerweile haben 13 Demokraten angekündigt, sich in den Vorwahlen der Partei zu bewerben. „Da mehrere 2020-Kandidaten sagen, dass sie den Green New Deal unterstützen, definiert unsere Bewegung was das heisst“, sagt Waleed Shahid von der Organisation Justice Democrats. „Wir stellen sicher, dass sich diese Kandidaten für eine Mobilisierung unserer Wirtschaft wie im Zweiten Weltkrieg einsetzen.“ [7] Der Green New Deal diene als „Lackmustest“, sagt Stephen O’Hanlon, der Sprecher der Jugendbewegung Sunrise Movement. „Alle 2020-Kandidaten müssen wissen: Wenn sie von jungen Leuten ernst genommen werden wollen, müssen sie den Green New Deal unterstützen.“ [7] Damit haben Ocasio-Cortez und Markey in kurzer Zeit schon viel erreicht. Der Bürochef von Ocasio-Cortez, Saikat Chakrabarti, sagte: „Wir dachten es würde ein Jahr dauern“, um eine Bewegung rund um den Green New Deal aufzubauen. „Aber es dauerte nur Wochen.“ [8] mic

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[1] Alexandria Ocasio-Cortez, 06.02.2019: Resolution – Recognizing the duty of the Federal Government to create a Green New Deal (PDF)

[2] The Guardian, 03.02.2019: Climate change 2020: can the Democrats make it an election issue?

[3] Yale, 14.12.2018: The Green New Deal has Strong Bipartisan Support

[4] Yale, Deyember 2018: Climate change in the American mind (PDF)

[5] Alexandria Ocasio-Cortez, Januar 2018: Draft Text for Prposed Addendum to House Rules for the 116th Congress of the United States (Google Docs)

[6] CNBC, 05.02.2019: Alexandria Ocasio-Cortez’s Green New Deal would reshape the economy in 10 years. That could shock the energy sector

[7] Vox, 07.02.2019: Alexandria Ocasio-Cortez is making the Green New Deal a 2020 litmus test

[8] Vox, 07.02.2019: The Green New Deal, explained

Wann kommt das erste Klimabeben an der Börse?

Pleite von PG&E zeigt Gefahr von Klimawandel für das globale Finanzsystem

Ein durch den Klimawandel potenzierter Waldbrand hat zum Konkurs des grössten US-Energieversorgers geführt. Dabei war die Firma noch vor drei Monaten 25 Milliarden US-Dollar wert. Derartige Verluste in so kurzer Zeit sind eine Gefahr für das Finanzsystem.

Der US-Energieversorger Pacific Gas and Electric Company (PG&E) teilt sich mit der US-Investmentbank Lehman eine zweifelhafte Auszeichnung: Sie gehören zu einer Gruppe von nur vier Firmen, denen die Ratingagenturen noch zwölf Monate vor ihrem Bankrott eine gute Bonität bescheinigt hatten. [1] Bei Lehman führten Ramschhypotheken zum Blitzabsturz und bei PG&E der Klimawandel. Dieser sorgt in Kalifornien für heissere und trockenere Sommer. Das Klima in dem US-Bundesstaat hat sich bereits um mehr als 1,7 Grad erwärmt. [2] In der Folge werden die Waldbrände grösser und gefährlicher. In den letzten drei Jahren ereigneten sich sechs der zehn Brände, die die grösste Zerstörung angerichtet haben. [3] Der frühere Gouverneur Kaliforniens, Jerry Brown, bezeichnete die Megafeuer daher als den „neuen Normalzustand“. [4]

Paradise Lost. Das Camp Fire zerstörte nicht nur Paradise sondern auch PG&E. (Bild: Nasa)

Paradise Lost. Das Camp Fire zerstörte nicht nur Paradise sondern auch PG&E. (Bild: Nasa)

Dieser hat nun PG&E das Genick gebrochen, denn in Kalifornien haften Energiekonzerne für alle Feuer, die durch ihre Kraftwerke oder Strom- und Gasleitungen verursacht werden. Dies gilt auch dann, wenn sie alle Vorschriften eingehalten haben und kein Fall von Fahrlässigkeit vorliegt. Nach den vielen, grossen Feuern in den letzten beiden Jahren sieht sich PG&E daher Schadensersatzansprüchen von bis zu 30 Milliarden US-Dollar gegenüber. Die Firma könnte insbesondere für das tödlichste Feuer in der Geschichte Kaliforniens, das „Camp Fire“, verantwortlich sein, bei dem 86 Menschen ums Leben gekommen sind. Das Feuer zerstörte das 26‘000-Einwohner-Städtchen Paradise fast komplett. Mit einem Schaden von 16,5 Milliarden US-Dollar war es weltweit die teuerste Naturkatastrophe im Jahr 2018 wie der Rückversicherer Munich Re ausgerechnet hat. (Auf dem zweiten und dritten Platz liegen die Hurrikane Michael und Florence, deren Wucht ebenfalls durch den Klimawandel verstärkt wurde.) [5]

Für die Kapitalmärkte beginnt damit eine neue Zeit: In nur wenigen Monaten können Milliardenwerte durch den Klimawandel vernichtet werden: Vor dem Camp Fire im November 2018 war PG&E noch 25 Milliarden Dollar wert. [6] „Das Potential von Klimarisiken kann sich in einer nicht-linearen Art verändern und unerwartet hohe Schäden verursachen“, warnt die Internationale Vereinigung der Versicherungsaufsichtsbehörden (IAIS) in einem Bericht. [7 s. S. 14] Darauf seien die Risikomanagementsysteme von Firmen wie PG&E aber nicht vorbereitet, warnt Michael Wara von der US-Universität Stanford: „Diese Systeme entwickeln sich nicht graduell. Was passiert ist: sie brechen und genau das beobachten wir gerade in Kalifornien“, sagte Wara gegenüber dem US-Magazin Vice. [8] Das wiederum sei eine Gefahr für das gesamte Finanzsystem warnt die IAIS: „Unversicherte Verluste könnten kaskadenartige Folgen für das Finanzsystem haben auch für Banken.“ [7]

Ein Beispiel dafür sind zwei Solarkraftwerke, von denen PG&E Strom bezieht: das 550-Megawatt Kraftwerk Topaz von Berkshire Hathaway und das 250-Megawatt-Kraftwerk Genesis von NextEra Energy. Beide haben relativ alte Abnahmeverträge, in denen ihnen von PG&E ein Strompreis garantiert wird, der deutlich über dem Preis für neue Solarkraftwerke liegt. Derzeit ist unklar, ob das Konkursgericht diese Verträge aufheben kann. Trotzdem wurde die Kreditwürdigkeit der beiden Kraftwerke bereits auf Ramschniveau heruntergestuft. [9] So werden selbst Solarparks Opfer des Klimawandels. mic

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[1] BofA via zerohedge, 16.01.2019: Lehman, WorldCom And Now PG&E: The “Failing Angels” Are Back

[2] National Geographic, 15.11.2018: See how a warmer world primed California for large fires

[3] Yale Climate Connections, 13.11.2018: The many ways climate change worsens California wildfires

[4] CNBC, 01.08.2018: Gov. Jerry Brown warns ‘new normal’ of wildfires could bring fiscal stress for California

[5] USA Today, 08.01.2019: USA had world’s 3 costliest natural disasters in 2018, and Camp Fire was the worst

[6] NYT, 29.01.2019: The Very High Costs of Climate Risk

[7] IAIS, Juli 2018: Issues Paper on Climate Change Risks to the Insurance Sector (PDF)

[8] Vice, 28.01.2019: The Next Financial Crisis Could Be Caused by Climate Change

[9] gtm, 28.01.2019: The Looming Bankruptcy Battle Over PG&E’s Renewable Energy Contracts

 

Der Klimawandel und die Ausserirdischen

Die Menschheit muss schnell erwachsen werden, wenn sie den Planeten noch retten will

Zivilisationen kommen irgendwann an den Punkt, wo sie Verantwortung für ihren Planeten übernehmen müssen oder diesen zerstören. Daran könnten die meisten scheitern, was erklären würde, warum es so wenige Ausserirdische gibt.

„Wo sind sie alle?“ fragte der Physiker Enrico Fermi bei einem Mittagessen mit Kollegen im Jahr 1950. Gemeint waren Ausserirdische. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass es auch auf anderen Planeten intelligentes Leben gibt, ist erstaunlich hoch. Gleichzeitig hat die Menschheit aber noch keinen einzigen Hinweis gefunden, dass sie nicht allein ist. Das Fermi-Paradox war geboren. Der Grund für die hohe Wahrscheinlichkeit ist die sehr – sehr – grosse Zahl an Planeten im Universum. Allein in unserer Galaxie gibt es 100 bis 400 Milliarden Sterne. Damit ist die Milchstrasse gerade mal Durchschnitt. Für jeden dieser Sterne gibt es zudem eine weitere Galaxie im All. Damit kommt man auf 10 hoch 22 Sterne (in Zahlen: 10‘000‘000‘000‘000‘000‘000‘000 Sterne). Oder anders: Auf jedes Sandkorn auf der Erde kommen mehr als 1000 Sterne im Universum. [1] Für Leben braucht es aber mehr: einen sonnenähnlichen Stern und einen erdähnlichen Planeten mit flüssigem Wasser. Doch auch deren Zahl bleibt unvorstellbar: Es gibt rund zehn lebensfreundliche Planeten pro Sandkorn. [2]

Auf all diesen Planeten besteht seit Milliarden von Jahren die Möglichkeit, dass sich Leben entwickelt. Wenn dies auf einem Prozent der Planeten geschieht und sich dieses Leben in jedem Tausendsten Fall soweit entwickelt wie auf der Erde, müsste es an intelligenten Ausserirdischen nur so wimmeln. Allein in unserer Milchstrasse gäbe es 10‘000 Planeten mit Bewohnern, die mindestens so intelligent sind wie wir. [5] Doch bekanntlich hat die Menschheit bislang noch keine Spur dieser galaktischen Mitbewohner entdeckt. Für diesen Gegensatz gibt es zwei Erklärungen: Entweder wir haben die vielen Ausserirdischen bislang übersehen oder es gibt eben doch viel weniger von ihnen. Für ersteres gibt es mehrere mögliche Erklärungen: Vielleicht verstecken sich intelligente Ausserirdische, um etwa marodierenden Raumpiraten zu entgehen. Vielleicht sind wir aber auch einfach noch zu dumm, um unsere superintelligenten Mitbewohner wahrzunehmen. In den Weiten des Internets beliebt, ist zudem die These: Wir sind längst in Kontakt mit Ausserirdischen, aber die US-Regierung hält dies geheim.

Alien dude.  Wenn relativ viele Ausserirdische gibt, haben wir tendenziell ein geringeres Problem, als wenn es keine (mehr) gibt. (Grafik: liftarn / openclipart)

Alien dude. Wenn relativ viele Ausserirdische gibt, haben wir tendenziell ein geringeres Problem, als wenn es keine (mehr) gibt. (Grafik: liftarn / openclipart)

Kritischer wäre hingegen, wenn es viel weniger intelligente Wesen im All gäbe. Dies setzt einen „grossen Filter“ voraus, der die Entwicklung oder das Überleben solcher Wesen verhindert. Dieser könnte ganz am Anfang der Evolution liegen: Vielleicht ist es eben doch extrem unwahrscheinlich, dass überhaupt Leben entsteht. Er könnte aber auch später kommen etwa beim Sprung vom Affen zum Mensch. Beides könnte uns egal sein, denn dann läge der „grosse Filter“ ja bereits hinter uns. Schlechter wäre der umgekehrte Fall, wenn der Filter noch vor uns liegt. Dann würden zwar immer wieder intelligente Wesen entstehen, aber diese würden nicht lange genug überleben, um weit ins All vorzustossen. Möglich wäre etwa, dass Wesen wie wir die Neigung haben, sich per Atomkrieg wieder auszurotten. Vielleicht gibt es aber auch in der Entwicklung technologiebasierter Zivilisation wie der unsrigen eine Sollbruchstelle, die nur wenige überwinden können.

Das ist die These, die der Astrophysiker Adam Frank in seinem neuen Buch „The Light of the Stars“ (Das Licht der Sterne) ausführt. [6] Für Frank ist die Sollbruchstelle der Klimawandel. Wir seien „kosmische Teenager, eine sehr junge Spezies, die gerade erwachsen wird“ und der Klimawandel markiere die Schwelle zum Erwachsenenalter: „Wenn man eine technologische Zivilisation ist wie wir, dann ist es unvermeidlich, dass man einen Wandel des Klimas anstösst“, sagte Frank gegenüber dem US-Magazin National Geographic. [7] „Jede junge Zivilisation löst ihre Version des Anthropozäns aus und daher sind wir kosmische Teenager.“ Mit Anthropozän oder „Menschenalter“ bezeichnet man die neueste geologische Epoche, da nun der Mensch für die wesentlichen Veränderungen der Geologie verantwortlich ist. Doch genau dieser Übergang zum Anthropozän könnte der „grosse Filter“ sein, der dafür sorgt, dass es im Universum eben doch nicht an intelligentem Leben wimmelt. „Wir haben genug Macht über den Planeten, um diesen zu verändern, aber es ist nicht sicher, dass wir die nötige Weisheit haben, um diesen schwierigen Übergang zu meistern. Wir müssen dringend unsere Zivilisation anpassen, damit sie wirklich nachhaltig wird.“ [7]

Dass der Klimawandel tatsächlich der grosse Filter sein könnte, an dem auch unsere Zivilisation letztlich scheitert, zeigt eine neue Studie mit dem Titel „Pfade des Erdsystems im Anthropozän“. [8] Darin zeigen Johan Rockström, Kodirektor in spe des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), und andere, dass es einen Kipppunkt geben könnte, ab dem sich die Klimaerwärmung selbst verstärkt. Wird dieser Punkt erreicht, steigt die Temperatur um mehr als fünf Grad und die Erde erlebt eine „Heisszeit“. Wo der Schwellenwert liegt, sei unsicher, „aber er könnte nur Jahrzehnte in der Zukunft liegen bei einer Klimaerwämung von rund zwei Grad“. [8] Die Konsequenzen wären katastrophal: „Eine Heisszeit birgt letztlich ein grosses Risiko für die Bewohnbarkeit des Planeten für Menschen.“ [8] Sollte der Klimawandel wirklich der „grosse Filter“ sein, der das Fermi-Paradox erklärt, stünde die Prognose für die Menschheit schlecht: Das würde bedeuten, dass die meisten Zivilisationen am Übergang in „ihr“ Anthropzän scheitern und es deswegen so wenige Ausserirdische gibt. Aber vielleicht wird die Menschheit ja schnell genug erwachsen, denn: „Eine kollektive Anstrengung der Menschheit ist erforderlich, um das Erdsystem in einem bewohnbaren Zustand zu stabilisieren.“ [8] Wir kosmischen Teenager stehen also vor einer Wahl: Entweder wir übernehmen Verantwortung oder wir gehen unter – „Verantwortung für das gesamte Erdsystem – die Biosphäre, das Klima und die Gesellschaften“. [8] Es war noch nie leicht ein Teenager zu sein. mic

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[1] Gemäss [2] gibt es 7.5 mal 10 hoch 18 Sandkörner auf der Welt.

[2] NPR, 17.09.2012: Which Is Greater, The Number Of Sand Grains On Earth Or Stars In The Sky?

[3] Gemäss [4] sind 5 bis 20 Prozent der Sterne “sonnenähnlich”. Von diesen haben wiederum 22 Prozent einen “erdähnlichen” Planeten. Das heisst, 1 Prozent aller Sterne hat einen erdähnlichen Planeten. Bei 10 hoch 22 Sternen haben folglich mindestens 10 hoch 20 einen erdähnlichen Planeten.

[4] WaitButWhy, 21.05.2014: The Fermi Paradox

[5] 1 Prozent der 100 Milliarden Sterne in der Milchstrasse haben einen erdähnlichen Planeten. Folglich gibt es davon eine Milliarde. Auf einem Prozent entwickelt sich Leben, also auf 10 Millionen. Auf jedem Tausendsten davon wird dieses Leben so intelligent wie wir, also auf 10’000 Planeten.

[6] Adam Frank, Juni 2018: The Light of the Stars – Alien Worlds and the Fate of the Earth

[7] National Geographic, 27.07.2018: Are We Alone? Maybe. The Better Question Is, Can We Survive?

[8] Will Steffen et al. in PNAS, 06.08.2018: Trajectories of the Earth System in the Anthropocene

Kommentar: Paris Abkommen hat Test bestanden

Mit der Verabschiedung des Regelwerks hat das Paris Abkommen den ersten wesentlichen Test bestanden. Der Kompromiss von Paris beruhte oftmals auf „konstruktiver Ambivalenz“, also mehrdeutigen Formulierungen, die es allen Ländern ermöglichten, dem Abkommen zuzustimmen. Beim Regelwerk mussten diese Mehrdeutigkeiten aufgelöst werden, um klaren Regeln für alle zu haben. Das gelang. Ab 2024 gelten nun weitgehend die gleichen Regeln für Industrie- und Entwicklungsländer. Ausnahmen gibt es nur für Länder, denen klar die Kapazitäten fehlen.

Das Regelwerk ist zudem der schwierigere Teil des Pariser Klimaregimes: Dieses besteht aus den Klimaplänen der Länder, die diese freiwillig und nahezu ohne Vorgaben entwickeln können. Als Gegenstück dazu gibt es ein verbindliches Regelwerk, das die Berichterstattung über die Emissionen und die Massnahmen zum Klimaschutz regelt. Hier ist natürlich die Zustimmung zum freiwilligen Element einfacher als zum verbindlichen. Daher war der Erfolg in Katowice nicht selbstverständlich, auch wenn es sich „nur“ um das Regelwerk und nicht um ein visionäres Abkommen wie das von Paris handelte.

Damit ist das Fundament für mehr Ehrgeiz beim Klimaschutz gelegt: Das Regelwerk sorgt für Transparenz und die Länder sehen, dass auch der Nachbar Massnahmen zum Schutz des Klimas umsetzt. Gleichzeitig schafft das Paris Abkommen einen Rahmen, der dafür sorgt, dass die Länder alle fünf Jahre ihre Klimapläne nachschärfen. Hinzu kommt der 1,5-Grad-Bericht des Weltklimarats IPCC, der so klar wie nie die Dringlichkeit der Klimakrise und deren Folgen aufzeigt. Das Ziel (1,5 Grad) und die Mittel zu dessen Erreichung (Paris Abkommen mit Regelwerk) sind damit gegeben. Jetzt fehlt nur noch die Umsetzung in der Schweiz, in Deutschland, in Europa und im Rest der Welt. mic

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Regelwerk für Paris beschlossen

Nur beim Handel mit Emissionszertifikaten gelang keine Einigung

Das Paris Abkommen war bislang ein Rohbau. Nun haben die Länder die Innenausstattung nachgeliefert. Diese berücksichtigt sowohl die Wünsche der Industrie- wie auch der Entwicklungsländer.

Mit 17 Stunden Verspätung war es soweit: Am Samstagabend hämmerte Michael Kurtyka, der Präsident der UN-Klimakonferenz in Katowice, deren Ergebnis zu gültigem Völkerrecht. „Alle müssen etwas geben um zu gewinnen“ sagte Kurtyka im Hinblick auf die Verabschiedung des Regelwerks für das Pariser Klimaabkommen. “Vor fünf Jahren wäre es noch undenkbar gewesen, dass China, die USA und Indien alle akzeptieren, sich den gleichen Regeln zu unterwerfen”, sagte Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan. “Dass wir nun ein Regelwerk haben, ist fundamental wichtig für das Pariser Klimaabkommen.”

Stage diving. Michal Kurtyka hat es geschafft: Trotz Ärger mit Brasilien und einem wenig diplomatischen Erpressungsversuchs durch die Türkei haben schliesslich alle Länder das Regelbuch angenommen. (Foto: Kiara Worth / IISD)

Das „Katowicer Klimapaket“ legt fest, wie die Klimapläne der Länder aussehen müssen, wie sie über deren Erreichung berichten und wie die Weltgemeinschaft das kontrollieren kann. Dabei konnte inbesondere die Zweiteilung der Welt in Industrie-und Entwicklungsländer überwunden werden: Ab 2024 gelten für alle Länder die gleichen Regeln ausser für Zwergstaaten wie Tuvalu und die 47 ärmsten Länder der Welt. „Positiv überraschend“ fand der Leiter der Schweizer Delegation Franz Perrez zudem die Regeln zur Kontrolle der Zielerreichung: Hier kann das verantwortliche Gremium von sich aus tätig werden, was lange umstritten war.

Das Thema Klimafinanzierung entpuppte sich in Katowice als erstaunlich unkontrovers: Die Industriestaaten sagten zu, unverbindlich über ihre Zukunftspläne bei den Klimahilfen zu berichten. Ausserdem haben sich die Länder darauf geeinigt, wie die Buchhaltungsregeln für diese Hilfen aussehen sollen. Zudem wurde ein Prozess etabliert, der darüber nachdenken soll, welche Mittel die Entwicklungsländer nach dem Jahr 2025 benötigen, um ihre Volkswirtschaften an den Zielen des Paris Abkommens auszurichten. Damit wurde ein Paket geschnürt,in dem sich Vertreter von Hilfsorganisationen wie Harjeet Singh von Action Aid wie auch Vertreter von Geberländern wie Perrez wiederfinden konnten. Singh lobte etwa die Buchhaltungsregeln und Perrez betonte, dass es nicht nur um öffentliche Gelder gehe, sondern um die Umleitung der globalen Finanzströme zugunsten des Klimaschutzes.

Beim Handel mit Emissionszertifikaten, den „Märkten“, herrschte gar Übereinstimmung: Sowohl Umweltorganisationen wie auch europäische Regierungen waren froh ein„schlechtes Resultat“ (Perrez) verhindert zu haben. Hier hatten sich alle Länder der Welt auf Regeln geeinigt, um die doppelte Anrechnung von Emissionsreduktionen zu verhindern, doch Brasilien legte sich quer. Daraufhin versuchte sich Kurtyka an einem Kompromiss angelehnt an den brasilianischen Vorschlag. „Das wäre ein Desaster gewesen“ sagte etwa Alden Meyer von der Wissenschaftlerorganisation Union of Concerned Scientists. Nach stundenlangen Verhandlungen am Samstagnachmittag einigten sich die Länder dann aber auf eine Vertagung dieses Themas auf nächstes Jahr. Probleme ergeben sich dadurch allerdings für Fluggesellschaften:Diese wollen ihre Emissionen auf dem Niveau des Jahres 2020 deckeln, indem sie zusätzliche Emissionen mit Zertifikaten kompensieren. Für dieses System werde es „kritisch“ sagt Dirk Forrister von der International Emissions Trading Association, denn „ohne Einigung auf die Marktregeln wird die Vorbereitungszeit knapp“.

Beim 1,5-Grad-Bericht des Weltklimarats IPCC und dem erforderlichen Ehrgeiz beim Klimaschutz war das Bild hingegen gemischt. Gebru Jember Endalew, der Sprecher der ärmsten Länder der Welt und Chef der äthiopischen Delegation kritisierte: „Es ist mehr als enttäuschend, dass nicht alle Länder hier in Katowice den IPCC-Bericht zu 1,5 Grad begrüsst haben. Wir können dessen Ergebnisse nicht ignorieren.“ Umgekehr tlobte Harjeet Singh die Regeln zur globalen Bestandesaufnahme, wo auch Verluste und Schäden durch den Klimawandel berücksichtigt werden. Die Bestandesaufnahme ist Teil des Mechanismus, der dafür sorgen soll, dass sich die Staaten nach und nach schärfere Klimaziele geben.

Zum Schluss der Konferenz mussten sich die Länder dann noch mit einem wenig klimarelevanten Thema beschäftigen: dem Wunsch der Türkei, als Entwicklungsland zu gelten, um Zugang zum Grünen Klimafonds zu erhalten. Dieses Anliegen konnte schliesslich abgewehrt werden. Gemäss Meyer sei dazu aber eine „Intervention von Angela Merkel und des Weltbankchefs“ erforderlich gewesen. Freunde hat sich die Türkei damit nicht gemacht. mic

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Fliegt Katowice gegen die Wand?

Handel mit Emissionszertifikaten entpuppt sich als grösste Hürde für Erfolg bei der Klimakonferenz

Meist werden Klimakonferenzen durch politische Differenzen zwischen Industrie- und Entwicklungsländern geprägt. Nicht so in Katowice: Dort ist ein technischer Nebenschauplatz, die Märkte, plötzlich das grösste Problem. 

Am Donnerstagabend um neun Uhr lag er endlich vor: der Verhandlungstext für die letzte Phase der UN- Klimakonferenz in Katowice. Zwei Stunden später trafen sich die Vertreter der verschiedenen Ländergruppen zu einer ersten, vierstündigen Aussprache. Es herrschte grosse Einigkeit: „Niemand mochte den Text und es gab harsche Wortmeldungen“, berichtete der Leiter der Schweizer Delegation Franz Perrez. „Es sah so aus, als hätten wir in den drei Jahren seit Verabschiedung des Paris Abkommens keinerlei Fortschritt gemacht.“ Im Anschluss präsentierte Konferenzpräsident Michal Kurtyka dann eine neue Version des Texts, die seit Freitagmorgen als Grundlage der Verhandlungen diente.

Higher. Auch am Freitag gab es eine Pressekonferenz der Minister in der High Ambition Coalition mit einer einfachen Botschaft. (Foto: Susanne Schwarz) 

Seither hat sich das technischste Kapitel als das schwierigste erwiesen: die Märkte. Einige wenige Länder wie die Schweiz, Neuseeland und Südkorea wollen einen Teil ihrer Emissionen im Ausland kompensieren. Damit das auch tatsächlich dem Klima etwas bringt, muss sichergestellt sein, dass die Emissionsreduktionen nicht doppelt gezählt werden – etwa einmal in Brasilien und einmal in der Schweiz. Während die drei potentiellen Käufer von Emissionszertifikaten wasserdichte Regeln wollen, blockiert der potentiell wichtigste Verkäufer aber die Verhandlungen: Brasilien. Das hat einen einfachen Grund: Interessant sind nicht die Schweiz,Neuseeland und Südkorea. Interessant ist Corsia. Das ist das System zur Kompensation der Emissionen des weltweiten Luftverkehrs. Dessen CO2-Ausstoss soll auf dem Niveau des Jahres 2020 gedeckelt werden. Dazu sind Zertifikate für mehr als drei Milliarden Tonnen CO2 in den nächsten 15 Jahren erforderlich. Schon bei einem bescheidenen Preis von 20 Euro pro Tonne CO2 geht es daher um sehr viel Geld: 60 Milliarden. „Dieses Thema baut sich zu einem Showdown auf“, sagt Perrez, an dem die Konferenz in Katowice sogar scheitern könnte. Niemand weiss, ob die vier betroffenen Länder einem Abschlussdokument zustimmen werden, wenn darin keine zufriedenstellende Regelung für den Zertifikatehandel enthalten ist.

Die viel politischeren Kapitel, die am Anfang der Konferenz im Zentrum standen, haben sich im Vergleich als einfacher erwiesen. Mittlerweile wird etwa erwartet, dass sich die Länder auf einheitliche Regeln für die Berichterstattung über ihre Emissionen einigen werden. Ursprünglich hatten die Entwicklungsländer hier „Flexibilitäten“für sich reklamiert. Einfachere Regeln wird es wohl aber nur für Mikrostaaten wie Tuvalu und die 47 ärmsten Länder der Welt geben. Diese haben schlicht nicht die nötige Kapazität, um ihre Emissionen zuverlässig zu messen. Auch die stets heiss umstrittenen Finanzhilfen der reichen für die armen Länder befinden sich nach Aussage von Verhandlern auf der Zielgeraden. Die Industriestaaten sind hier bereit, unverbindlich über ihre Pläne zur Klimafinanzierung zu berichten. Ausserdem wird wohl im Jahr 2020 oder 2021 ein Prozess etabliert, der darüber nachdenkt, wie diese Finanztransfers nach dem Jahr 2025 auf über 100 Milliarden Dollar pro Jahr gesteigert werden können. Aus Sicht der herkömmlichen Geberländer wie Deutschland oder der Schweiz wird es dabei auch um die Frage gehen, was wohlhabende Entwicklungsländer wie Singapur, Saudi Arabien oder China zur Unterstützung wirklich armer Länder beitragen können.

Selbst für den heiss umkämpften Bericht des Weltklimarats IPCC zum 1,5-Grad-Ziel zeichnete sich zuletzt eine Lösung ab, die es allen Ländern ermöglicht ihr Gesicht zuwahren: Der Bericht wird weder „Willkommen geheissen“ noch „zur Kenntnis genommen“. Stattdessen wird dem IPCC und den Wissenschaftlern „gedankt“. Wichtiger als diese Spitzfindigkeit ist allerdings, dass der Inhalt des Berichts explizit Erwähnung findet: Die globalen Treibhausgasemisionen müssen in den nächsten zwölf Jahren von heute 50 Milliarden auf „25 bis 30 Milliarden Tonnen“ CO2 (-Äquivalente) fallen. Wenn dies gelingt, reduziert das auch die „Verluste und Schäden“ in Folge der Klimakrise. In einem Kapitel des aktuellen Texts figuriert dieses Thema nur in einer Fussnote. Beobachter gehen aber davon aus, dass die „Verluste und Schäden“ auch dort in den eigentlichen Text befördert werden.

Abgesehen von den Märkten ist so die spannendste Frage, wann die Konferenz zu Ende sein wird. Die meisten wetten hier auf Samstag, ein paar Optimisten auf Freitagnacht und einige auf Sonntag. mic

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Leitartikel: Ein Bericht verändert die Welt

20 Seiten dröger Text haben in nur zwei Monaten die Welt grundlegend verändert. Noch nie in der Geschichte der Menschheit hat ein Text so schnell einen tiefgreifenden Wandel im Denken herbeigeführt wie der Bericht des Weltklimarats IPCC zum 1,5-Grad-Ziel. Dieses Ziel steht im Pariser Klimaabkommen, das die Klimaerwärmung „deutlich unter zwei Grad“ stoppen soll und verspricht, dass die Länder „Anstrengungen unternehmen, um den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen“. Ob sich das lohnt und überhaupt möglich ist, war bei der Verabschiedung des Abkommens im Jahr 2015 aber noch unklar. Daher erteilten die Länder dem Weltklimarat den Auftrag, einen Sonderbericht zu erstellen.

Dieser zeigt,dass die Welt in zwölf Jahren radikal anders sein wird als heute. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder die Menschheit beschliesst, die Klimaerwärmung tatsächlich bei 1,5 Grad zu stoppen. In diesem Fall muss sie die globalen Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2030 halbieren. Oder die Menschheit ignoriert den Bericht und senkt die Emissionen langsamer. Damit würde das 1,5-Grad-Ziel praktisch unerreichbar und die Erwärmung bestenfalls bei zwei Grad gestoppt. Das halbe Grad Unterschied entscheidet darüber, ob es noch Korallenriffe geben wird oder nicht. Es entscheidet, ob 1,8 Millionen Quadratkilometer Permafrost, die fünffache Fläche Deutschlands, auftauen oder nicht. Und es entscheidet darüber,wie oft der Nordpol im Sommer eisfrei ist: Einmal in zehn oder einmal in hundert Jahren?

Noch nie war die Dringlichkeit der Klimakrise (zwölf Jahre) und ihre Gefährlichkeit (Korallen Ja / Nein) so einfach verständlich. Damit entwickelte der Bericht in nur zwei Monaten eine spektakuläre Wucht: Er dient nun als Bezugsrahmen für das Denken und Handeln nahezu aller Entscheidungsträger. Dabei spielt keine Rolle, ob die Verhandler bei der Klimakonferenz in Katowice den Bericht schliesslich „Willkommen heissen“ oder nur „zur Kenntnis nehmen“ wie es die USA, Russland und Saudi Arabien gefordert haben. Denn auch diese Länder wissen, dass nicht die Klimaverhandlungen über die zukünftige Entwicklung entscheiden werden. Diese können bestenfalls einen Rahmen schaffen, der zu mehr Ehrgeiz beim Klimaschutz ermuntert. Entscheidend sind die Gesetze der Physik und das Handeln vor Ort.Länder, Städte und Unternehmen müssen sich am 1,5-Grad-Bericht ausrichten, wenn eine katastrophale Erwärmung noch verhindert werden soll. Und viele tun das auch – ohne auf das „Regelbuch“ zu warten: Mehr als drei Dutzend Länder(inklusive der EU), Städte rund um die Welt und Hunderte von Firmen haben mittlerweile angekündigt, ihre Emissionen bis zum Jahr 2050 auf Null zu senken.

Der Bericht dient aber nicht nur als Bezugsrahmen für die Klimapolitik und ihre naheliegendsten Komponenten wie Energie- oder Verkehrspolitik. Bei der diesjährigen Klimakonferenz genoss auch die globale Bodennutzung grosse Aufmerksamkeit. Ein Viertel aller Treibhausgasemissionen stammt aus der Landwirtschaft und der Nahrungsmittelbedarf nimmt wegen der wachsenden Weltbevölkerung weiter zu. Gleichzeitig muss bis zur Hälfte des Planeten unter Schutz gestellt werden, um das aktuelle Massaker an Tier- und Pflanzenarten zustoppen. Ausserdem muss deutlich mehr Kohlenstoff in Böden und Wäldern gespeichert werden, um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Dieses Trilemma zwingt zur Aufgabe weit verbreiteter Denkverbote, denn nur eine deutliche Steigerung der Erträge auf bestehenden Flächen ermöglicht den Erhalt von Arten und eine Ausdehnung der Wälder.

Der 1,5-Grad-Bericht hat so für enorme Klarheit und Radikalität im Denken gesorgt. Im Klein-Klein der täglichen Berichterstattung über die Klimakonferenz stehen noch die Differenzen im Vordergrund. Dabei wird übersehen, dass mittlerweile zwischen den Regierungen von armen und reichen Ländern, der Zivilgesellschaft und der Wissenschaft Konsens herrscht: Wir haben noch zwölf Jahre. mic

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Die Schlacht um das 1,5-Grad-Ziel beginnt

Die entscheidende Länderkoalition von Paris landet grossen Aufschlag in Katowice

Mitte der zweiten Woche ist der Stand bei der UN-Klimakonferenz ernüchternd. Daher verbündet sich die EU wieder mit vielen Entwicklungsländern, um doch noch ein gutes Ergebnis zu erreichen.

Wenn die Mitglieder der High Ambition Coalition einen öffentlichen Auftritt ankündigen,ist klar, dass die Klimaverhandlungen auf Messers Schneide stehen. Am Mittwochabend war das auf der Klimakonferenz in Katowice wieder der Fall, als das Bündnis kurzfristig zur Pressekonferenz lud. Auf dem Podium: Ein Dutzend Minister aus der ganzen Welt, darunter Bundesumweltministerin Svenja Schulze, EU-Kommissar Miguel Arias Canete, der Umweltminister der Marshall Inseln David Paul und der Sprecher der ärmsten Länder Gebru Jember Endalew aus Äthiopien. Ihre Botschaft: Mehr Ehrgeiz beim Klimaschutz als Antwort auf den 1,5-Grad-Bericht des Weltklimarats IPCC.

Marshall. Der Minister der Marshall Inseln verkündet, dass die High Ambition Coalition wieder mitmischt. (Foto: Kiara Worth/ IISD)

Genau wie in Paris sammeln sich damit die Truppen, um ein ambitioniertes Ergebnis der Konferenz sicherzustellen. Konkret verpflichten sich die HAC-Mitglieder zu dreierlei: Mehr Klimaschutz vor 2020, ehrgeizigere Klimaziele bis 2030 und die Entwicklung von Langfriststrategien. Dabei gilt der IPCC-Bericht als Richtschnur. Das bedeutet: eine Halbierung der globalen Emissionen innerhalb von zwölf Jahren und eine Reduktion auf Netto-Null bis 2050.

Dass es eines Auftritts wie diesem bedarf, zeigten die zähen Verhandlungen um das Regelwerk auf dem Klimagipfel. Um überhaupt wieder für Bewegung zu sorgen,hatte der Präsident der UN-Klimakonferenz Michal Kurtyka am Dienstag die Verhandlungen übernommen. Aber erst am frühen Mittwochabend legte er einen neuen Textvorschlag vor. „Damit haben wir einen Tag verloren“, sagt Wendel Trio vom Climate Action Network.

Mit dem Text geht Kurtyka zudem ein nicht unerhebliches Risiko ein: Sollten einige Länder den Vorschlag rundheraus ablehnen, hätte Kurtyka sein politisches Kapital verspielt und die Konferenz würde um mehr als einen Tag zurückgeworfen. Li Shuo von Greenpeace China sagte dazu: “Die Verhandlungen werden jetzt nicht mehr von den Ländern vorangetrieben, sondern von der Präsidentschaft.”Dass die Konferenz in einer kritischen Phase ist, zeigte auch der erneute Besuch von UN-Chef Antonio Guterres. Dieser warnte: Ein Scheitern “wäre nicht nur unmoralisch sondern selbstmörderisch. Das klingt wie ein dramatischer Appell, aber es ist genau das: ein dramatischer Appell.“

Damit wählte Guterres deutlich klarere Worte als die Autoren des „Talanoa Aufrufs zum Handeln“, Kurtyka und sein Vorgänger Frank Bainimarama, der Premierminister der Fidschi Inseln. Der Aufruf ist das Ergebnis eines einjährigen Prozesses, der drei Fragen beantworten sollte: „Wo stehen wir? Wo wollen wir hin? Wie machen wir das?“ Vor dem Hintergrund des Berichts des Weltklimarats IPCC zum 1,5-Grad-Ziel ist der Talanoa-Aufruf allerdings zurückhaltend formuliert: Die Antworten auf die drei Fragen „können“ als Grundlage für die (neuen) Klimapläne dienen, die die Länder Anfang 2020 einreichen sollen. Umweltorganisationen lobten denn auch primär den, an eine Südsee-Tradition angelehnten, Prozess: Bei diesem hätten „zum ersten Mal bei den Klimaverhandlungen Unternehmen, Städte und die Zivilgesellschaft am gleichen Tisch gesessen wie Länder“, sagte etwa Helen Mountford vom World Resources Institute. Mohamed Adow von der Hilfesorganisation Christian Aid betonte zudem die fehlende Verbindlichkeit des Aufrufs: Das Abschlussdokument von Katowice müsse den Aufruf „formell“ anerkennen,„sonst ist es schwierig diese Konferenz als Erfolg zu bezeichnen“.

Damit hat sich der Frontverlauf für die letzten Tage der Konferenz weitgehend geklärt.Auf der einen Seite steht die HAC und auf der anderen Seite stehen die USA,Russland, Saudi Arabien und Kuwait. Nun 
kommt es darauf an, wie sich die Länder der Basic-Gruppe positionieren: China, Indien, Brasilien und Südafrika. In Paris waren diese vier Länder ebenfalls nicht Teil der HAC. Das hat sie damals allerdings nicht daran gehindert, das ambitionierte Pariser Ergebnis mitzutragen. mic

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Wetter und Stimmung in Katowice werden frostig

Die UN-Klimaverhandlungen gehen in die entscheidende Phase: Jetzt müssen die Minister ran

Die Minister müssen die verschiedenen Kapitel des Regelbuchs, Entscheidungen zu Klimahilfen und zum Ambitionsniveau zu einem stimmigen und ausbalancierten Ganzen verweben. Dabei zeigen sich auch erste Spannungen.

In Katowice ist es über Nacht deutlich kälter geworden und es schneit. Auf der Klimakonferenz ist die Stimmung auch zunehmend frostig. Am Dienstag haben die afrikanischen Länder beschlossen, manche Gespräche auf Diplomatenebene zu boykottieren. Dabei sollten bis heute (Mittwoch) Morgen die Textentwürfe noch von Experten weiter bereinigt werden, damit die Minister nur die wirklich politischen Fragen entscheiden müssen. Aus Sicht von Franz Perrez, dem Leiter der Schweizer Delegation, sollte der Boykott allerdings nicht überbewertet werden: „In einzelnen Bereichen lassen sich auf Expertenebene noch Fortschritte erzielen, aber viele Fragen können nur im Rahmen der Gesamtbalance gelöst werden.“

Russig. Viele Städte in Polen wie Katowice leiden im Winter unter Luftverschmutzung, weil Kohleheizungen noch immer üblich sind. Da wird selbst der Weihnachtsmann zum Klimaaktivist. (Foto: Christian Mihatsch)

Dazu gehören etwa die Fragen zum Berichtswesen und zu den Klimahilfen. Hier gäbe es „ein Geben und Nehmen“ so Perrez. „Ein robusterer Transparenzrahmen für Massnahmen zum Klimaschutz einerseits und für die Unterstützung durch die Industriestaaten andererseits.“ Zudem wollten die Länder in dieser Phase der Konferenz „ihre Verhandlungs-Chips“ noch behalten. Reine Finanzzusagen gehören da nicht dazu und einige Industriestaaten sind hier schon in Vorlage gegangen: Deutschland hat am ersten Konferenztag eine Verdoppelung des deutschen Beitrags zum Green Climate Fund auf 1,5 Milliarden Dollar versprochen. Gestern (Dienstag) kündigte Bundesumweltministerin Svenja Schulze zudem 70 Millionen Dollar für den sehr viel kleineren Anpassungsfonds an. Weitere Finanzzusagen kamen von der Schweiz,Norwegen, Schweden, Neuseeland und der Weltbank.

Während die USA keine Klimahilfen mehr bereit stellen, sind sie bei den Verhandlungen über das Regelbuch noch voll engagiert, obwohl sie voraussichtlich im November 2020 aus dem Paris Abkommen aussteigen werden. Die noch aus der Obama-Ära stammenden Diplomaten wollen ein Regelwerk aushandeln, das es dem Nachfolger von US-Präsident Donald Trump ermöglicht, dem Abkommen sofort wieder beizutreten. Dafür müssen sie sicherstellen, dass für die USA und China möglichst die gleichen Regeln gelten und auch für andere Entwicklungsländer nur wenige Ausnahmen gemacht werden. Solche lässt das Paris Abkommen zu, weil die Länder nur „im Licht ihrer Kapazität“ etwa über ihre Emissionen berichten müssen. Der 12-Tausend-Einwohner-Staat Tuvalu kann daher weniger detailliert berichten als Deutschland oder die Schweiz. Es könne allerdings nicht sein, dass die Länder alleine über ihre Kapazität entscheiden, so Perrez, denn: „Die Kapazität eines Landes hängt auch immer von dessen Prioritätensetzung ab.“

Unklar ist auch noch, welche Priorität der Klimaschutz generell spielen soll. Eine Frage ist etwa: Soll der Bericht des Weltklimarats IPCC zum 1,5-Grad-Ziel nur „zur Kenntnis genommen werden“ wie es die USA, Russland, Saudi Arabien und Kuwait fordern oder „Willkommen geheissen werden“ wie es der Rest der Welt will. Was wie eine Spitzfindigkeit klingt, sei „strategisch wichtig“ sagt Christoph Bals von der Umweltorganisation Germanwatch. Denn einfache Kenntnisnahme verhindere, dass sich Länder in Zukunft auf den Inhalt des Berichts berufen könnten. Der Bericht war denn auch Thema beim ersten Treffen der High Ambition Coalition (HAC) in Katowice am Montag. Die HAC ist ein informeller Zusammenschluss fortschrittlicher Industriestaaten wie der EU oder der Schweiz und einigen Schwellenländern wie Mexiko mit den ärmsten Ländern der Welt und den Inselstaaten. Diese Koalition hat massgeblich dazu beigetragen, dass das 1,5-Grad-Ziel überhaupt im Paris Abkommen steht und der Weltklimarat den dazugehörigen Bericht geschrieben hat. Unabhängig von der Wortwahl bei der Referenzierung des Berichts im Abschlussdokument von Katowice, hat die HAC damit bereits ein wesentliches Ziel erreicht: In den zwei Monaten seit seines Erscheinens ist der Bericht bereits zum eigentlichen Referenzrahmen der internationalen Klimapolitik geworden, wie der Chef des Schweizer Bundesamtes für Umwelt, Marc Chardonnes, bei einem Ministertreffen beobachtet hat: „Der IPCC-Bericht wirkte als stille Macht hinter den Statements der Minister.“ mic

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Wirtschaft verliert Geduld mit Regierungen bei Klimapolitik

Firmen fordern eine klare Ansage der Politik, selbst wenn das kurzfristig ihrem Geschäft schadet

Manche Politiker glauben immer noch, Klimaschutz schade ihren Volkswirtschaften, dabei sind viele Firmen längst weiter. Sie fürchtenden Klimawandel mehr als die erforderlichen Massnahmen, um diesen zu stoppen.

In Grossbritannien ist der Verkauf von Autos mit Verbrennungsmotor ab dem Jahr 2040 verboten. Ben van Beurden geht das nicht schnell genug: „Wenn man das früher machen könnte, wäre das natürlich willkommen.“ [1] Viele dürfte diese Aussage überraschen,denn van Beurden ist der Chef des Ölkonzerns Shell. Nigel Topping wundert sich dagegen nicht. Er ist der Chef von We Mean Business, einer Organisation, die Firmen hilft, sich am Paris Abkommen auszurichten. „Unternehmen wollen wissen, in welche Richtung es langfristig geht. Wenn Länder klar sagen, dass Verbrennungsmotoren abgeschafft werden, dann wird Alles viel einfacher.“

Nervös. Am Samstag fand in Katowice eine Demonstration für mehr Klimaschutz statt. Zur Einrichtung einer Arbeitsgruppe, die sich um mehr Ehrgeiz beim Klimaschutz kümmert, konnte sich der polnische Konferenzpräsident dennoch nicht durchringen. (Foto: Kiara Worth / IISD)

Die Wirtschaft wünscht sich aber nicht nur eine klare Ansage der Politik, sondern fordert auch, dass die Klimapolitik am Stand der Wissenschaft ausgerichtet wird. Insbesondere der Bericht des Weltklimarats IPCC zum 1,5-Grad-Ziel habe viele Firmenlenker „wachgerüttelt“ so Topping. „Firmen operieren in der realen Welt“ und sie verstünden, dass schon eine Erwärmung um zwei Grad katastrophale Folgen haben wird. Immer mehr Unternehmen sind daher bereit, ihr Geschäft an den IPCC-Berichten auszurichten. Über 500 Firmen haben sich in Zusammenarbeit mit We Mean Business„wissenschaftsbasierte Klimaziele“ gesetzt. Dazu gehören auch Firmen aus Branchen, die ihre Emissionen nur schwer senken können: So hat etwa der indische Zementhersteller Dalmia angekündigt seinen CO2-Ausstoss bis zum Jahr 2040 auf Null zu bringen. [2]

Die Firmennutzen ausserdem gezielt ihre Nachfragemacht: So haben 168 Konzerne versprochen, nur noch Strom aus erneuerbaren Quellen zu kaufen. [2] Zusammen haben sie einen grösseren Stromverbrauch als Polen. Ähnlich ist es bei Elektrofahrzeugen. Hier haben zwar nur 26 Konzerne zugesagt, ihre Flotten komplett umzustellen, dafür gehören einige Schwergewichte dazu: das schwedische Möbelhaus Ikea, der holländische Autoleasingkonzern Leaseplan und das grösste Logistikunternehmen der Welt: Deutsche Post DHL. [2] We Mean Business hat denn auch eine klare Ansage für Autokonzerne: „Die Entwicklung zu Null-Emmissions-Transport ist nicht aufzuhalten.“ Auslöser für die ehrgeizigen Klimaziele vieler Firmen war die Pariser Klimakonferenz. Dort seien zum ersten Mal Firmen eingeladen worden, einen Beitrag zum globalen Klimaschutz zu leisten, erklärt Topping.

Das Interesse an den Konferenzen hat seither noch zugenommen und ebenso die Sorge um deren Resultate. So sagt der Chef des Bundesverband der deutschen Industrie, Dieter Kempf: „Die deutsche Industrie ist sehr besorgt über den schleppenden Fortschritt bei den Klimaverhandlungen in Kattowitz. Die Verabschiedung eines konkreten Regelwerks zur Umsetzung des vor drei Jahren beschlossenen Pariser Abkommens ist längst überfällig.“ Sven Harmeling von der Hilfsorganisation Care fordert daher, dass die Regierungen auf ihre Wirtschaftsführer hören: „Die Regierungen sollten die Positionen dieser Akteure aufgreifen, anstatt sich hinter die zu stellen, die dem notwendigen, schnellen Wandel im Weg stehen.“

Diese Nachricht haben einige Länder allerdings noch nicht bekommen: Am Samstag letzter Woche haben die USA, Saudi Arabien, Russland und Kuweit verhindert, dass die Klimakonferenz den IPCC-Bericht „Willkommen heisst“. Sie bestanden darauf den Bericht nur „zur Kenntnis zu nehmen“. Damit haben sie verhindert, dass der Bericht eines technischen Unterorgans der Klimakonferenz verabschiedet wird. Nun müssen sich die Minister um die richtige Wortwahl kümmern. Eine geeignetes Forum zu dieser Frage gibt es allerdings nicht. Die polnische Konferenzpräsidentschaft hat es versäumt eine Arbeitsgruppe zu bilden, die sich um mehr Ehrgeiz beim Klimaschutz kümmert. Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan zeigte sich denn auch entgeistert: „Wie kann man nach Erscheinen der IPCC-Berichts eine Klimakonferenz präsidieren und keine Arbeitsgruppe aufsetzen, die ein Signal für mehr Ehrgeiz sendet?“ Ähnlich sieht das Topping. Er bezeichnete die Position der USA und ihrer Mitstreiter als „tragisch“. mic

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[1] Guardian, 05.07.2018: Shell would support UK bringing forward petrol ban from 2040

[2] We Mean Business, Stand 10.12.2018: Company commitments