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Die Welt nimmt sich was vor

Vorbereitungen für Sustainable Development Goals abgeschlossen

Das Leben vieler Menschen in den Entwicklungsländern hat sich seit der Jahrtausendwende markant verbessert. Anteil an diesem Erfolg haben auch die Millennium Entwicklungsziele,die noch bis 2015 gelten. Nun laufen die Vorbereitungen für einen neuen Zielkatalog.

“Jedes große Ziel, auch wenn es nicht erreicht wird, bewirkt, dass wenigstens etwas erreicht wird.” (Lü Buwei, chinesischer Politiker und Philosoph, um 300 v. Chr.)

Im Jahr 2000 hat die Menschheit ein gigantischesExperiment begonnen: Mit den Millenium Development Goals (MDGs) haben sich die Länder der Welt zum ersten Mal gemeinsame Entwicklungsziele gesetzt und dann gemeinsam an deren Umsetzung gearbeitet. Die acht Ziele gelten bis 2015. Doch bereits heute gelten die MDGs als grosser Erfolg (siehe Tabelle). Viele der Ziele konnten bereits erreicht werden. Dies gilt etwa für Ziel 1, den Anteil der Menschen zu halbieren, die mit weniger als 1,25 Dollar pro Tag auskommen müssen. 1990 lebten noch rund die Hälfte der Menschen in den Entwicklungsländern in extremer Armut. Im Jahr 2010 war dieser Anteil auf gut ein Fünftel gesunken. Grosse Erfolge konnten zudem beim Kampf gegen Aids, Tuberkulose und Malaria oder bei der Schulbildung erzielt werden. Seit 1990 erhielten zudem 2,3 Milliarden Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Die Welt ist auf gutem Wege viele der MDGs aus dem Jahr 2000 zu erreichen

Die Welt ist auf gutem Wege viele der MDGs aus dem Jahr 2000 zu erreichen

Aufbauend auf diesen Erfolgen will sich die Welt nun neue Ziele setzen, die dann für die Periode 2016 bis 2030 gelten. Diese Ziele heissen Sustainable Development Goals (SDGs) oder auf deutsch Nachhaltige Entwicklungsziele. Nun sind die Vorbereitungen für diese Ziele abgeschlossen. Dabei haben sich die Länder auf insgesamt 17 Ziele und 169 Unterziele geeinigt. Auf Platz 1 steht wieder der Kampf gegen extreme Armut. Doch diesmal wollen die Länder den Anteil der Menschen mit weniger als 1,25 Dollar pro Tag nicht erneut halbieren, sondern komplett eliminieren. Das Gleiche gilt für den Hunger in der Welt, der bis 2030 abgeschafft werden soll. Und auch die Ziele zu Gesundheit sind anspruchsvoll. Hier setzen sich die Länder zum Ziel, dass alle Menschen eine Krankenversicherung oder Zugang zu kostenlosen Gesundheitsdiensten erhalten. Und bei der Bildung ist das Ziel nicht mehr nur Primarschulbildung für alle Kinder sondern auch Sekundarschulbildung. Ausserdem sollen alle Menschen der Welt Zugang zu sauberem Wasser, Toiletten, Energie und dem Internet erhalten.

In Zukunft sollen alle Kinder der Welt nicht nur die Primar- sondern auch die Sekundarschule besuchen (Foto: UNO)

In Zukunft sollen alle Kinder der Welt nicht nur die Primar- sondern auch die Sekundarschule besuchen (Foto: UNO)

Am meisten Streit gab es bei Ziel 5.6: Die Länder sollen sicherstellen, dass alle Frauen und Mädchen „Zugang zu Sexual- und Fortpflanzungsmedizin und Fortpflanzungsrechten“ erhalten. Dieses Ziel wurde von vielen islamischen Länder kritisiert etwa dem Iran: ein Land könne nicht dazu verpflichtet werden , über die Einhaltung von sexuellen Rechten zu berichten, wenn es dieses Konzept nicht anerkennt. Umgekehrt war vielen europäischen und südamerikanischen Ländern die Formulierung von Ziel 5.6 zu schwammig. Liechtenstein etwa reklamierte das Ziel sei „kein Schritt nach vorne“ sondern eher zurück. Uneinigkeit herrschte auch bei der Erwähnung von Rechtsstaatlichkeit (Rule of Law) im Ziel 16.3. Viele Länder wollten diesen Hinweis komplett streichen. Doch eine Gruppe von 58 demokratischen Ländern mit dem Namen „Freunde der Rechtsstaatlichkeit“ konnten die Rule of Law schliesslich in die endgültige Fassung hinüberretten. Trotzdem monierten viele Industriestaaten im Abschlussplenum, dass das Ziel zu schwach formuliert ist.

Umstritten war zudem Ziel 13 zum Klimawandel. Viele Länder bezweifeln, dass dazu ein eigenes Oberziel erfoderlich ist, insbesondere da bis 2015 ein neuer Weltklimavertrag ausgehandelt werden soll. Ziel 13 ist denn auch das einzige Ziel mit einer Fussnote, die klarstellt, dass die UN-Klimaverhandlungen der zentrale Ort für alle Klimafragen sind. Das Klimaziel und seine Unterziele sind daher weitgehend inhaltsleer. Die Länder konnten sich noch nicht mal darauf einigen, auf wieviel Grad die Klimaerwärmung begrenzt werden soll. Trotzdem blieb Ziel 13 erhalten, im Gegensatz zu einigen anderen Anliegen, die keine Erwähnung fanden: Insbesondere arabische Staaten wollten mit Blick auf Israel „illegal besetzte Gebiete“ in einem der Ziele unterbringen. Dies ist ihnen aber nicht gelungen. Wohl aus aktuellem Anlass, setzte sich zudem Russland dafür ein „unilaterale Wirtschaftssanktionen“ zu verbieten. Aber auch dieses Anliegen fand nicht genug Unterstützung.

Streit gab es auch beim Geld. Mehr als ein Drittel der 169 Unterziele beschäftigt sich mit den ‚Mitteln zur Umsetzung‘. Ausserdem ist Oberziel 17 diesem Thema gewidmet. Hier steht unter anderem, dass die Industriestaaten 0,7 Prozent ihres BIPs in Entwicklungshilfe investieren sollen. Diese Forderung der Entwicklungsländer ist alt, aber nur wenige Industriestaaten wie Schweden oder Grossbrittanien erreichen diese Marke. Trotzdem stieg die offizielle Entwicklungshilfe im Jahr 2013 auf ein Allzeithoch von 135 Milliarden Dollar. Dies entspricht allerdings weniger als einem halben Prozent der für die Umsetzung der SDGs erfordelichen Investitionen. Die UN Handels- und Entwicklungsorganisation Unctad schätzt, dass für die Erreichung der SDGs Investitionen von 3300 bis 4500 Milliarden Dollar allein in den Entwicklungsländern erforderlich sind.

Der nun verabschiedete Vorschlag für die Entwicklungsziele wird als nächstes an der UN Generalversammlung im September diskutiert, die dann entscheidet wie die Ziele weiter verhandelt werden. Denn noch ist Zeit. Die SDGs sollen erst im September nächsten Jahres endgültig beschlossen werden. Bis dann wird man versuchen die Zahl von 17 Zielen zu reduzieren. Ausserdem müssen die Ziele noch „knackiger“ formuliert werden. So beklagte Japan, die Ziele seien schwer zu kommunizieren und passten nicht in einen Tweet. Diese Kurznachrichten haben maximal 140 Zeichen – eine Begrenzung, die noch nicht mal für den Titel einiger Ziele reicht.

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Obama überrascht mit TPP Ehrgeiz

Der US-Präsident will trotz Wahlen noch dieses Jahr zu einem Abschluss kommen

Eigentlich hätten die Verhandlungen über eine Freihandelszone rund um den Pazifik bereits letztes Jahr abgeschlossen werden sollen. Aber mittlerweile gilt selbst ein Abschluss in diesem Jahr als fraglich, auch wenn US-Präsident Barack Obama das so will.

US-Präsident Barack Obama macht Druck bei den Verhandlungen über eine Freihandelszone rund um den Pazifik, die ‚Transpazifische Partnerschaft‘ TPP. Er will, dass bis Mitte November ein Papier vorliegt, „das mit dem US-Kongress beraten wurde und das die Öffentlichkeit begutachten kann“. [1] Konkret bedeutet dies, dass die Verhandlungen bis dann zumindest auf technischer Ebene abgeschlossen sein müssten. Denn bislang wird im Geheimen verhandelt und weder die Parlamente der beteiligten Länder noch die Öffentlichkeit wissen genau, wo die Verhandlungen stehen. Beobachter sind von Obamas Zeitplan denn auch überrascht, insbesondere da Anfang November in den USA Wahlen stattfinden und die TPP Verhandlungen derzeit „Null“ politisches Momentum geniessen. [2] Ähnlich ehrgeizig ist aber Japans Ministerpräsident Shinzo Abe. [3] Für diesen sind die TPP Verhandlungen der dritte Pfeil im Köcher seiner als ‚Abenomics‘ bekannten Wirtschaftspolitik. Nachdem er die jahrzehntelange Lethargie der japanischen Wirtschaft mit agressiven Zinssenkungen und grosszügigen Ausgabeprogrammen durchbrochen hat, soll der transpazifische Freihandel nun für die erforderlichen Strukturreformen sorgen.

Die USA und Japan sind die beiden grössten der insgesamt zwölf TPP Länder und versuchen in bilateralen Verhandlungen einen Weg für die ganze Gruppe vorzuspuren. Doch Tokyo tut sich schwer mit Handelserleichterungen im Agrarsektor und in der Automobilindustrie. Aus diesem Grund hat der neuseeländische Premierminister John Key sogar vorgeschlagen, Japan aus den TPP Verhandlungen auszuschliessen. Der japanische Chefunterhändler Koji Tsuruoka untertreibt daher tendenziell, wenn er sagt: „Viele TPP Länder haben grosses Interesse am Stand der bilateralen Japan – USA Verhandlungen.“ [4]

Der neuseeländische Ministerpräsident John Key will Japan aus den TPP Verhandlungen wegen mangelnder Kompromissbereitschaft ausschliessen (Foto: Wikimedia)

Der neuseeländische Ministerpräsident John Key will Japan aus den TPP Verhandlungen wegen mangelnder Kompromissbereitschaft ausschliessen (Foto: Wikimedia)

Bei der letzten Verhandlungsrunde in der vergangenen Woche im kanadischen Ottawa wurden gemäss Tsuruoka aber zumindest in zwei Kapiteln Fortschritte erzielt. Die Länder haben sich auf Regeln zur Vermeidung von Kinder- und Gefangenenarbeit geeinigt. „Dort hat es den bislang grössten Fortschritt gegeben.“ [5] Ausserdem wurden Fragen der Lebensmittelsicherheit geklärt. Trotzdem seien „nicht wenige“ Fragen noch ungelöst. [4] Dazu gehören etwa Regeln zum Schutz von geistigem Eigentum, zur Rolle von Staatsbetrieben in der Wirtschaft und zum Umweltschutz. Wann diese Fragen angegangen werden blieb in Ottawa aber unklar. Die Verhandler haben sich weder auf ein Ministertreffen noch auf einen weiteren Verhandlungstermin geeinigt. Die noch verbleibenden und schwierigsten Kapitel benötigen offensichtlich noch etwas Vorbereitung hinter den Kulissen, wie John Key angedeutet hat: „Es gibt immer eine Periode wo eine Art Armdrücken zwischen den Verhandlern stattfindet. Manchmal fühlt sich die Zeit kurz vor Sonnenaufgang als die dunkelste an.“ [1]

Die zwölf TPP Länder sind: Australien, Brunei, Chile, Japan, Kanada, Malaysia, Mexiko, Neuseeland, Peru, Singapur, die USA und Vietnam. mic

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[1] Reuters, 20.06.2014: Obama says hopes for Pacific trade pact in November

[2] Japan Times, 13.07.2014: No clear path to TPP without game changer

[3] Japan Times, 11.07.2014: Abe vows TPP deal by end of year; US pork lobby pushes for concessions

[4] Global Post, 13.07.2014: Chief TPP negotiators to meet again for ‘not a few’ unresolved issues

[5] Japan News, 13.07.2014: TPP talks make progress, barring thorny issues

Freihandel für Umweltgüter

In einem ersten Schritt sollen Zölle auf Umweltgüter abgeschafft werden

Viele Länder verlangen Zölle bei der Einfuhr von Umweltgütern wie Solaranlagen oder Windrädern. Dadurch werden diese unnötig verteuert und in ihrer Verbreitung gebremst. Das soll sich nun ändern.

Letztes Jahr kam es beinahe zu einem Handelskrieg zwischen der EU und China wegen des Preises von Solarpaneelen. Viele europäische Hersteller warfen ihren chinesischen Konkurrenten Dumping vor. Doch genau für derartige Güter soll nun ein spezifisches Freihandelsabkommen ausgehandelt werden – das ‚Environmental Goods Agreement‘ EGA. Letzte Woche haben 14 Länder, darunter die EU, die USA, China und die Schweiz in Genf Verhandlungen über dieses Umweltgüterabkommen aufgenommen.

Mit dem Freihandel für Umweltgüter kommt der Bullenmarkt (Foto: Wikimedia)

Mit dem Freihandel für Umweltgüter kommt der Bullenmarkt (Foto: Wikimedia)

Umweltgüter sind einer der am schnellsten wachsenden Bereiche der Weltwirtschaft. Gemäss US Berechnungen betrug der Umsatz im Jahr 2012 weltweit knapp 1000 Milliarden Dollar. [1] Wie der Beinahe-Handelskrieg gezeigt hat, ist der Handel mit diesen Gütern aber durch Zölle, Subventionen und nicht-tariffäre Handelshemmnisse etwa unterschiedliche technische Vorschriften verzerrt. In einem ersten Schritt wollen die 14 Länder daher, Zölle auf Produkte wie Windräder, Solaranlagen oder Wasserfilter abschaffen. Diese Zölle sind meist niedrig, können aber bis zu 35 Prozent ausmachen, etwa bei der Einfuhr von solarthermischen Anlagen nach China. Welche Produkte schliesslich durch das EGA abgedeckt werden ist aber noch unklar. Als Ausgangspunkt der Verhandlungen dient eine Liste von 54 Produkten, die bereits 2012 als ‚grün‘ definiert wurden. [2] Damals hat ein asiatisch-pazifisches Kooperationsforum namens Apec seinen 21 Mitgliedsländern Handelserleichterungen für diese Produkte empfohlen.

Das EGA orientiert sich an einem anderen Abkommen für eine spezifische Produktgruppe: das ‘Information Technology Agreement’ ITA, das den Handel mit Computern und Mobiltelefonen erleichtert. Ziel ist insbesondere das Abkommen schliesslich auf alle Länder der Welt auszudehnen. Sobald eine ‚kritische Masse‘ des Handels mit Umweltgütern durch das EGA abgedeckt ist, weiten es die teilnehmenden Länder gemäss Meistbegünstigungsklausel auf alle Staaten aus. Das bedeutet, dass dann auch Länder die nicht beim EGA dabei sind ihre Produkte zollfrei in die EGA Mitgliedsstaaten ausführen können. Beim ITA liegt die ‚kritische Masse‘ bei 90 Prozent um zu verhindern, dass sich grössere Länder als Trittbrettfahrer einen Vorteil verschaffen. Die 14 an den EGA Verhandlungen beteiligten Länder erreichen aber schon heute 86 Prozent des weltweiten Handels mit Umweltgütern. Noch unklar ist wie die EGA Länder sicherstellen wollen, dass das Abkommen ‚zukunftsorientiert‘ ist und die Produktliste nicht schnell wieder veraltet. Dieses Problem ist vom ITA bekannt. Als dieses ausgehandelt wurde gab es weder Smart Phones noch Tablet Computer. Folglich ist die ITA Produktliste mittlerweile veraltet.

Offen ist auch noch die Abdeckung von Umweltdienstleistungen und die Harmonisierung von technischen Vorschriften. Eigentlich hätten diese Fragen im Rahmen der 2001 gestarteten Doha Runde der Welthandelsorganisation WTO geklärt werden sollen. Doch die Doha Runde ist weitgehend gescheitert. Letztes Jahr konnten sich die WTO Mitglieder nur auf einen Bruchteil der ursprünglichen Doha Agenda einigen: ein Abkommen über technische Handelserleichterungen wie einheitlichen Zollformalitäten. Manche Beobachter erhoffen sich daher, dass ein EGA Abschluss auch den multilateralen Verhandlungen im Rahmen der Doha Runde zugute kommt. Wann die EGA Verhandlungen abgeschlossen werden sollen, haben die beteiligten Länder aber nicht bekannt gegeben.

An den EGA Verhandlungen sind Australien, China, Costa Rica, die EU, Hong Kong, Japan,  Kanada, Neuseeland, Norwegen, die Schweiz, Singapur, Südkorea, Taiwan und die USA beteiligt. mic

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[1] Bridges, 10.07.2014: “Green Goods” Trade Talks Kick off in Geneva

[2] Apec, 09.09.2012: Annex C – Apec List of Environmental Goods

Mit Schattenpreisen das Klima retten

Immer mehr Grosskonzerne rechnen intern mit einem CO2 Preis

Kommt die Klimakatastrophe oder werden Massnahmen ergriffen, um diese abzuwenden? Aus Sicht von Inselstaaten ist das eine existentielle Frage. Aus Sicht von Grosskonzernen ist das ein buchhalterisches Problem, dem mit Schattenpreisen begegnet werden kann.

„Der Klimawandel ist der schwerwiegendste Fall von Marktversagen, den es je gegeben hat.“ sagt der Klimaökonom Sir Nicholas Stern. Weil die Freisetzung von CO2 nichts kostet, wird zuviel davon emittiert. Doch diesem Problem lässt sich abhelfen, entweder mit einer Steuer auf CO2 Emissionen oder mit einem Handelssystem für Verschmutzungsrechte wie dem EU Emissionshandel. In beiden Fällen bekommen CO2 Emissionen einen Preis und die Emissionen gehen zurück. Doch was, wenn es weder eine CO2 Steuer noch ein Handelssystem gibt wie in den USA? Dann besteht eine Unsicherheit, ein ‚regulatorisches Risiko‘. Denn der Gesetzgeber könnte ja in Zukunft einen CO2 Preis anordnen. Und die Wahrscheinlichkeit, dass er das tut, wird mit jedem Extremwetterereignis grösser. Zudem zeigt Studie auf Studie, dass Klimaschutz billiger ist als eine Klimaerwärmung um mehr als zwei Grad. Klimaschutz könnte gar für mehr Wirtschaftswachstum sorgen, wie zuletzt eine Weltbankstudie gezeigt hat. [1] Kurz, es wird immer wahrscheinlicher, dass die Politik die Klimakrise ernst nimmt und Gegenmassnahmen einleitet.

Während Shells Ingenieure das Ethen cracken schon ganz gut im Griff haben, kämpfen die Konzernbuchhalter noch mit der Knacknuss Klimawandel (Foto: Shell)

Während Shells Ingenieure das Äthylen cracken schon ganz gut im Griff haben, kämpfen die Konzernbuchhalter noch mit der Knacknuss Klimawandel (Foto: Shell)

Um diesem Risiko bei Investitionsentscheidungen und im operativen Geschäft gerecht zu werden, benutzen rund 100 Grosskonzerne einen internen CO2 Preis oder ‚Schattenpreis‘, wie das Forschungsinstitut CDP herausgefunden hat. [2] Viele Firmen betrachten diesen Schattenpreis als Geschäftsgeheimnis, aber einige haben ihre Schattenpreise veröffentlicht (siehe Tabelle). Die Preise sind sehr unterschiedlich und liegen zwischen sechs (Microsoft) und 60 US Dollar (Exxon Mobil). Die Unternehmen lassen sich dabei grob in zwei Gruppen einteilen: Energiekonzerne und der Rest. Energiekonzerne nutzen relativ hohe Schattenpreise zwischen 40 und 60 Dollar, während alle anderen mit Preisen von sechs bis 20 Dollar rechnen. Das erklärt sich aus dem Planungshorizont der Firmen und dem Ziel der Massnahme. Nicht-Energiekonzerne mit Schattenpreis wie Microsoft, Crédit Suisse oder Walt Disney haben sich meist zum Ziel gesetzt, klimaneutral zu werden. Der CO2 Schattenpreis dient dann dazu konzerninterne Energiesparmassnahmen zu fördern und externe Klimaschutzprojekte zu finanzieren, mit denen die restlichen Emissionen kompensiert werden.

Nur wenige Konzerne geben ihre internen CO2 Schattenpreise bekannt (Quelle: CDG)

Nur wenige Konzerne geben ihre internen CO2 Schattenpreise bekannt (Quelle: CDG)

Bei den Energiekonzernen ist hingegen nicht ganz klar, welche Bedeutung die Schattenpreise haben. Zum einen dienen sie natürlich dazu, die konzerninternen CO2 Emissionen etwa beim Abfackeln von Gas zu bewerten. Für eine Firma, die mit einem Schattenpreis rechnet, lohnt sich eine Investition in die Nutzung dieses Gases eher. Aber was passiert mit der Nachfrage nach Öl, Gas oder Kohle wenn tatsächlich ein CO2 Preis von 40 bis 60 Dollar pro Tonne eingeführt wird? Was passiert, wenn die Länder der Welt wirklich versuchen die Klimaerwärmung auf zwei Grad zu begrenzen? Diese Frage versucht das Forschungsinstitut Carbon Tracker Initiative CTI zu beantworten. Um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen darf die Menschheit bis zum Jahr 2100 noch 975 Milliarden Tonnen CO2 in der Atmosphäre entsorgen. Doch wenn alle bekannten Vorräte an fossilen Energien gefördert und verbrannt werden, entstehen dadurch 2860 Milliarden Tonnen CO2. Um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, müssen also zwei Drittel der bekannten Reserven im Boden bleiben. [3]

Das hören die Energiekonzerne natürlich nur ungern und gehen daher lieber davon aus, dass die Menschheit zu wenig gegen den Klimawandel tut. Der weltgrösste Ölkonzern, Shell, schreibt in einer Antwort auf die CTI Berechnungen: „Wir schliessen uns der Sicht des letzten IPCC Reports an: Es gibt eine grosse Wahrscheinlichkeit, dass am Ende des 21. Jahrhunderts die Klimaerwärmung zwei Grad übersteigt.“ Und dann kommt Shell zum Schluss: „Wir glauben nicht, dass unsere nachgewiesenen Reserven ‚stranden‘“ oder unförderbar werden. [4] Aus Sicht von Shell befindet sich die internationale Klimapolitik in einer Situation des „Driftens, mit nur kleinen Fortschritten während die schwierigen Entscheidungen verschoben werden“. Dabei weiss Shell, dass „je länger die Periode des Driftens andauert, desto grösser werden die Abschreibungen auf Reserven und Anlagen sein.“ Und dann stellt Shell die Frage: „Sind wir moralisch dazu bereit, es der nächsten Generation zu überlassen, mit diesem Problem fertig zu werden?“ [5]

CTI Chef Anthony Hobley fühlt sich von Shells Haltung an George Orwells Buch ‚1984‘ erinnert: „Die Ernsthaftigkeit des Klimawandels zuzugeben und gleichzeitig davon auszugehen, dass keine Gegenmassnahmen ergriffen werden ist ein klassischer Fall von Orwellscher ‚Doppeldenke‘“. [6] Oder anders: Intern mit einem Schattenpreis von 40 Dollar pro Tonne CO2 zu kalkulieren, aber zu ignorieren, dass ein solcher Preis auch einen Einfluss auf die Nachfrage hätte, ist zumindest widersprüchlich. Dabei ist das Konzept der Schattenpreise eigentlich ein eleganter Ansatz, um ‚regulatorische Risiken‘ bei unternehmerischen Entscheidungen mitzuberücksichtigen. Im Fall von Energiekonzernen sollten Schattenpreise allerdings sowohl auf der Kosten- als auch auf der Ertragsseite benutzt werden. Dann stellt sich nämlich heraus, dass der Klimawandel das gesamte Geschäftsmodell der Energiekonzerne in Frage stellt – vorausgesetzt, die Länder versuchen tatsächlich das Klima zu bewahren, mit dem die Menschheit bislang ganz gut gefahren ist. mic

PS: In Deutschland und der Schweiz rechnen die folgenden Firmen mit einem CO2 Schattenpreis, allerdings ohne zu sagen, wie hoch dieser ist: BMW, BASF, Hamburger Hafen und Logistik, Berner Kantonalbank, Crédit Suisse.

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[1] Weltbank, 23.06.2014: Climate-Smart Development: adding up the benefits of actions that help build prosperity, end poverty and combat climate change

[2] CDP, 2013: Use of internal carbon price by comapnies as incentive and strategic planning tool

[3] Carbon Tracker Initiative und Grantham Research Institute, 2013: Unburnable Carbon 2013: Wasted Capital and Stranded Assets

[4] Royal Dutch Shell, 16.05.2014

[5] Royal Dutch Shell, 2013: New Lens Scenario

[6] Eco-Business, 10.07.2014: Critics refute assets claim by ‘Orwellian’ Shell

Deutschland macht Licht im Stollen

Transparenz der Einnahmen aus Bodenschätzen soll verbessert werden

Rohstoffreichtum korrumpiert. Daher versuchen zwei internationale Initiativen mehr Transparenz in die Zahlungen von Minenbetreibern an Regierungen zu bringen. Doch deren Erfolg wird konterkariert, da es keine ähnlichen Regln für den Handel mit Rohstoffen gibt.

Zum Glück hat Deutschland kaum Bodenschätze, denn Länder mit grossen Rohstoffvorkommen sind meist arm. In diesen Staaten sind die Staatseinnahmen von der lokalen Wirtschaft weitgehend unabhängig. Deshalb besteht für deren Regierungen kein Anreiz die lokale Wirtschaft zu entwickeln. Hinzu kommt die Konzentration der Finanzströme. Während in diversifizierten Volkswirtschaften wie Deutschland und der Schweiz Tausende von Firmen das Volkseinkommen erarbeiten, sind es in den Rohstoffländern nur sehr wenige Firmen oder gar nur eine einzige. Dies erhöht die Gefahr eines Bürgergerkriegs: Wie der Ökonom Paul Collier berechnet hat, liegt die Gefahr eines Bürgerkriegs in normalen Ländern bei einem halben Prozent. In Ländern, die vom Bergbau abhängig sind beträgt sie hingegen 23 Prozent. [1] Aber auch ohne Krieg sind Rohstoffe ein ‚Fluch‘. Da nur wenige Kontrolle über die Finanzströme haben, besteht oft ein unwiderstehlicher Anreiz, etwas für sich abzuzweigen.

In Deutschlands letzter Eisenerzmine, Wohlverwahrt -Nammen in Porta Westfalica, haben 38 Kumpel eine halbe Million Tonnen Eisenerz gefördert. (Foto: Barbara Erzbergbau GmbH)

In Deutschlands letzter Eisenerzmine, Wohlverwahrt -Nammen in Porta Westfalica, haben 38 Kumpel eine halbe Million Tonnen Eisenerz gefördert. (Foto: Barbara Erzbergbau GmbH)

Dieses Problem versuchen zwei internationale Initiativen zu bekämpfen: Die Extractive Industries Transparency Initiative EITI verlangt von Regierungen, dass sie alle Einnahmen aus dem Rohstoffgeschäft offenlegen. Und Publish What You Pay PWYP verlangt von Bergbauunternehmen, dass sie alle Zahlungen an Regierungen offenlegen. Dadurch entsteht eine Art ‚doppelter Buchhaltung‘, die es den Menschen in den Förderländern ermöglicht, ihre Regierungen zu kontrollieren. Am Mittwoch dieser Woche hat die deutsche Bundesregierung nun beschlossen, EITI beizutreten. „Wir sind uns bewusst, dass Deutschland nicht zu den grossen Rohstoffländern gehört, für die EITI ursprünglich geschaffen wurde. Die Stärkung von EITI liegt aber in unserem strategischen Interesse.“ sagt Uwe Beckmeyer, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium. Es geht also um ein „politisches Signal“, dass Deutschland bereit ist, sich an die gleichen Regeln zu halten, die es in Afrika und Asien predigt.

Nicht nur von symbolischer Bedeutung sind hingegen zwei Massnahmen, die von PWYP angestossen wurden: Im Gesetz zur Neuordnung der US-Finanzindustrie nach der Finanzkrise von 2008 versteckt sich ein Paragraph, der alle in den USA börsenkotierten Rohstoffkonzerne dazu zwingt ihre Zahlungen, Land für Land und Projekt für Projekt, offenzulegen. Und seit letztem Jahr besteht eine EU Verordnung, die das Gleiche für grosse europäische Rohstoffkonzerne vorsieht, egal ob diese börsenkotiert sind oder nicht. Ähnliche Regeln gelten zudem in Hong Kong und Australien, während in Kanada ein entsprechendes Gesetz noch beraten wird. Damit sind rund drei Viertel aller privaten Rohstoffkonzerne der Welt abgedeckt.

Für den Handel mit Rohstoffen braucht man keine Häfen mehr wie das Beispiel der Schweiz zeigt. Lukrativ ist der Handel aber so oder so. (Grafik: FT)

Für den Handel mit Rohstoffen braucht man keine Häfen mehr wie das Beispiel der Schweiz zeigt. Lukrativ ist der Handel aber so oder so. (Grafik: FT)

Trotzdem ist der Kampf gegen Korruption im Rohstoffsektor noch nicht gewonnen, denn der Handel mit Rohstoffen ist noch weitgehend unreguliert. Zentral ist hier die Schweiz. Rund 45 Prozent des weltweiten Rohstoffhandels läuft über die Schweiz (siehe Grafik) und fünf der zehn grössten Rohstoffhändler der Welt haben ihren Hauptsitz in der Schweiz oder managen von dort ihr Geschäft. Doch wie der Schweizer Bundesrat letzte Woche mitgeteilt hat, wird „auf eine Ausdehnung der Regelung (zur Transparenz im Rohstoffsektor) auf den Rohstoffhandel mit staatlichen Stellen einstweilen verzichtet.“ Dabei ist sich die Schweizer Regierung durchaus bewusst, dass das Land „als international führender Rohstoffhandelsplatz“ „eine besondere Verantwortung“ trägt. [2] Die Erklärung von Bern, eine Nicht-Regierungsorganisation, nennt die Position des Bundesrats denn auch „schizophren“. [3] Tatsächlich bleibt die geplante Schweizer Regelung denn auch hinter der US-Regelung zurück: Dort gelten die Transparenzregeln auch für den Rohstoffhandel. Jetzt müssen nur noch die EU und die Schweiz folgen. mic

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[1] Weltinnenpolitik, 30.07.2010: Ein Abschnitt von 2319 Seiten

[2] Der Bundesrat, 25.06.2014: Mehr Transparenz im Rohstoffsektor geplant

[3] Erklärung von Bern, 25.06.2014: Rohstoff-Transparenz: Schizophrener Vorschlag des Bundesrats

Brasilien nicht mehr Weltmeister im Urwaldroden

Dank Fortschritten beim Waldschutz in Brasilien liegt nun Indonesien auf Platz eins

Indonesien hat im Jahr 2012 fast doppelt soviel Wald zerstört wie Brasilien. Dabei sind die indonesischen Urwälder nur ein Viertel so gross wie der Amazonas Regenwald. Ausserdem hat sich die Abholzung in Indonesien noch beschleunigt, während sie in Brasilien deutlich zurückgegangen ist.

Brasilien hat gezeigt, dass es möglich ist: Wenn der politische Wille vorhanden ist, kann die Rodung des Urwalds deutlich verlangsamt werden. Innert zehn Jahren ist in Brasilien die Fläche, die jährlich abgeholzt oder gerodet wird um 80 Prozent zurückgegangen. Im Jahr 2012 sind ‚nur‘ noch 4600 Quadratkilometer (km2) Amazonasurwald vernichtet worden. Dank dieses Erfolgs ist Brasilien zum ersten Mal seit Jahrzehnten nicht mehr das Land, wo am meisten Urwald verloren geht. Diesen Titel trägt nun Indonesien. Dort wurden 8400 km2 Regenwald zerstört. Damit sichert sich Indonesien noch in einer weiteren Rangliste einen Podestplatz: Nach den USA und China ist das Land der drittgrösste Treibhausgasemittent der Welt. Einen vorderen Platz dürfte Indonesien zudem auf der Rangliste der Länder einnehmen, die am meisten Arten ausrotten. Die Wälder des Inselreichs beherbergen 10 Prozent aller Pflanzenarten, 12 Prozent aller Säugetier- und 17 Prozent aller Vogelarten. [1]

Dieser junge Urwaldbewohner hofft darauf, dass Indonesien die Zerstörung der Wälder in den Griff bekommt (Foto: Mongabay)

Dieser junge Urwaldbewohner hofft darauf, dass Indonesien die Zerstörung der Wälder in den Griff bekommt (Foto: Mongabay)

Eigentlich gilt in Indonesien seit Mai 2011 ein Moratorium für die Urwaldrodung. Es werden keine neuen Lizenzen für die Umwandlung von Wald in Plantagen mehr erteilt. Doch „es scheint als ob das Moratorium nicht den gewünschten Effekt hatte“ sagt ein neuer Bericht der Universität Maryland. [1] „Im Gegenteil: das erste volle Jahr dieser Studie innerhalb der Moratoriumsperiode hat den grössten Verlust an Waldverlust gezeigt.“ Besonders auffällig ist, dass der Waldverlust in von der Regierung gemanagten Gebieten 2,2 Mal grösser war als ausserhalb. Die Studie kommt weiter zu dem Schluss, dass die Waldrodung nicht von Kleinbauern sondern vor Allem von „agro-industriellen Landentwicklern“ betrieben wird. Diese nutzen das gerodete Land für Palmölplantagen und die gefällten Bäume für die Papierherstellung. Indonesien ist der grösste Palmölproduzent der Welt.

Besonders brisant sind die neuen Studienergebnisse für Norwegen. Oslo hat im Jahr 2010 versprochen, Indonesien mit einer Milliarde Dollar zu unterstützen, wenn die Entwaldungsrate deutlich zurückgeht. Bislang hat Norwegen 50 Millionen Dollar in Indonesien investiert. „Die Partnerschaft ist ein starker finanzieller Anreiz“ etwas für den Waldschutz zu tun, sagt Gunhild Oland Santos Nedrelid, eine Sprecherin des norwegischen Umweltministeriums. [2] Und wie das Geld am besten investiert wird, erklärt Belinda Margono, die Hauptautorin der neuen Studie: „Wir müssen die Durchsetzung des Rechts verbessern, die Kontrolle der Waldgebiete.“ [3] Hilfreich ist hier auch die Reorganisation der indonesischen Forstbehörde. Zudem geben Gerichte des Inselstaates immer öfter den indigenen Waldbewohnern Recht, wenn diese Agrarkonzerne vor Gericht zitieren.

Wie in Indonesien wird auch in Malaysia der Urwald abgeholzt, um Platz für Palmölplantagen zu schaffen (Foto: Mongabay)

Wie in Indonesien wird auch in Malaysia der Urwald abgeholzt, um Platz für Palmölplantagen zu schaffen (Foto: Mongabay)

Langfristig ist aber die Haltung der grossen Agrarkonzerne und deren Kunden entscheidend. Umweltorganisationen wie Greenpeace setzen dazu grosse Lebensmittelhersteller wie Nestle oder Unilever unter Druck (siehe Greenpeace KitKat Clip auf youtube). Diese geben den Druck dann an ihre Zulieferer in Indonesien weiter. So ist es gelungen, dass die grössten indonesischen Agrarkonzerne wie Wilmar [3], Golden Agri-Ressources und Asia Pulp & Paper APP nun eine Null-Entwaldungspolitik verfolgen und diese sogar von Umweltorganisationen überprüfen lassen: „Wir würden nicht unseren Ruf aufs Spiel setzen, wenn wir nicht den Eindruck hätten, dass APP es ernst meint.“ Sagt Richard Donovan, Vizechef der Umweltorganisation Rainforest Alliance, die die Umsetzung von APPs Versprechen kontrolliert. Und Scott Poynton, Direktor bei der Umweltorganisation The Forest Trust, ermutigt Käufer mittlerweile dazu, wieder bei APP zu kaufen: „Kunden sollten wieder anfangen von APP zu kaufen, um sie zu ermutigen: ‚Ja, ihr seit auf dem richtigen Weg.‘“ Poynton vegleicht die Entscheidung des APP Managements, auf Rodungen zu verzichten, mit dem Sprung von einer „Klippe“. „Die Person muss wissen, dass sich der Fallschirm irgendwann öffnet. Wenn andere Firmen sehen, dass APP wieder an Marktanteilen gewinnt, dann werden sie sich eher anschliessen.“ [4] mic

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Jedes zehnte Kind im Primarschulalter geht nicht zur Schule

Es ist „ausgeschlossen“, dass das Ziel universeller Primarschulbildung bis 2015 erreicht wird

Seit dem Jahr 2000 hat sich die Zahl der Kinder, die nicht zur Schule gehen, knapp halbiert. Doch nun stockt der Fortschritt. Dabei zeigen 17 Länder aus Asien und Afrika, dass sich dramatische Verbesserungen erzielen lassen.

Diesem kambodschanischen Mädchen scheint die Schule zu gefallen (Foto: WFP)

Diesem kambodschanischen Mädchen scheint die Schule zu gefallen (Foto: WFP)

„Kinder sind die Zukunft“, „Es gibt keine bessere Investition als Bildung“. So klingen Sonntagsreden. Doch in der Praxis sieht es anders aus: Seit 2010 ist die Entwicklungshilfe für Bildung um zehn Prozent gesunken wie ein neuer Unesco Bericht zeigt. [1] Dabei ist die gesamte weltweite Entwicklungshilfe in dieser Zeit nur um ein Prozent zurückgegangen. Und auch bei der humanitären Hilfe in Kriegs- und Katastrophengebieten kommt Bildung zu kurz: Während der Bedarf für Nahrungsmittelhilfe zu 86 Prozent gedeckt wird, werden Bildungsprojekte nur zu 40 Prozent finanziert. Dies zeigt sich etwa in Syrien: Nur ein Drittel der Flüchtlingskinder besucht eine Schule. [2] Hinzu kommt, dass die ärmsten Länder der Welt nur 37 Prozent der Bildungsgelder erhalten. Der Rest geht an Länder mit mittlerem Einkommen wie Indien oder Pakistan. [1] Dabei investieren die Länder, die Hilfe für ihr Bildungswesen erhalten, selber durchaus mehr in Bildung: Während der Anteil der Bildungsausgaben zur Jahrtausendwende bei 15,5 Prozent der Staatsausgaben lag, gaben diese Länder im Jahr 2011 18,2 Prozent für ihr Bildungswesen aus. [3]

Eigentlich hatte sich die Welt zum Ziel gesetzt, bis 2015 allen Kindern der Welt den Besuch der Primarschule zu ermöglichen. Doch: „Es ist vollkommen ausgeschlossen, dass das Ziel bis 2015 erreicht wird.“ sagt Unesco Chefin Irina Bokova. [4] Derzeit gehen weltweit 57 Millionen Kinder im Primarschulalter nicht zur Schule –jedes zehnte Kind. Das ist eine Verbesserung im Verglich zum Jahr 2000 als noch 16 Prozent aller Kinder nicht zur Schule gingen. [5] Aber auch viele Kinder, die zur Schule gehen, lernen kaum etwas: 250 Millionen Kinder fallen durch einfache Lese- und Rechentests, obwohl sie zumindest zeitweise eine Schule besucht haben. Dabei sind Erfolge durchaus möglich wie das Beispiel von 17 Ländern zeigt. Diese Länder konnten die Zahl der Kinder, die nicht zur Schule gehen, seit dem Jahr 2000 von 27 auf vier Millionen reduzieren. Das ist eine Reduktion um 87 Prozent. „Diese Länder haben ganz unterschiedliche Voraussetzungen, aber alle haben den politischen Willen einen echten Wandel in ihrem Bildungswesen zu erreichen.“ sagt Bokova. Die erfolgreichsten Massnahmen zur Verbesserung des Schulbesuchs sind die Abschaffung von Schulgebühren, die Berücksichtigung sprachlicher Minderheiten, die Erhöhung der Bildungsausgaben sowie die finanzielle Unterstützung der ärmsten Familien. [4]

Dass Bildung tatsächlich eine der besten Investitionen darstellt, lässt sich sowohl auf individueller als auch auf nationaler Ebene zeigen. Ein einziges Jahr Schulbildung erhöht das Einkommen um rund zehn Prozent. Davon profitiert dann die ganze Volkswirtschaft. Wenn die Einwohner eines Landes im Schnitt ein Jahr länger zur Schule gehen, erhöht sich die Wachstumsrate des Pro-Kopf-Einkommens um ein Viertel. Die unterschiedliche wirtschaftliche Entwicklung von Asien und Afrika ist zu einem Grossteil auf den unterschiedlichen Bildungsstand zurückzuführen: 1965 waren Asiaten im Schnitt 2,7 Jahre länger in der Schule als die Einwohner der afrikanischen Länder südlich der Sahara. Seither war das Wachstum in Asien viermal schneller. Bildung macht aber nicht nur reicher sondern auch gesünder: Seit 1990 sind 2,1 Millionen Kinder unter fünf Jahren weniger gestorben dank besserer Bildung ihrer Mütter. Wenn alle Frauen die Primarschule abgeschlossen hätten, gäbe es zwei Drittel weniger Todesfälle im Kindbett. Ausserdem macht Bildung demokratischer: Bei Afrikanern mit Primarschulabschluss ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie Demokratie gutheissen um die Hälfte höher als bei Mitbürgern ohne Schulerfahrung. Bildung macht aber auch toleranter: In den arabischen Ländern ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand Abneigung gegenüber anderen Religionen äussert, um 14 Prozent geringer bei Menschen mit einem Sekundarschulabschluss. Und das Beste ist, dass sich der Effekt von Bildung über Generationen vererbt: Jedes zusätzliche Schuljahr für Mädchen erhöht die Dauer des Schulbesuchs der Kinder um vier Monate. Kurz, die Sonntagsredner haben Recht, bloss müssen sie ihren Worten auch Taten folgen lassen. [6] mic

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Wenn das Hirn hungert

Ein Mangel an Spurenelementen macht Kinder dümmer und Länder ärmer

Kalorien sind nicht genug. Damit sich das Gehirn von Kleinkindern entwickeln kann, braucht es Spurenelemente wie Eisen, Jod, Zink und Vitamine.Deshalb werden in Industriestaaten diese Stoffe normalen Lebensmitteln beigemischt – eine extrem billige und einfache Massnahme, die in aber noch nicht weltweit angewandt wird.

Das Welternährungsprogramm WFP hat in Kambodscha auch ein Programm für Schulessen (Foto: WFP)

Das Welternährungsprogramm WFP hat in Kambodscha auch ein Programm für Schulessen (Foto: WFP)

Die gute Nachricht vorweg: Die Zahl der Kinder, die ihren fünften Geburtstag nicht erleben, konnte seit 1990 fast halbiert werden. Jetzt sterben jeden Tag ‚nur‘ noch 19 000 Kinder an vermeidbaren Krankheiten oder an Unter- und Mangelernährung. Doch jetzt die schlechte Nachricht: In vielen der ärmsten Ländern der Welt sind 40 Prozent der Kinder zu klein für ihr Alter. Das zeigt sich nicht zuletzt an ihrem Gehirn (siehe Abbildung) und folglich an ihren schulischen Leistungen. Zu kleine Achtjährige können schlechter lesen und rechnen als ihre normalgrossen Klassenkameraden. Ursache für die schlechteren Leistungen ist oftmals nicht ein Mangel an Kalorien, sondern ein Mangel an Spurenelementen wie Eisen, Jod, Zink und einigen Vitaminen. [1]

Das linke Bild zeigt das Gehirn eines unterernährten, zehn Monate alten Kindes. Das Gehirn (weiss) zieht sich vom Schädelknochen und den Blutgefässen zurück. Rechts sieht man das Gehirn des gleichen Kindes nach 90 Tagen Behandlung. (Quelle: El-Sherif et al. 2012)

Das linke Bild zeigt das Gehirn eines unterernährten, zehn Monate alten Kindes. Das Gehirn (weiss) zieht sich vom Schädelknochen und den Blutgefässen zurück. Rechts sieht man das Gehirn des gleichen Kindes nach 90 Tagen Behandlung. (Quelle: El-Sherif et al. 2012)

„Die ersten 1000 Tage von der Befruchtung der Eizelle bis zum zweiten Geburtstag sind kritisch für die Entwicklung des Gehirns“ sagt Edith Heines die Vize-Chefin des Welternährungsprogramms WFP in Kambodscha. Ein besonderes Problem ist Eisenmangel: Mehr als die Hälfte aller Schwangeren, stillenden Mütter und Kleinkinder in Kambodscha ist anämisch. [2] Bei Kindern unter drei bildet sich deshalb zuwenig Myelin oder ‚Gerhirnfett‘. Dieses beschleunigt die Weiterleitung von elektrischen Signalen zwischen den Gehirnzellen. Noch schlimmer ist allerdings ein Mangel an Jod. Wenn während der Schwangerschaft zuwenig Jod im Körper ist, besteht die Gefahr des Kretinismus. Dieser führt zu einem Verlust von 10 bis 15 IQ Punkten.

Diese ernährungsbedingten Gehirnschäden haben enorme volkswirtschaftliche Kosten: „Kambodscha verliert zwischen 1,5 und 2,5 Prozent seines BIPs wegen des Mangels an Vitaminen und Mineralien.“ sagt Heines mit Verweis auf eine neue WFP Studie über die wirtschaftlichen Folgen von Mangelernährung. [2] Diese Schätzung deckt sich mit anderen Studien, die zeigen, dass zu kleine Kinder als Erwachsene im Schnitt 20 Prozent weniger verdienen. Entsprechend gross ist folglich das Potential durch eine Verbesserung der Ernährung die wirtschaftliche Entwicklung zu beschleunigen. Der Copenhagen Consensus, ein Think Tank, hat ausgerechnet, dass jeder Dollar der in eine bessere Versorgung mit Spurenelementen investiert wird, bis zu 138 Dollar Ertrag bringt. Besonders wichtig ist dabei die Jodierung von Salz und die Anreicherung etwa von Sojasauce mit Eisen und Vitamin A. Die grösste Wirkung hätte allerdings die Anreicherung von Reis. Derzeit läuft ein Versuch von WFP: Dabei wird Reismehl mit den verschiedenen Spurenelementen gemischt und dann in der Form eines Reiskorns gepresst. Diese ‚Superreis‘ kann dann unter ganz normalen Reis gemischt werden.

Doch warum investiert die Welt nicht mehr Geld in derartige Massnahmen? Schliesslich gibt es nur wenige Investitionen mit einer Rendite von über 10 000 Prozent. „Massnahmen zur Verbesserung der Ernährung sind chronisch unterfinanziert.“ sagt Heines. Gemäss einer Studie des Hilfswerks Safe The Children gehen von der gesamten Entwicklungshilfe weltweit nur 0,37 Prozent in den Bereich Ernährung. [1] Und davon wird nur ein Bruchteil in die Versorgung mit Spurenelementen investiert. Dabei stellt selbst die Weltbank fest: „Keine andere Technologie bietet eine bessere Gelegenheit um Leben zu verbessern und die Entwicklung zu beschleunigen – in so kurzer Zeit und zu so niedrigen Kosten.“[3]  mic

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[2] WFP & Unicef, 2013: The Economic Consequences of Malnutrition in Cambodia

Das UN-Umweltprogramm wird aufgewertet

In Kenias Hauptstadt Nairobi findet die erste UN-Umweltversammlung Unea statt

Bislang war die Umwelt ein Stiefkind in der Familie der UN-Unterorganisationen. Doch das ändert sich diese Woche: Statt eines zeitlich befristeten Programms kümmert sich nun die UN-Umweltversammlung permanent um das Wohl unseres Heimatplaneten.

Das UN-Umweltprogramm Unep gibt es eigentlich schon seit 42 Jahren. Trotzdem war es bislang keine permanente UN Einrichtung, sondern zeitlich befristet und musste immer wieder verlängert werden. Doch damit ist es nun vorbei: Mit Gründung der UN-Umweltversammlung Unea hat die Umwelt jetzt einen permanenten Platz in der Familie der UN-Unterorganisationen. “Endlich wird Umwelt auf die gleiche Stufe mit Frieden, Sicherheit, Wirtschaft, Gesundheit und Handel gestellt.” sagt Hassan Abdel Hilal, der sudanesische Umweltminister. Eine praktische Konsequenz dieser Neuerung ist die grössere Autorität von Unea über die verschiedenen Umweltkonventionen von der Konvention über Artenvielfalt bis zur Konvention über Zugvögel.

Achim Steiner freut sich, dass seiner Organisation nun die Unea vorsteht (Foto: Unep)

Achim Steiner freut sich, dass seiner Organisation nun die Unea vorsteht (Foto: Unep)

Angestossen wurde diese Aufwertung des UN-Umweltprogramms durch Rio+20, den zweiten ‚Erdgipfel‘ in Rio de Janeiro, Brasilien, im Jahr 2012. Dort wurde auch beschlossen die noch bis 2015 geltenden Millennium-Entwicklungsziele MDGs durch Nachhaltige Entwicklungsziele SDGs zu ersetzen. Was diese Ziele genau beinhalten sollen ist denn auch das wichtigste Traktandum bei der ersten UN-Umweltversammlung. Bei den MDGs spielte die Umwelt eine untergeordnete Rolle: Während die MDGS für Hunger und Krankheit klar messbare Ziele vorgeben und entsprechende Erfolge erzielt wurden, hat sich die Welt von dem sehr vage formulierten Ziel ‚ökologischer Nachhaltigkeit‘ immer weiter entfernt. Dies soll bei den SDGs nun anders werden: Gemäss dem derzeit vorliegenden ‚Null Entwurf‘ der SDGs sind sieben der derzeit 17 Ziele umweltrelevant. Diese Ziele machen Vorgaben für Wasser, Energie, Städte, den Klimawandel, den Schutz der Meere, den Schutz der Artenvielfalt sowie Nachhaltigkeit beim Konsum und bei der Herstellung von Gütern. Diese Verschiebung der Prioritäten ist nicht zuletzt der Erkenntnis geschuldet, dass die Ärmsten am meisten unter Umweltproblemen wie dem Klimawandel leiden und wirtschaftliche Entwicklung oft durch die Zerstörung der Umwelt konterkariert wird. Umweltschutz sei kein Selbstzweck stellt denn auch Unep Chef Achim Steiner klar: „Beim Ziel einer gesunden Umwelt geht es um gesunde Menschen. Wir helfen Menschen zu verstehen, wie sie besser und länger leben können.“ [1]

Dass ein besseres Leben oft nur durch grenzübergreifende Kooperation zu haben ist, zeigt derweil der Handel mit bedrohten Tier- und Pflanzenarten. Wegen der grossen Nachfrage nach Elfenbein und Nashorn-Horn in Asien wurden letztes Jahr in Afrika 20 000 Elefanten und 1000 Nashörner gewildert. Das Geschäft ist fest in der Hand von Verbrechersyndikaten. Steiner schätzt, dass diese mit dem Wildtierhandel einen Umsatz von knapp 150 Milliarden Euro machen. Es bedürfe daher einer „globalen Antwort“ sagt Steiner, denn „mittlerweile ist das Überleben ganzer Arten gefährdet“. mic

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Entwicklungsländer sorgen sich ums Klimageld

Klimadiplomaten sind zufrieden mit Fortschritten bei Verhandlungen in Bonn

60 Länder haben angekündigt ihre CO2 Emissionen bis ins Jahr 2050 auf Null zu reduzieren. Doch bei den Klimaverhandlungen in Bonn ging es nicht nur um hehre Langfristziele: Bis März nächsten Jahres müssen die Länder sagen, was sie kurzfristig fürs Klima tun wollen.

Trotz der Sitzordnung drehten sich die Klimaverhandlungen in Bonn für einmal nicht im Kries (Foto: UNFCCC)

Trotz der Sitzordnung drehten sich die Klimaverhandlungen in Bonn für einmal nicht im Kreis (Foto: UNFCCC)

Bis zur Klimakonferenz in Paris sind es noch 546 Tage. “Das klingt viel, ist es aber nicht” sagt Connie Hedegard, die EU Klimakommissarin. Und auch Franz Perrez, der Leiter der Schweizer Verhandlungsdelegation sagt: „Der Zeitdruck macht mir Sorgen. Schliesslich geht es nicht nur darum in Paris ein Abkommen abzuschliessen. Wir wollen ein gutes Abkommen.“ Da trifft es sich gut, dass bei den Verhandlungen in Bonn der Prozess Fahrt aufgenommen hat, wie Li Shuo von Greenpeace China sagt. Der grösste Erfolg der Bonner Konferenz ist die Einigung, dass die Länder bis März 2015 sagen müssen, welche Klimaschutzmassnahmen sie planen. Damit bleibt genug Zeit die Eingaben der verschiedenen Länder zu vergleichen. Ausserdem soll geprüft werden, ob die Massnahmen der Länder ausreichen, um die Klimaerwärmung auf zwei Grad zu begrenzen.

„Wir kommen zu dem Punkt, wo alle Länder das Vertrauen haben, dass wir zusammen handeln können, um den Klimawandel zu bekämpfen.“ sagt Seyni Nafo, der Sprecher der afrikanischen Länder. „Aber meine grösste Sorge ist das Geld“. Bei der Klimakonferenz in Kopenhagen im Jahr 2009 hatten die Industriestaaten versprochen ab 2020 jedes Jahr 100 Milliarden Dollar bereitzustellen, um den Entwicklungsländern bei der Reduktion ihrer Emissionen und der Anpassung an den Klimawandel zu helfen. Ein Teil dieses Geldes soll vom Green Climate Fund verwaltet werden, der mittlerweile zwar einsatzbereit ist aber noch kein Geld enthält. Das soll sich aber noch dieses Jahr ändern: Im Herbst soll eine Konferenz stattfinden, wo Industriestaaten erste Finanzzusagen machen. Wieviel Geld dabei zusammen kommt, lässt sich aber noch nicht abschätzen. Einige Entwicklungsländer fordern 15 Milliarden Dollar. „Diese Zahl ist vollkommen unrealistisch“ sagt dazu allerdings Franz Perrez.

Wie ehrgeizig viele Länder beim Kampf gegen den Klimawandel sind, zeigt sich derweil in deren langfristigen Zielen. Bis 2050 wollen 60 Länder ihre Emissionen auf Null absenken: „Es ist ein echter Durchbruch, dass beinahe ein Drittel der Regierungen zugeben, dass sie innerhalb einer Generation von fossilen Energien auf Erneuerbare umstellen müssen.“ sagt Martin Kaiser von Greenpeace. Und damit dieser Ehrgeiz nicht schliesslich doch noch dem Zeitdruck zum Opfer fällt, haben sich die Länder auf eine zusätzliche Verhandlungswoche geeinigt: Im Oktober kommen sie erneut in Bonn zu einer Sondersitzung zusammen. mic

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